Besuch eines High Heels-Kurses: Grazie auf Zehnzentimeterschuhen
High Heels sind im Trend. Manche Frauen lieben sie und wollen auf ihnen zu Hinguckern werden. Peinlich, wer damit ungeschickt herumstackst. Es ist schon eine Kunst, auf hohen Hacken eine gute Figur zu machen. Aber eine, die man lernen kann. WDR.de ist in die Schule gegangen.

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Gefährlich dünne Absätze
Klick, klack, klock, klock – laut hallen die Schritte auf dem Parkettboden in den hohen Räumen einer Kölner Tanzschule wider. Wo sonst Tango, Salsa und Hip Hop geübt werden, dreht sich am Samstagnachmittag (17.11.2012) alles nur ums schlichte Gehen: Den einen Schritt vor den anderen setzen. Allerdings mit dem besonderen Hindernis von hohen Hacken unter den Füßen. Wer die nicht gewohnt ist, begibt sich quasi aufs Glatteis. Dieses Mal haben sechs Frauen ihre hohen Schuhe mitgebracht. Auf eigene Gefahr natürlich. Einige wirken darauf etwas wackelig. Die Trainerin Uschi Pauli (47) fängt das auf eine nette Art und Weise auf: "Eine Frau wird nicht mit High Heels geboren", sagt sie. Für die nächsten drei Stunden hat die Diplom-Sportlehrerin einen roten Teppich vor einem meterhohen Spiegel ausgerollt.
Der Onkel zahlt den Kurs

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Trainerin Uschi Pauli macht die Aufwärmübungen vor
Eigentlich fangen High Heels erst bei zehn Zentimetern an, doch das wird hier nicht so eng gesehen. Denn für Frauen, die sonst flache Schuhe tragen, sind schon sechs oder sieben Zentimeter eine Herausforderung. Für Franziska (27) zum Beispiel. Wegen ihres Onkels ist sie hier. Er hat ihr diesen Kurs gesponsert, weil er meint, dass seine Nichte auch mal höhere Schuhe tragen könnte in ihrem Beruf als Schneidermeisterin. Franziska wollte nicht kneifen, hat sich ihre ersten Schuhe mit Absatz gekauft: solide Marke, dunkelblaues Wildleder, sportlich-elegant. Jetzt ist sie ganz gespannt. Doch bevor Uschi Pauli den roten Teppich freigibt, müssen die Schuhe wieder runter: ein paar Minuten Gymnastik für Zehen, Fußsohlen und Gelenke. Claudia ist überrascht. Die 42-Jährige, die "ganz klischeehaft einen Schuhtick mit 100 Paaren im Schrank" hat, hat ihre Füße bisher nie vorher aufgewärmt. Schon für diesen ersten Tipp hat es sich fast gelohnt, aus Paderborn anzureisen.
Gitterrost überwinden ohne hängen zu bleiben

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Klappt immer besser
Dann die ersten Gehversuche der High Heels-Trägerinnen vor dem Spiegel: Eine nach der anderen macht ihren Walk. Die Lehrerin wendet sich allen zu: "Wenn man hohe Schuhe anzieht, dann muss man sich auch danach fühlen. Die innere Haltung muss stimmen. Man muss Selbstbewusstsein ausstrahlen." Und das hat etwas mit guter Körperhaltung zu tun: Bauch und Po anspannen, Schultern nach hinten, Brust öffnen, den Blick geradeaus. "Nicht so schnell, die Schritte etwas größer, Hüfte mitschwingen und auf der imaginären Linie bleiben", korrigiert Uschi Pauli ihre Schülerinnen. Später zeigt sie, wie sich ein Kopfsteinpflaster oder Gitterrost überwinden lässt, ohne auszurutschen oder mit dem Absatz hängen zu bleiben. Die Kunst dabei: Gewicht verlagern, nur die Fußballen aufsetzen, der Absatz bleibt einfach ein paar Millimeter in der Luft – eine Tortur für die Waden. Sieht aber gut aus.
Ab und zu sind auch Männer dabei

