EM-Qualifikation der Frauen: Duisburger Nationalspielerinnen gesucht
Frankfurt, Potsdam, Wolfsburg aber nicht Duisburg. Die Suche nach Spielerinnen des FCR 2001 Duisburg im Aufgebot der DFB-Elf ist derzeit vergeblich. Die Nationalmannschaft trifft am Mittwochabend (19.09.12) in Duisburg auf die Türkei und keine einzige Spielerin des Vereins gehört zum Kader.

-
Bild 1 vergrößern
+
Alexandra Popp (M.), Linda Bresonik (l.) und Simone Laudehr (r.) zählten einmal zu den Spitzenkräften beim FCR Duisburg
Der FCR 2001 Duisburg gilt als Top-Adresse im deutschen Frauenfußball. Drei Pokalsiege, eine Meisterschaft und den Gewinn des UEFA-Cups durften die "Löwinnen" bereits feiern. Bei der FIFA-Frauen-Weltmeisterschaft 2011 in Deutschland stellte der Verein zudem die meisten Nationalspielerinnen. Blickt man etwas mehr als ein Jahr später auf das Aufgebot von Silvia Neid für das EM-Qualifikationsspiel am Mittwochabend (19.09.12) gegen die Türkei, dann sticht eines sofort ins Auge: Die Nationalmannschaft spielt in Duisburg und keine einzige Spielerin des Vereins ist dabei.
Zu Besuch in Duisburg

-
Bild 2 vergrößern
+
Pokalsieger 2010
"Das ist schon bitter, vor allem weil Spielerinnen wie Simone Laudehr, Alexandra Popp, Annike Krahn oder aber Inka Grings bei Länderspielen und großen Turnieren immer für Furore sorgten", sagt FCR-Trainer Marco Ketelaer. Die zweifache EM-Torschützenkönigin und ehemalige FCR-Stürmerin Inka Grings hatte den Verein bereits 2011 verlassen und Ende Juni ihre DFB-Karriere beendet. Für Simone Laudehr und Annike Krahn dürfte das letzte EM-Qualifikationsspiel eine Reise in die Vergangenheit sein. Acht Jahre lang spielten die beiden Fußballerinnen für den FCR 2001 Duisburg, feierten große Erfolge und reiften zu Nationalspielerinnen. Genauso wie die derzeit verletzten Nationalspielerinnen Alexandra Popp und Linda Bresonik.
Ausverkauf der Nationalspielerinnen

-
Bild 3 vergrößern
+
Zahlreiche Spielerinnen verließen den Verein
"Ich hatte hier acht tolle Jahre. Das war ein wichtiger Lebensabschnitt für mich. Ich habe beim FCR sehr viel gelernt und viel Spaß gehabt", sagt Simone Laudehr. Die Mittelfeldspielerin wechselte bereits in der vergangenen Saison zum 1. FFC Frankfurt. Die 26-Jährige war aber nicht die einzige Nationalspielerin, die der Verein ziehen lassen musste. Die aus Bochum stammende Innenverteidigerin Annike Krahn und die Essenerin Linda Bresonik schlossen sich Paris St. Germain an. Alexandra Popp und Luisa Wensing zog es zum Liga-Konkurrenten VfL Wolfsburg.
Erfolg "auf Pump gekauft"

