Billard: Dreiband-WM in Viersen: Künstler mit drei Bällen
Bereits seit 1990 finden in Viersen die Dreiband-Weltmeisterschaften statt. Für Deutschland starten in diesem Jahr ausschließlich Spieler aus Nordrhein-Westfalen. Ein Trainingsbesuch kurz vor dem Beginn der Titelkämpfe, die ab Donnerstag (21.02.2013) wieder am Niederrhein ausgetragen werden.

-
Bild 1 vergrößern
+
Deutschlands Top-Spieler Martin Horn
Im großen Saal der Festhalle Viersen laufen die letzten Vorbereitungen für die Dreiband-Team-Weltmeisterschaft (21.bis 24.02.2013). Vier Spieltische schrauben die Mitarbeiter einer niederländischen Firma zusammen. Eine schweißtreibende Angelegenheit, schließlich wiegen die einzelnen Platten, aus denen die Tische zusammengesetzt werden, jeweils fast 300 Kilogramm. Überall liegen noch Folien und Kartons herum. Von Hektik ist dennoch nichts zu spüren. Mit gelassener Genauigkeit wird nachgemessen, damit die Billardtische eine optimal waagerechte Fläche bieten.
Die besten Spieler der Welt
Viersen gilt als Wimbledon des Dreiband-Sports. Seit 1990 ist die Team-WM in der Königsdisziplin des Billards am Niederrhein zuhause. Obwohl es kein Preisgeld zu gewinnen gibt, kommen die besten Spieler der Welt und zeigen ihr manchmal magisch wirkendes Können. "Viersen hat eine ganz spezielle Atmosphäre. Außerdem ist es für alle Spieler etwas Besonderes, für die eigene Nation antreten zu dürfen", sagt Martin Horn. Der gebürtige Essener ist Deutschlands Spitzenspieler. Gemeinsam mit dem Kölner Christian Rudolph möchte er als A-Team nur zu gerne für Deutschland den Titel gewinnen.
Beheiztes Tuch lässt Bälle besser rollen

-
Bild 2 vergrößern
+
Sport mit Feingefühl: Dreiband
Das haben die beiden schon einmal gemeinsam geschafft. Allerdings liegt das nun bereits elf Jahre zurück. "Ich habe es mir eigentlich abgewöhnt, Ziele zu formulieren", sagt Horn. Fügt dann aber doch hinzu, dass das Viertelfinale schon Pflicht und das Halbfinale eigentlich das Minimalziel für ihn sei. Dabei steht er am Fenster eines Nebenraums der Festhalle und blickt auf das blaue Tuch des Billardtischs in der Raummitte. Dort liegen die Spielgeräte. Ein weißer, ein gelber und ein roter Ball. Die Billard-Spieler sagen tatsächlich Ball und nicht Kugel. Das ist aber nicht die einzige Überraschung für den Billard-Laien. Auch wer seine Hand auf das Tuch legt, wird sich wundern. Es fühlt sich warm an. „Der Tisch ist beheizt“, sagt Markus Dömer. Der Dortmunder spielt gemeinsam mit Ronny Lindemann aus Castrop-Rauxel im deutschen B-Team. Die Heizung zieht die Feuchtigkeit aus dem Tuch. Das beseitigt störende Einflüsse auf den Lauf der Bälle.
Dreimal über Bande

