Landtag beschließt WestLB-Gesetz Das teure Ende der Westdeutschen Landesbank

Von Rainer Kellers

Der Landtag hat am Donnerstag (21.06.2012) einen Schlussstrich unter das Kapitel WestLB gezogen. Mit dem Gesetz zur Restrukturierung der Landesbank macht Rot-Grün den Weg frei für die Zerschlagung des Instituts. Nun ist zunächst eine Milliarde Euro fällig. Die künftigen Risiken könnten aber noch weit größer sein.


Vor der WestLB Zentrale in Düsseldorf wirbt ein Bestattungsunternehmen mit einer Außenwerbung
Bild 1 vergrößern +

Passendes Bild: Bestattungsunternehmer vor der WestLB-Zentrale in Düsseldorf

Die Westdeutsche Landesbank ist ein schweres Erbe. Einst Prestige- und Machtobjekt der Landespolitik stellt sie heute vor allem eine Bedrohung für den Haushalt dar. Schon in der Vergangenheit ist viel Geld in der WestLB verbrannt worden. Zum Ende des Monats kommt nun noch einmal eine Milliarde Euro dazu. So viel muss das Land NRW aufbringen, damit die Bank wie geplant und von der EU gefordert abgewickelt werden kann. Ein entsprechendes Gesetz hat der Landtag am Donnerstag mit den Stimmen der Regierungsfraktionen beschlossen.

CDU fordert Gegenfinanzierung für die Milliarde


Die Debatte über das so genannte Restrukturierungsgesetz war kurz und im Vergleich zu früheren Auseinandersetzungen eine harmlose Angelegenheit. CDU-Haushaltsexperte Daniel Sieveke erklärte noch einmal, warum die CDU den Gesetzentwurf ablehnt. Deshalb nämlich, weil die eine Milliarde im Haushalt 2012 komplett über eine höhere Neuverschuldung finanziert werden soll, ohne dass es entsprechende Einsparungen gibt. Vor einem Jahr, als es im Landtag darum ging, die Eckpunktevereinbarung für die WestLB - den Fahrplan für die Zerschlagung - auf den Weg zu bringen, hatte die Union noch zugestimmt. Zähneknirschend und "aus staatspolitischer Verantwortung", wie Fraktionschef Karl-Josef Laumann damals sagte. Heute ist die Situation eine andere. Rot-Grün besitzt eine eigene Mehrheit - und die CDU kann sich eine ablehnende Haltung leisten.

Neuverschuldung steigt auf fast fünf Milliarden


Der Finanzminister von Nordrhein-Westfalen, Norbert-Walter Borjans, legt im Landtag in Duesseldorf seinen Amtseid ab
Bild 2 vergrößern +

Norbert Walter-Borjans bei der Vereidigung

Finanzminister Norbert Walter-Borjans (SPD) kritisierte denn auch, die CDU wolle Verantwortung abgeben, um als Opposition gut dazustehen. Eine Milliarde Euro seien nicht mal eben im Haushalt einzusparen, sonst hätte er, der Finanzminister, das längst getan. Es sei eine "Altlast", die nicht im Haushaltsentwurf zu verarbeiten sei. Bereits am Mittwoch (20.06.2012) hatte Walter-Borjans zugegeben, dass wegen der WestLB die Neuverschuldung in diesem Jahr von geplanten 3,9 Milliarden auf voraussichtlich knapp unter fünf Milliarden Euro steigen werde. Da die Milliarde für die Landesbank aber als Investition gilt, werde die Verfassungsgrenze eingehalten.


Die FDP und die Mehrheit der Piraten im Parlament stimmten dem Restrukturierungsgesetz ebenfalls nicht zu. Redner beider Parteien warnten davor, dass es trotz der Zerschlagung der Bank nach wie vor erhebliche finanzielle Risiken für das Land gebe. "Für die Steuerzahler ist das Abenteuer längst nicht ausgestanden", sagte Ralf Witzel von der FDP. Und Pirat Dietmar Schulz erinnerte an die Zahl von 18 Milliarden, die die WestLB den Steuerzahler insgesamt kostet.

"Besser ein Ende mit Schrecken"

Diese Zahl hatte der Finanzminister am Mittwoch in einem Pressegespräch genannt. Die Summe steht für die Gesamtlasten, die Land, Bund und Sparkassen seit 2005 und voraussichtlich bis zum Jahr 2028 gemeinsam schultern müssen. Darin enthalten sind alle Kosten von der Wertvernichtung in den vergangenen Jahren über fällige Staatsgarantien bis hin zu Pensionslasten für die Mitarbeiter. Ob darüber hinaus noch weitere Lasten hinzukommen, kann heute offenbar niemand beantworten. "Risiken gibt es in diesem Geschäft immer", sagte Walter-Borjans auf Nachfrage von WDR.de. Die Alternative zur Zerschlagung der WestLB wäre aber gewesen, noch mehr Geld hineinzupumpen. "Besser ein Ende mit Schrecken", meinte der Minister, "als Schrecken ohne Ende."


