Christian Knees aus Rheinbach: Helfer für den Toursieg
Der Brite Bradley Wiggins hat beste Chancen, die Tour de France zu gewinnen - auch dank Christian Knees. Der 31 Jahre alte Radprofi aus Rheinbach bei Bonn ist einer der wichtigsten Helfer von Wiggins, der den kräftigen Deutschen überschwänglich für dessen Arbeit lobt.

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Harter Arbeiter: Christian Knees
Der Motor muss in Schwung bleiben. Also hat Christian Knees auch gestern wieder auf dem Rad gesessen und hat zwei Stunden trainiert in den Hügeln rund um Mâcon am Fuße der französischen Alpen. Ruhetag nennen sie das bei der Tour de France, aber das heißt nicht, dass die Radprofis an diesem Tag ihr Arbeitsgerät einfach mal vergessen. Und doch war es ein erholsamer Tag für Knees. Schon am Mittwoch (12.07.06) auf der 10. Etappe wird der 31 Jahre alte Radprofi aus Rheinbach bei Bonn wieder weitaus härter arbeiten müssen an der Spitze des Feldes. Dort, wo der Wind von vorne kommt.
Mächtige Gestalt an der Spitze des Feldes
Das ist sein Job. Domestik, Helfer, Wasserträger – das sind die Bezeichnungen die einer wie Knees angeheftet bekommt. In die Annalen der Sportgeschichte gehen andere ein, aber ohne die tempoharten Fahrer an ihrer Seite würde es nicht gehen. Sie bieten den Windschatten, in dem die Klassementfahrer Kräfte sparen können. In Frankreich soll Knees diesmal Bradley Wiggins zum größten Ruhm führen, den man im Radsport erreichen kann – den Toursieg. Der Brite trägt seit vergangenem Samstag das Gelbe Trikot des Gesamtführenden. Seitdem ist Knees’ Job noch härter geworden. "Dass wir das Trikot verteidigen müssen, bedeutet mehr Arbeit und weniger Hilfe von anderen Teams", sagt er.
Das gilt vor allem jetzt, da die Tour in die Alpen kommt und dann, wenn es in der kommenden Woche in die Pyrenäen geht. "Alle anderen hätten gerne das Gelbe Trikot und werden versuchen, uns fertigzumachen", glaubt Knees. Das allerdings dürfte schwierig werden angesichts der Dominanz die das Team Sky um Wiggins bislang auch dank Knees an den Tag gelegt hat bei dieser Tour. Die mächtige Gestalt des 1,94 Meter großen und 81 Kilogramm schweren Radprofis in seinem schwarzen Trikot mit dem hellblauen Brustring, der verspiegelten Sonnenbrille und dem gelben Helm war vor allem auf den flachen Etappen in der ersten Tourwoche häufig an der Spitze des Feldes zu sehen, wo er das Tempo für seinen Kapitän hochhielt.
Glücksfall Sky
Dass Sky das Geschehen so eindrücklich dominiert, stößt – auch das ist im Radsport längst Alltag – auf Skepsis. Stichwort Doping. Rund um den britischen Rennstall beteuern sie jedoch, dass die Dominanz allein auf das harte Training nach neuesten sportwissenschaftlichen Methoden zurückzuführen ist. Auch Knees sagt: "Ich habe noch nie so hart trainiert und bin noch nie so viele Intervalle gefahren wie dieses Jahr."
Knees, der beim VfL Rheinbach mit dem Radsport begann, ist seit 1998 Radprofi. Von 2005 bis 2010 fuhr er für das deutsche Pro-Tour-Team Milram, für das er auch ein paar eigene Erfolge feierte. 2006 siegte er beim Radklassiker Rund um Köln, gewann 2008 die Bayern-Rundfahrt und wurde 2010 deutscher Straßenradmeister. Doch in erster Linie war Knees auch bei Milram schon der hart arbeitende Helfer für die deutschen Hoffnungsträger Linus Gerdemann und Gerald Ciolek. Aber als sich die Mannschaft 2009 durch die Tour de France quälte, beendete er die Rundfahrt fast unbemerkt als bester Profi seines Teams auf Platz 21 - eine Spitzenleistung.
