Euphorie um Fortuna Düsseldorf : Eine Stadt entdeckt ihren Klub
Jahrelang interessierten sich nur wenige Düsseldorfer für ihren Traditionsclub Fortuna. Doch seit einiger Zeit geradezu ein Boom um den Fußball-Zweitligisten ausgebrochen.

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Gartenzwerg und Badeente
Eigentlich ist es ein ungleicher Kampf. Schließlich trägt der fünfjährige Ayman ein Trikot des Champion-League-Siegers FC Barcelona. Und sein Gegenspieler, der gleichaltrige Adrian, ist "nur" in der Kluft von Fortuna Düsseldorf zum Training gekommen. Doch der Fußball-Zweitligist kann es mittlerweile locker mit dem Weltklub aus Katalonien aufnehmen – zumindest wenn es um die Anzahl der kleinen Kicker geht, die die roten Trikots der Düsseldorfer übergezogen haben. "Oft tragen die Hälfte der Kinder Trikots von der Fortuna", sagt Manfred Novacek.
Seit 20 Jahren trainiert der Vorsitzende von Agon 08 im Stadtteil Morsenbroich Jugendmannschaften, doch eine solche Schwemme von Sympathiebekundungen zum örtlichen Traditionsklub hat er noch nie erlebt. "Vor drei Jahren waren fast nur kleine Ballacks und Raúls auf dem Trainingsplatz unterwegs. Heute stehen auf den roten Trikots die Namen Lambertz oder Langeneke von den Fortuna-Profis", sagt Novacek.
Kö- oder Stadionbesuche sind gleichermaßen chic

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Adrian (l.) und Ayman
Es ist in der Stadt ein regelrechter Boom um den Klub ausgebrochen. Es ist gleichermaßen chic, über die berühmte Einkaufsmeile "Kö" zu schlendern wie zur Fortuna zu gehen. "Die Stadt hat ihren Verein entdeckt", sagt Fortunas Vorstandsvorsitzender Peter Frymuth. Nach Jahren der Bedeutungslosigkeit in der vierten und dritten Liga und der öffentlichen Nichtbeachtung hat der Zweitliga-Aufstieg im Jahr 2009 für eine Initialzündung gesorgt. Seit diesem Zeitpunkt hat sich die Mitgliederzahl auf mittlerweile 6.500 nahezu verdreifacht. 10.300 Dauerkarten sind vor Saison über die Ladentheke gegangen. "Die Entwicklung ist beinahe ein kleines Wunder", sagt Peter Frymuth, der zu seinem Amtsbeginn vor sieben Jahren noch darum kämpfen musste, dass der Klub sich finanziell überhaupt noch über Wasser halten konnte.
Gestiegenes Interesse
Auch Harald Schmidt muss sich manchmal noch verwundert die Augen reiben, wenn er das gefüllte Stadion sieht. Der Vorsitzende des ältesten Düsseldorfer Fan-Dachverbandes "Arbeitskreis Fanarbeit" kann sich noch gut an die Zeiten erinnern, als er noch etwas komisch angeschaut wurde, wenn er sich mit einem Fortuna-Trikot in der Stadt hatte sehen lassen. "Da musste man sich schon ein dickes Fell anschaffen", sagt Schmidt. "Ich wusste, dass das Interesse größer werden würde, wenn wir sportlich erfolgreicher sind. Aber mit diesem Ausmaß habe ich auch nicht gerechnet."
Seriöse Arbeit im Klub

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Jugendtrainer Manfred Novacek
Doch wie kommt es zu diesem Boom? "Die Mannschaft spielt erfolgreich", sagt Schmidt. Immerhin hat das Team von Trainer Norbert Meier seit 17 aufeinanderfolgenden Partien nicht mehr heimischen Stadion verloren und gilt bei vielen Experten als Geheimtipp, wenn es um den Bundesligaaufstieg geht. Aber das sind für den Ober-Fan nicht die einzigen Gründe: "Im Verein sind jetzt Leute, die seriös arbeiten", sagt Schmidt. Das sei nicht immer so gewesen. Noch vor ein paar Jahren herrschte Unsicherheit, ob dieser Klub überhaupt noch einmal auf die Beine kommen werde. Damals schafften es die Fan-Organisatoren gerade einmal, fünf Busse zu füllen, die zu den Auswärtsspielen gefahren sind.
Doch das scheinen längst vergangene Zeiten zu sein. "Mittlerweile fahren wir regelmäßig mit 15 Bussen los. Viele Leute treten den Fanklubs bei, damit sie einfacher an Karten für Auswärtsspiele herankommen", sagt Schmidt. Seit 2009 ist die Mitgliederzahl allein bei seinem Fanklubverband von 500 auf 800 gestiegen. Das Interesse ist aber auch außerhalb der organisierten Fanszene enorm.
In vielen Kiosken Fortuna-Ecken

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Oberfan Harald Schmidt
Düsseldorf ist im Fortuna-Rausch. Kaum ein Kiosk in der Stadt, der keine Merchandising-Artikel vom Zweitligisten in eigenen Fortuna-Ecken verkauft. Von der Badewannen-Gummiente bis zum kickenden Fortuna-Gartenzwerg, von der Fortuna-Grillschürze bis zum -Becher gibt es mittlerweile alle erdenklichen Artikel. In vielen Düsseldorfer Sportartikelläden wird das Trikot mit dem F95-Logo mittlerweile häufiger nachgefragt als beispielsweise das des FC Bayern München. Rund 1,3 Millionen Euro Umsatz macht die Fortuna mittlerweile jährlich mit ihren Fanartikeln. Wenn die Fortuna spielt, sind die Kneipen gut gefüllt.
Soziales Engagement
"Wir wissen aber auch, dass es im Fußball auch Tiefen geben wird. Und wir arbeiten daran, dass das Interesse nicht plötzlich abebbt", sagt Frymuth. Deshalb weite der Klub sein soziales Engagement bereits seit einiger Zeit in der Stadt aus, um "auch auf diese Weise, auch außerhalb des Sports wahrgenommen zu werden", sagt der Fortuna-Vorstand. Zumindest den kleinen Adrian braucht niemand mehr zu überzeugen. Er will später mal unbedingt für die Fortuna auflaufen, "weil die so gut spielen".
Stand: 10.09.2011, 06.00 Uhr
Kommentare zum Thema (2)
letzter Kommentar: 10.09.2011, 14:26 Uhr
- ABO schrieb am 10.09.2011, 14:26 Uhr:
- Für mich ist Fußball nur noch zur show und entertainment verkommen. Von daher passt sich die traditionsreiche und einstmals ehrenwerte "Fortuna" sich dem Zeitgeist und "mainstream" dieser Stadt an. Auch ich war einmal ein begeisterter Stadiongänger hier bei "unserem" VFL Bochum. Von dem "unseren" ist nicht mehr viel übrig geblieben. Das Ruhrstadion heisst jetzt "Revier-Power-Stadion", und was der VFL ausser Gewinnmaximierung nunmehr zu bieten hat, entschlüsselt der aktuelle Tabellenstand.
- Der originale Ralf schrieb am 10.09.2011, 11:38 Uhr:
- Immerhin haben die Düsseldorfer im Europapokal gespielt und dort ordentlich ausgesehen. Habe ich nie verstanden, dass die einfach so verschwanden.
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