Enthüllungsautor in der Kritik: Betrugsvorwurf gegen Wallraff
Als Enthüllungsjournalist hat er jahrelang schlechte Arbeitsbedingungen aufgedeckt - jetzt steht er als Arbeitgeber selbst in der Kritik: Ein Ex-Mitarbeiter behauptet, Günter Wallraff habe ihn jahrelang schwarz beschäftigt. Wallraff reagiert enttäuscht und spricht von falschen Anschuldigungen.

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Günter Wallraff wehrt sich gegen Vorwürfe eines Ex-Mitarbeiters
Es steht Aussage gegen Aussage. Der ehemalige Mitarbeiter des Büros von Wallraff in Köln, André Fahnemann, behauptet, er habe Wallraff gebeten, das Arbeitsverhältnis zu legalisieren, was dieser abgelehnt habe. Wallraffs Rechtsanwalt Winfried Seibert sagt, das Gegenteil sei der Fall. In einer Stellungnahme, die WDR.de vorliegt, erklärt Wallraff, dass er mit Bedauern zur Kenntnis nehme, dass sich Fahnemann mit falschen Anschuldigungen gegen ihn gewandt habe. "Die Vorwürfe, ich hätte ihn ausgebeutet oder ausgenutzt, haben nichts mit der Realität zu tun." Wallraff mutmaßt, dass sein Ex-Mitarbeiter ihn in der Öffentlichkeit diskreditieren wolle. Was der Hintergrund sein könnte, war zunächst nicht zu erfahren.
Illegal beschäftigt und weiter Arbeitslosengeld bezogen?
Fahnemanns Anwalt Frank Langen berichtet, Wallraff habe seinen Mandanten als eine Art Privatsekretär beschäftigt, ohne das dem Finanzamt oder der Arbeitsagentur anzuzeigen. Er habe von August 2008 bis Dezember 2009 monatlich 1.000 Euro gezahlt und ab Januar 2010 einen Stundenlohn von acht Euro, bar und ohne Beleg. Wallraff habe gewusst, dass sein Mitarbeiter zu der Zeit auch Arbeitslosengeld und später Hartz IV bezog. Fahnemann habe sich jetzt selbst angezeigt beim Finanzamt. "Er wollte damit seinem Unrechts-Arbeitsverhältnis ein Ende setzen", beteuert der Anwalt. Fahnemann ging jetzt noch einen Schritt weiter, in dem er den Fall im "Spiegel" (29.07.2012) öffentlich machte.
Bei Recherchen zu Callcentern kennengelernt
In einem Brief des Wallraff-Anwalts an den "Spiegel" heißt es, Wallraff habe den Mann bei Recherchen zu Callcentern kennengelernt und ihm helfen wollen. Der Mann habe gelegentlich bei ihm im Büro etwas Geld verdienen dürfen, war jedoch "nie fest angestellt". Er habe auch nie ein monatliches Festgehalt bezogen. Dem widerspricht jedoch der ehemalige Mitarbeiter. In einer Stellungnahme, die WDR.de vorliegt, erklärt André Fahnemann am Montag (30.07.2012): "Wie in meiner Selbstanzeige dargestellt, habe ich mich in einem weisungsgebundenen Beschäftigungsverhältnis mit regelmäßigen Lohnzahlungen befunden."
Nach Wallraffs Darstellung wollte der Mitarbeiter, dass ihm das Geld bar ausgezahlt wurde, da es ihm sonst gepfändet worden wäre. "Diese Aussage ist nicht korrekt", erklärt Fahnemann hierzu. "Es kann nachgewiesen werden, dass keine Kontenpfändung vorliegt", so der ehemalige Wallraff-Mitarbeiter.
Wallraff: Wollte Fahnemann zur festen Arbeit verhelfen

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Günter Wallraff
Günter Wallraff erklärte zudem, er habe dem Mitarbeiter unter Zeugen mehrmals angeboten, eine Lebensversicherung für seine Altersvorsorge abzuschließen, ihm eine zusätzliche Ausbildung zu finanzieren und ihn auch testamentarisch zu berücksichtigen, so wie dies bereits bei früheren Mitarbeitern geschehen sei. Dies habe der Mann jedoch abgelehnt. "Diese Aussage ist korrekt", so André Fahnemann in seiner Stellungnahme. Das Angebot habe er über den Zeitraum der Beschäftigung immer wieder erhalten. Darauf sei er aber nicht eingegangen, weil Günter Wallraff "für derartige Leistungen immer auch eine Gegenleistung forderte und mich so auch in weitere Abhängigkeit gebracht hätte", so Fahnemann. Er habe diese Angebote als "Schweigegeld auf Raten" gewertet.