-
Bild 4 vergrößern
+
FCR-Trainer Marco Ketelaer
Der personelle Aderlass sei schmerzlich gewesen, gibt Trainer Marco Ketelaer zu. Doch er musste sein. Denn in den vergangenen Jahren hätte man den FCR-Erfolg "auf Pump gekauft". Der Etat für die Mannschaft war zu Beginn der letzten Bundesligasaison nicht gedeckt. Der erhoffte Schwung durch die Weltmeisterschaft im eigenen Land blieb durch das frühe Ausscheiden der Nationalmannschaft zudem aus - und damit auch zahlungskräftig neue Sponsoren. Die Kassen des Revierklubs waren leer und die fehlenden Gelder nicht aufzutreiben. Was blieb war eine Restschuld im höheren fünfstelligen Bereich.
Der FCR kämpft ums Überleben
"Der Sparkurs hat sich bereits Anfang des Jahres abgezeichnet. Spätestens im April war klar, dass es eng wird, und dass man alles dafür tun muss, den FCR am Leben zu halten", erinnert sich Trainer Marco Ketelaer. Der FCR 2001 Duisburg war aber nicht der einzige klamme Verein in der Liga. Auch der SC Bad Neuenahr hatte Probleme den Etat zu stemmen. Der Hamburger SV meldete sein Frauen-Team aus wirtschaftlichen Gründen gar aus der höchsten Spielklasse ab. Der Frauenabteilung fehlten 100.000 Euro, um die neue Saison zu bestreiten und der Hauptverein wollte die Lücke nicht stopfen.
Drohende Insolvenz abegewendet

-
Bild 5 vergrößern
+
Talent mit Zukunft: Gülhiye Cengiz
Anders beim Revierklub. Der Vorstand konnte die drohende Insolvenz gerade noch einmal verhindern. Der Finanzrahmen ist dank der Hilfe der Sponsoren für die kommenden zwei Jahre gesichert. Der Verein startet nun mit deutlich reduziertem Etat, aber dafür schuldenfrei und mit neuen jungen Gesichtern in die Saison 2012/2013. "Durch die Abgänge haben wir sicherlich sehr viel an Qualität verloren, das ist keine Frage. Aber wir haben uns auf die Fahne geschrieben, mehr auf junge Spielerinnen zu setzen und sie zu formen", sagt Trainer Marco Ketelaer. So wie zum Beispiel Gülhiye Cengiz. Die 20-jährige Mittelfeldspielerin und Jugendnationalspielerin spielte schon in der Jugend und der zweiten Mannschaft des FCR 2001 Duisburg und schaffte den Sprung in die erste Elf. Doch wer Neues schaffen will, muss in der Regel auch verzichten. Über Titel wie den UEFA-Pokal, den DFB-Pokal oder die Meisterschaft werden die "Löwinnen" in naher Zukunft erst einmal nicht jubeln, "darüber müssen sich alle bewusst werden", dämpft Ketelaer die Erwartungen der Fans. Die Mannschaft sei sehr jung und müsse langsam aufgebaut werden.
Die nächste Nationalspielerin kommt bestimmt

-
Bild 6 vergrößern
+
Fans dürfen sich auf eine junge Mannschaft freuen
Nur mit Geld alleine gewinne man keine Spiele, das zeige gerade der 1. FFC Frankfurt. Der siebenmalige Deutsche Meister hatte nach zwei Spieltagen nur drei Punkte auf dem Konto und trennte sich vergangenen Mittwoch (12.09.12) von Trainer Sven Kahlert. Dafür werden die Duisburger Fans im ersten Bundesliga-Spiel am Sonntag (23.09.12) gegen Turbine Potsdam aber eine Mannschaft sehen, "die engagiert, jung und hungrig ist", verspricht Marco Ketelaer und fügt an: "Ich bin mir sicher, dass die ein oder andere das Potenzial für die Nationalmannschaft hat und in dieser Saison den Sprung in den Kader schafft." Die ehemaligen FCR-Spielerinnnen Annike Krahn und Simone Laudehr hätten schließlich auch einmal klein als Jugendspielerinnen angefangen.
Stand: 19.09.2012, 06.00 Uhr
- Rücktritt:: Inka Grings beendet Nationalmannschafts-Karriere (30.07.2012) [sportschau.de]
- Wechsel: Annike Krahn wechselt nach Paris (20.07.2012) [sportschau.de]
- Rettung: FCR Duisburg wendet Insolvenz ab (01.07.2012) [sportschau.de]
- Wegen Sparmaßnahmen: HSV zieht Frauen-Team zurück (22.05.2012) [sportschau.de]
Seite teilen
Über Soziale Medien