-
Bild 3 vergrößern
+
Volle Konzentration: Markus Dömer
Ziel beim Dreiband ist es, mit dem eigenen Spielball die beiden anderen zu treffen. "Allerdings darf der dritte Ball erst nach drei Bandenberührungen touchiert werden", sagt Horn. Gespielt wird eins gegen eins. Ein Spieler darf so lange weiter spielen, bis er einen Fehler macht. Dann muss sein Gegner mit den Bällen, wie sie liegen geblieben sind, weiter spielen. Für eine erfolgreiche Karambolage gibt es einen Punkt. In der Vorrunde der WM wird bis 30, ab dem Viertelfinale bis insgesamt 40 Punkte je Partie gespielt.
Vor gut eineinhalb Jahren hat Martin Horn einmal 24 Punkte hintereinander gemacht. So viele wie kein anderer deutscher Spieler vor oder nach ihm. Damit blieb Horn nur vier Punkte unter dem Weltrekord. "In solchen Momenten ist man im Flow. Es läuft einfach und man bekommt kaum etwas mit. Wenn man allerdings realisiert, dass man auf Rekordkurs ist, wird man auch nervös", sagt Horn. Und Nervosität kann man beim Dreiband gar nicht gebrauchen.
Ein Vielzahl an Variationen
Eine ruhige Hand und eine hohe Konzentrationsfähigkeit sind extrem wichtig. Wer es weit in diesem Sport bringen möchte, benötigt außerdem eine große Portion Selbstvertrauen, Talent und eine Menge Fleiß. Der 2,84 mal 1,42 Meter große Tisch bietet eine unvorstellbar große Zahl an verschiedenen Möglichkeiten, wie die drei Bälle auf dem Tuch liegen können. Liegt eine Kugel nur um wenige Millimeter anders als bei einem zuvor erfolgreichen Versuch, wird der gleiche Schlag misslingen.
"Wenn man an den Tisch geht, hat man aber schon eine Vorstellung davon, wie man den nächsten Ball spielen kann", sagt Markus Dömer. Meistens gibt es mehr als nur einen Lösungsweg auf dem Weg zur erfolgreichen Karambolage. Und das ist es auch, was viele Dreiband-Spieler an ihrem Sport so mögen. "Auch wenn ich schon unzählige Partien gespielt habe, keine ist wie die andere. In jeder kann man wieder aufs Neue kreativ sein", sagt Horn.
Wenige Profispieler

-
Bild 4 vergrößern
+
Drei Bälle, drei Banden
Er ist einer der wenigen Spieler in Europa, die von ihrem Sport leben können. Das liegt aber weniger an den Preisgeldern, die auf internationalen Turnieren gezahlt werden, als vielmehr daran, dass Horn in gleich mehreren Ligen unter Vertrag steht. So spielt er nicht nur für Bergisch-Gladbach in Deutschland, sondern auch für Clubs in den Niederlanden, in Frankreich, Belgien und Österreich. Er hat eine Menge Erfahrung und mag es gar nicht, wenn er gereizt wird. Im Trainingsspiel hat Ronny Lindemann gerade einige Punkte vorgelegt. Eine Herausforderung, die Horn nur zu gerne annimmt. Er tritt an den Tisch und spielt mit seinem weißen Ball den roten Ball in der Tischmitte an. Von da aus läuft der weiße Ball weiter wie auf Schienen, prallt nacheinander von drei Banden ab und touchiert den gelben Ball am anderen Tischende. Erfolgreiche Karambolage. Gleich sechsmal gelingt ihm das hintereinander. Dieser Trainingssatz geht damit an Horn. Die WM kann beginnen.
Stand: 21.02.2013, 06.00 Uhr
Kommentare zum Thema (1)
letzter Kommentar: 21.02.2013, 14:54 Uhr
- BVOWL schrieb am 21.02.2013, 14:54 Uhr:
- Ich freue mich sehr darüber, dass einmal mehr über eine Randsportart berichtet wird, die schon lange gar keine mehr ist. Die Zahl der bundesweit in Ligen aktiven Sportler sprechen eine eindeutige Sprache. Leider verbinden die meisten den Billardsport (in der Tat ist es ein Sport) immer noch mit einer dunklen, verrauchten Kneipenatmosphäre. Doch Billard, egal ob Pool, Snooker oder Dreiband ist weit mehr als das. Konzentration, Ballgefühl, Fairness gegenüber seinem Mitspieler, unermüdlicher Trainingswille und noch einiges mehr machen Billard zu dem, was es ist: Eine Sportart, die es verdient hätte, olympisch zu werden. Zumindest aber von den allgemeinen Medien mehr beachtet zu werden. Vielen Dank für den tollen Bericht.
Seite teilen
Über Soziale Medien