Erste Fernbus-Linie in NRW Billiger, aber auch bequemer?

Von Stephanie Grimme

Seit Jahresbeginn dürfen Fernbusse im Linienverkehr fahren. Die erste NRW-Fernbuslinie startete schon Ende November von Düsseldorf über Straßburg nach Freiburg. Die Fahrt im Bus ist viel billiger als mit Auto, Bahn oder Flugzeug - aber ist sie auch besser? Ein Selbsttest.


Düsseldorf, 6 Uhr 30. Gleich neben dem Hauptbahnhof wartet der große grüne Bus. "Bitte einsteigen und anschnallen. Wir fahren schließlich über die Autobahn", sagt Fahrer Alexander Becker. Ein Dutzend Fahrgäste sind an Bord. Überwiegend Studenten, die Eltern und Freunde in Freiburg oder in Straßburg besuchen. "Endlich gibt es in Deutschland Fernbusse", freut sich Studentin Eva Gerriken. Sie fährt die Strecke Düsseldorf-Freiburg regelmäßig - bislang meistens per Bahn. Trotz Bahncard zahlt sie 60 Euro. Viel zu viel, findet sie. Der Bus kostet höchstens 41 Euro, es gibt aber auch viele Tickets schon für 18 Euro. "Hoffentlich ist er bequem, ich möchte den Bus häufiger nutzen", sagt die 24-jährige Bochumerin.

Günstig reisen heißt nicht billig reisen


Symbolbild: Busfahrt auf der Autobahn
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"Fernbus-Linien sind ein Riesen-Markt", glaubt Torben Greve. Er ist Geschäftsführer von MeinFernbus.de. 17 Prozent der Reisenden im deutschen Fernverkehr fahren bislang mit der Bahn, drei bis vier Prozent fliegen und 80 Prozent fahren mit dem Auto. "Steigende Benzinpreise und das hohe Preisniveau der Bahn spielen uns in die Hand", freut er sich. "Jetzt müssen wir es nur schaffen, dass die Kunden sich wohl fühlen."
"Wir bieten die Preisspannen an, um  die Fahrgastzahlen zu regulieren", erklärt MeinFernbus-Geschäftsführer Torben Greve. "Damit nicht alle Gäste nur Freitags- und Sonntagnachmittag fahren, sondern die Busse auch über die Woche gebucht werden." Aber anders als bei der Bahn gäbe es ein sehr großes Kontingent an billigen Tickets, versichert er.  Gekauft werden die Fahrscheine vor allem online. Das geht bis unmittelbar vor Fahrtantritt. Zur Not kann man aber auch beim Fahrer direkt bar bezahlen. Dann aber zum teuersten Preis. 

Schlafen, Lesen und Surfen

Studentin Eva Schuh aus Köln hat alles dabei, um es sich bequem und kurzweilig zu machen. "Die Sitze sind sehr gemütlich, es ist sauber, und ich habe Laptop, Bücher und Proviant dabei. Auch Kaffee und Snacks bekommt man gegen Bezahlung an Bord, aber das Beste ist, dass es hier sogar einen kostenlosen W-LAN-Zugang gibt, so kann ich noch was für die Uni recherchieren." Der Bus stoppt kurz in Köln, um weitere Fahrgäste einzusammeln. Dann geht es nonstop nach Straßburg.


Der Reisebus gleitet über den Asphalt. Unebenheiten sind kaum zu spüren, nur das Ticken des Blinkers stört. Aber nicht jeden. Jacken und mitgebrachte Kissen werden zwischen Sitz und Fenster geklemmt, um sich dann gemütlich einzukuscheln. Eduard und Macew aus Prag haben die hintere Sitzbank in Beschlag genommen. Sie gucken X-Man auf ihrem Laptop. Eine halbe Stunde nach Abfahrt schläft der halbe Bus.