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Die Trainerin trägt graue Schuhe mit Plateau
Seit drei Jahren gibt die Kölnerin High Heels-Kurse. Die Idee dazu hatte ihre Geschäftspartnerin aus New York mitgebracht. Anfangs rechneten die beiden damit, dass vor allem junge Frauen kommen würden. Damit lagen sie falsch. Denn die meisten der Teilnehmerinnen sind zwischen 30 und 50 Jahren alt. Auch Männer sind ab und zu dabei. Mal sind es Transvestiten, die mehr Grazie wollen, mal war einer dabei, der in einem Theaterstück eine Braut gespielt hat und als solche elegant über die Bühne stöckeln wollte.
Stolzieren mit einem Buch auf dem Kopf

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Das Buch auf dem Kopf für eine gute Haltung
Nach einer Stunde merken die ersten Frauen Zehen und Füße. Die eine oder andere verzieht ihr Gesicht. Aber es geht tapfer weiter mit den Lektionen: Gekonnt die Handtasche vom Boden aufheben und ganz klassisch; das Balancieren mit einem Buch auf dem Kopf. Alles kein Pappenstiel mit Stöckelschuhen. Daniela (33) fühlt sich danach, als sei sie größer geworden "wegen der bewussten Haltung wahrscheinlich". Den Stöckel-Ehrgeiz der Düsseldorferin hat die Kult-Serie "Sex and the City" geweckt. "So leichtfüßig wie Carrie Bradshaw durch die Serie rauscht – da war ich immer ganz neidisch", erzählt die Blondine. Sie hat sich Pumps gekauft, "mit denen es bisher überhaupt nicht geklappt hat".
"Üben, üben, üben"
Doch bis Daniela es ihrem TV-Idol jemals nachmachen kann, braucht sie jede Menge Übung. Der Kurs reicht dazu nicht aus. Deshalb bläut die Trainerin ihren Teilnehmerinnen ein: "Ihr musst zu Hause üben, üben, üben". Auch einen Tipp für den Schuhkauf gibt sie mit auf den Weg: Immer abends kaufen, wenn die Füße schon etwas angeschwollen sind. Die Lehrerin rät dringend davon ab, High Heels rund um die Uhr zu tragen. Um kein Fall für den Orthopäden zu werden, sollte das Schuhwerk immer wieder gewechselt werden zwischen flach, mittel und hoch. Unter "No-Go" läuft bei ihr das Autofahren mit hohen Hacken: "Das ist viel zu gefährlich. Und ganz abgesehen davon kann man sich dabei die Absätze ruinieren".
Geschmack an High Heels gefunden

