Zecken-Studie wird auch in NRW erprobt Bald mit Gel gegen Borreliose?

Von Lisa von Prondzinski

Gerade im Sommer beißen Zecken häufig zu. Gefährlich für den Menschen, denn sie können die heimtückische Krankheit Borreliose übertragen. Derzeit wird ein Mittel getestet, das den Ausbruch verhindern soll.


Eine Zecke krabbelt über den behaarten Arm eines Mannes
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Viele Betroffene erinnern sich gar nicht mehr an einen Zeckenstich

Bisher wartet man nach einem Zeckenbiss ab, ob sich Symptome zeigen. Die Wanderröte beispielsweise, bei der die Haut um die Stichstelle herum nach einigen Tagen rot wird. Der Patient muss dann mindestens zwei Wochen lang Antibiotika-Tabletten nehmen, die in der Regel gut anschlagen. Allerdings wird eine Borreliose-Infektion längst nicht bei jedem Patienten erkannt, denn eindeutige Symptome treten nicht bei jedem auf. Oder aber der Arzt ordnet Fieber, Kopf-, und Muskelschmerzen nicht richtig ein. Ohne eine rechtzeitige Behandlung jedoch sind belastende Spätfolgen möglich. Manche Menschen bekommen noch Jahre später wegen Entzündungen Probleme in den Gelenken, mit dem Herzen oder Gehirn. Bei anderen dagegen kann eine Borreliose sogar beschwerdefrei verlaufen.


Hier finden Sie den Beitrag aus der Aktuellen Stunde

Simpel – auftragen wie ein Creme


Porträt Christoph Wyen
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Christoph Wyen

Bald jedoch könnte diese heimtückische Infektion ihren Schrecken verlieren, denn eine vorbeugende Therapie wird in Österreich und Deutschland erprobt, darunter auch von Medizinern an der Uniklinik Köln und einer Arztpraxis in Iserlohn: Es handelt sich um ein Gel mit dem flüssigen Antibiotikum 'Azithromycin', das sich in Tabletten bereits bewährt hat. Die Paste wird wie eine Creme nach einem frischen Biss einfach auf die Haut aufgetragen. Zwei Mal am Tag, an drei aufeinander folgenden Tagen. Ziel ist es, die Bakterien bereits in den oberen Hautschichten abzutöten, damit sie keine Chance haben, in den menschlichen Blutkreislauf einzudringen.

Dieses Spezialgel wird an mehreren Zentren mit insgesamt 1.400 Patienten getestet. 'In Köln haben bisher rund 60 Patienten mitgemacht', erzählt der Infektiologe, Dr. Christoph Wyen, aus der Abteilung Innere Medizin an der Uni-Klinik Köln. Wer an der Studie teilnehmen möchte, muss die Zecke in die Klinik mitbringen, damit nicht nur der Patient, sondern auch der Blutsauger untersucht werden kann.

Endgültige Ergebnisse im nächsten Jahr


Ein Zeckenbiss an einer Wade
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Die sogenannte Wanderröte tritt längst nicht bei jedem auf - ist aber ein untrügliches Zeichen für eine Infektion

"In Tierversuchen hat das Gel funktioniert", sagt der Mediziner Wyen. Ob es aber auch beim Menschen gut wirkt, muss sich noch herausstellen. Die Patientenstudie werde voraussichtlich in einem Monat beendet sein. "Erste Wirksamkeitsdaten werden dann frühestens in einigen Monaten vorliegen. Und mit einem endgültigen Ergebnis ist erst nach Abschluss der Gesamtstudie im nächsten Jahr zu rechnen", sagt der Infektiologe Wyen. Und bis zur Zulassung auf den Markt würden dann noch mal einige Monate vergehen. Auf jeden Fall hätten die Teilnehmer das Gel bisher gut vertragen. "Keine Rötungen, keine Allergien", erzählt der Arzt. "Es steckt viel Hoffnung darin. Wenn es wirkt, wäre das ein Riesenfortschritt in der Therapie."

Nicht jede Zecke überträgt die Infektion

So gefährlich die Borreliose sein kann, nicht jeder, der von einer Zecke gestochen wird, erkrankt automatisch daran. Denn nicht alle dieser Blutsauger haben die Borrelien, die in ihrem Darm leben, in sich. Experten gehen davon aus, dass etwa jede zehnte Zecke in Norddeutschland und jede dritte in Mittel- und Süddeutschland damit infiziert ist. Außerdem löst nicht jeder Biss einer infizierten Zecke eine Borreliose beim Menschen aus.