Dennoch drohte ihm nach dem Aus von Milram Ende 2010 die Arbeitslosigkeit, weil dem australischen Team, bei dem Knees einen Vertrag unterschrieben hatte, vom Radsportweltverband UCI die Lizenz verweigert wurde. Im Nachhinein betrachtet ein Glücksfall, denn so kam Knees bei Sky unter, einem der besten alimentierten Rennställe im Radsport überhaupt. Von Beginn an spielte er dort eine Schlüsselrolle. "So einen wie ihn braucht man im Team“, sagt Rob Ellingworth, einer der Sportlichen Leiter. "Er ist absolut verlässlich."
Lob vom Kapitän

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Den Kapitän immer am Hinterrad: Christian Knees (l.) und Bradley Wiggins
Das sieht auch Bradley Wiggins so. Der 32 Jahre alte Brite wollte Knees unbedingt in seinem Tourteam haben. Er bekam seinen Willen, und wenn man Wiggins in diesen Tagen nach seinem deutschen Adjutanten befragt, gerät er ins Schwärmen. "Er hat große körperliche Möglichkeiten, arbeitet ohne Unterlass und hat Spaß daran", sagt Wiggins. "Christian lässt sich von niemandem verscheißern. Er ist eine imposante Erscheinung, niemand kann ihn von seiner Position verdrängen und er hat einen siebten Sinn, mich aus allen Schwierigkeiten herauszuhalten."
Das ist besonders wichtig. Im vergangenen Jahr zerschellten Wiggins’ Tourträume in der ersten Woche mit einem Schlüsselbeinbruch auf dem Asphalt der französischen Landstraßen. Schon damals war Knees an Wiggins’ Seite, doch das Zusammenspiel klappte noch nicht reibungslos. Was aber mehr am Kapitän als an seinem Helfer lag. "Dieses Jahr bleibt er besser an meinem Hinterrad", sagt Knees. Inzwischen weiß Wiggins offenbar, dass er sich auf Knees verlassen kann, der ihn durch das Feld navigiert. „Es ist ein tiefes Vertrauen zwischen beiden entstanden“, sagt Ellingworth.
Instinkt und Erfahrung
Dass Knees den Mann in Gelb so sicher durch das Peloton lotst, hat mit Instinkt und Erfahrung zu tun. "Ich kann halt ganz gut einschätzen, wie sich ein Feld bewegt", sagt er. "Das habe ich über die Jahre gelernt." Knees weiß, dass Wiggins ihn gerade deshalb schätzt, mag aber nicht einfach als Protegé des Kapitäns gelten. "Ohne die entsprechenden Leistungen im Training und in den Rennen zuvor wäre ich nicht hier. Da hätte er sich das noch so oft wünschen können“, sagt Knees. "Wenn es einen gegeben hätte, der meinen Job besser hätte machen können, hätten sie den mitgenommen."
Nun aber wird er Wiggins in den verbleibenden anderthalb Tourwochen weiter beschützen so gut er kann, damit dieser in Paris dann auf dem großen Podium mit der stilisierten gelben Landstraße stehen kann, im Hintergrund der Arc de Triomphe. Knees wird dann irgendwo am Rand stehen und wissen, dass er einen entscheidenden Teil dazu beigetragen hat. Auch wenn ihn das viele Lob manchmal wundert. "Das kommt mir immer so vor, als wenn das keiner erwarten würde."
Stand: 11.07.2012, 00.00 Uhr
Kommentare zum Thema (4)
letzter Kommentar: 11.07.2012, 22:48 Uhr
- Freizeitsportlerq schrieb am 11.07.2012, 22:48 Uhr:
- Dann sollte sie überhaupt kein Spitzensport mehr interessieren. Denn gedopt wird überall, nur der Radsport ist der Sündenbock, der schärfer kontrolliert wird als jeder Olympiateilnehmer. Mögen die Spiele also beginnen.....nur unterscheiden sie sich in nichts von der Tour.
- doggerland schrieb am 11.07.2012, 15:25 Uhr:
- Möge der beste Doper gewinnen.
- Sofa-Sportler schrieb am 11.07.2012, 15:01 Uhr:
- ... sei Dank natürlich. Wie ich nach einer Stunde hier feststelle, scheint dieses Thema auch andere Leute irgendwie so gar nicht zu interessieren....
- Sofa-Sportler schrieb am 11.07.2012, 14:01 Uhr:
- Wenn es tatsächlich heute noch vollkommen ungedopte (Profi-)Radsportler geben sollte, entschuldige ich mich gerne. Aber ansonsten interessiert mich dieser Chemikanten-Club schon seit Jahren nicht mehr. Ullrich oder Armstrong sein Dank!
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