Lieber länger fahren als umsteigen

Fünfeinhalb Stunden fährt der Bus von Düsseldorf nach Freiburg. Etwa zwei Stunden mehr als die Bahn. "Studenten macht es nichts aus, wenn sie eine Stunde länger fahren", findet Eva Rosenkranz. "Dafür müssen wir nicht wie bei der Bahn umsteigen." Dass es vor allem Studenten sind, die den Fernbus nutzen, stört MeinFernbus-Geschäftsführer Torben Greve gar nicht. "In Süddeutschland betreiben wir schon seit einem halben Jahr Fernbus-Linien. Dort sind am Anfang auch fast nur Studenten mitgefahren. Mittlerweile steigen aber immer mehr ältere Menschen bei uns ein. Die Jungen erzählen es ihren Eltern. Sogar immer mehr Geschäftsleute nutzen unseren Fernbus. Schließlich müssen die Firmen ja auch aufs Geld gucken."

Nach viereinhalb Stunden ist der Bus in Straßburg. Fast pünktlich. Eva, Eduard und die anderen Fahrgäste rappeln sich auf. "Kaum zu glauben, dass die Fahrt schon vorbei ist", wundert sich Eva. "Hoffentlich gibt es bald ganz viele Fernbusse. Bei so geringen Fahrpreisen könnte ich dann ganz viel reisen."


Stand: 02.01.2013, 11.49 Uhr


Kommentare zum Thema (29)

letzter Kommentar: 06.01.2013, 13.17 Uhr

WDR.de schrieb am 06.01.2013, 13.17 Uhr:
Kommentare wurden gelöscht. Bitte tragen Sie mit sachlichen Argumenten zum Thema des Artikels bei.
mike schrieb am 05.01.2013, 16.11 Uhr:
also ich fin,s geil weil das doch billiga is oda!!
Peter Severin schrieb am 05.01.2013, 15.12 Uhr:
Hi ich leite die bex fernbusse von berlin nach bayern und das schon länger da ich aber im auftrag der db stehe ist das neue gesetz leider nicht so lokrativ wir beraten uns schon seit dem bekannt sein des gesetze,s ob wir uns von der db lösen und mit unseren tochter firmen ein unternehmen bilden dan würden die tcket preise um 45%sinken weil wir dann mehr fahrzeuge sprich mehr fahrten hätten aber das dauert wohl noch etwas weil die bahn weiss das busse auch gelt einbrigen !!!!!
daniel busman schrieb am 05.01.2013, 15.01 Uhr:
ich bin selber bus unternehmer mit einer flotte von fasst 65 bussen und ich kann mich nur freuen weil ich ür sinbad bus gmbh intercity fahrten sprich fernbuslinien befahre also ich freu mich
Pascal schrieb am 05.01.2013, 02.11 Uhr:
Es scheint ja so, als würde hier die PR-Abteilung der Bahn ihre Mitarbeiter anspornen doch nur negative Kommentare zu schreiben. Wenn man es eilig hat, nimmt man das Auto. Wenn es einen aber auf ein paar Stunden mehr nicht ankommt, dann sind die neuen Fernbusse eine prima und vor allem günstige Alternative. Obwohl die Bahn ja grade mal zu etwas über 80% im Fernverkehr pünktlich ist. Die Bahn bekommt es bis heute noch nicht mal auf die Reihe in ihren ICE´s flächendeckend Wlan anzubieten. Darüber hinaus bieten die Busse genauso viel Beinfreiheit wie die neuen ICE´S auf der Strecke Köln-Berlin. Da hat die Bahn mal eben um es kuscheliger zu machen, ein paar mehr Sitze eingebaut und komfortables Sitzen ist für Leute über 185 cm kaum bis nicht mehr möglich. In Österreich gibt es dies schon länger und die Fahrt mit den modernen Bussen nach Prag oder Ungarn sind wahrlich bequem. Wenn der Bauer was nicht kennt, sollte es also auch nicht urteilen.

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