Doktortitel-Aberkennung Schavan Uni Düsseldorf verteilt Maulkörbe

Von Matthias Goergens

Die Uni Düsseldorf verschanzt sich hinter einer Mauer des Schweigens. Die Verantwortlichen verpassen ihren Angestellten einen Maulkorb und verbieten Journalisten Meinungsumfragen auf dem Campus. WDR.de hat sich am Mittwoch (06.02.2013), einen Tag nach der Aberkennung von Schavans Doktortitel, in der Uni umgehört.


Heinrich Heine Universität Düsseldorf
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Heinrich-Heine-Universität: Was sagen die Studenten zur Doktortitel-Aberkennung?

Erst um die Mittagszeit füllt sich die Brücke zur Mensa, der Hunger treibt die Menschen aus den Seminaren und Büros zum Mittagstisch. Zu Beginn der vorlesungsfreien Zeit haben sich die Reihen der Studierenden an der Düsseldorfer Heinrich-Heine-Universität deutlich gelichtet. Aber die wenigen, die da sind, wissen Bescheid. Am Tag nach der offiziellen Aberkennung des Doktortitels von Bundesbildungsministerin Annette Schavan haben sich die Meinungen schon gefestigt."Ich finde es gut, dass der Doktortitel aberkannt wird", sagt Svenja. Sie steckt gerade im ersten Master-Semester in Sozialwissenschaften und begrüßt die nachträgliche Prüfung. "Schließlich öffnen sich durch so einen Titel die Türen auf dem Berufsweg, die sonst verschlossen bleiben." Allerdings findet die 23-Jährige das Thema mittlerweile "übertrieben aufgebauscht".

Uni-Sprecher will das Befragen der Studenten verbieten

Womöglich reagieren die Funktionsträger und Verantwortlichen deshalb so gereizt. Der Reporter einer Tageszeitung stieß nicht nur auf eine Mauer des Schweigens bei dem Versuch, einen der Professoren um eine Meinung zum Thema zu bitten. Auf die Nachfrage, wie es um einen möglichen Imageschaden für die Uni Düsseldorf bestellt sei, wurde er "außerordentlich garstig und barsch" abgewiesen. Die Nerven liegen offenbar blank. Ein Uni-Sprecher meldete sich daraufhin aufgebracht in der zuständigen Redaktion und wollte das Befragen auf dem Campus sogar verbieten. Ein Kamerateam, das bereits seit dem Beginn der Vorwürfe gegen die Bundesbildungsministerin die öffentliche Meinung einholen möchte, positioniert sich regelmäßig außerhalb der Campus-Grenzen. "Wir dürfen uns auf dem Gelände selbst filmen und allgemeine Bilder aufnehmen. Mehr aber auch nicht", sagt der begleitende Redakteur.

Die Affäre wirft kein gutes Licht auf die Uni Düsseldorf

Dabei haben die Studierenden selbst keinerlei Probleme, ihre Gedanken öffentlich zu erzählen: "Ich weiß davon, aber es ist mir ziemlich egal", sagt Tim. Dem 20-jährigen Informatik-Studenten sind Titel nicht so wichtig. "Hauptsache, die Menschen machen ihre Arbeit gut." Fotografieren lassen mag er sich dann aber doch nicht. Was eher an einer gewissen Medienscheue liegt. Kurz darauf flitzen zwei junge Männer vorbei: "Schavans Doktortitel? Der ist doch gerade aberkannt worden." Nur kurz nehmen sie das Tempo raus, keine Zeit für weitere Äußerungen, die Zeigefinger pochen auf die Uhr am Handgelenk, das Seminar beginnt.


Campus der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf
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"Absolut richtig" - Medizinstudent Timon

Ansonsten nehmen sich die jungen Menschen Zeit, plaudern recht freimütig über die Entscheidung. Die ganze Affäre werfe kein gutes Bild auf die Heinrich-Heine-Universität, müssen die meisten eingestehen. Timon findet die Aberkennung trotzdem "absolut richtig". Schließlich will der 22-Jährige selbst den Doktor in Medizin machen, auch wenn er als Student im fünften Semester noch einigermaßen weit entfernt davon ist. Dass Annette Schavan nun klagen möchte, findet er allerdings gleichermaßen in Ordnung, "auch wenn es sich noch lange hinziehen wird".

"Wer weiß, was da in Zukunft noch rauskommt"


Svenja Döbler  am Campus der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf
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Studentin Svenja ist zufrieden mit der Aberkennung des Doktor-Titels

Währenddessen räumt Thomas Mittelstedt in seinem Bistro-Kiosk an der Brücke zur Mensa neue Wasserflaschen klirrend in die Kühlschränke. So richtig wurde die Aberkennung des Doktortitels auch im Stammkunden-Plausch nicht zum Thema, sagt der 48-Jährige: "Untereinander wird es aber von den Studierenden sicher diskutiert." Seine Mutter Magdalene (74) ergänzt hinter der Verkaufstheke: "Wenn überhaupt, dann kommen flapsige Sprüche wie 'Pfuschen kann jeder – man darf sich bloß nicht erwischen lassen'." Von der 24-jährigen Stefanie kam diese Aussage jedenfalls nicht. Die BWL-Studentin schreibt gerade an ihrer Masterarbeit, ihr würde es im Traum nicht einfallen, Textpassagen umfangreich abzuschreiben, sagt sie. "Ich lese ein Buch, klappe es zu und lasse aus dem Kopf die Information in meine Zeilen einfließen." Dass es weitere Plagiatsfälle über Schavan hinaus gibt, mag sie aber auch nicht ausschließen: "Wer weiß, was da in Zukunft noch so rauskommt."


