Fan-Beauftragter im Interview Gladbach-Fans haben Flugzeuge schon gechartert

16 Jahre mussten die Fans von Borussia Mönchengladbach auf die Rückkehr ins europäische Fußballgeschäft warten. Jetzt ist es soweit: Die erste Flugreise geht nach Kiew. Bei Fanbetreuer Thomas Jaspers stapeln sich bereits bergeweise Pässe im Büro.

WDR.de: Fünf Gegner standen bei der Auslosung zu den Champions-League-Playoffs zur Wahl, seit Freitagmittag (10.08.2012) wissen die Fans, dass ihr Europa-Comeback sie nach Kiew führen wird. Zufrieden mit dem Gegner?


Thomas Jaspers im Stadion von Malaga
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Fanbetreuer Thomas Jaspers (35) bei einem Besuch im Stadion von Malaga

Thomas Jaspers: Ich hätte ehrlich gesagt am liebsten Moskau gehabt. Wenn wir schon den ganzen Planungs-Aufwand mit einem möglichen Visum machen, das man in Russland braucht, dann hätte sich das auch lohnen sollen. Athen wäre für Borussia fußballerisch machbar und von der Reise her schön gewesen, Braga in Portugal fand ich von der Qualität des Gegners das schwerste Los. Aber wir nehmen es so wie es kommt, das muss unsere Mannschaft ja auch tun.

WDR.de: Waren die letzten Wochen für Sie eher Vorfreude oder Stress?

Jaspers: Vorfreude! Das hat man schon beim Wochenende unserer Saisoneröffnung gesehen. Beim Eröffnungsspiel gegen Sevilla waren mehr Zuschauer im Borussia-Park als in den Vorjahren und es gab eine tolle Stimmung. Auch im Trainingslager waren zuhauf Borussia-Fans. Am Wochenende gab es dort bei den Einheiten der Borussia Zuschauerzahlen, über die sich mancher Drittligist bei seinen Ligaspielen freuen würde.

WDR.de: Wie läuft die Planung für so eine Europapokal-Reise ab?


Gladbach-Fans präsentieren eine Europapokal-Choreographie
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Gladbach-Fans präsentieren eine Europapokal-Choreographie

Jaspers: Wir haben in Zusammenarbeit mit einem Reisebüro zwei Flugzeuge gechartert. Über 500 Fans haben sich dafür schon angemeldet, sie musste mit 300 Euro in Vorkasse gehen. Für den Fall, dass der Gegner Moskau gewesen wäre, hätten wir auch alle Reisepässe hier gebraucht, um über eine Agentur das Visum zu beantragen. Deshalb stapeln sich die Pässe in unserem Büro schon bergeweise.

WDR.de: Wie teuer ist es, so ein Flugzeug zu chartern?

Jaspers: Je nach Reiseziel zwischen 100.000 und 150.000 Euro.

WDR.de: Wer trägt dafür das Risiko?

Jaspers: Letztlich das Fanprojekt als eingetragener Verein mit dem Vorstand, der persönlich haftet. Deshalb haben wir allen Interessenten auch gesagt, dass ihre Anmeldung erst wirksam wird, wenn das Geld in Vorkasse überwiesen ist.

WDR.de: Die Fans haben also schon gebucht, ohne Kiew als Ziel zu kennen?

Jaspers: Anders wäre das organisatorisch nicht möglich gewesen.

WDR.de: Bleibt die Reisegruppe auch über Nacht, um sich die Stadt anzusehen oder ordentlich zu feiern?

Jaspers: Diesmal nicht, wir wollten die Kosten zunächst einmal möglichst gering halten, damit viele Fans beim Europa-Comeback dabei sein können. Aber wir haben ja garantiert noch drei weitere Auswärtsspiele in der Champions League oder, wenn wir die Playoffs nicht überstehen, in der Europa League. Da denken wir dann je nach Reiseziel auch über einen Tag mehr vor Ort nach.

WDR.de: In der Champions League winken Gegner wie Barcelona, Real Madrid, Chelsea oder Manchester. Wären die Fans trotzdem glücklich, wenn es dann doch "nur" die Europa League sein sollte mit Gegnern wie Aktobe Lento oder Spartak Trnava?

Jaspers: Ja klar, wir freuen uns in jedem Fall. Aber wenn man schon mal so nah dran ist, nach so langer Abstinenz, dann will man die Chance auf die Königsklasse natürlich auch unbedingt nutzen.


Luuk de Jong
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Zwei Fäuste für Europa? Spieler Luuk de Jong

WDR.de: Die Mannschaft wurde verstärkt wie noch nie in Gladbachs Vereinsgeschichte, die drei teuersten Transfers aller Zeiten wurden jetzt vor der Rückkehr nach Europa perfekt gemacht: Luuk de Jong, Granit Xhaka und Alvaro Dominguez kosteten zusammen über 30 Millionen Euro. Ist die Borussia gerüstet für das höchste europäische Niveau?

Jaspers: Ja, da haben wir Fans volles Vertrauen. Natürlich hatten wir mit Marco Reus, Dante und Roman Neustädter auch massive Verluste, aber wir sind jetzt wieder gut aufgestellt.

Das Gespräch führte Christian Hornung.


Stand: 10.08.2012, 14.52 Uhr


Kommentare zum Thema (8)

letzter Kommentar: 10.08.2012, 20:47 Uhr

Manuel schrieb am 10.08.2012, 20:47 Uhr:
@The Man: Die Grundausrichtung und Zielsetzung des Fanprojektes ist doch nicht Geldverdienen! Kennst du dich aus? Wenn ein Überschuss da bleibt, der in andere Projekte fließt, die der Fankultur dienen, umso besser! Soll das Fanprojekt vielleicht drauf zahlen?! Es ist das Fanprojekt nicht die Caritas, es bietet eine organisatorische Plattform für alle Fans! Bereichert sich aber sicherlich nicht! @ Harry, viel Spaß!! Alles richtig gemacht! Auch wenn ich auf ein anderes Auswärtsziel gehofft habe ;)
Schmolle schrieb am 10.08.2012, 20:39 Uhr:
@TheMan Das Fanprojekt ist ein eigener Verein, die meisten Mitreisenden sind Mitglieder. Ja, die machen es aus Nächstenliebe! Und vor allem aus Liebe zur Borussia.
stephan schrieb am 10.08.2012, 19:14 Uhr:
aus erfahrung kann ich sagen, das es für einen fußballfan nix besseres gibt, als internationale spiele! ("möglichst weit weg!") @ Guido: und dabei spielt der rationale umgang mit geld nicht die geringste rolle! @ Harry: du machst es richtig! viel erfolg und viel vergnügen. eins ist eh sicher: das wird unvergesslich!!
The Man schrieb am 10.08.2012, 18:57 Uhr:
Genau und das Fanprojekt macht das aus reiner Nächstenliebe und will kein Geld verdienen..........
Manuel schrieb am 10.08.2012, 18:26 Uhr:
Danke Harry! Stimme dir voll zu!

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