Sicherheit beim Fußball Warnungen vor rheinischem Geisterderby

Von Martin Teigeler

Das Bundesliga-Derby zwischen Fortuna Düsseldorf und Borussia Mönchengladbach soll zum Geisterspiel ohne Zuschauer werden. Politiker und Sicherheitsexperten warnen den DFB allerdings vor einer möglichen Eskalation.


Blick von oben auf die ESPRIT arena
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Könnte am 1. September beim Derby leer bleiben: die Düsseldorfer Fußballarena

Das mögliche Geisterspiel zwischen Fortuna Düsseldorf und Borussia Mönchengladbach löst massive Sicherheitsbedenken bei Politikern und Experten aus. Wenn der DFB über den Ausschluss von Zuschauern beim rheinischen Bundesliga-Derby entscheidet, stehen die Fußballrichter deshalb besonders unter Druck. Nach Angaben eines DFB-Sprechers vom Donnerstag (12.07.2012) ist noch nicht klar, wann ein endgültiges Urteil fällt.

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) warnt vor einem "Hochrisikospiel". Da sich die Fans nicht von einer Anreise abhalten ließen, drohe Anfang September in Düsseldorf eine "problematische Lage", sagt GdP-Landeschef Frank Richter.

Tausende Gladbacher Fans erwartet

Aufsteiger Düsseldorf soll das erste Heimspiel in der Fußball-Bundesliga nach 15 Jahren vor komplett leeren Rängen austragen. Dies entschied der DFB Ende Juni in einem sogenannten Einzelrichterverfahren. Grund für den drakonischen Strafantrag: Beim Relegationsspiel um Auf- und Abstieg im Mai 2012 gegen Hertha BSC Berlin war es in beiden Fanblöcken mehrfach zum Abbrennen von Pyrotechnik sowie zu einem vorzeitigem Platzsturm von euphorischen Fortuna-Fans gekommen. Fortuna legte gegen die drohende Strafe Widerspruch ein.


Die Gladbacher Anhänger sind offenbar nicht bereit, auf die kurze Auswärtsfahrt in die Landeshauptstadt zu verzichten. "Geisterspiel in Düsseldorf? Nicht mit uns! Ob draußen vor den Toren oder drinnen auf den Rängen – ALLE nach Düsseldorf!", heißt es auf der Homepage einer Ultra-Gruppierung. Eine regelrechte Mobilisierungskampagne läuft in den Foren und sozialen Netzwerken. In der Lokalpresse kündigt ein Fan in einem Leserbrief an: "10.000 Gladbacher werden Düsseldorf fluten."

Großkampftag für die Polizei

Was geschieht, wenn tausende Fußballfans beider Vereine in der Altstadt aufeinandertreffen, weiß niemand so genau. Es ist das erste Punktspiel dieser Traditionsclubs seit 1997. Das Topspiel soll zur Vermarktung im Bezahl-TV ausgerechnet an einem Samstagabend (01.09.2012, 18.30 Uhr) stattfinden. An Wochenendabenden ist das Kneipenviertel am Rhein ohnehin mit Hundertschaften von Touristen und Amüsierwilligen überlaufen.

Politiker lehnen deshalb eine Aussperrung der Fans ab. "Ein Geisterderby wäre eine mittlere Katastrophe. Es geht nicht um Panikmache, aber nach menschlichem Ermessen ist das Sicherheitsrisiko einfach zu hoch", sagt der Düsseldorfer Landtagsabgeordnete Markus Weske (SPD). Die Rivalität der Fanlager sei groß. Es sei zudem unmöglich, die "längste Theke der Welt" ähnlich wie das Stadion abzusperren und daraus eine "Geister"-Kneipenmeile zu machen. "Die Gefahr einer Eskalation durch eine Konfrontation in der Altstadt muss der DFB bei seinem Urteil beachten. Ein Verzicht auf ein Geisterspiel ist die beste Lösung", sagt Weske.

Appelle an den DFB

Die GdP schließt sich den Bedenken an. "Der DFB wäre gut beraten, die verdiente Strafe für Fortuna auf ein anderes, weniger riskantes Spiel zu legen", sagt der Polizeigewerkschafter Richter. Besonders kritisch sieht er die Ansetzung des Derbys an einem Samstagabend: "In der Dunkelheit ist es für die Polizei besonders schwer, die nicht gerade befreundeten Düsseldorfer und Gladbacher Fans unter Kontrolle zu halten."


Ausschreitungen beim Relegation Rückspiel, Fortuna Düsseldorf gegen Hertha BSC
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Feuerwerkskörper beim Relegationsspiel Fortuna gegen Hertha im Mai

Er sei zuversichtlich, der DFB werde bei seiner Entscheidung die Sicherheitslage berücksichtigen, sagt Düsseldorfs Polizeipräsident Herbert Schenkelberg knapp. Die NRW-Polizei muss am 1. September ohnehin Schwerstarbeit verrichten. In Dortmund wollen Neonazis aufmarschieren. Tausende Menschen werden bei Gegendemonstrationen erwartet. Hinter vorgehaltener Hand wird in Düsseldorf und Mönchengladbach darum darauf gehofft, dass der DFB aus Gründen der Sicherheit auf ein gespenstisches Derby verzichtet.

