TuSEM vor dem ersten Heimspiel Essens langer Weg zurück

Von Chaled Nahar

Der TuSEM Essen ist nach zweimaliger Insolvenz zurück in der Handball-Bundesliga. Der Altmeister bestreitet am Sonntag (02.09.2012) sein erstes Heimspiel gegen Magdeburg als Abstiegskandidat - und hat dabei große Hoffnungen für die Zukunft.


Einer der Lenker im Essener Spiel: Philipp Pöter
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Einer der Lenker im Essener Spiel: Philipp Pöter

Das erste Spiel nach der Rückkehr war zu einer harten Lehrstunde geworden. Am letzten Augustwochenende ging der TuSEM Essen beim Auftakt der Bundesliga mit 20:40 unter. Die SG Flensburg-Handewitt zeigte den Essenern deutlich, wer die Spitzenmannschaft ist – und wer der Aufsteiger. "Mit 20 Toren zu verlieren, damit können wir natürlich nicht zufrieden sein", sagt Essens sportlicher Leiter Stephan Krebietke. "Zeitweise war das ein echter Klassenunterschied."

Doch der Ärger über dieses Erlebnis ist vor dem ersten Heimspiel gegen den SC Magdeburg am Sonntag (02.09.12, 17.30 Uhr) im Essener Sportpark Am Hallo gering. In Essen sind sie froh, überhaupt wieder dabei zu sein. Aus gutem Grund.

Ein langer Weg liegt hinter dem Verein


2005 feierte der Klub mit dem Gewinn des EHF-Pokals einen der größten Erfolge seiner Geschichte und betrauerte zugleich einen seiner schwersten Rückschläge. Ein Sponsor blieb das vertraglich zugesagte Geld schuldig. Der Betrug brachte dem vermeintlichen Retter vier Jahre Gefängnis und dem Verein ein Insolvenzverfahren ein. Eine 26 Jahre andauernde Ära in der Handball-Bundesliga fand ein trauriges Ende: TuSEM Essen, der dreifache deutsche Meister und zweimalige Europapokalsieger, stürzte nach dem Lizenzentzug in die Drittklassigkeit.

Zwar schaffte der Klub im Anschluss daran den direkten Durchmarsch zurück in die Bundesliga, aber auf den Aufstieg 2007 folgte ein schreckliches Déja-Vu-Erlebnis: Wieder fehlten mehrere hunderttausend Euro, um den Spielbetrieb aufrechtzuerhalten. Erneut ging es hinunter in die Regionalliga, der Klub schien endgültig am Boden. "Die Geschäftsführung eines Bundesligaklubs kann nicht nach Feierabend gemacht werden", sagte der Geschäftsführer der Handball-Bundesliga Frank Bohmann zum Abschied mahnend über den damals teils ehrenamtlich geführten Klub.

Vom Sorgenkind zum Vorzeigeklub


Essens sportlicher Leiter Stephan Krebietke
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Essens sportlicher Leiter Stephan Krebietke

2012 sieht die Welt in Essen anders aus. Eben jener Frank Bohmann sagt heute: "Der TuSEM hat sich mit großen Schritten vom Sorgenkind zum soliden Unternehmen in der Handball-Bundesliga entwickelt." Diesen Paradigmenwechsel im Klub hat Stephan Krebietke maßgeblich vorangetrieben. "Hier hat sich viel verändert", sagt der 41-Jährige. "Wir haben unsere Strukturen verbessert." Der TuSEM hat sich professionalisiert, mittlerweile arbeiten hauptamtliche Geschäftsführer im Verein.

Auf seinen Internetseiten propagiert der TuSEM den Neuanfang, er verleiht der Mannschaft eine Marke mit der Losung "Die neue Generation". Nur drei Spieler aus dem aktuellen Kader sind älter als 26 Jahre, anscheinend werden junge Spieler in der stärksten Handball-Liga der Welt zu Schlüsselfiguren. Doch manchmal sind sie wie in Flensburg etwas überfordert. "Man darf bei der Bewertung dieses Spiels aber nicht vergessen, dass drei Viertel der Spieler ihr erstes Bundesligaspiel gemacht haben", sagt Krebietke. "Ob die Mannschaft zu schlecht oder doch gut genug für die Liga ist, wird sich erst im Laufe der Saison zeigen."

Essen setzt seit der zweiten Insolvenz 2008 vornehmlich auf junge deutsche Spieler aus der Region. Das finden die Fans natürlich gut, aber Krebietke ist ehrlich genug, um festzustellen, "dass das natürlich auch eine Frage des Budgets ist". In der 2. Liga ist das Konzept des TuSEM überraschend schnell aufgegangen, doch ob es für das Oberhaus reicht, bleibt ungewiss.

Den Abstieg auf der Rechnung


Essens Spieler feiern den Aufstieg 2012
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Essens Spieler feiern den Aufstieg 2012

Die meisten Fans des TuSEM wissen, dass sie von ihrer Mannschaft keine Titel erwarten können, nicht einmal der Klassenverbleib ist selbstverständlich. Der Aufstieg kam ungeplant, manche sagen, sogar zu früh. Gegen den sportlichen Erfolg wehrt sich in Essen zwar niemand, doch der Verein ist sich bewusst, dass der Konkurrenzkampf hart ist und ein Aufsteiger immer auch mit dem Abstieg rechnen muss. Zum Ende der Saison 2011/12 mussten genau jene drei Klubs wieder absteigen, die ein Jahr zuvor noch den Aufstieg gefeiert hatten. "Es gibt natürlich einige ungeduldige Fans, denen es nicht schnell genug geht", erzählt Krebietke. "Aber der Großteil unserer Zuschauer geht unseren Weg mit. Sie wissen, dass es nicht von heute auf morgen geht."

Auf Dauer ist ein Platz in der Bundesliga jedoch das klare Ziel für den Traditionsverein. "Innerhalb der kommenden drei bis fünf Jahre wollen wir uns dort wieder etablieren", sagt Krebietke. Ein Abstieg in die 2. Liga würde den Klub dabei nicht aus der Bahn werfen, versichert der Manager. "Die Verträge gelten auch in dem Fall, das Gesicht der Mannschaft würde sich kaum verändern." Und ganz abgesehen davon hat der TuSEM bereits wesentlich härtere Zeiten hinter sich gebracht.


Stand: 01.09.2012, 15.00 Uhr