Soldaten aus NRW vor NATO-Einsatz: Mit Patriots in die Türkei
350 Soldaten schickt die Bundeswehr zum NATO-Einsatz in die Türkei. Darunter sind Männer und Frauen aus NRW. Sie starten am Sonntag (20.01.2013) von Berlin aus, einer von ihnen ist Oberstabsfeldwebel Günter R..
"Guten Morgen, ich habe hier einen Termin zum Ankleiden", gut gelaunt betritt Günter R. (Nachnamen von Bundeswehrsoldaten im Einsatz darf die WDR.de-Redaktion aus Datenschutzgründen nicht nennen) das Ankleidungsgebäude der Luftwaffenkaserne in Köln-Wahn. "Kommen Sie zu mir rüber", ruft Doris Bahls schon. Sie ist für die Auslandseinsätze der Bundeswehrsoldaten zuständig und wartet bereits auf den 46-Jährigen.
Uniform mit Fünffarbtarndruck

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Ausgedient: der alte Helm und die Feldflasche von Günter R.
Drei Sätze Hosen, Hemden dazu ein neuer Helm und eine Trinkflasche mit ABC-Masken-tauglichem Verschluss stehen auf der Auftragsliste für den Oberstabsfeldwebel. "Fünffarbige Tarnuniform ist für die Türkei bestimmt", erklärt die Dame hinter der Ausgabe-Theke. "Und dabei liegt da gerade Schnee", witzelt der gebürtige Bayer im Hinblick auf den fehlenden Tarneffekt seines Kampfanzugs bei den weißen Schneeflächen. Die Hose passt, beim Hemd ist der Hennefer nicht direkt einverstanden. "Da will ich nicht rein wachsen", grinst er und zeigt, dass die Jacke zu viel Platz im Bauchbereich lässt.

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Jedes Stück wird gescannt
"Letzte Woche hatten wir schon die ersten Einkleidungen für die Türkei, diese Woche schon sehr viel mehr", resümiert Doris Bahls, während sie aus den Regalen das nächste Hemd hervorholt. Neben den dunkelgrün, braun und ein bisschen beige gefärbten KFOR-Anzügen, liegt auch das hellbeige ISAF-Hütchen für den Afghanistan-Einsatz. Morgens ab acht kommt im Halbstunden-Takt ein Soldat zur Einkleidung. Hochprofessionell per Barcode wird alles registriert und vermerkt.
IT-Administrator in Ost-Anatolien

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Zu viel Platz am Bauch
"Vor zwei Wochen habe ich erfahren, dass ich in die Türkei reisen werde. Ich hatte mir das schon gedacht, da ich als IT-Administrator für bodengebundene Luftverteidigungssysteme natürlich auch das Patriot-System betreue", erzählt Günter R. wie es zu der Dienstreise in das Einsatzgebiet Türkei gekommen ist. "Ich bleibe zunächst einmal drei Wochen in Ost-Anatolien", erklärt das Mitglied des Kölner Luftwaffen-Führungskommandos. In dieser Zeit will er alles so weit haben, dass die Patriot-Raketen optimal per Computer bedient werden können und auch die IT-Verbindung zu NATO-Einsatzzentralen in Europa, wie beispielsweise in Ramstein, funktionieren.
"Wir müssen abhörsichere Funksysteme schaffen, denn leider liegt in Kahramanmaras nur eine sogenannte 'land-line', also eine DSL-Leitung, und die ist natürlich alles andere als abhörsicher", beschreibt R. eine seiner Aufgaben. Das Schiff mit dem Waffensystem und den dazugehörenden Satelliten- und IT-Lastwagen soll voraussichtlich am Montag (21.01.2013) an der türkischen Küste landen und dann über Land zum Zielort gebracht werden.
Erster ernsthafter Einsatz

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Der neue Helm passt
"Bislang war ich zu Tests und Übungen in den USA und auf Kreta", beschreibt Günter R. seine Auslandserfahrung. Bodengebundene Luftabwehr wie PATRIOT gibt es nicht bei den Einsätzen in Afghanistan oder im Kosovo. Angst vor möglichen militärischen Einsätzen hat der Familienvater nicht. "Ich bin schließlich Soldat und weiß, dass ich mich auch in Gefahrenbereiche begeben muss. Aber ich bin sicher, dass nichts passieren wird. Schließlich sind wir 100 Kilometer von der syrischen Grenze weg und hätten genug Zeit, auf mögliche Angriffe zu reagieren."
Auch den Einsatz von chemischen oder biologischen Waffen durch das Militär des Assad-Regimes fürchtet R. nicht. "Zum einem sind wir topausgebildet und haben diese Situationen schon oft geübt. Zum anderen würden wir ja versuchen, die Rakete abzuschießen und der Absturz wird dann nicht direkt bei unserer Stellung sein", gibt er sich zuversichtlich.
Austausch vor allem mit dänischen NATO-Kollegen
In gewisser Weise freut er sich sogar auf die Zusammenarbeit mit den anderen NATO-Nationen. "Ich werde vor allem mit den dänischen Kollegen zusammenarbeiten. Wir haben in den letzten Jahren regelmäßig kooperiert, um die Systeme aufeinander abzustimmen", erklärt R..