Definitive Zahlen über Erkrankungen fehlen


Borrelien im Blutkreislauf
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Die Diagnose einer Borrelien-Infektion ist wegen der diffusen Symptome oft kompliziert

Wie viele Menschen tatsächlich daran erkranken, kann jedoch nur geschätzt werden. Für die Borreliose gibt es keine Meldepflicht in Deutschland. Ein Melderegister haben nur wenige Bundesländer, NRW gehört nicht dazu. Das Gesundheitsministerium in Düsseldorf hält eine Meldepflicht nicht für sinnvoll, weil Borreliose keine ansteckende Krankheit ist und ein Melderegister die Ausbreitung nicht eindämmen könne. Vor Kurzem haben Wissenschaftler aus Frankfurt hochgerechnete Zahlen geliefert, die auf einer Analyse von Krankenkassendaten basieren: Demnach erkranken in Deutschland rund 214.000 Menschen pro Jahr an Borreliose.

Eine Impfung dagegen gibt es nicht. Wer sich in Büschen oder hohen Gräsern bewegt, sollte vorsichtshalber den Körper weitestgehend bedecken und ihn später absuchen, was aber auch keinen hundertprozentigen Schutz bietet. Hat sich doch eine Zecke festgesaugt, sollte sie mit einer Pinzette herausgezogen werden.


Stand: 19.07.2012, 06.00 Uhr


Kommentare zum Thema (11)

letzter Kommentar: 20.07.2012, 11:52 Uhr

Mimi schrieb am 20.07.2012, 11:52 Uhr:
Anna, Frontline funktioniert nur im Tierhaar, weil es dort eine Art Ölfilm bildet und sich auch dort verteilt bwz. nicht ausgewaschen wird. Wir Menschen mit unserer nackten Haut und (hoffentlich) entsprechender Körperpflege sind da ungeeignet. In meiner Familie verwenden wir aber Repellents, wenn wir draußen unterwegs sind. Meine Mutter hatte 2 Borreliosen, aber seit sie sich immer einsprüht, ist alles im grünen Bereich.
Otto schrieb am 19.07.2012, 21:13 Uhr:
Der Hund kriegt Frontline und alles ist toll - lol. Ich habe eine Katze und der gab ich früher auch Frontline. Ob mit oder ohne die hat sie trotzdem mitgebracht. Ganz schlimme Zeit je nach Wetterlage so Ende März bis Mitte/Ende Juni. Und da Frontline nichts bringt jedes mal abfühlen und bei Befund mit den Fingern rausziehen und durchs Klo ziehen ( die Zecke natürlich!! ). Man die verrecken noch nicht mal beim drauftreten. Otto
Anna schrieb am 19.07.2012, 15:48 Uhr:
Hallo, wir schützen unsere Hunde mit frontline. Das ist eine Flüssigkeit, die im Nacken des Hundes aufgetragen wird und danach geht für einige Monate keine Zecke an sie ran. Jetzt eine blöde Frage: Wieso kann man dem Menschen kein frontline geben?
Frank schrieb am 19.07.2012, 12:23 Uhr:
Ich habe in meinem Umfeld die Erfahrung gemacht, dass Zecken die gleichen Leute mögen wie Mücken, also wer oft von Mücken gestochen wird, hat auch schnell eine Zecke, während die, die so gut wie nie einen Mückenstich haben, auch keine Zecken bekommen. Das gilt sogar für Tiere. Einige Tiere werden ständig von Mücken gestochen und haben den Körper voller Zecken, während ich im Moment einen Hund habe, der nie Mückenstiche hat und vielleicht 2 Zecken im Jahr.
Martin schrieb am 19.07.2012, 10:56 Uhr:
Unser weisser Kater hat seit Februar täglich 2 bis 5 Zecken. Ich selbst hatte in diesem Jahr bereits 4 mal eine Zecke (und das trotz aller Vorsorgemasnahmen durch Kleidung etc.). Man kann sich nicht 100% davor schützen. Leider sind die jungen Zecken oft so klein, dass man sie oft gar nicht sieht oder bemerkt bevor sie stechen oder beissen. Ich ducsche prinzipiell nach der Gartenarbeit, um so wenigstens die losen Zecken runterzuspülen. Es ist eine echte Plage...

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