Interview mit Rainer Bonhof "Für Heynckes schließt sich ein Kreis"

Am Samstag (18.05.2013) beendet Bayern Münchens Trainer Jupp Heynckes seine Bundesliga-Karriere. Ausgerechnet in Mönchengladbach, wo er als Spieler bei der Borussia seine Laufbahn begann. Rainer Bonhof, Borussias Vize-Präsident und langjähriger Weggefährte Heynckes, über den Trainer und den Menschen Heynckes, die erste gemeinsame Meisterschaft und die Liebe des Fußball-Lehrers zu seinem ehemaligen Klub.


Rainer Bonhof
Bild 1 vergrößern +

Rainer Bonhof

WDR.de: Herr Bonhof, wie werden Sie denn Ihrem alten Weggefährten Jupp Heynckes am Samstag zur Meisterschaft gratulieren?

Rainer Bonhof: Ich habe ihm schon via SMS gratuliert, werde dies natürlich aber auch noch persönlich tun. Es ist ja auch sein letztes Spiel als Trainer, was die Bundesliga angeht. Damit schließt sich für Jupp Heynckes ein Kreis. Er kommt am Ende seiner Bundesliga-Karriere zu Borussia Mönchengladbach zurück, dorthin wo er einst groß geworden ist. Das ist eine sehr schöne Geschichte. Das werden wir natürlich auch dementsprechend würdigen, aber da will ich jetzt die Überraschung nicht vorweg nehmen.

WDR.de: Sie haben Heynckes 1970 kennen gelernt, als Sie als junger Spieler zur Borussia kamen. Wie haben Sie ihn damals erlebt?

Bonhof: Sehr ehrgeizig. Als Spieler war er immer heiß auf Tore, hat auch von seiner Spielweise her immer den direkten Weg zum Tor gesucht. Privat war er ein sehr umgänglicher Kamerad, mit dem wir alle viel Spaß hatten. Heynckes hat sich aber auch abseits des Platzes sehr viele Gedanken über das Leben gemacht. Ich war 18 Jahre alt, als ich zur Borussia kam und spielte dann plötzlich mit gestandenen Nationalspielern zusammen. Ich hatte natürlich sehr großen Respekt. Aber gerade Jupp und auch Berti Vogts waren mir zu Beginn meiner Karriere eine sehr große Hilfe.

WDR.de: 1979 hat die Borussia Heynckes zum Trainer gemacht. Sie haben damals in Valencia gespielt. Was haben Sie gedacht, als Sie davon gehört haben?


Bayern-Trainer und Borussen-Vize-Präsident: Jupp Heynckes (li.) und Rainer Bonhof
Bild 2 vergrößern +

Bayern-Trainer und Borussen-Vize-Präsident: Jupp Heynckes (li.) und Rainer Bonhof

Bonhof: Dass das eine gute Entscheidung ist. Dass er eine so große Karriere vor sich hat, konnte man im Vorfeld nicht ahnen. Aber ich wusste damals schon, dass er auch als Trainer sehr viel Potenzial hat, sehr ehrgeizig, lernwillig und wissbegierig ist. Und all das hat sich ja dann letztlich auch aus ausgezahlt.

WDR.de: Er hatte mit Hennes Weisweiler und Udo Lattek zwei große Lehrmeister. Hat er sich bei denen alles abgeschaut?

Bonhof: Jeder Trainer prägt einen Spieler, und das färbt dann sicher später auch auf die Trainerkarriere ab. Ich denke aber, dass Heynckes in Spanien als Trainer sehr gereift ist. Er war ja auf Teneriffa, in Bilbao und bei Real Madrid. Das hat sicherlich seinen Horizont und seine Sicht auf die Dinge verändert.

WDR.de: Sie selbst haben nie unter Heynckes gespielt, obwohl Sie noch bis 1983 aktiv waren. Bereuen Sie das?

Bonhof: Tja, das wäre sicherlich eine schöne Geschichte gewesen, hat sich aber damals einfach nicht ergeben.

WDR.de: Was ist ihre schönste Erinnerung mit Jupp Heynckes?


Jupp Heynckes mit der Meisterschale
Bild 3 vergrößern +

Jupp Heynckes mit der Meisterschale

Bonhof: Wir waren beide sehr glücklich, als wir 1971 gemeinsam unsere erste deutsche Meisterschaft mit Mönchengladbach gefeiert haben. Für die Borussia war es ja damals schon der zweite Titel. Wir haben am letzten Spieltag bei Eintracht Frankfurt gewonnen und dort die Meisterschaft perfekt gemacht. Ich bin für den verletzten Peter Dietrich eingewechselt worden und durfte mithelfen, die Schale erneut nach Mönchengladbach zu holen.

WDR.de: Wie ist heute Ihr Verhältnis zu Jupp Heynckes? Haben sie privaten Kontakt?

Bonhof: Wenn er in Mönchengladbach ist, gehen wir gemeinsam essen, falls es die Zeit erlaubt. Zwischendurch telefonieren wir auch mal. Aber er ist ja immer sehr beschäftigt.

WDR.de: Sprechen Sie dann über die guten alten Zeiten oder eher über das Hier und Jetzt?

Bonhof: Wenn wir was zu lachen haben wollen, reden wir über früher. Dann schweifen wir auch schon mal in die Vergangenheit ab. Aber nein, wir reden vor allem über das Heute.

