Neues Tierschutzgesetz in der Kritik Brandzeichen und Kastration bleiben erlaubt

Von Nina Voigt

Der Bundestag hat das Tierschutzgesetzes reformiert. Tierschützer kritisieren, dass die Brandmarkung von Pferden erlaubt bleibt und Ferkel erst ab 2019 mit Betäubung kastriert werden müssen. Zu beidem gibt es Alternativen. Auch NRW-Politiker sind enttäuscht.


Schweine im Stall
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Ferkel dürfen ab 2019 nur noch mit Betäubung kastriert werden.

"Ferkel kastrieren ist keine schöne Arbeit", sagt Landwirt Heinz Lax, "eine andere Lösung wäre mir auch lieber." Rund 550 Ferkel verkauft sein Familienbetrieb aus Wachtendonk jeden Monat an einen Mäster. Wie viele andere seiner Kollegen auch kastriert er die Eber vorher, damit ihr Fleisch später nicht den unangenehmen Geruch entfaltet, den manche geschlechtsreife Tiere an sich haben. Sonst wolle der Verbraucher das Schweinefleisch nicht. Bis zum siebten Lebenstag des Tieres ist diese Methode erlaubt – auch ohne Betäubung, obwohl es für die Tiere qualvoll ist.

Tierschützer stören sich schon lange an dieser Regelung im Tierschutzgesetz, das ansonsten mit Schmerzen verbundene Eingriffe an Wirbeltieren ohne Betäubung verbietet. "Da geht es um wirtschaftliche Aspekte, die die Ausnahme im Tierschutzgesetz nicht rechtfertigen können", sagt Marius Tünte vom Deutschen Tierschutzbund in Bonn gegenüber WDR.de. Gleiches gelte für das Brandzeichen bei Pferden, den sogenannten Schenkelbrand, mit dem die Züchter höhere Verkaufserlöse erzielen.

Beides bleibt nun erlaubt: Der Bundestag hat gestern (13.12.12) Abend eine umstrittene Reform des Tierschutzgesetzes verabschiedet, die erst ab 2019 die Betäubung der Ferkel bei der Kastration vorsieht.  Die Praxis des Schenkelbrands wollte die Ministerin eigentlich ganz abschaffen, nun ist auch er den Züchtern weiterhin gestattet und erst ab 2019 mit Betäubung vorgeschrieben. Dabei werden Pferde inzwischen zum Zweck der Tierseuchenbekämpfung durch einen Chip unter der Haut und können auch darüber identifiziert werden.

Zumutbare Schmerzen?


Schenkelbrand bei einem Fohlen
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Ein Fohlen bekommt ein Brandzeichen.

Als Mitglied des Landwirtschaftsausschusses war der nordrhein-westfälische CDU-Abgeordnete Johannes Röring an der Abstimmung der Gesetzesnovelle beteiligt. Das Brandzeichen für Pferde sei ein traditionelles Markenzeichen mancher Züchter und sollte als Möglichkeit erhalten bleiben, zumal die Tiere ein anderes Schmerzempfinden hätten als der Mensch. "Wir waren der Meinung, es ist zumutbar, vor allem mit der Perspektive der schmerzlindernden Behandlung", sagte Röring gegenüber WDR.de. An der lokalen Schmerzausschaltung werde gearbeitet, das brauche Zeit. Die Züchter würden sie nach seiner Einschätzung aber vermutlich schon früher als 2019 einsetzen. Beim Thema Ferkelkastration verwies Röring, der selbst einen Schweinemastbetrieb im Münsterland führt, auf eine europäische Vorgabe, die ab Ende 2018 die Betäubung bei der Kastration vorschreibt. Daran sei das deutsche Gesetz nun angepasst worden.

Kritik am reformierten Gesetz

Der nordrhein-westfälische Landwirtschaftsminister Johannes Remmel (Grüne) übte dagegen scharfe Kritik an der Agrarministerin: "Schon der Gesetzentwurf von Ilse Aigner war enttäuschend und enthielt kaum Forschritte für den Tierschutz. Selbst minimale Verbesserungen wie das Verbot des Schenkelbrandes oder die Betäubungspflicht bei der Ferkelkastration ab 2017 hat ihr die eigene CDU-Fraktion nicht gegönnt."

Der Tierschutzbund wirft der schwarz-gelben Regierung Zugeständnisse an die Agrarlobby vor. Die Betäubungsvorschrift bei der Kastration vno Schweinen hätte viel früher kommen müssen, sagte Pressesprecher Marius Tünte: "Das sind noch 120 Millionen Ferkel bundesweit, die bis 2019 kastriert werden." Unnötigerweise, wie er meint: Ohnehin entwickelten nur vier bis fünf Prozent der Eber überhaupt den strengen Geruch. "In anderen Ländern hat das nie eine so große Rolle gespielt wie in Deutschland – da wird das Fleisch einfach gegessen."

