Rückrundenauftakt in der Bundesliga: "Reus wird uns nach Europa ballern"
Es war ein harter Schlag für Borussia Mönchengladbach: Nationalspieler und Torjäger Marco Reus verlässt den Verein im Sommer. Trotzdem herrscht bei den Gladbacher Anhängern vor dem Spiel am Freitag (20.01.2012) gegen Bayern München Zuversicht. Große Hoffnung setzen die Fans in den Trainer.

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Marco Reus: Versöhnung durch den Siegtreffer?
Lucien Favre ist als Erster da. Der Gladbacher Trainer grüßt freundlich die Journalisten und marschiert dann auf den vereisten Trainingsplatz. "Viel Glück am Freitag, Lucien", ruft ein Zuschauer. Der Schweizer schaut auf, winkt zurück und lächelt. Obschon es schneidend kalt ist, sind rund 40 Menschen zum letzten öffentlichen Training vor dem Rückrundenstart gegen Bayern München (20.01.2012, 20.30 Uhr) gekommen.

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Der Schlüssel zum Erfolg in Gladbach: Lucien Favre
Die Stimmung ist entspannt unter den sogenannten Kiebitzen, den Trainingszuschauern. Dabei waren die Nachrichten der vergangenen Wochen keine positiven. Nach der besten Hinrunde seit 35 Jahren, mit Platz vier und dem Einzug ins DFB-Pokal-Viertelfinale, gab Torjäger Marco Reus Anfang Januar seinen Wechsel nach Dortmund im Sommer für mehr als 17 Millionen bekannt. Als auch Mittelfeldspieler Roman Neustädter seinen Abschied verkündete, schien die Mannschaft plötzlich vor dem Ausverkauf und die Gerüchteküche brodelte: "Gladbach droht nächster Schock – Favre denkt an Abschied" titelte die "Bild"-Zeitung und berief sich dabei auf eine aus dem Kontext gerissene und mehrere Wochen alte Äußerung von Favre. Abwehrchef Dante stand Berichten zufolge ebenso vor dem Absprung wie Edeltechniker Juan Arango. "Zerbricht Gladbach?", unkte "Bild".
Schlechte Stimmung sei eine Erfindung der Medien
"Ich habe zwischendurch immer mal ins Handelsregister geguckt, ob der Verein sich schon aufgelöst hat", sagt Trainingszuschauer Robert Fischer. Für ihn und die anderen ist die schlechte Stimmung vor allem eine Erfindung der Medien. "Da stehen wir endlich mal oben, und dann machen die so eine Welle. Das nervt", sagt auch Zuschauer Daniel Röhrhoff. Von Sorgen keine Spur: "Marco Reus wird uns nach Europa ballern. Und dann müssen wir schauen, dass wir was Ordentliches machen mit den Millionen."

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Otto Hirsch: „Ich habe Verständnis für den Jungen“
Auch Otto Hirsch, kann die Aufregung nicht verstehen. Der 69-Jährige besuchte sein erstes Spiel im Jahr 1960, damals siegten die Gladbacher im Pokal gegen Karlsruhe, erinnert er sich. Hirsch hat schon viele kommen und gehen sehen. Günter Netzer nach Madrid, Lothar Matthäus zu den Bayern. Und jetzt eben Reus: "Ich kann dem Jungen nicht böse sein. Ich habe dafür Verständnis." Klar sei das schade, dass Reus gehe, sagt Hirsch und schaut kurz mit leeren Augen über den Trainingsplatz. Aber der Schlüssel zum Erfolg sei doch vielmehr Favre, sagt er trotzig.
Mit dieser Meinung ist er nicht alleine. "Der Favre wird einfach einen neuen Reus kreieren," ist sich Zuschauer Wolfgang Bley sicher. Wenn man den 60-Jährigen über den Trainer reden hört, spürt man die messianische Aura, die sie dem Schweizer am Niederrhein zusprechen, weil er die Mannschaft vom fast sicheren Abstieg in den Kampf um die Champions League geführt hat. Seit dem beschlossenen Weggang von Reus vermutlich noch ein wenig mehr. Alles, was der macht, sagt Bley, hat Hand und Fuß. Er könne mit jungen Spielern umgehen, sei freundlich, aber in der Sache knallhart. "Typen wie Favre", schließt er, "die fehlen nicht nur im Fußball, die fehlen in der Gesellschaft."
"Der frühe Zeitpunkt der Bekanntgabe war gut"
Eine andere Fan-Welt als die der Kiebitze hat ihr Hauptquartier rund zehn Minuten zu Fuß vom Borussiapark. In einer ehemaligen Militärbaracke ist das Fanprojekt, der Dachverband der Anhänger untergebracht. Philipp 'Peppo' Hülsen sitzt an seinem Schreibtisch und trinkt Cola. Der 27-jährige Sozialpädagoge ist zuständig für die Jugend- und Sozialarbeit. Er kommt selbst aus der Ultra-Szene, hat einen engen Draht zu den Anhängern, die nicht zum Training gehen, sondern tage- und nächtelang Transparente basteln und Choreografien planen.