WDR.de: Nicht alle gönnen Heynckes und dem FC Bayern den Triple-Erfolg. Wem halten sie denn im DFB-Pokalfinale und im Champions-League-Endspiel die Daumen?


Jupp Heynckes mit Blumenstrauß
Bild 4 vergrößern +

Abschied von der Bundesliga: Jupp Heynckes

Bonhof: Ich gönne Heynckes das Triple zum Abschluss seiner Karriere aus vollem Herzen. Ich sehe Bayern München im Champions-League-Finale auch ein wenig weiter vorne, weil sie auf diesem hohen Niveau einfach konstanter spielen als Borussia Dortmund. Dass am Ende auf jeden Fall ein deutsches Team gewinnt, ist vor allem für den Fußball hierzulande sehr wichtig.

WDR.de: Glauben sie denn, dass Heynckes auf seinem Bauernhof in Schwalmtal sitzen bleibt oder sehen wir ihn dann doch bald wieder auf einer Trainerbank?

Bonhof: Diese Entscheidung muss er ganz alleine fällen, da kann ihm keiner rein reden. Das muss er mit sich und seiner Familie ausmachen, ob er die Herausforderung Bundesliga noch einmal annehmen oder sogar nochmal bei einem internationalen Klub einsteigen will. Das ist ein Geheimnis, das nur er lüften kann.

WDR.de: Wenn Jupp Heynckes von "meinem Verein" spricht, dann meint er die Borussia und nicht den FC Bayern. Macht sie das als Wegbegleiter aber auch als Vizepräsident des Klubs auch ein wenig stolz?


Acht Jahre gemeinsam in Mönchengladbach: Jupp Heynckes (li.) und Rainer Bonhof
Bild 5 vergrößern +

Acht Jahre gemeinsam in Mönchengladbach: Jupp Heynckes (li.) und Rainer Bonhof

Bonhof: Er ist in Mönchengladbach geboren. Hier hat er seine Karriere begonnen, hier ist er zu einem Topspieler und zum Nationalspieler gereift. Ich denke schon, dass das noch tief in ihm drin steckt, dass die Borussia sein Verein ist. Die Verbindung zwischen Jupp Heynckes und dem Klub ist ja auch nie abgebrochen.

WDR.de: Heynckes hat ein Angebot von Bayern-Chef Karl-Heinz Rummenigge, Beiratsmitglied bei den Münchnern zu werden, abgelehnt. Werden sie ihm mal ein ähnliches Angebot machen?

Bonhof: Er soll sich jetzt mal entscheiden und erklären, was er als nächstes machen will. Dass wir ihn hier bei Borussia Mönchengladbach immer herzlich willkommen heißen, ist ja eine Selbstverständlichkeit.

Das Gespräch führte Frank van der Velden.


Stand: 17.05.2013, 06.00 Uhr


Kommentare zum Thema (7)

letzter Kommentar: 17.05.2013, 18.33 Uhr

MG schrieb am 17.05.2013, 18.33 Uhr:
Als Trainer ein ganz großer und ein Vorbild als Spieler. In der ewigen Torschützenliste hinter Gerd Müller die unangefochtene Nummer 2 wo er kaum verdrängt werden kann. Gegen seine Gladbacher muss er auch auf Sieg spielen weil man sonst Wettbewerbsverzerrung vorwerfen könnte bei einem so korrekten Menschen wie Jupp Hynkes keine Frage. Da steht noch eine Bild Meldung im Raum, ein Angebot von Madrid. Na der Jupp wird schon wissen was er macht.
BVB Fan schrieb am 17.05.2013, 16.32 Uhr:
Mit Jupp Heynckes tritt einer der ganz Großen von der Bühne des Sports ab. Hoffentlich lebt der gute Jupp noch lange. Das mit dem Tripple sehe ich natürlich anders. Ich hoffe auf ein packendes Endspiel, faire Gegner und einen glücklichen BVB mit dem Henkelpott in der Hand. Die Chancen der schwarz-gelben stehen bei 20-30%, aber wenns' gut läuft, ist der BVB da. Sie sind ja nicht per Freilos ins Endspiel gekommen und auch in Dortmund spielt man guten Fußball mit Einsatz und Herz. Die Zuschauer werden sicherlich mit zum Erfolg beitragen können. Don Jupp sollte sich seinem Verein, den Borussen aus MG widmen, dort könnte er fördern und die Borussia wieder in alte Regionen, vorne in der Tabelle begleiten. In München wäre er nur schmückendes Beiwerk in einer Operettenaufführung, schnell vergessen und lieblos behandelt.
Kein Bayern-Fan schrieb am 17.05.2013, 13.34 Uhr:
@ Leo : Die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zu letzt! Doch mal ganz realistisch: Wer soll diese Bayern schlagen? Da braucht's schon so viel Glück, wie es Chelsea in den beiden letzten Jahren im Endspiel hatte. Aber wie man sieht: Im Fußball ist nichts unmöglich und manchmal gewinnt auch die schwächere Mannschaft!!
neidlos schrieb am 17.05.2013, 11.27 Uhr:
Aus Köln: vollkommste Zustimmung!
oh Gott schrieb am 17.05.2013, 08.46 Uhr:
Ich seh es wie Leo.

Alle Kommentare anzeigen