Zwei Studien zum Alkoholkonsum: Die Deutschen trinken weniger
Alkohol ist immer noch die Volksdroge Nummer eins - allen Kampagnen zum Trotz. Aber die Jugendlichen trinken heute weniger als noch vor vierzig Jahren. Der Alkohol, der Konsum und seine Folgen: Zwei Studien bringen Fakten zum "Tag der Drogensucht" (26.06.2012).
Nirgendwo auf der Welt wird so viel getrunken wie in Europa: Zwölf Millionen Menschen sind alkoholabhängig, einer von sieben Männern und eine von dreizehn Frauen sterben an den Folgen des Konsums. Das sind die erschreckenden Ergebnisse, zu der eine Studie im Auftrag der Europäischen Union gekommen ist - und ein Alarmsignal für Politiker und Wissenschaftler. Immerhin: Die als trinkfreudig verschrienen Deutschen liegen nur noch im Mittelfeld, wie eine Untersuchung der Bundeszentrale für Gesundheitliche Aufklärung zeigt. Und bei den Jugendlichen sinkt der Konsum sogar, trotz Alcopops und Mixgetränken. WDR-Wissenschaftsredakteurin Ruth Schulz hat beide Studien zum Tag der Drogensucht (26.06.2012) gelesen.
WDR.de: Frau Schulz, die EU-Studie ist sehr detailliert. Wo wird eigentlich am meisten getrunken?
Ruth Schulz: Innerhalb Europas gibt es große Unterschiede. Die Skandinavier trinken am wenigsten, die Ost-Europäer, also zum Beispiel Bulgaren, Ukrainer und Russen, am meisten. Deutschland, Frankreich und Italien liegen im Mittelfeld.
WDR.de: Die Studie hat die Überschrift "Verpasste Chancen" - das klingt wenig optimistisch.

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WDR-Redakteurin Ruth Schulz
Schulz: Ja, in vielen Ländern könnte deutlich mehr getan werden. Schließlich ist Alkohol für 60 Prozent aller chronischen Krankheiten verantwortlich, und die Folgen für die Familie und die wirtschaftliche Produktivität sind gravierend. Man könnte dafür sorgen, dass weniger Menschen wegen Alkohol am Steuer ums Leben kommen, oder den Alkoholkonsum über Steuern und den Preis senken. Das hat in Skandinavien ja funktioniert. Es gibt auch wirksame Suchttherapien, etwa den Entzug über Medikamente. Deutschland steht da gar nicht so schlecht da, aber man könnte auch hier mehr Angebote machen.
WDR.de: Ist das denn nötig? Die Studie der Bundeszentrale hat doch ergeben, dass die Jugendlichen weniger trinken.
Schulz: 42 Prozent der jungen Erwachsenen, also der 18- bis 25-Jährigen, trinken immer noch regelmäßig und gesundheitsgefährdend. Aber es gibt ein positives Ergebnis: Seit 1970, also seit vier Jahrzehnten, ist der Konsum nicht gestiegen.
WDR.de: Dabei liest man immer vom Komasaufen, das unter Jugendlichen um sich greift.
Schulz: Das hat mich auch überrascht. Das ist bestimmt ein großes Problem, aber es wird nicht schlimmer, die Zahlen sinken sogar.
WDR.de: Also im Hinblick auf Extremtrinken kein Grund, alarmiert zu sein?
Schulz: Doch, man darf den Alkohol nicht unterschätzen. Das ist ein Nervengift, das das Gehirn schädigt, und die Suchtgefahr ist sehr hoch. Wenn man das regelmäßig trinkt und als Fluchtmöglichkeit ansieht, dann kann man schnell in die Abhängigkeit rutschen.
WDR.de: Ab wann ist man denn abhängig?
Schulz: Da reagiert jeder anders, auch, was die gesundheitlichen Folgen betrifft. Das hängt davon ab, ob man Mann oder Frau ist, Jugendlicher oder Erwachsener. Aber fest steht, dass die negativen Folgen oft unterschätzt und die positiven überschätzt werden. "Ein bisschen Alkohol schadet nicht" oder "Ein Schnäpschen nach dem Essen tut gut" - das sind Mythen, die nicht belegt sind. Und selbst wenn Alkohol für's Herz nicht schädlich ist, dann ist er es für die Leber.
WDR.de: Also sollten Jugendliche gar keinen Alkohol anrühren?
Schulz: Sie sollten versuchen, verantwortungsvoll damit umzugehen. Die Kampagne der Bundeszentrale heißt ja "Kenn dein Limit". Man will ihnen den Alkohol nicht einfach verbieten. Sie sollten es nur schaffen, noch einigermaßen sicher nach Hause zu kommen.
Die Fragen stellte Marion Kretz-Mangold.
Stand: 26.06.2012, 14.47 Uhr
- Informationen zum Alkoholkonsum von Jugendlichen auf der Homepage der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung
- Mit dem Schock gegen die Sucht [Mediathek]
- Mythen rund um den Alkohol: Tee statt Schnaps (26.06.2012) [WDR 2]
- Audio: Positive Aspekte des Alkohols werden meist überschätzt, negative unterschätzt [WDR 2] Ruth Schulz/Gudrun Höpker, WDR 2 Westzeit
Kommentare zum Thema (20)
letzter Kommentar: 27.06.2012, 18:57 Uhr
- Gisela S. schrieb am 27.06.2012, 18:57 Uhr:
- Alkohol hat wohl einen sehr hohen Stellenwert in diesem Lande. Man kan dem Deutschen alles wegnehmen außer Alkohol, Auto und Urlaub. Die meisten Dramen spielen sich doch unter Alkoholeinfluss ab und davon haben wir ja täglich genug.Das wird immer so schön verniedlicht mit Bierchen, Schnäpschen. Wenn man dagegen sieht, wie Leute die rauchen behandelt werden, einfach unmöglich. Das sind ja auch keine Menschen, sondern Raucher. Die Ärzte fragen immer ob man raucht, aber niemals ob man viel Alkohol trinkt und die Besteuerung ist im vergleich zu Zigaretten viel zu niedrig. Na dann prost.
- didi schrieb am 27.06.2012, 14:59 Uhr:
- Alkoholverteuerung ist mir egal. Ich keltere meinen Met selber, 12L/ Jahr und davon verschenke ich noch 5-6L und 2-3L lasse ich vor sich hin altern. Prost, Chers, hau weg die K
- rigoros schrieb am 27.06.2012, 14:37 Uhr:
- Die erhebliche Verteuerung des Alkohols könnte zumindest den Alkoholkonsum der Jugendlichen reduzieren.
- Anti schrieb am 27.06.2012, 14:28 Uhr:
- Verfünffachung der Alkoholsteuer wäre gut. Dann würde auch weniger gesoffen.
- otto schrieb am 27.06.2012, 12:48 Uhr:
- Ein Volk was nicht in der Lage ist seinen wird redlich und gut zu ernähren, ist nicht wert in Freiheit zu leben!!!!!
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