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Philipp Hülsen: „Es wird keine Aktionen gegen die Mannschaft geben“
"Klar geht das nicht spurlos an denen vorbei", sagt er. "Da wurde schon viel in den Foren diskutiert: Pfeifen wir nun oder nicht? Ist da was dran, dass Favre auch geht?" Aber mittlerweile hätten sich die Wogen wieder geglättet, weiß Hülsen. "Der frühe Zeitpunkt der Bekanntgabe war gut. Die Emotionen sind runtergekühlt." Von einem negativen Empfang für Reus geht er nicht aus. "Natürlich werden einige ihn auspfeifen, aber das ist nicht die Mehrheit. Es wird keine Aktionen gegen die Mannschaft geben. Alle hier, ob Ultra, Trikot-Träger oder Kutte, wollen ja nach Europa."
Weihnachtsgeschenk mit kurzer Halbwertszeit
Alle entspannt also in Mönchengladbach? Nicht ganz. "Ich habe meiner 14-jährigen Tochter Heiligabend ein Reus-Trikot geschenkt"', sagt Roland Fischer, einer der Kiebitze. "Da können sie sich ja vorstellen, was im Januar bei uns los war. Die hatte ihr Zimmer voll mit Reus-Postern – da ist jetzt wieder viel Platz. Alle abgerissen, in einen Müllsack rein und an die Straße gestellt", sagt er. "Und das Trikot zieht sie nicht mehr an."
Trotzdem, wie all die anderen wird auch Robert Fischer am Freitag (20.01.2012) im Stadion sein – gemeinsam mit seiner Tochter. Und wenn Marco Reus die Borussia nach dem 1:0-Erfolg im August zum zweiten Sieg gegen den Rekordmeister schießt, dann wird auch sie vielleicht ihren Frieden machen mit ihrem Idol. Das statistische Argument für drei Punkte jedenfalls hat ihr Vater längst parat: "Als wir 1995 das letzte Mal in München gesiegt haben, haben wir das Rückspiel auch gewonnen. Warum sollen wir das nicht noch mal schaffen?"
Stand: 20.01.2012, 06.00 Uhr
Kommentare zum Thema (14)
letzter Kommentar: 20.01.2012, 16:54 Uhr
- Gladbachfan schrieb am 20.01.2012, 16:54 Uhr:
- Fantheater: Also grüße ich nochmals die Gladbacher Fans. Warum? Tja, vor ein paar Jahren als Düsseldorf abstieg, wollte ich einmal ein Bundesliga Spiel live sehen. Also fuhr ich nach Gladbach. Auf den Böckelberg. Über den Stehplätzen gab es noch einen Bierstand. Dort unterhielt ich mich mit Gladbach Fans und sagte ich währe Fortuna Düsseldorf Fan. Die Gladbach Fans akzeptierten das und waren recht herzlich. Damals spielte Gladbach noch mit Effenberg, Deisler und Kettelar gegen den Abstieg. Das Spiel wurde gewonnen. Die Fans waren auch im Gladbacher Fanblock herzlich. So fragte man uns freundschaftlich ob wir nicht Lust hätten noch mit in die Stadt zu gehen. Andere Erlebnisse im neuen Stadion aber vor dem Spiel waren ähnlich. Dort feierten Gladbach und Bayern Fans in einer Kneipe zusammen vor dem Spielbeginn in bester Laune und Toleranz. Solche Erlebnisse prägen ebenfalls die Einstellung für welche Mannschaft man Symphatie hat. Kölner, hier könnt Ihr lernen. Ich mag nur ...
- Gladbachfan schrieb am 20.01.2012, 15:54 Uhr:
- Ja, Ja, die Medien müssen immer Panik machen oder erfinden. Beim Fußball wie in der Politik. Ist in der Welt nichts los, ist das Hauptthema wer bekommt ein Baby oder welcher Fußballer hat was verbrochen. Daraus resultiert auch der Name FC Hollywood. So hat man in München verstanden, dass auch negative Presse Werbung ist und den Verkauf ankurbelt. Hoffe auf Trotzreaktion von Gladbach auf das Spielerwechseltheater. Wird schwer. Bayern nimmt langsam Fahrt auf. Aber an guten Tagen ist die Borussia zu Hause unschlagbar. Das muss Bayern wohl wie in einem guten Champions League Spiel rangehen. Also, so ein Tag wird heute. Ende offen. Grüße an die tollen Gladbacher Fans Auch deshalb mag ich Gladbach
- Junge schrieb am 20.01.2012, 13:38 Uhr:
- @LUKI, als FC-Köln-Fan ist man halt NIEMALS für Gladbach, Rivalität?!?! Also, deshalb erstmal lesen, bevor Sie antworten;)
- Hugo schrieb am 20.01.2012, 13:11 Uhr:
- Heute gehört uns Deutschland......
- Fußball schrieb am 20.01.2012, 11:45 Uhr:
- Hallo Gladbach Fans, vergleicht mal die derzeitige Situation der Gladbacher mit Hertha BSC. Sind dort nicht ganz gewaltige Parallelen zu finden. Denke mal, bis Mitte nächster Spielzeit ( 2012 - 2013 ) werden viele, die den Trainer nun bewundern, ihn in die Wüste schicken wollen. nichts für ungut
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