Neuer Glücksspielstaatsvertrag Online-Lotto wieder erlaubt

Lotto-Fans sind nicht mehr auf die örtlichen Annahmestellen angewiesen. Sie können ihre Kreuzchen wieder im Internet machen. Das macht der nun auch in NRW gültige Glücksspieländerungsstaatsvertrag möglich - sehr zum Ärger von Kriminalisten.


Ein Internet-Lottospieler vor dem Bildschirm
Bild 1 vergrößern +

Die Westlotto GmbH, die Lottogesellschaft des Landes NRW, hat vorab bereits kräftig die Werbetrommel gerührt: „Wir freuen uns, Ihnen mitteilen zu können, dass das Internetspielangebot am Samstag, 01.12. 2012, wieder öffnen wird“, hieß es in Kunden-Mails.

Vorher konnten Lotto-Tipper das Angebot nur bis Ende 2008 nutzen. Dann jedoch war erst einmal Schluss – der neue Glücksspielstaatsvertrag untersagte jegliches Glücksspiel im Internet. Die Politik hatte damit auf ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts aus dem Jahr 2006 reagiert.  Die Karlsruher Richter hatten die staatlichen Glückspielgepflogenheiten für verfassungswidrig erklärt. Die Gewinnerzielungsabsichten seien zu stark in den Vordergrund gerückt – so sei das staatliche Glücksspiel-Monopol nicht mehr haltbar. Es sei nur dann zulässig, wenn es in den Dienst der Suchtprävention gestellt werde. Infolgedessen beschränkte der neue Staatsvertrag die Werbung für die staatlichen Monopolangebote, Online-Glücksspiele – staatliche und private - wurden ganz verboten.

Private Sportwettenanbieter auf dem Markt

2010 erklärte der Europäische Gerichtshof das deutsche Monopol jedoch für rechtswidrig – es verstoße gegen die EU-weite Dienstleistungsfreiheit. Ein neuer Glücksspielstaatsvertrag musste geschaffen werden. Im Dezember 2011 war es so weit: Alle Bundesländer mit Ausnahme von Schleswig-Holstein unterzeichneten den sogenannten „Glücksspieländerungsstaatsvertrag". Als vorletztes Bundesland hat NRW erst kürzlich das neue Regelwerk im Landesrecht umgesetzt – „wegen der Landtagswahlen hingen wir hinterher", so Birgit Axler, Sprecherin des NRW-Innenministeriums. Damit wird auch in Nordrhein-Westfalen der Glücksspielmarkt liberalisiert: Das staatliche Lottomonopol bleibt zwar bestehen, aber der Sportwettenmarkt im Internet wird nun für private Anbieter geöffnet. Bis Ende des Jahres können sich private Wettveranstalter um 20 Konzessionen bewerben. Das länderübergreifende Vergabeverfahren wird vom hessischen Innenministerium organisiert.

Illegales Glücksspiel weiterhin vorherrschend

„Wir wollen das Verlangen der Menschen nach Glücksspiel in geordnete Bahnen lenken und eine legale Alternative zum illegalen Glücksspielangebot schaffen", so NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD). Sebastian Fiedler vom NRW-Landesvorstand des Bundes Deutscher Kriminalbeamter hält Jägers Aussage für fragwürdig: „Der unkontrollierte, illegale Markt wird im Internet auch in Zukunft vorherrschen. Es ist ein Trugschluss, zu glauben, dass die Leute nur noch auf die legalen Angebote zurückgreifen werden." In der Tat floriert der illegale Online-Glücksspiel-Markt seit Jahren, auch nach dem Verbot im Jahr 2008 ist er in Deutschland weiter gewachsen - die Anbieter operierten aus dem Ausland und umgingen so die Bestimmungen des Glücksspielstaatsvertrags. Nun können einige dem Graubereich entschlüpfen – zum Ärger von Fiedler: „Ich finde es merkwürdig, dass diejenigen die vorher illegal im Netz unterwegs waren, jetzt ganz legal Lizenzen erwerben können." 

"Kampf" gegen Glücksspielsucht

Mit der Neuausrichtung des Glücksspiels soll nun laut Jäger jedoch auch „dem effektiven Kampf gegen die Glücksspielsucht mehr Bedeutung zugemessen" werden. Was genau „effektiver Kampf“ heißt, erklärt Ministeriumssprecherin Axler: „Wir werden Beratungsstellen finanziell unterstützen und die Erforschung der Glücksspielsucht vorantreiben.“ Das scheint auch zwingend notwendig – unter anderem sind Sportwetten im Internet laut der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung besonders suchtgefährdend.


Stand: 01.12.2012, 06.00 Uhr


Kommentare zum Thema (12)

