Vor der Grippewelle Impfstoffmangel in NRW?

Von Kristina Reymann

Wer sich jetzt in der Erkältungszeit gegen Grippe schützen will, wird nicht gern auf den Impfstoff warten müssen. Wegen einer Rückrufaktion des Herstellers Novartis gab es in Bayern, Schleswig-Holstein und Hamburg jedoch schon Lieferengpässe. Über die aktuelle Versorgungssituation in NRW sind sich Ärzte, Apotheker und das Gesundheitsministerium nicht einig.


Arzt spritzt einem Patienten einen Grippeimpfstoff in den Oberarm
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Unterschiedliche Antworten von Ärzten und Apothekern zum Impfstoffvorrat

Wer sich derzeit über die Versorgungssituation in Nordrhein-Westfalen mit Grippeimpfstoffen erkundigt, erhält unterschiedliche Antworten. "Uns sind keine Mängel bekannt", betont die Sprecherin der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe, Mona Dominas. Auch Peter Szynka, Sprecher des Apothekerverbands Nordrhein, sagt: "Zum aktuellen Zeitpunkt ist kein Engpass in NRW bekannt."

Gabriele Neumann, Vorsitzende des Apothekerverbands Aachen, widerspricht. "Wir haben einen Engpass. Viele Produkte sind nicht mehr vorrätig." Die Lager der Großhändler, die die Apotheken beliefern, seien leer, so Neumann. Der Bundesverband des pharmazeutischen Großhandels (PHAGRO) kann mögliche Engpässe in NRW weder bestätigen noch ausschließen. Bislang gebe es keine Erhebungen in NRW, teilt PHAGRO mit.

"Wir haben von Praxen gehört, dass der Impfstoff in NRW-Apotheken knapp sein soll", sagt hingegen Frank Nauendorf von der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein. Dass es mit den Grippeimpfstoffen zum Jahresende eng werden kann, ist allerdings nicht unüblich, da die Impfstoffe nur für eine Saison produziert werden.

Problem: Rabattverträge mit Pharmaunternehmen

Ein pharmazeutischer Großhändler, der Apotheker in der gesamten Bundesrepublik beliefert und anonym bleiben möchte, bestätigt, dass die Situation bundesweit derzeit problematisch sei. Grund sei vor allem die Ausschreibungspraxis, die manche Bundesländer, zum Beispiel Bayern und Schleswig-Holstein, in eine missliche Lage gebracht habe.

In einigen Bundesländern – auch in Nordrhein-Westfalen – führen die gesetzlichen Krankenkassen Ausschreibungen für Arzneimittel durch. Der Pharmakonzern mit dem attraktivsten Angebot erhält den Zuschlag. Problematisch ist diese Praxis, weil sich die Kassen dabei auf ein bestimmtes Produkt eines bestimmten Herstellers festlegen. Die gesetzlich Versicherten werden dann ausschließlich mit diesem Produkt versorgt.


Wenn es zurückgerufen wird – wie im Novartis-Fall – stehen nicht genügend alternative Impfstoffe anderer Hersteller zur Verfügung, weil sie für die betreffende Region nur in geringen Mengen Impfstoffe produziert haben. Da die Produktion von Grippeimpfstoffen einige Wochen dauert, können die Dosen, die nun fehlen, kaum noch rechtzeitig vor Beginn der Grippewelle hergestellt werden.

Gesundheitsministerium: Kein Grund zur Sorge in NRW

Das Landesgesundheitsministerium kann einen Mangel an Grippeimpfstoffen in Nordrhein-Westfalen jedoch nicht bestätigen. Bislang hätten sich weder Ärzte, noch Apotheker beim Ministerium gemeldet und einen Mangel beklagt, so die Sprecherin Nalan Öztürk. Die Probleme, die andere Länder durch Exklusiv-Verträge mit dem Pharmakonzern Novartis haben, würden NRW nicht betreffen, da in Nordrhein-Westfalen keine Rabattverträge mit Novartis abgeschlossen worden seien. Auf die Frage, mit welchen Pharmaunternehmen die gesetzlichen Krankenkassen in Nordrhein-Westfalen Rabattverträge abgeschlossen haben, gab das Ministerium jedoch keine Auskunft.

