Nationales Waffenregister eingerichtet Das Register für Schützen, Jäger und Sammler

Von Vera Pache

Ein zentrales Waffenregister ermöglicht deutschen Behörden ab dem 1.1.2013 eine bessere Übersicht über in Deutschland gemeldete Waffen und deren Besitzer. Wer bisher nach einer Person oder Waffe gesucht hat, musste schlimmstenfalls alle Waffenbehörden einzeln anrufen.


Wer in Deutschland offiziell eine Waffe besitzt, braucht dafür eine Waffenbesitzkarte oder einen Waffenschein. Außerdem muss er oder sie die Pistole oder das Gewehr bei der dafür zuständigen Waffenbehörde melden. Insgesamt gibt es rund 550 solcher Behörden – alle mit unterschiedlichen Formen der Registrierung. Bisher, denn ab dem 1.1.2013 gibt es in Deutschland ein nationales, digitales Waffenregister beim Bundesverwaltungsamt in Köln, das zukünftig eine Gesamtübersicht über legale Waffen und Personen mit Waffenschein bietet.

"Wenn man eine Waffe suchte oder eine Person, die eine Waffe hat, und dazu Informationen brauchte, dann musste man entweder wissen, wo er oder sie gemeldet ist, damit man die zuständige Behörde findet oder sonst musste man alle Waffenbehörden nacheinander abfragen", erklärt Ulrich Maßolle, zuständig für Fragen der Inneren Sicherheit im Bundesverwaltungsamt in Köln. Dort ist der neue Knotenpunkt, wo die Informationen jetzt zusammenlaufen.

Die waffenrechtliche Zuständigkeit, also die Erlaubnis, eine Waffenbesitzkarte oder einen Waffenschein auszustellen, ist je nach Bundesland unterschiedlich verteilt. In Nordrhein-Westfalen liegt sie bei den Polizeibehörden, in anderen Bundesländern können auch Kreisverwaltungen oder Landratsämter dafür zuständig sein.

Es ist genau definiert, wer Waffen besitzen darf


Jäger, Sportschützen oder Sammler brauchen beispielsweise eine Waffenbesitzkarte, erklärt ein Sprecher des Innenministeriums in Düsseldorf. Für sie ist genau festgelegt, wo sie die Waffe zuhause aufbewahren müssen - nämlich in einem Waffenschrank. Und ein Sportschütze darf sie nur am Schießstand benutzen. Voraussetzung für eine Waffenbesitzkarte ist auch, dass die jeweilige Person nicht vorbestraft ist. Von den in Deutschland registrierten Waffenbesitzern haben die meisten eine solche Karte. Weniger Personen haben einen Waffenschein, der das Tragen einer Waffe in der Öffentlichkeit erlaubt, das können zum Beispiel Wachleute sein oder Angestellte einer Sicherheitsfirma, die Geldtransporte begleiten.

Im November noch hatte der Präsident des Bundeskriminalamtes Jörg Ziercke betont, dass die Fahnder im Zusammenhang mit den NSU-Morden schneller vorangekommen wären, wenn es bereits eine gemeinsame Datenbank gegeben hätte.

Die Behörden mussten viele Daten zu den Waffen neu aufarbeiten

Die Daten zu den Waffen und Waffenbesitzern waren bisher ausschließlich bei den kommunalen Waffenbehörden verzeichnet, manchmal noch auf Karteikarten, manchmal in einem eigenen Waffenverwaltungssystem. "Früher gab es keine standardisierte Erfassung, so dass es durchaus möglich war, dass in der Waffenbehörde auf einer Karteikarte 'Flinte' stand, also weder Kaliber noch Bezeichnung noch sonst irgendetwas", sagt Ulrich Maßolle vom Bundesverwaltungsamt in Köln. Und das ist jetzt mit dem nationalen Waffenregister vereinheitlicht worden: "Das war zum Teil ein erheblicher Aufwand, weil es sowohl um die Personen, als auch um die Waffen ging und das musste alles aufgearbeitet werden."


Im neuen computergestützten Waffenregister gibt es jetzt feste Kategorien, die die zuständigen Waffenbehörden ausfüllen müssen "Das erste ist die Person, das heißt wir müssen wissen, wer eine Waffe oder eine waffenrechtliche Erlaubnis besitzt. Außerdem haben wir die Erlaubnisart und wir haben den Waffentyp, da sind natürlich Kaliber und Waffenhersteller mit drin", erklärt Maßolle.

Grundlage für das neue Waffenregister ist eine EU-Richtlinie, nach der alle Mitgliedsstaaten bis Ende 2014 eine nationale Übersicht über gemeldete Waffen und Personen mit Waffenbesitz einrichten sollen. Nach den Amokläufen in Erfurt und Winnenden hatte die Bundesregierung jedoch das deutsche Waffenrecht verschärft und auch die von der EU festgelegte Frist für das Waffenregister um zwei Jahre vorgezogen.