Nach Angaben des Anwalts ist Günter Wallraff mit dem Mitarbeiter noch vor einigen Monaten zu der zuständigen ARGE-Mitarbeiterin gegangen, um ein festes Arbeitsverhältnis zustande zu bringen. Kurze Zeit später habe der Mitarbeiter davon aber nichts mehr wissen wollen und sämtliche Kontakte zu Wallraff abgebrochen.
Kölner Staatsanwaltschaft ermittelt nicht
Bislang werde nicht gegen den Enthüllungsautor ermittelt, hieß es bei der Kölner Staatsanwaltschaft am Montag (30.07.2012). Sollten sich aber die Vorwürfe bestätigen, könnte er wegen Beihilfe zum Betrug belangt werden. Dem ehemaligen Mitarbeiter könnte ein Strafverfahren wegen Steuerbetrug und Sozialhilfebetrug drohen.
Stand: 30.07.2012, 18.02 Uhr
Kommentare zum Thema (55)
letzter Kommentar: 03.08.2012, 18:47 Uhr
- der Eulenspiegel schrieb am 03.08.2012, 18:47 Uhr:
- Da zeigt jemand ohne Not sich selber an und nimmt damit automatisch etliche tausend ERU Schulden auf sich mit der Begründung."Er wollte damit seinem Unrechts-Arbeitsverhältnis ein Ende setzen", Es ist schon komisch das jemand, der sowieso schon in einer schwierigen finanziellen Situation ist, freiwillig sich Schulden aufhalst. Er hätte auch einfach so das Arbeitsverhältnis ein Ende setzen können. Ich weiß kenn nicht die Wahrheit aber dies ist nur eine der vielen Merkwürdigkeit. Sicher ist das Wallraff eine Menge Feinde hat.
- Oseline schrieb am 02.08.2012, 13:26 Uhr:
- Tut mir leid, aber ich kann mich nur wiederholen: Der Wallraff bestimmt auch nicht das Bleiberecht z. B. der Sinti und Roma aus Frankreich, Bulgarien und Rumänien und auch nicht der Flüchtlinge aus nordafrikanischen Staaten, wie z. B. aus Syrien. Wallraff muss kein Blitzableiter für alle denkbaren Anlässe sein.
- Palph Peter schrieb am 02.08.2012, 12:39 Uhr:
- Hat jemand von diesem Wallraff ernsthaft etwas anderes erwartet? Hier zeigt sich lediglich ein Stück seines wahren Gesichts!
- So isses schrieb am 01.08.2012, 19:32 Uhr:
- Ich komm vor Lachen nicht in den Schlaf! Wen und was hat der Kerl nicht alles in die Pfanne gehauen! Und jetzt das? 8 Euro Stundenlohn? Bei Herrn Wallraff? Und das ausgerechnet noch schwarz bezahlt? Da bringen auch die ganzen Beteuerungen nicht mehr! Sie, Herr Wallraff, hätten den Mann als Arbeitgeber anmelden müssen! So einfach ist das, und nicht anders! Jeder andere Arbeitgeber wäre sonst auch dran! Gerade in diesem Fall, als Vorbildkarakter, fordere ich vom Staat eien drakonische Strafe!
- Oseline schrieb am 01.08.2012, 09:11 Uhr:
- Anders verhält es sich schon, denn es wird schon genug gespalten, verhunzt, schikaniert, entehrt und versklavt (Leiharbeit, Brötchen- u. Bon-Skandal), verhöhnt, fertiggemacht, betrogen, ausgenutzt und ausgebeutet. Möglich ist es, dass ein paar Schwarzbrote sich daran stechen, wenn jemand auch Menschenschicksalen mit Migrationshintergrund zur Seite stehen möchte. Das ist christliches Gebot, und alle Mittel dazu sollten erlaubt sein, denn es darf keine Spaltung in guten und schlechten Arbeitnehmern geben. Herr Wallraff hatte die Bedingungen des Bleiberechts für Gastarbeiter nicht bestimmt, das waren andere gewesen, und er aber wollte nicht wegschauen, wie gern weggeschaut wird, wenn die obigen Dinge geschehen. Das ist das Ausrufezeichen. Nur eines, aber es ruft mehr aus, als der ganze Haufen seiner diskriminierenden Gegnerschaft.
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