Stand: 21.06.2012, 16.55 Uhr


Kommentare zum Thema (46)

letzter Kommentar: 26.06.2012, 11:40 Uhr

Bert schrieb am 26.06.2012, 11:40 Uhr:
Eulenspiegel@, ich bin absolut deiner Meinung und empfehle dir - wohl deinen Parteifreund - den SPD Justizminister zu animieren, dass von einem zuständigen Gericht Anklage erhoben wird, damit auch der breiten Öffentlichkeit die Übeltäter bekannt werden.. Übrigens in Bayern läuft bereits der Prozeß gegen Bayern LB Manager einschl. der CSU Politiker. Aber in NRW wird wohl nichts passieren. Offenbar ist der rote Filz in NRW noch eine Kategorie dichter als der Schwarze in Bayern.
der Eulenspiegel schrieb am 25.06.2012, 22:45 Uhr:
Andrea sie vergessen das Herr Rüttgers auch 5 Jahre Ministerpräsident war. Was immer man SPD-Politikern vorwerfen kann Rüttgers hat daran nichts geändert. Er hatte auch offensichtlich gar kein Interesse daran da was zu ändern. Wie wäre das wenn wir Vordern das sämtliche Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden unabhängig welcher Partei sie angehören.
Andrea schrieb am 25.06.2012, 16:30 Uhr:
Der Niedergang der West LB ist kein Kind der Neuzeit. Er begann bereits mit der Ära Neubert /Rau. Fast alle wichtigen Posten wurden danach mit SPD hörigen Typen besetzt. Qualifikation war Nebensache. Mit den von den Genossen in den Sand gesetzten 18 Milliarden könnten alle NRW Schulen und Kindergärten saniert und neue Kitas gebaut werden. Was mich aber am meisten ärgert, dass die Übeltäter von Seiten der Justiz nicht zur Rechenschaft gezogen werden. Jeder kleine Ladendiebstahl wird geahndet während man die großen Vergehen nicht weiter verfolgt. Ist denn NRW wirklich so rot verfilzt, dass hier nichts mehr passiert?
Optik und Täuschung schrieb am 24.06.2012, 15:51 Uhr:
Jedes mal, wenn ich auf W-Bs Foto schaue verkreuzen sich die Finger, wie man sich doch täuschen kann?
heinzb aus nrw schrieb am 23.06.2012, 20:30 Uhr:
Das ist Schaden am deutschen Volk und am deutschen Steuerzahler, die dafür Verantwortlichen sollten eingesperrt werden und deren kriminellen Gruppierungen sollten verboten werden.

Alle Kommentare anzeigen



tagesschau.de

  • Champions-League-Finale: Am Ende siegen doch die Bayern

    Der FC Bayern München hat die Champions League gewonnen. Der deutsche Meister besiegte im Finale von London Borussia Dortmund 2:1 und holte erstmals seit 2001 wieder den Titel in der Königsklasse. Das entscheidende Tor schoss Arjen Robben in der 89. Minute.

  • Friedrich: Kein Hinweis auf konkreten Anschlagsplan

    Das BKA hat die Innenminister der Länder über ein möglicherweise in Deutschland geplantes Attentat informiert. Spekulationen über Anschlagsziele wies Bundesinnenminister Friedrich jedoch zurück. Es gebe keine Hinweise auf konkrete Aktionen.

  • Soldat in Paris niedergestochen

    Ein Unbekannter hat in Paris einen französischen Soldaten mit dem Messer verletzt. Der Angreifer stach den Soldaten im Geschäftsviertel La Défense in den Hals und flüchtete. Nach Polizeiangaben ist das Opfer nicht in Lebensgefahr.

  • Merkel erteilt Forderung nach raschem Mindestlohn Absage

    "Mindestlohn jetzt": Mit dieser Forderung ist Kanzlerin Merkel auf der Tagung des CDU-Arbeitnehmerflügels empfangen worden. Zwar erteilte sie den Wünschen ihrer Parteifreunde eine Absage, vertröstete sie aber auf die Zeit nach der Bundestagswahl.

  • Solingen: Gedenken an Opfer des Brandanschlags von 1993

    2000 Menschen haben in Solingen gegen Ausländerfeindlichkeit und Rassismus protestiert. Die Demonstration war der Auftakt der Gedenkveranstaltungen zum Jahrestag des Brandanschlags, bei dem 1993 fünf Türkinnen ums Leben kamen.

  • 50 Jahre AU: Geburtstag mit gemischten Gefühlen

    Als "Plauderklub der Diktatoren" wurde die Organisation für Afrikanische Einheit einst verspottet. Heute, 50 Jahre nach ihrer Gründung, nennt sie sich Afrikanische Union. Vieles läuft noch schleppend, aber militärisch hat sie sich Respekt verschafft.

  • Myanmar: Geburtenbeschränkung für Muslime in zwei Orten

    Die Beziehungen zwischen Buddhisten und Muslimen im Westen Myanmars sind seit langem angespannt. Nun sorgt ein Beschluss der Behörden für weitere Aufregung: In zwei Städten gilt eine Geburtenbeschränkung - aber nur für Muslime, nicht für Buddhisten.