Preußen-Trainer Dotchev im Interview "Wir müssen frech sein"

In der ersten Runde des DFB-Pokals empfängt Drittligist Preußen Münster am Sonntag (19.08.2012) Bundesligist Werder Bremen. Im Interview spricht Trainer Pavel Dotchev über die Rolle als Außenseiter, die Leistungsunterschiede zwischen den Ligen und den Rasen im Münsteraner Stadion.


Pavel Dotchev
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Hofft auf die große Sensation: Preußen-Trainer Pavel Dotchev

WDR.de: Herr Dotchev, Sie können doch eigentlich ganz beruhigt in das Pokalspiel gegen Werder Bremen gehen. Der schlechte Platz im Preußen-Stadion, den Sie in der vergangenen Saison beklagt haben, ist schließlich ein unschlagbarer Vorteil. Das sind Bundesligaprofis nicht gewohnt.

Pavel Dotchev: Das ist Vergangenheit. Wir haben in der Sommerpause einen neuen Rasen bekommen und ich kann behaupten, dass wir jetzt eine der besten Spielflächen in der Liga haben. Die Bedingungen werden absolut optimal sein für beide Mannschaften. Aber das kommt unserem Spiel auch eher entgegen.

WDR.de: Sie gelten als sehr ruhiger und ausgeglichener Mensch. Sehen Sie der Partie auch so entspannt entgegen?

Dotchev: Ich habe schon einige Spiele auf diesem Niveau gemacht, deshalb ist das für mich eher schon Routine. Ich freue mich einfach auf die Begegnung, weil wir ja nicht so häufig einen solch großen Gegner haben. Aber ich bin, glauben Sie es mir, nach wie vor sehr sachlich, fachlich und voll dabei. Ich muss eher die Euphorie hier im Umfeld bremsen. Wir wollen Sympathie gewinnen, darum geht es uns vor allem.

WDR.de: Welche Rolle kommt dem Trainer einer scheinbar unterlegenen Mannschaft im Vorfeld eines solchen Spiels zu?


Dotchev: Ich bin dafür da, die Emotionen der Spieler zu steuern. Wir dürfen nicht übermotiviert sein, wir dürfen aber auch nicht zu ängstlich sein. Es gilt für mich, in beide Richtungen entgegenzusteuern, um nicht ungewünschte Ausschläge zu erleben. Das ist meine wichtigste Aufgabe derzeit. Wir alle müssen konzentriert bleiben und müssen wissen, was wir auf dem Platz zu tun haben.

WDR.de: Wie werden Sie versuchen, die Überlegenheit des Gegners auszugleichen?

Dotchev: Indem wir selber Fußball spielen. Wenn wir selber aktiv sind und Aktionen in der Offensive haben, dann können wir den Gegner beeindrucken. Wenn wir zu ängstlich sind und nur reagieren, nur mauern und darauf warten, dass Werder ein Tor erzielt, dann haben wir keine Chance. Wir müssen einfach versuchen, frech zu sein und nach vorne zu spielen. Nur so können wir vielleicht die große Sensation schaffen.

WDR.de: Wie groß ist der Unterschied in der Leistungsstärke zwischen der 3. Liga und der 1. Bundesliga ist?


Spieler von Preußen Münster
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Derzeit erfolgreich: Spieler von Preußen Münster

Dotchev: In der 3. Liga wird auch unter Profibedingungen trainiert. Für mich ist die 3. Liga zu einer Mini-2. Liga geworden. Es gibt keinen großen Leistungs-Unterschied mehr, mit Ausnahme der Spitzenteams in der 2. Bundesliga. Wir haben auch nichts anderes zu tun, als im Fußball zu arbeiten. Wenn ich mir natürlich überlege, dass ein Spieler von Werder Bremen so viel Geld kosten kann, wie wir für unseren gesamten Etat im Klub aufwenden, dann gibt es natürlich andere Voraussetzungen. Es geht da vor allem um individuelle Qualität. Aber was im Vergleich zur ersten und dritten Liga den Aufwand und die Arbeit betrifft, gibt es eigentlich keinen Unterschied.

WDR.de: Die Fans strömen derzeit nicht nur bei den Ligaspielen zu Preußen. Gegen Bremen ist das Haus mit 18.000 Besuchern sogar ausverkauft. Gibt es eine neue Euphorie in Münster?

Dotchev: Ich merke, dass eine positive Stimmung aufkommt. Letztes Jahr war das noch nicht so. Es war ganz schlimm, weil wir gegen den Abstieg gespielt haben. Dann gab es da noch Probleme zwischen Fans und Vorstand. Das war auch nicht gut und förderlich. Aber heute redet keiner mehr darüber, weil wir sportlich auf dem richtigen Weg sind. In der Liga stehen wir derzeit auf dem dritten Platz. Das ist das was zählt.

WDR.de: Diese Aufmerksamkeit müsste Ihre Spieler zusätzlich beflügeln.

Dotchev: Ich weiß, dass viel von alleine gehen wird bei meinen Spielern. Denn wenn man vor einer solchen Kulisse ins Stadion kommt und spielen darf, dann bekommt man automatisch einen gehörigen Adrenalinschub.

WDR.de: Sie waren selbst lange Zeit Profi und können sich in den Gegner hineinversetzen. Glauben Sie daran, dass Werder Ihr Team der Namenlosen unterschätzen könnte?

Dotchev: Für die Werder-Spieler ist es der erste offizielle Termin der Saison. Sie haben sich ganz gezielt auf dieses Spiel vorbereiten können. Sie haben uns auch schon mehrfach beobachtet. Deshalb sehe ich diese Ausgangsposition für uns eher als Nachteil an, auch wenn wir schon etwas länger im Ligabetrieb sind. Besser wäre es für uns gewesen, sie hätten schon ein paar Spiele gehabt und hätten sich nicht nur auf uns konzentrieren können. Sie werden uns ernst nehmen, weil es ein sehr wichtiges Spiel ist, in dem Werder nur verlieren kann.

WDR.de: Wie bewerten Sie die Chancen Ihrer Mannschaft?

Dotchev: Die Chancen stehen bei 80:20 für Werder Bremen. Aber: Der 1. FC Heidenheim hat es im vergangenen Jahr in der ersten Runde des Pokals gegen Werder vorgemacht und die Bremer besiegt (Mit 2:1. Anm.d.Red.). Das werde ich auf jeden Fall nicht vergessen, bei der Besprechung mit meinen Spielern zu erwähnen.

WDR.de: Sollte Ihnen und Ihrer Mannschaft die Überraschung gelingen, worauf dürfen sich Ihre Spieler dann freuen?

Dotchev: Wir werden ganz normal weitertrainieren. Für Pausen haben wir keine Zeit. Wir würden den Moment genießen, aber dann geht es ja auch schon in der Liga weiter.

Das Interview führte Jörg Strohschein


Stand: 18.08.2012, 00.00 Uhr


Kommentare zum Thema (1)

letzter Kommentar: 18.08.2012, 15:56 Uhr

Münsteraner schrieb am 18.08.2012, 15:56 Uhr:
Blos nicht verstecken Alder! Hab leider keine Karte mehr ergattert! Hoffe auf eine Saison, wo wir im oberen drittel dabei sind....