Stand: 06.02.2013, 16.43 Uhr


Kommentare zum Thema (40)

letzter Kommentar: 09.02.2013, 10:12 Uhr

Karl Heinz Matzulla schrieb am 09.02.2013, 10:12 Uhr:
Nun ist es wirklich absolut offensichtlich, die Uni Düsseldorf erteilt den für Frau Schavans Aberkennung ihres Dr. Titels verantwortlichen rotrotgrünen Wahlhelfern einen passenden Maulkorb, niemand darf denen mehr Fragen stellen und wenn das doch geschieht, dann dürfen diese nicht beantwortet werden. Nach 33 Jahren fällt es irgendwelchen verstaubten Geistern in Düsseldorf ein, weil ja Wahlkampf zur Bundestagswahl ist, überprüfen wir doch mal einige Dr. Titel, ob diese wohl rechtmäßig erworben wurden. Wer wohl den Auftrag dazu erteilt hat ? Denen seie gesagt, Frau Schavan hat ihren Dr. Titel vollkommen zu Recht, denn die damalige Prüfungskommission hatte keinen Grund zu Beanstandungen gefunden, demzufolge haben die Wahlhelfer für rotrotgrün auch heute nach 33 Jahren nicht das Recht, Frau Schavan ihren Dr. Titel abzuerkennen. Der ganze Vorgang erinnert sehr an die Vorgehensweise der Stasi in der damaligen DDR. Einfach ekelhaft, dieser Wahlkampf 2013.
powderC schrieb am 07.02.2013, 16:52 Uhr:
@Gerlinde schrieb heute, 16:12 Uhr: Sie verkennen die Studien- /Prüfungsordnungen, die vor mehr als dreißig Jahren galten. Damals gab es weder Bachelor noch Masters, in vielen Studien auch kein Diplom. Wer Beamter, Arzt, Jurist werden wollte, machte ein Staatsexamen. Für viele der Reformen, ich zum Teil als verunglückt empfinde, ist u. a. Frau Schavan verantwortlich. Das sie als Studienabschluss die Promotion wählte , war damals üblich. Die Promotion bestand in der Regel aus einer Dissertation, die von einem habilitierten Professor betreut (der von Fr. Schavan hatte meines Wissens die Venia Legendi ohne Habilitation erhalten!) und von einem zweiten Professor als Co-Referent mit beurteilt wurde, und aus einem mündlichen Rigorosum. Deshalb: Die Mängel sind in erster Linie der Fakultät, die offensichtlich einem (oder zwei) ungeeigneten Professor berufen hatte anzulasten. Übrigens waren die Universitäten damals noch so klein, dass alle Promovierenden alle Professorem der Fakultät kannten.
Gerlinde schrieb am 07.02.2013, 16:12 Uhr:
Einige Dinge stehen nun mal fest. Das Frau Schavan in ihrem Studium einen ungewöhnlichen Weg gewählt hat in dem sie ausschließlich den Doktor als Abschluss hat. Und das sie in ihrer Doktorarbeit Erkenntnisse aus Sekundärliteratur als ihre eigene Denkleistung ausgegeben hat. Also wenn ich ein junge Studentin wäre die das Ziel hat den Doktor mit möglichst wenig Eigenleistung zu erreichen dann würde ich möglichst alle Vorlesungen besuchen. Ich würde mir Die Professoren genau anschauen und nach Möglichkeit nach der Vorlesung noch ein, zwei Fragen stellen. Und ich würde, beim schreiben von Referaten, austesten in wie weit ich auf Sekundärliteratur zurückgreifen kann ohne das das auffällt. Ich würde die eifrige Studentin vorspielen so dass in der Doktorarbeit erst ein Mal gar nicht der Verdacht aufkommt “die könne ja abgeschrieben haben”. Schließlich gibt es ja die Möglichkeit dass ich unabhängig von de Sekundärliteratur zu ähnlichen Erkenntnissen gekommen bin.
Müde - heute freundlich schrieb am 07.02.2013, 14:55 Uhr:
@ Kein Doktor aber Herr Schmidt schrieb heute, 14:26 Uhr: ,,Wer OHNE Schuld ist, der werfe den ERSTEN Stein. (Jesus Christus zu den verlogenen Personen)'' - Allerdings sagt man so - aber Wichtigkeit, denn stelle alle Menschen in den Rahmen von Schuld und lasse sie bis in alle Ewigkeit so schmoren. Nein, dafür bin ich nicht zu haben. Obwohl so viele Menschen unschuldig waren - sollen wir einer Legende wegen in Mithaft gehalten werden? - hielten diejenigen Unschuldigen es nicht für Sinnvoll, Menschen mit Steinen zu erschlagen. Die Ermahnung an diejenigen, die sehr gerne mit Steinen auf Menschen werfen, hätte genügt.
Frage schrieb am 07.02.2013, 14:49 Uhr:
Bulli1 schrieb heute, 13:52 Uhr: "Die Studenten können sich mit der Entscheidung zufrieden zeigen. Keine Extras für Promis!" Wie prominent war Frau Schavan denn eigentlich zum Zeitpunkt ihrer Dissertation?

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