HIV-Mittel zur Vorbeugung auf US-Markt: HIV-Pille: Risiken und Nebenwirkungen
In den USA kommen erste Tabletten zur HIV-Vorbeugung auf den Markt. In Deutschland sind sie nicht zugelassen. Die Aids-Hilfe NRW geht davon aus, dass nun der Schwarzmarkt ins Rollen kommt. Dabei sind die Tabletten nicht ohne Risiko.

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Die Einnahme von "Truvada" ist kostspielig: 11.000 Euro kostet eine Jahresdosis
"Truvada" ist das erste in den USA zugelassene Mittel zur HIV-Vorbeugung. Es ist ein Kombinationspräparat aus zwei Wirkstoffen. Diese sorgen dafür, dass sich HI-Viren, die in den Körper eindringen, in den Zellen nicht oder nur schwer vermehren können. Dadurch sinkt das Infektionsrisiko. Das Mittel ist grundsätzlich nicht neu, wurde aber bisher - auch in Deutschland - für einen anderen Zweck eingesetzt: Zur ergänzenden Behandlung von HIV-Infizierten. Nun soll es für Risikogruppen wie homosexuelle Männer oder Drogenabhängige auch vorbeugend eingesetzt werden. Guido Schlimbach, Sprecher der Aids-Hilfe NRW, macht klar, dass diese "Pille davor" keinesfalls das Kondom ersetzt.
WDR.de: Herr Schlimbach, was halten Sie davon, dass die Amerikaner nun "Truvada" zur HIV-Prävention einsetzen?
Guido Schlimbach: Zunächst einmal halte ich nichts davon, diese Tabletten einzunehmen, ohne sich vorher beraten zu lassen. Das ist kein "Aspirin", das man so nebenbei schlucken kann. Dieses Mittel hat Nebenwirkungen: Es kann den Knochenstoffwechsel schädigen sowie die Nieren. Also muss in jedem Einzelfall geklärt werden, ob eine Einnahme sinnvoll ist.
WDR.de: Bei wem könnte das der Fall sein?
Schlimbach: Bei Menschen, die ständig ein Risiko haben sich eine HIV-Infektion zuzuziehen. Etwa bei schwulen oder bisexuellen Männern, die regelmäßig Sex mit HIV-Positiven haben, und das womöglich ungeschützt.
WDR.de: Wie hoch ist der Schutz vor einer Ansteckung mit dem tödlichen Virus, wenn die Tabletten vorbeugend eingenommen werden?

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Guido Schlimbach
Schlimbach: Den klinischen Studien zufolge liegt die Schutzwirkung bei 42 bis 75 Prozent – was davon abhängt, wie kontinuierlich die Einnahme erfolgt. Das hört sich für den einen oder anderen gut an. Aber weit besser ist der Schutz, wenn beim Sex ein Kondom benutzt wird. Dadurch wird das Risiko, sich anzustecken, um bis zu 95 Prozent verringert. Hinzu kommt, dass "Truvada" regelmäßig eingenommen werden muss, sonst können sich Resistenzen bilden mit fatalen Folgen: Man steckt sich selbst mit HIV an, und wenn die Infektion entdeckt wird, schlagen bei einem selbst bestimmte andere Medikamente nicht mehr an.
WDR.de: Eine weitere Frage ist auch, wer sich das Mittel finanziell überhaupt leisten kann?
Schlimbach: Ja, die Therapie ist sehr kostspielig. Übers ganze Jahr gerechnet kostet die tägliche Dosis rund 11.000 Euro. Das ist nur etwas für reiche Leute. Und ich sehe nicht, dass in Deutschland die gesetzlichen Krankenkassen das in ihren Leistungskatalog aufnehmen und bezahlen. Ich sehe überhaupt nicht, dass "Truvada" bei uns in naher Zukunft in der Breite eingesetzt wird. Dazu besteht keine Notwendigkeit.
WDR.de: Und wieso lassen die Amerikaner es zu?
Schlimbach: Die Gesundheitssysteme sind nicht vergleichbar. Da ist zum Beispiel der Zugang zu Medikamenten für Risikogruppen schwieriger als bei uns.
WDR.de: Kritiker befürchten, dass die Tablette auch zu einer gefährlichen Sorglosigkeit führen könnte: Vermeintlich geschützt würden sich viele noch häufiger zu Sex ohne Kondom hinreißen lassen?
Schlimbach: Man kann tatsächlich nicht ausschließen, dass mancher einfach vor einer Party am Wochenende das Medikament einwirft, weil er denkt, damit beim ungeschützten Sex sicher zu sein. Was ein Trugschluss ist.
WDR.de: Nun sprechen wir von dem freien Verkauf des Medikamentes auf dem US-Markt. In Deutschland gibt es keine Zulassung. Glauben Sie, dass der ein oder andere sich die Tabletten trotzdem besorgt?
Schlimbach: Wir haben schon die Befürchtung, dass der Schwarzmarkt ins Rollen kommt. Touristen zum Beispiel bringen die Tabletten mit und verkaufen sie hier. So ähnlich haben wir es auch bei der Potenzpille Viagra erlebt. Davor warne ich. Am sichersten bleibt Safer Sex nach wie vor mit einem Kondom. Und wenn der Partner in einer festen Beziehung HIV-positiv ist, dann geht es auch ohne Kondom, wenn die Virusrate über lange Zeit unter der Nachweisgrenze liegt. Doch das muss man beständig im Blick haben.
Das Interview führte Lisa von Prondzinski.
Stand: 18.07.2012, 06.00 Uhr
Kommentare zum Thema (3)
letzter Kommentar: 18.07.2012, 15:32 Uhr
- Hans-Peter schrieb am 18.07.2012, 15:32 Uhr:
- @ Jens : Bingo - wie soll bei diesen Preisen ein Schwarzmarkt entstehen? Sollte dort etwas angeboten werden, das deutlich billiger ist, kann man mit beinahe 100%-er Sichherheit davon ausgehen, daß es sich um eine Fälschung handelt. Also doch blos ein Sommerloch-Artikel lieber WDR?
- Jens schrieb am 18.07.2012, 08:55 Uhr:
- Ob der "Schwarzmarkt" nun ins Rollen kommt, wage ich auch zu bezweifeln..... Wenn die Behandlung schon auf dem normalen Weg ca. 11.000 € / Jahr kostet, wer soll sich das denn leisten. Die Preise auf dem Schwarzmarkt liegen ja noch deutlich drüber.......
- Horst schrieb am 18.07.2012, 08:10 Uhr:
- Naja bei den Nebenwirkungen kann man sich natürlich Fragen ob man mit HIV nicht besser dran ist.... @ John, es Praktizieren auch sehr viele Heterosexuelle Männer AV mit Ihrer Freundin auch mit "Freude", ich war da selbst überrascht als ich das gehört habe...
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