Stichworte

Stichwort Geisterspiel

Unter einem Geisterspiel wird im Fußball eine Partie verstanden, die unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden muss. In der Regel verhängt die Sportgerichtsbarkeit des DFB Geisterspiele als Strafe nur selten und bei schwerwiegenden Vergehen von Vereinen oder Fans.

2004 musste der damalige Zweitligist Alemannia Aachen sein Heimspiel gegen den 1. FC Nürnberg vor leeren Rängen wiederholen, weil beim ersten Spiel der gegnerische Trainer Wolfgang Wolf aus dem Aachener Fanblock heraus von einem Wurfgeschoss am Kopf getroffen worden war. Die A-Junioren des Fußball- Bundesligisten FC Schalke 04 wurden 2010 aufgrund von Zuschauerausschreitungen bei einem Ruhrgebiets-Derby gegen die Jugendmannschaft von Borussia Dortmund zu einem Geisterspiel verdonnert.


Stand: 13.07.2012, 06.00 Uhr


Kommentare zum Thema (41)

letzter Kommentar: 17.07.2012, 12:11 Uhr

günna schrieb am 17.07.2012, 12:11 Uhr:
Der Fortuna- einer alten Sympathiemannschaft von mir- drücke ich natürlich die Daumen für die kommende Saison. Aber nicht alle Teams sollen ihre Punkte am Rhein lassen, der BVB und Schalke, sollten doch als Sieger zurück in den Pott reisen. Ansonsten wünsche ich ihnen und allen Fans eine gute, schöne, kämpferische, lautstarke aber friedliche Saison. Möge ein Team Deutscher Meister werden, dass jenseits der Mainlinie beheimatet ist, meinetwegen in Gladbach, Schalke, Dortmund, Bremen, Hamburg, Leverkusen, Hannover, Wolfsburg, Düsseldorf, Frankfurt. Nur nicht diejenigen, die jetzt schon wieder die Wurst verteilen, ohne das ein Spiel absolviert wurde.
@günna: Keine Angst vor Fortuna-Fans schrieb am 17.07.2012, 11:46 Uhr:
Lieber günna, vor den Fortuna-Fans braucht sich keiner zu fürchten. Das Drohpotential, das medial aufgebauscht wird, ist in keinster Weise realistisch. Ohne jetzt das Relegationsspiel noch mal auseinander nehmen zu wollen, von den Fortuna-Fans ging keine bedrohliche Gewalt aus. Wir wollten feiern - zu dumm nur - zu früh. Da haben einige Vorfreuer den Rest der Fans die Party versaut. Bedrohlicher fand ich die Aktion der Kölner Ultras gegen Gladbach-Fans. Aber so ein Platzsturm ist ja medial besser auszuschlachten. Das Fernsehen war ja dabei. Hier braucht keiner Angst zu haben - nicht einmal (Otto Rehagels) Halb-Angst. Die einzige Angst, die Gäste-Fans haben müssen, ist (hoffentlich) ohne Punkte nach Hause fahren zu müssen. 95 olé
günna schrieb am 17.07.2012, 07:30 Uhr:
Die Düsseldorfer Fortuna und ihre Fans machen mir jetzt schon Sorgen für die neue Saison. Kaum in der Liga und schon mit bedrohlichem Potential in ihrem schicken Stadtion. Hoffentlich sind die Gastvereine sicher und müssen nicht Angst haben, von irgendwelchen Fortunafans angegriffen oder mir Bengalos attackiert zu werden. Sollte das Feld wieder mit Fans geflutet werden, muss das harte Folgen für die Fortuna haben. Das Stadion lässt sich so steuern, dass keine Idioten eine Gefahr für die Spieler darstellen, hoffentlich halten sich die Verantwortlichen an ihre Versprechen, zukünftig Sport und keine Randale zu bieten.
borkener schrieb am 16.07.2012, 20:21 Uhr:
@nb: Das mit den Bengalos ist sicherlich richtig und es war wirklich unglaublich, wie viele durch die Kontrollen gekommen sind. Ich wollte anhand der Bewertung des Platzsturms nur darauf hinweisen, welche Panik- und Sensationsmache in den Medien um dieses Spiel herum entstanden ist.
nb schrieb am 16.07.2012, 18:41 Uhr:
@borkener: Noch einmal, die Strafe wurde in der Hauptsache nicht für den Platzsturm ausgesprochen, sondern für die mangelnden Sicherheitsvorkehrungen, die es beiden Seiten möglich machten, eine noch viel höhere Anzahl Bengalos ins Stadion zu bringen, als es sonst schon passiert. Und auch wenn es größtenteils (wenn auch nicht ausschließlich) aus der Berliner Kurve kam, Fortuna ist als Veranstallter dafür verantwortlich und bestraft worden. (Das ich die "Auswahl" des Geisterspiels für provokant (oder unsäglich dumm) halte, ist dabei eine andere Sache. Ähnlich die Ansetzung HSV-BMG und Pauli-Köln an einem Wochenende, die genauen Tage sind ja noch nicht terminiert.)

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