Ebermast statt qualvolle Kastration

Die Forschung arbeitet längst an Alternativen zur Kastration der männlichen Schweine, die laut Tierschutzbund auch schon einsetzbar sind. Eine Möglichkeit ist die Ebermast, also das Mästen der unkastrierten Tiere, die dann zum Teil noch vor der Geschlechtsreife geschlachtet werden können, bevor sich der strenge Geruch, der beim Kochen zu Tage tritt, voll entwickelt hat. Das Futtermittel könnte ebenfalls eine Rolle spielen, außerdem wird mit Geruchserkennung experimentiert. Auch eine Impfung beziehungsweise die Gabe eines Medikaments, das in den Hormonhaushalt der Tiere eingreift, kann eingesetzt werden.

6,8 Millionen Schweine in Nordrhein-Westfalen

Der Sprecher der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen, Bernhard Rüb, ist sich sicher: "Das Kastrieren mit Betäubung wird sich nicht durchsetzen, das ist einfach zu teuer." Die Zahl der Schweinehalter nähme mit fallenden Erzeugerpreisen ohnehin stetig ab. Nach Kammerangaben gibt es derzeit rund 6,8 Millionen Schweine in Nordrhein-Westfalen, etwa die Hälfte sind Mastschweine mit mehr als 50 Kilogramm. Landwirt Lax betont außerdem, in seiner Region gebe es viel zu wenige Tierärzte, die das Betäuben übernehmen könnten. Die Alternativen zur Kastration hält er derzeit noch für nicht ausreichend erprobt, deshalb hält er an der Skalpell-Methode fest. Er rechnet aber damit, dass das Kastrieren noch vor der Betäubungspflicht 2019 überflüssig sein wird.


Stand: 14.12.2012, 17.50 Uhr


Kommentare zum Thema (25)

letzter Kommentar: 19.12.2012, 11:31 Uhr

SK schrieb am 19.12.2012, 11:31 Uhr:
Ich glaube alle Schlachter werden im nächsen Leben eh als Schwein wieder geboren:-)
Bernhard schrieb am 18.12.2012, 15:56 Uhr:
Einem schönen braungegrillten Spanferkel sieht man nicht an wie es kastriert worden ist. Und noch viel wichtiger, man schmeckt es auch nicht! Deshalb ist es mir Jacke wie Hose ob das nun verboten wird oder erlaubt bleibt oder ob in Russland eine Bockwurst platzt! Lasst es euch schmecken!
Iris schrieb am 18.12.2012, 12:01 Uhr:
Solange wir hier im wohlstandsverwöhnten Deutschland keine anderen Probleme haben ist die Welt doch völlig in Ordnung!
so schrieb am 18.12.2012, 06:58 Uhr:
Ja schwarzer Martin, perverse Welt!! Pervers dass Lebewesen gequält und geschlagen werden dürfen nur weil man als Mensch ja "was höheres" ist!! DAS ist Pervers und noch schlimmer sind Menschen die es völlig in Ordnung finden wenn Tiere brutal gequält und bei lebendigem Leibe gehäutet werden!!!! Ich esse auch Fleisch, aber die Lebensbedingungen und Qualen mancher Tiere sind das Letzte!!! Und Leute die das ok finden, auch!!!!
Anarchie = Reindemokratie schrieb am 17.12.2012, 13:44 Uhr:
@ RechtsDaumenLinks schrieb heute, 08:25 Uhr: Ist ihre Einstellung und wird von mir als Lobenswert und Gut empfunden. Aber ich muss nicht alles mitmachen. Meine Einstellung geht dahin das ich die industrielle Tierhaltung Ablehne und für unnötig halte. Es wird zuviel Fleisch konsumiert und viel zu schlechtes (Industrielle Tierhaltung) Fleisch. Lupinen als Fleischersatz, mal nach Googlen. Finde ich echt toll und ist eine super Alternative. Das finde ich so Ekelhaft an uns Politadel was gut ist aber keine Lobby hat wird auf keinen Fall gefördert, was sche… ist und eine Lobby hat wird auf jeden fall gefördert. Das ist für mich der klare Beweis Von Rot über Schwarz und Gelb bis Grün alles der selbe Brei wen diese regieren, wenn es anders wäre würde schon längst so was wie "Lupinen als Fleischersatz" gefördert und das andere nicht mehr.

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