Interview zu geplanten Krebsregistern: Richtige Strategie gegen den Krebs?
Jeder Vierte in Deutschland stirbt an Krebs. Um Krebs früher zu erkennen und besser zu bekämpfen, sollen in allen Bundesländern einheitliche Krebsregister eingerichtet werden. Doch die Pläne des Bundesgesundheitsministeriums sind umstritten. Am Mittwoch (22.08.2012) ist der Gesetzwurf im Kabinett.

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Mancher Krebs lässt sich früh erkennen und dann womöglich auch gut behandeln
Je nach Tumor bei rechtzeitiger Diagnose kann mancher Krebs geheilt werden. Das Bundesgesundheitsministerium plant in allen Bundesländern klinische Register nach einheitlichen Standards aufzubauen. Dadurch soll die Qualität der Behandlungen langfristig verbessert werden. Im Großen und Ganzen begrüßen die Länder und Krankenkassen den Vorstoß. Doch im Detail wie der Finanzierung sehen sie noch Klärungsbedarf. Professor Jörg Haier, koordinierender Direktor des Zentrums für Krebsmedizin am Universitätsklinikum Münster, hält die Pläne des Gesundheitsministeriums für sehr sinnvoll.
WDR.de: Insgesamt gibt es in Deutschland rund 50 Krebsregister. Was leisten diese bisher?

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Der Mediziner Jörg Haier unterstützt Krebsregister
Jörg Haier: Es gibt viele kleine Register an Unikliniken mit mehr oder weniger qualitativ guten Daten über Krankheitsverläufe. Dann sind da die großen epidemiologischen Krebsregister. So eines hat auch NRW. Aber darin werden nur die Neuerkrankungen und Sterbefälle erfasst – mit Wohnort und Alter. Daran kann man zum Beispiel sehen, ob irgendwo eine bestimmte Krebsart zunimmt. Mehr aber auch nicht. Klinische Register gibt es kaum. Einige Bundesländer im Osten haben sie. Sachsen und Brandenburg etwa. Aber auch Bayern. In NRW existieren nur Insellösungen - im Regierungsbezirk Münster und in Westfalen-Lippe werden seit Jahren klinische Daten über Krebsverläufe gesammelt.
WDR.de: Was können die klinischen Krebsregister besser?
Haier: Derzeit sind die Rahmenbedingungen für die Behandlung von Krebs in den einzelnen Ländern sehr unterschiedlich. Das geplante Gesetz führt dazu, dass wir eine vergleichbare Grundstruktur haben, so dass Daten zusammengeführt werden und bundesweite Auswertungen gemacht werden können. Alle Behandlungsdaten und Details der Diagnose sowie Tumorstadien eines erkrankten Patienten werden nach den gleichen Kriterien dokumentiert. Dadurch können klinische Krebsregister einen großen Beitrag zur Sicherung einer bestmöglichen Behandlungsqualität in allen Teilen Deutschlands leisten. Wenn Behandlungsverläufe aller Erkrankten in einem Land analysiert werden, lässt sich zum Beispiel ableiten, welche Behandlungen tatsächlich hilfreich sind. Oder wo Ärzte qualitativ gut behandeln, die Leitlinien einer Therapie umsetzen oder mit welchem Erfolg sie Tumore entfernen. Langfristig lassen sich daraus die Behandlungsmethoden für einzelne Krebsarten weiterentwickeln, so dass die Patienten davon profitieren. Klinische Krebsregister sollen eine Kommunikationsplattform aller am medizinischen Versorgungsprozess Beteiligten sein: Kliniken und Ärzte tauschen sich intensiv aus.
WDR.de: Können Sie ein Beispiel nennen?
Haier: Aus dem Vergleich vieler Zahlen von Brustkrebspatientinnen hat sich zum Beispiel ergeben, dass es nur in speziellen Fällen günstiger ist, Lymphknoten aus der Achselhöhle zu entfernen. Ein großes Ziel der Register ist, dass kein Patient einen Nachteil haben soll, wenn er an einem kleinen Standort operiert oder behandelt wird. Jemand, der im Sauerland lebt, soll eine gleich gute Behandlung bekommen wie jemand, der mitten im Köln lebt.
WDR.de: Der AOK-Bundesverband kritisiert, dass durch die Einrichtung der klinischen Krebsregister in den einzelnen Bundesländern der Kampf bei der Umsetzung des nationalen Krebsplanes nicht wirklich effektiv erscheint. Besser wäre ein einziges bundeseinheitliches Register, wo alle Fälle in Deutschland registriert werden. Das hört sich nicht verkehrt an. Wie sehen Sie das?
Haier: Diese Argumentation der AOK-Spitzenvertreter ist sehr einseitig und letztlich sehr stark davon motiviert, eine möglichst preiswerte Variante zu bekommen, denn die Kassen sollen die Betriebskosten übernehmen. Wir brauchen aber nicht die billigste, sondern die effektivste Lösung.