letzter Kommentar: 02.12.2012, 12:49 Uhr

Glück berechnet schrieb am 02.12.2012, 12:49 Uhr:
@Fortuna Glücksspielsüchtige verspielen ihr Geld am 1. des Monats. Dem Rest des Monats schauen sie in den leeren Kühlschrank. Soziale Kontakte haben sie auch keine mangels Geld. Die Automatenindustrie kann sich von seinen Verlusten, 250.000 verspielen im Durchschnitt 15000 Euro pro Jahr , dies entspricht 95% des Gesamtumsatzes, die BESTEN Anwälte leisten. Und die höchsten Einzelspenden an Politiker.
Lucky Lord schrieb am 02.12.2012, 11:08 Uhr:
Glücksspiel ist ein Kontraindikator für Gesundheit einer Gesellschaft, je besser Glücksspiel floriert umso schlechter ist Zustand und Beschäftigungsgrad in der Gesellschaft. Zurzeit sind Aktien der Glücksspielbranche die Geldpressen für Anleger. Es hat auch niemanden eine Story vom WDR verwundert, der Parteiennähe in der Finanzierung mit Glücksspiellords belastbar dokumentieren konnte
Schwätzer über Dies und Das gegen Honorar schrieb am 02.12.2012, 08:26 Uhr:
wie mich das ankotzt, dass ich in diesem Demokratiewunderland mal wieder was vom Staat - wer ist das denn? - "erlaubt" bekomme – oder was verboten - . Ich mache da einfach nicht mehr mit - diese Polit-Beamten können mich mal......
Fortuna schrieb am 01.12.2012, 20:44 Uhr:
@Glück Vielleicht sind ja religiös motivierte Eiferer, die anderen ihren freudlosen Lebensweg aufzwingen wollen, die wahre Gefahr für die Gesellschaft?
Glück berechnet schrieb am 01.12.2012, 19:32 Uhr:
Die Wahrscheinlichkeit an einem Glücksspielautomaten mit 1 Euro Einsatz 500 Euro zu gewinnen ist 1 : 500.000. Mit dem Spielen an Glücksspielautomaten seine Geldprobleme zu lösen ist unmöglich. Der Umsatz an diesen Geldspielgeräten , nach Auszahlung von 60% des Einsatzes beträgt 4 Milliarden Euro. Die Geldspielgeräte werden mit Hilfe von Psychologen so programmiert, dass sie zu maximal Spielsucht erzeugenden Teufelswerkzeugen werden. Diese Geräte des Satans mit Lotto zu vergleichen ist absurd. Lotto ist Opium für das Volk. So läßt sich Armut, prekäre Beschäftigung, ... leichter ertragen.

Alle Kommentare anzeigen



ratgeber.ARD.de

  • Stöbern, schachern, feilschen

    Auf Flohmärkten wird mit Freude gefeilscht. Doch wie können Verkäufer ihr Gerümpel am besten zu Geld machen und wie ergattern Käufer günstig ungewöhnliche Stücke? Tipps für den Flohmarkthandel.

  • Edelschimmel und Scheibletten

    Wer viel Käse isst, tut etwas für seine Zähne. Und Analogkäse ist gar nicht so ungesund wie gedacht, kommt aber immer seltener vor. Stimmt nicht? "Quarks & Co" verrät, was Sie über Käse wissen müssen.

  • Leben ohne Brille

    Schnell, sicher und für immer ohne Brille: Das versprechen viele Augenkliniken. Denn Laserbehandlungen sind lukrativ. Auf Kosten vieler Patienten. "plusminus" über Risiken des Strahlenskalpells.

  • Sorgloser Sex mit fatalen Folgen

    Lange schienen Geschlechtskrankheiten in Deutschland unter Kontrolle zu sein, doch seit einigen Jahren steigt die Zahl der Infektionen wieder deutlich an. Vor allem Syphilis und Tripper sind auf dem Vormarsch.

  • Wenn Verbraucher herabgestuft werden

    Kein Vertrag ohne Bonitätsprüfung. Auskunfteien versuchen zu beurteilen, ob ein Kunde regelmäßig zahlt - manchmal ohne Erfolg. Können sich Kunden gegen falsche Urteile wehren?

  • Wenn Eltern Hilfe brauchen

    Welches Heim ist für die pflegebedürftigen Eltern das richtige? Welche Alternativen gibt es? Und wie läuft das mit den Pflegestufen? Die Reportage zeigt Wege durch den "Pflege-Dschungel".

  • Das süße Geschäft

    Sie lauern an Supermarktkassen und werden an Schulen beworben: Zuckerbomben, deklariert als Kinderlebensmittel, denen der hohe Zuckergehalt nicht anzusehen ist. "Marktcheck" über dreiste Werbemaschen.

  • Kampagne gegen Werbeblocker

    "Schalten Sie bitte den Werbeblocker ab!" - Immer mehr Webseiten wenden sich mit dieser Bitte an ihre Leser. Denn ausgeblendete Anzeigen bedeuten für die Portale ausbleibende Werbeeinnahmen.

  • Wege aus der Mobbing-Falle

    Gerüchte, Sticheleien, Ausgrenzung: Die Schikane kann so schlimm sein, dass die Opfer chronisch krank werden. Wie Betroffene dem Mobbing entgegen wirken können und wer ihnen dabei hilft.

  • Der Mythos vom ungesunden Salz

    Salz fehlt in keiner Küche. Dennoch denken viele Menschen, dass Salz schädlich ist - dabei ist es lebenswichtig. Der Verzicht auf Salz ist riskant - besonders für ältere Menschen.

  • Die ARD-Fernsehköche

    Ob Tarte au Citron, Gemüse-Polenta oder Sauerbraten - die ARD-Köche kennen die leckersten Rezepte und haben jede Menge praktische Tipps für die Küche. Dabei spüren sie auch immer aktuellen Trends in der Küche nach.

  • Kampf den Karaffen

    Die EU verbietet offene Olivenöl-Kännchen in Restaurants. Ab 2014 darf das Öl nur noch in der Original-Flasche auf den Tisch. Salz- und Pfeffer-Streuer bleiben aber erlaubt. Und auch Essig darf weiterhin in Nachfüllkännchen serviert werden.

  • Das süße Zuckerkartell

    Europas Verbraucher haben möglicherweise zu viel für Zucker gezahlt. Die EU verdächtigt mehrere Produzenten, die Preise jahrelang abgesprochen zu haben.