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Ohne "Rocky", den tarngrünen Laptop, geht nichts
Ohne die IT wäre der Einsatz der Raketen heute nicht denkbar. Radaranlage, Computersteuerung und der codierte Nachrichtenaustausch sind so nur möglich. "Seit 1987 bin ich im IT-Bereich tätig, früher nannte sich das ja Fernmelder." Jede Entwicklung im Computerbereich machte der gebürtige Bayer mit und spezialisierte sich auf das Patriot-System.
"Rocky" im Gepäck
Drei Computer benötigt R. für seinen Einsatz. Dabei spielt auch "Rocky", der tarngrüne Laptop eine wichtige Rolle. "Hier ist alles drin, was ich brauche", beschreibt Günter R.. Mehr Infos gibt es dann aber auch aus Sicherheitsgründen nicht.

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Auch in Köln-Wahn steht ein Patriot-Startgerät, aber nur als Ausstellungsstück
Dafür kann man sich auf dem Kasernen-Gelände in Köln-Wahn anschauen, wie so ein Patriot-Startgerät in Wirklichkeit ausschaut. Ein ausgemustertes Fahrzeug steht in Gefechtstellung auf der grünen Wiese zwischen den Kasernen-Gebäuden. Auf den ersten Blick nur ein getarnter Lastwagen mit schwenkbarem Aufsatz, abgeschossen werden damit aber Raketen mit großer Durchschlagskraft. Auf dem LKW befinden sich hier aber selbstverständlich keine scharfen Lenkflugkörper.
Vier Monate vor Ort
Während Günter R. jetzt gut gerüstet für den Einsatz ist, hat Doris Bahls bereits ihren nächsten Kunden. Oberfeldwebel Tobias G. ist aus Mechernich angereist. Auch für ihn geht es am Sonntag in die Türkei. Der erste Auslandseinsatz. "Vier Monate werde ich dort sein. Ich fühle mich gut vorbereitet und habe auch den Rückhalt meiner Familie", erklärt er. Auch er bekommt den Kampfanzug in Fünffarbtarndruck.

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Doris Bahls kleidet täglich zwölf Soldaten für Auslandeinsätze ein
Hier passt alles. Schwieriger wird es bei den Schuhen: "Die sind mir eigentlich zu lang", findet der Oberfeldwebel. "Kürzer habe ich die jetzt nicht", stellt Doris Bahls fest. "Und bestellen kann ich die auch nicht mehr, das dauert ja zu lange." "Kein Problem, dann ziehe ich ein paar Socken mehr an", gibt sich der Soldat pragmatisch. Mit ihm ziehen weitere Kameraden aus der Mechernicher Bleiberg-Kaserne in den Einsatz.
Aus NRW gehören 22 Soldaten zu dem 350-köpfigen Einsatztrupp in der Türkei, sieben davon kommen aus der Kaserne in Köln-Wahn. "Active Fence - aktiver Zaun", so lautet die offizielle deutsche Bezeichnung für das NATO-Mandat. Wie aktiv Günter R. und Tobias G. in Ost-Anatolien letztlich sein müssen, das weiß heute niemand.
Stand: 18.01.2013, 06.00 Uhr
Kommentare zum Thema (38)
letzter Kommentar: 19.01.2013, 19:12 Uhr
- heinzb aus nrw schrieb am 19.01.2013, 19:12 Uhr:
- Heim kommen sie alle, so oder so. Und wer denkt an die Opfer auf allen Seiten ???
- NRWler schrieb am 19.01.2013, 12:17 Uhr:
- Na dann wünsche ich den Jungs von unserer "Trachtengruppe" eine schöne Dienstreise (Urlaub) in der Türkei. Unglaublich wofür in Zeiten angeblich leerer Kassen das Geld des Steuerzahlers, sprichwörtlich, aus dem Fenster geworfen wird!
- Lachnummer schrieb am 19.01.2013, 11:51 Uhr:
- Dieser Bericht und zeigt nur die Naivitaet der Soldaten."Gut ausgebildet"gegen Giftgas?LOLAuch die Sprueche hier das die Waffen teilweise nicht optimal fuer bestimmte Einsatzscenarien waeren...au mannomann.Die POLITIK hat Schrott besorgt und der wird jetzt gesundgebetet von der Rueckratlosen Militaerischen Fuehrung,wie schon immer!
- Volkmann schrieb am 18.01.2013, 19:40 Uhr:
- meinen Segen hat er der Herr Oberstaber (von einem Pflicht HG). Hoffentlich braucht er ihn nicht. Ansonsten muss man erst mal eine ordentliche solide Ausbildung gemacht haben um mit solchen "Apparaten umgehen" zu können.
- Günter schrieb am 18.01.2013, 19:16 Uhr:
- OG a.D. hat recht. So eine Kameradschaft kenne ich nicht, die in den Krieg zieht. Wo und wie diese Kameradschaft geendet hat, ist wohl OG a.D. aus der Geschichte nicht bekannt. Er sollte schnellsten Geschichtsunterricht nehmen.
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