WDR.de: Wäre es denn nicht effektiver, statt aller Krebspatienten in jeweils einem Bundesland alle in Deutschland in einem einzigen Register zu erfassen?
Haier: Ein bundeseinheitliches Register kann eine Reihe der wichtigen Aufgaben nicht lösen, wie zum Beispiel den Dialog mit den Ärzten und Kliniken. Und diesen benötigen wir für die Qualitätssicherung dringend. Unabhängig davon brauchen wir die bundesweite Zusammenführung von Behandlungsdaten zur wissenschaftlichen Auswertung wie zum Beispiel bei Hirntumoren. Da ist es auch vorgesehen, weil es deutschlandweit im Vergleich zu anderen Krebsarten nur wenige Fälle gibt. Hier können Leitlinien für qualitativ bessere Behandlungen nur erstellt werden, wenn eine Zusammenführung erfolgt.
Die Fragen stellte Lisa von Prondzinski.
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Video:
Nationaler Krebsplan des Bundeskabinetts
(00:58 Min.)
WDR aktuell vom 22.08.2012
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Nationaler Krebsplan des Bundeskabinetts
Stand: 22.08.2012, 06.00 Uhr
Kommentare zum Thema (7)
letzter Kommentar: 24.08.2012, 18:03 Uhr
- Anonym schrieb am 24.08.2012, 18:03 Uhr:
- "Haier: Ein bundeseinheitliches Register kann eine Reihe der wichtigen Aufgaben nicht lösen, wie zum Beispiel den Dialog mit den Ärzten und Kliniken. Und diesen benötigen wir für die Qualitätssicherung dringend. Unabhängig davon brauchen wir die bundesweite Zusammenführung von Behandlungsdaten zur wissenschaftlichen Auswertung wie zum Beispiel bei Hirntumoren." Was denn nu, wen es einem nicht passt, dann dezentral und im nächstn Moment wieder zentral um an die Informationen ranzukommen? Den Dialog mit Ärzten und Kliniken kann am besten die steuerfinazierte Gesundheitskasse herstellen, dann kann man darüber die Daten so bündeln, dass sie immer an richtiger Stelle zur Verfügung stehen.Ddie Argumente gegen zentrales Bundesregister hören sich so gekünstelt an, dass man schon fragen mus: "Wem nützt hier was?" wenn ich allein an die Erfassung der nosokomialen Infektionen(v.a. MRSA) denke wird mir schon übel. Es wäre so einfach siehe Niederlande, aber wem nützen die vielen Opfer?
- @heinzb schrieb am 23.08.2012, 10:45 Uhr:
- Bei schlechter Zahlungsmoral der Privaten KK wendet man sich erst an den Versicherungsombudsmann der Privaten KK-solle das nicht reichen hilft der "dicke Hammer"-die BaFin
- @heinzb schrieb am 23.08.2012, 10:10 Uhr:
- Was haben die Rentenkassen-die man nicht "leeren"kann da sowieso nie voll,schlechte Zahlungsmoral deiner PRIVATEN KK,Bruch von Wahlversprechen durch Schwarz\Geld und die EU Probleme mit der Einfuehrung eines Krebsregisters zu tun?
- heinzb aus nrw schrieb am 22.08.2012, 20:31 Uhr:
- die Rentenkassen sind leer, was soll da das Geschrei über Hilfe für die Menschen, das Geld ist in der EU und weg, wenn ich bei meiner Krankenkasse Rezepte einreiche und über 8 Wochen auf die Rückerstattung warte, dass ist das für mich SELEKTION durch die dafür Verantwortlichen, weil ich nicht 8 Wochen auf Geld warten kann, das ich für Tabletten brauche, weil ich auch Miete und Strom bezahlen muss, so muss ich entscheiden, Tabletten bezahlen und 8 Wochen und mehr aufs Geld warten oder Miete und Strom und was zu Fressen im Kühlschrank. Da braucht keiner an der Rampe zu stehen, es geht auch über diesen Weg. Es stehen ja Wahlen vor der Türe, die brauchen Aktionismus, so wie vor den lt. Wahlen, da sollte die Mehrwertsteuer nicht erhöht werden, nach den Wahlen dann 3 % mehr.
- der Eulenspiegel schrieb am 22.08.2012, 19:48 Uhr:
- Das Ganze Konzept ist vom Grund her falsch.Das Ziel muß sein Krebs zu verhindern. Da gibt es unendlich viele Möglichkeiten die Selbstheilungskräfte des Körpers zu stärken. Da geht es ganz gezielt darum die Fähigkeiten des Körpers zu stärken Zellen die unkontrolliert Wuchern zu bekämpfen. Es geht also da um eine vorbeugende Medizin. Aber damit kann man ja wohl kein Geld verdienen. Für den Geldbeutel der Ärzte ist es nun mal besser zu warten bis das Kind in den Brunnen gefallen ist.
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