Experten raten Patienten dazu, bei ihrem Hausarzt nachzufragen, ob er einen Grippeimpfstoff vorrätig hat. Wenn nicht, sei es ratsam für die Impfung einen anderen Arzt aufzusuchen, da der Impfstoff erst nach zwei Wochen wirkt und vor Beginn der Grippewelle, die voraussichtlich im Dezember beginnt, gespritzt werden sollte.


Stand: 12.11.2012, 00.00 Uhr


Kommentare zum Thema (13)

letzter Kommentar: 12.11.2012, 21:54 Uhr

Inken schrieb am 12.11.2012, 21:54 Uhr:
Impfen sollten sich doch sowiso nur Riskikogruppen. Trotzdem möchte man mir beim Facharzt jedes Mal wieder eine Impfung andrehen. Habe meinen hausarzt drauf angesprochen. Er meinte, die Impfung schützt gegen 2 von ca. 400 versch. Grippeviren. Es sind zwar die zwei häufigsten Viren, aber dann lass ich das mit der Impfung trotzdem lieber. Letztes Jahr hab ich es gemacht und fühlte mich danach 3 Wochen schlapp, müde, ausgelaugt, hatte Gliederschmerzen und bekam schlecht Luft. Und das, obwohl die Sprechstdhilfe gesagt hatte: "Nein, da passiert nix". Also, "nix" hatte ich mir anders vorgestellt.
Anonym schrieb am 12.11.2012, 16:12 Uhr:
Suchmaschienen muß man auch bedienen können lieber KDM. Es geht nicht um esoterischen Internet-Foren sondern um seriöse Fakten! Aber bleiben sie ruhig bei ihrer Meinung, die will ihnen keiner nehmen, es ist ihre Gesundheit ;-)
KDM schrieb am 12.11.2012, 15:18 Uhr:
Wer eine Suchmaschine zum Thema "Impfschäden" befragt, wird alles mögliche finden, aber zuallerletzt seriöse Informationen. Tatsächlich landet man vorzugsweise bei den ganzen Verschwörungstheoretikern, die ich bereits erwähnte. Wenn Sie sich wirklich informieren wollen, lesen Sie nicht in irgendwelchen esoterischen Internet-Foren, sondern Fachliteratur. Man kann über die Sinnhaftigkeit einzelner Impfungen sicherlich streiten, das gilt auch für die Grippeschutzimpfung; das Impfungen grundsätzlich Leben retten (und zwar in großer Zahl), ist aber ein unumstößlicher Fakt. Eine Diskussion mit Impfgegnern ist im Übrigen komplett sinnlos. Die eindeutige Faktenlage wird von diesen Leuten ignoriert; Kritikern wird unterstellt, sie seien Teil einer Weltverschwörung (oder Schlimmeres); Studien gelten selbstverständlich als gefälscht.
Anonym schrieb am 12.11.2012, 14:43 Uhr:
@KDM: Woher haben sie denn ihr Wissen über Impfschäden? Die Realität sieht völlig anders aus! Auch eine Versicherung ist hier relativ nuzlos denn wenn es sie erwischt hat macht das keine Versicherung der Welt mehr rückgängig! Wenn sie reale und verlässliche Zahlen über Impfschäden haben wollen dann müssen die bei unabhängigen Quellen suchen. Wer eine Suchmaschie bedienen kann wir reichlich seriöse Informationen über Impfschäden finden. Besonders schlimm war der Impfstoff gegen die Schweinegrippe, hier hat sich die Industrie sogar von der Hafung für evtl. Impfschäden freistellen lassen. Begründet wurde dies mit einer drohenden Pandemie und zuwenig Zeit für ordnungsgemäße Zulassungen. Weitere Infos dazu sind ebenfalls ohne Schwirigkeiten im Netz zu finden. Vertauen in die Pharma Wirtschaft und Politik kann böse ausgehen und sogar tödlich sein.
Alles Griechisch oder was? schrieb am 12.11.2012, 14:28 Uhr:
Vogelgrippe ik hör dir trappsen, wird der Impfstoff bald schon viel teurer als notwendig? Nichts ist unmöglich außer unsere "Eliten"?

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