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Kleine Massage für die Fußsohlen
Nach drei Stunden streifen die Frauen erleichtert, aber zufrieden ihre hochhackigen Schuhe ab. Zum Schluss machen sie noch ein paar Entspannungsübungen für die geschundenen Füße. "Meine tun jetzt ordentlich weh", lacht Franziska. "Aber ich bin überrascht, dass es so gut geklappt hat." Auch wenn aus ihr kein absoluter High Heels-Fan geworden ist, Geschmack hat sie daran gefunden. "Tragen werde ich sie aber nur abends."
- Am Rande erwähnt
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Aus Spaß habe ich versucht, auf zehn Zentimetern zu gehen. Angefühlt hat es sich wie bei einem Eiertanz. Meilenweit weg von Attributen wie souverän, elegant und locker. Sicher nicht nur eine Frage der Übung, sondern des Talents.
Stand: 18.11.2012, 11.00 Uhr
Kommentare zum Thema (21)
letzter Kommentar: 22.11.2012, 21:11 Uhr
- Andrea L. schrieb am 22.11.2012, 21:11 Uhr:
- High Heels sind ein Instrument der Unterdrückung der Frau! Männer haben sich das ausgedacht, um Frauen an der Gesundheit zu schädigen, um sie der Lächerlichkeit preiszugeben und nicht zuletzt um sie am schnellen Weglaufen zu hindern. Ich finde es skandalös, dass so etwas hier auch noch glorifiziert wird. Wobei ich nicht weiß, was ich trauriger finden soll: Männer, die ihre Frauen zwingen, hohe Absätze zu tragen; oder Frauen, die sich das freiwillig antun, um Männern zu gefallen.
- Jana schrieb am 20.11.2012, 21:32 Uhr:
- High Heels? Ja bitte! Von 8 cm im Büro bis 12 cm in der Cocktailbar: ohne Heels geht gar nix. Ich würde keine Frau dazu zwingen oder auch nur überreden wollen, es hat ja auch nicht jede die Figur dazu. (Obwohl Frauen insofern auch oft zu selbstkritisch sind: man kann aus meiner Sicht auch High Heels tragen, wenn man größer als 1,80 m ist und einen BMI > 24 hat.) Allerdings tun mir die notorischen Absatz-Verweigerer bisweilen ein bisschen leid, denn ich glaube, sie wissen gar nicht, was ihnen entgeht. Ich jedenfalls fühle mich in High Heels unbeschreiblich weiblich und sexy. Hohe Absätze sind für mich quasi die Insignien der Weiblichkeit. Von anderen Vorzügen mal ganz zu schweigen: Ich habe jedenfalls immer ein Paar, das ich gar nicht draußen, sondern nur zu Hause anziehe. Derzeit ein paar schicke, schwarze Lack-Plateau-Pumps mit 12,5 cm Absatz. Mehr muss ich wohl nicht dazu erklären, oder?
- Kathy schrieb am 19.11.2012, 19:21 Uhr:
- Männer ich bitte euch aber mal: geht doch wohl nix über schicke Plateau-High-Heels, glänzende Nylons dazu und einen superknappen Minirock. Und jetzt sagt mir nicht, ihr steht nicht dadrauf ... Eure Blicke in der Straßenbahn sagen mir jedenfalls was anderes ...
- Anne D. schrieb am 19.11.2012, 18:34 Uhr:
- Was für eine bizarre Diskussion hier! Es kann doch jedem selbst überlassen bleiben, welche Leiden er der Schönheit wegen zu tragen bereit ist. Ich selbst (33) trage seit 16 Jahren hohe Absätze, und zwar nahezu täglich. Im Beruf die moderate Form (bis 10 cm), in der Freizeit gerne auch darüber. Mir gefällt's, meinem Mann gefällt's - und so manchem meiner Kollegen offensichtlich auch. Ich gebe zu, dass ich bei manchen weiblichen Mitmenschen bisweilen den Eindruck habe, dass sie meinen "Auftritt" kritisch sehen - allerdings habe ich gleichzeitig das Gefühl, dass es dabei eher um Neid als um Sorge wegen etwaiger gesundheitlicher Beeinträchtigungen geht. Solche habe ich übrigens bislang nicht erlitten. Natürlich tun mir abends schon mal die Füße weh, aber da gibt es Mittel gegen. Notfalls die liebkosende Massage eines wohlwollenden (allerdings auch nicht immer ganz uneigennützigen) Ehemannes...
- KDM schrieb am 19.11.2012, 17:16 Uhr:
- Werter Herbert Kaiser, fast hört es sich so an, als seien Sie der Rächer der entrechteten Frauen ... oder der Enkel von Alice Schwarzer. Können Sie sich überhaupt nicht vorstellen, dass es Frauen gibt, die freiwillig High Heels tragen, um mir (und sicher auch anderen Männern) ein optisches Vergnügen zu bereiten? Und die sich - mehr noch - auch selbst dabei außerordentlich wohl (um nicht zu sagen: sexy) fühlen? Ich bin jedenfalls umgeben von mehreren solcher Frauen und erfreue mich an jeder einzelnen. Am meisten übrigens an meiner eigenen, die sich zu meinem und ihrem eigenen Vergnügen sehr gerne in knappe Outfits wirft (da gehören übrigens durchaus auch Corsagen zu) und die natürlich gerne auch kurze Röcke trägt und High Heels anzieht. Letzteres hat übrigens auch ganz praktische Vorzüge, die ich an dieser Stelle aber ganz sicher nicht explizit schildern darf. Ich wünsche Ihnen aber, dass Sie dereinst auch einmal in diesen Genuss kommen - es muss ja nicht mit meiner Frau sein ...
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