Keine Informationen über illegale Waffen

Das nationale Register liefert jetzt genauere Zahlen für die Statistik, soll polizeiliche Ermittlungen vereinfachen und auch bei Einsätzen hilfreich sein, sagt Ulrich Maßolle, "beispielsweise für Polizeieinsatzkräfte, die vor einem Haus stehen und wissen wollen, ob sich in dem Haus legale Waffen befinden. Oder ob eine Person, die aus irgendeinem Grund im Fokus steht, einen Waffenschein hat und legale Waffen besitzt."

Die Betonung liegt hier auf "legal" und das ist eine Schwachstelle, die auch das nationale Waffenregister nicht ändern kann. Was mit illegalen Waffen und Waffenbesitzern ist - das bleibt weiterhin im Dunklen.


Stand: 30.12.2012, 06.00 Uhr


Kommentare zum Thema (83)

letzter Kommentar: 03.01.2013, 21.59 Uhr

otto schrieb am 03.01.2013, 21.59 Uhr:
@Sven, ich kann Ihren Zweifel gut nachvollziehen. Das horten von illegalen Waffen ist nun mal kein Kavaliersdelikt sondern eine schwere Straftat! Und hören Sie nicht auf die dummen Kommentare aus dem rechtsextremen Lager, die dämlichen Beiträge werden immer wieder unter anderen Nicks abgesondert!
@Blockwart Sven schrieb am 03.01.2013, 15.11 Uhr:
Richtig so!Und ich unterstuetze alles was den Verkauf von Messern,Sensen,Aexten und Beilen,sowie Butan.und Propangasflaschen,Diesel,Duenger und sonstiger Chemikalien in unendlice Hoehen treibt...damit wir zwei uns wieder kuschlig und flauschig sicher fuehlen koennen.
Sven schrieb am 03.01.2013, 10.35 Uhr:
Alles was den Erwerb und Besitz von Waffen koplizierter, schwerer, teurer und überwachbarer macht geht in die richtige Richtung! Dazu gehört auch ein zentrales Register in dem alle Waffenbesitzer erfasst sind. Was illegale Waffen betrifft so kann man nur die Strafen für Handel und Besitz drastisch heraufsetzen. Da könnte und sollte es ohne Ausnahme direkt ordentliche Haftstrafen geben. Ein Verwandter in meiner ist Familie ist Jäger, hat von daher natürlich legale Waffen. Er hat aber auch nicht angemeldete und damit illegale Faustfeuerwaffen, weil er mehr besitzten will als er als Jäger besitzen darf. Auf seine Sammlung ist er Stolz. Ich bin hin und her gerissen ihn trotz Verwandschaft anzuzeigen weil Waffen auch für Jäger kein Spielzeug sein sollten. Ich glaube ich werde es tun, das geht nämlich auch anonym.
Naschkatze schrieb am 02.01.2013, 16.56 Uhr:
Georg schrieb heute, 15:55 Uhr: ,,Ich esse kein Fleisch, das in Massentierhaltungen zu Tode gemästet wurde. Ich esse Wildfleisch - ohne Medikamente oder andere Gifte im Fleisch.'' - - Hoffentlich ohne Gifte im Fleisch. Ich auch. :-), aber wie Sie ja wissen, ist selbst das zahme Fleisch viel zu teuer geworden. Dafür sorgte vermutlich nicht nur eine BRD-Ministerkolonne. Ich kann mir nicht denken, dass die NRW-Massenbevölkerung ohne Massentierhaltung funktionieren und rundum mit Wildfleisch versorgt werden kann. Meine Waffen sind Angelgeräte, also verstehe ich auch etwas von der Notwendigkeit der Jagd, aber immer werden uns die Gespenster der eigenen Mitleidlosigkeit verfolgen, welche es uns mit dem Mitleide gegenüber unseren Schwestern und Brüdern aus dem Tierrreiche nicht so schwesterlich-brüderlich liebevoll nehmen ließen - auf ihre Weise verfolgen. - Wir setzen also auf Mitgefühl und auf die kluge Staatsgewalt, die allein von unserem Volke ausgeht.
@NRW Bürger schrieb am 02.01.2013, 16.10 Uhr:
Diese Aussagen sind genauso gehaltvoll und richtig wie die von BKA Zierke=Unfug!Illegalen Waffenbesitz kann man mitnichten mit dem Strafgesetzbuch begegnen.Gesetze sind sinnfrei wenn ich sie nicht durchsetzen kann-siehe zu schnelles Fahren,Falschparken,Einbrueche,Taschendiebstahl, Mord und Totschlag.NIEMAND laesst sich durch Gesetze von einer Straftat abhalten!Zierke schwadroniert da oben aehnlichen Unfug:"dass die Fahnder im Zusammenhang mit den NSU-Morden schneller vorangekommen wären, wenn es bereits eine gemeinsame Datenbank gegeben hätte."Wie lustig bei einer NICHTREGISTRIERTEN ILLEGALEN WAFFE diese Aussage.Kurz zuvor jagdte man ja noch die "Mordende Phantomfrau" im Zusammenhang mit den NSU Morden,die Morde kreuz und quer in der Republik beging und gleichzeitig vor Laubeneinbruechen"nicht zurueckschreckte. Dumm nur das dies eine DNA Verunreinigung an den teuren Teststaebchen war,durch eine Mitarbeiterin des Herstellerunternehmens.

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