Drittligist Aachen steht vor Schuldenberg Alemannia meldet Insolvenz an

Der Traditionsklub Alemannia Aachen muss Insolvenz anmelden. Das bestätigte der Verein am Freitagmorgen (16.11.2012) bei einer Pressekonferenz. Schon vor einigen Wochen hatte der Drittligist die Zahlungsunfähigkeit nur knapp abgewendet.


Damit würde der Traditionsklub als erster Absteiger in die Regionalliga feststehen. Die Mannschaft wurde am Morgen über die neue Situation informiert. Der Insolvenzantrag soll in der kommenden Woche gestellt werden. Die Saison soll gemäß Insolvenzordnung und DFB-Statuten aber zu Ende gespielt werden. Die noch ausstehenden Spiele werden allerdings nicht gewertet. Danach soll der Neuanfang in der Regionalliga erfolgen.

Bereits Ende Oktober stand Aachen vor dem finanziellen Aus. Geschäftsführer Frithjof Kraemer musste seinen Hut nehmen. Zu diesem Zeitpunkt hatte Aufsichtsratschef und Präsident Meino Heyen noch erklärt, insgesamt habe man eine Lösung gefunden, um die Insolvenz im letzten Moment abzuwenden. Der Klub habe "etwas Luft zum Atmen" gewonnen, hieß es damals. Vor allem privates Geld der Aufsichtsratsmitglieder habe das sofortige Aus verhindert.

Teure Trainerwechsel belasteten Bilanz


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Laut Medieninformationen hatte der Verein seine Etatziele in der vergangenen Saison "nahezu flächendeckend" verfehlt. Unter anderem sollen die zwei Trainerwechsel, ausbleibende Einnahmen durch Eintrittsgelder und TV-Übertragungen sowie ein geringerer Absatz von Merchandise-Artikeln den Schuldenberg aufgehäuft haben. Das aktuelle Defizit beträgt laut Klubanwalt Michael Mönig über vier Millionen Euro. "Da dieser Fehlbetrag mit jedem weiteren Monat deutlich zunehmen würde, ist ein Insolvenzantrag unvermeidlich", heißt es in einer Mitteilung des Vereins.

Stadt will nicht mehr zahlen

Bereits im Frühjahr hatte die Stadt Aachen dem Verein ein Darlehen von knapp 19 Millionen Euro gewährt. Gegenüber der "Bild-Zeitung" schloss der Aachener Oberbürgermeister Marcel Philipp weitere finanzielle Hilfen der Stadt aus. Die Öffentlichkeit sei nicht für die Finanzierung des Spielbetriebs zuständig.


Stand: 16.11.2012, 15.43 Uhr


Kommentare zum Thema (18)

letzter Kommentar: 19.11.2012, 15.41 Uhr

Thebuli schrieb am 19.11.2012, 15.41 Uhr:
Ob die Stadt nun ein Darlehen oder eine Bürgschaft gegeben hat ist völlig egal. Die Kohle ist futsch. Wie arrogant müssen Lokalpolitiker eigentlich sein um gutes Geld einem schlechten Verein hinterher zu werfen. Jetzt wird es endlich für alle Selbstdarsteller und Möchte-Gern-Funktionäre uninteressant sich für die Alemannia zu engagieren. Dann ist endlich die Chance da einen Strich zu ziehen und einen Neuanfang zu machen. Mit Leuten, denen es nicht um Geld und Publicity geht sondern um Fussball. Aber das muss klar sein: es wird Jahre dauern bis die Alemannia wieder in Profi-Ligen spielt. Bis dahin steht in Aachen eine Ruine mit Namen Tivoli, die zum größten Teil vom Steuerzahler bezahlt wurde um den Größenwahn und die Ruhmsucht von Lokalpolitikern und Wichtigtuern zu befriedigen. Auch im Regen stehen ganz viele echte aachener Fußballfans, die ihr Geld in Form von Anleihen für das neue Stadion gegeben haben. Die Kohle ist wohl auch futsch. Alle Verantwortlichen sind plötzlich sprachlos.
frisco-49ers schrieb am 16.11.2012, 21.07 Uhr:
Viele Jahre habe ich darauf gewartet, dass dieser "Verein" endlich von der Bühne des Profifussballs verschwindet und hoffentlich nie mehr in Erscheinung tritt! Hoffentlich reicht der Zwangsabstieg auch noch bis in die im nächsten Jahr geschaffene Kreisliga D. Wie ist es nur zur erklären, dass auch noch Millionen an Bürgschaften für diesen Club zur Verfügung gestellt wurden? Unfassbar! Für mich ist HEUTE schon Weihnachten und Silvester an einem Tag zusammen!
ddk schrieb am 16.11.2012, 18.25 Uhr:
Ich bin ja naiv! Ich habe gedacht, wenn es um solche Summen geht und es mit der Finanzierung Schwierigkeiten gibt werden alle Fakten, bevor Gelder fliesen, geprüft!? Aber scheinbar geht es nach der Methode "man kennt sich ja" , auch wenn die Belastung der Bürger (noch) in Form einer Bürgschaft besteht.
Ulla schrieb am 16.11.2012, 16.27 Uhr:
Alemannia hat bisher noch keine Steuergelder erhalten. Nur Bürgschaften Und die Stadt hat wohl das Stadion gekauft. Also das mit den 19 Millionen ist nicht quatsch.
Helmut G. schrieb am 16.11.2012, 16.19 Uhr:
Sollte sich herausstellen, dass der Vorstand der Alemannia dem DFB beim Lizensierungsverfahren für die laufende Saison falsche Angaben gemacht hat, nennt man das Betrug. Und das kann eigentlich nur eine Folge haben: Alemannia Aachen spielt in der kommenden Saison in der Kreisliga C. Dass der Vorstand anscheinend auch noch die Stadt Aachen um fast 20 Millionen geprellt hat und die vielen gutgläubigen Alemanniafans von ihrer Tivoli-Anlihe vermutlich keinen Cent wieder sehen, gehört auch noch dazu. Mich wundert nur, dass es immer noch Leute gibt, die etwas von Treue zu diesem Verein faseln. Wenn, dann zur Volleyballabteilung. Die sind nämlich erstklassig! Die Stadt könnte aus der Konkursmasse ja noch das Stadion bekommen, das können die anderen Gläubiger nicht gebrauchen.

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