Basketball-Bundesliga Das Duell der Enttäuschten

Von Olaf Jansen

NRW-Duell in der Basketball-Bundesliga: Phönix Hagen empfängt am Sonntag (30.12.2012) die Telekom Baskets aus Bonn. Beide Teams können mit dem bisherigen Saisonverlauf nicht zufrieden sein.


Der große Knall bei den Telekom Baskets Bonn kam zwei Tage vor Heiligabend: Da verkündete der Basketball-Bundesligist die Trennung vom erfolglosen Patrick Ewing jr., zum Auswärtsspiel einen Tag später in Bamberg reiste der Mann mit dem großen Namen schon gar nicht mehr mit. Und musste so auch nicht mehr die 78:92-Niederlage der Bonner miterleben, die den Klub in der Tabelle weiter nach unten rutschen ließ. Die Play-Offs, ihr erklärtes Saisonziel, können die Bonner nur noch theoretisch erreichen. Der Traum um den Kampf um die Meisterschaft dürfte damit ausgeträumt sein. Viel wahrscheinlicher ist, dass sich die Bonner nach unten orientieren und aufpassen müssen, nicht abzusteigen.

Patrick Ewing jr. - ein Missverständnis


Das Scheitern von Patrick Ewing jr. in der Bundesliga ist dabei wohl symptomatisch sein für die bisherige verkorkste Saisonleistung der Bonner. Erst im Sommer zu den Baskets gestoßen, konnte sich der 28-jährige Sohn des ehemaligen New-York-Knicks-Superstars Patrick Ewing in der Bundesliga schlicht und einfach nicht durchsetzen. "Patrick hat nicht zum europäisch geprägten, strukturierten Basketball gepasst", findet Bonns Trainer Michael Koch. Dennoch sei ihm die Trennung vom sympathischen US-Amerikaner schwergefallen: "Wenn man fast schon freundschaftlich mit jemandem verbunden ist, trifft das einen persönlich sehr. Patrick ist vom Charakter her ein Supertyp", sagte Koch.

Schritt für Schritt in Bonn


Nun hoffen die Baskets darauf, dass die Entscheidung das richtige Signal für die Mannschaft ist. Koch: "Wir sind personell nicht so gut aufgestellt, da müssen die anderen in die Bresche springen." Den Auftritt in Bamberg wertet der 46-Jährige als einen Schritt nach vorne. "Jetzt kommen wichtige Spiele, in denen wir versuchen müssen, uns wieder Schritt für Schritt an die Play-Offs heranzukämpfen", erklärte er. Nebenher wird nach Ersatz für Ewing gesucht. "Wir werden uns kurzfristig zusammensetzen und sehen, welche Spieler für uns infrage kommen und welche finanziellen Möglichkeiten wir haben."

Auch Hagen - weit weg von den Play-Offs

Nicht ganz so trübe wie in Bonn, aber auch überhaupt nicht zufriedenstellend fällt die Zwischenbilanz des zweiten NRW-Bundesligisten, Phönix Hagen aus. Nach der Heimniederlage gegen Bayern München (97:123) rutschte auch Phönix in eine Zone weiter unterhalb der Play-Off-Plätze ab. Zwischenzeitlich spekulierte der Klub noch auf das Erreichen des Pokal-Viertelfinales, das vor allem aus finanziellen Gründen ein lohnenswertes Ziel gewesen wäre. Doch einer der ersten sieben Plätze in der Liga, die für diesen Wettbewerb berechtigen, ist mittlerweile außer Reichweite.


Nach dem Fast-Abstieg im letzten Jahr, als Hagen erst mit drei Siegen in den letzten drei Spielen den Klassenerhalt sichern konnte, sollte es dieses Jahr eigentlich bergauf gehen. Doch die erste Schreckensnachricht erreichte den Klub schon im August diesen Jahres, als auf den letzten Drücker Kapitän Zygimantas Jonusas seinen Abschied aus Hagen bekannt gab und bei Juve Casarta in Italien unterschrieb. "Nachdem er so viel für Phönix geleistet hatte, wollten wir ihm keine Steine in den Weg legen", kommentierte Geschäftsführer Oliver Herkelmann.

Jonusas Abgang nicht verkraftet

Jonusas Abgang konnten die Hagener nie richtig kompensieren. Schon nach den ersten Partien wurde deutlich, dass mehr als der Klassenerhalt kaum drin sein würde. Dessen ungeachtet klärten die Hagener kurz vor Weihnachten die letzte offene Personalfrage: Der Anfang November nachverpflichtete Mark Dorris wird bis Saisonende bleiben, eine einseitige Option zur Vertragskündigung zum Jahresende hat Phönix verstreichen lassen. "Wir wollen nicht auseinanderreißen, was gut funktioniert", sagte Phönix-Geschäftsführer Oliver Herkelmann. Zudem traut man dem jüngst beim 107:102-Sieg in Frankfurt mit seinem bisherigen Bestwert von 22 Punkten aufwartenden Dorris noch eine weitere Steigerung zu. Am besten schon im Heimspiel gegen die Bonner Telekom Baskets.


Stand: 29.12.2012, 06.00 Uhr


Kommentare zum Thema (1)

letzter Kommentar: 30.12.2012, 13.10 Uhr

Dunking schrieb am 30.12.2012, 13.10 Uhr:
Aktuell ist anders. 1. war der letzte Sieg von Hagen gegen Ludwigburg überzeugend und Dorris hat sensationelle 29 Punkte gemacht. 2. war es nie das erklärte Saisonziel der Hagener die Playoffs zu erreichen. Der jetzige Platz 10 ist aufgrund des doch sehr bescheidenen Budgets in Hagen, eine gute Plazierung. Schulden machen um Topspieler zu verpflichten, war gestern.