NRW-Gericht befragt US-Agenten Osama Bin Laden, das FBI und die Düsseldorfer Zelle

Von Martin Teigeler

Die Düsseldorfer Zelle soll von Al-Qaida mit Bombenanschlägen in Deutschland beauftragt worden sein. Die Anwälte der vier Angeklagten bezweifeln eine Verbindung zum 2011 getöteten Terrorführer Osama Bin Laden. Nun kommt es auch auf Aussagen von FBI-Agenten an.


Angeklagte Abdeladim El-K. kommt am 20.03.2013 ins Oberlandesgericht in Düsseldorf.
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Als die USA in der Nacht auf den 2. Mai 2011 in einer Kommando-Aktion den Chef des Terrornetzwerks Al-Qaida, Osama Bin Laden, töteten, stießen sie angeblich auch auf Beweismittel gegen mutmaßliche Terroristen in NRW. 80 Elitesoldaten fanden damals bei ihrer Mission in dem mit Stacheldraht und hohen Mauern gesicherten bin Laden-Versteck im pakistanischen Abbottabad zahlreiche Dokumente, Computer und Datenträger.

In einem der von den Amerikanern auf einem USB-Stick aufgespürten Word-Dokumente wird unter Verwendung des konkreten Geburtsdatums, dem "15.06.1981", auf einen "marokkanischen Bruder" hingewiesen. Der wohne in Europa, studiere Elektromechanik und sei mit der Ausführung von Anschlägen beauftragt, heißt es in dem Schreiben eines führenden Al-Qaida-Manns an Bin Laden. Die Beschreibung trifft auf den 31-jährigen mutmaßlichen Kopf der Düsseldorfer Zelle, Abdeladim El-K., zu. Seit Ende Juli 2012 wird El-K. zusammen mit drei mutmaßlichen Komplizen vor dem Oberlandesgericht Düsseldorf der Prozess gemacht.

Ein Hauch von "Zero Dark Thirty"


Da die Verteidiger von El-K. die Echtheit des Dokuments anzweifeln und über eine Manipulation des Schreibens durch Geheimdienste spekulieren, sagen noch bis Donnerstag (21.03.2013) drei FBI-Agenten als Zeugen in Düsseldorf aus. Die US-Kriminalbeamten sollen die Echtheit des wichtigen Beweisstücks bestätigen. Und so wehte durch den OLG-Hochsicherheitstrakt zum Beginn der Befragungen am Mittwoch (20.03.2013) so etwas wie ein Hauch von "Zero Dark Thirty". In dem US-Kinofilm ging es um die jahrelange Suche nach Bin Ladens Versteck. Vor Gericht in Düsseldorf wurde die Story in gewissem Sinne weitererzählt. "I'm a Special Agent with the Federal Bureau of Investigation", sagte der erste FBI-Beamte zu Beginn seiner mehrstündigen Befragung. Der 44-jährige Kriminalist aus New York City ist Experte für Internetkriminalität. Peinlich wurde der Amerikaner zu allen technischen Details der digitalen Datenbeweissicherung nach dem Schlag gegen Bin Laden befragt. Allerdings bekam er den Stick erst im Juli 2012 zur Untersuchung vorgelegt.


Osama bin Laden (Archivfoto 2000)
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In seinem Haus wurden angebliche Beweise gefunden: Osama Bin Laden

Die im Haus des Terrorführers entdeckten Dokumente sind den Angaben des Zeugen zufolge sofort in den Besitz des FBI gelangt. Ein anderer FBI-Agent habe den Empfang der Daten, die eine Million Schriftseiten umfassen sollen, noch um vier Uhr morgens am 2. Mai 2011 quittiert. Bei der Aktion im pakistanischen Abbottabad seien insgesamt rund hundert Datenträger im Haus des Al-Qaida-Anführers sichergestellt worden. Sechs davon habe er untersucht. Darauf seien vier Kopien des Briefes mit Bezug auf den Düsseldorfer Hauptangeklagten gespeichert gewesen. Im Frühjahr und Winter 2011 wurden die vier Tatverdächtigen dann in Düsseldorf und Bochum festgenommen. Ohne den Hinweis aus den USA wären die deutschen Ermittler wohl nicht auf die Spur der NRW-Zelle gekommen.

FBI schickte Beweismittel per Kurierdienst

Der 44-jährige FBI-Agent legte - nachdem er sich die Zustimmung eines im Zuschauerbereich des Gerichts anwesenden Vorgesetzten geholt hatte - auf Antrag von Gericht und Verteidigern interne Behördendokumente vor. Diese sollten beweisen, dass das brisante Schriftstück seit dem 2. Mai 2011 durchgehend in FBI-Besitz gewesen ist. Auf Nachfrage der Verteidigung bestätigte der FBI-Mann aber auch, dass die US-Bundespolizei den USB-Stick per Kurierdienst an seine Cybercrime-Dienststelle in New York City verschickt hatte. Ein etwas seltsamer Umgang mit Beweismitteln, der im Gerichtssaal für Heiterkeit sorgte. Der 44-Jährige berichtete auch, dass er den zu untersuchenden Stick von einem Kollegen im Auto überreicht bekam, als er kurz vor seiner Dienststelle hielt. "Ich blieb im Auto, weil es in Manhattan so schwer ist, einen Parkplatz zu bekommen." Es sei aber "mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit" garantiert, dass niemand das Dokument seit dem Fund im Bin-Laden-Domizil manipuliert habe. Die Verteidiger der Angeklagten störten sich an dem handschriftlichen Vermerk "Return to CIA" auf einem Behördenformular. Hat der berüchtigte Geheimdienst CIA doch etwas an dem Word-Dokument verändert? Der FBI-Agent widersprach. "Return to CIA" sei falsch. Es heiße richtig "Return to C/A". C/A stehe für Case Agent, also den zuständigen Agenten für den Fall.

FBI-Beamter vor Ort in Afghanistan


Prozessgebäude des Düsseldorfer Oberlandesgerichts
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Hochsicherheitstrakt des Düsseldorfer Oberlandesgerichts

Am Donnerstag ging es in Düsseldorf mit der Befragung von zwei weiteren FBI-Agenten weiter. Die Übergabe der Datenträger sei am 2. Mai 2011 auf einem US-Luftwaffenstützpunkt in Afghanistan unmittelbar bei der Rückkehr der Eliteeinheit durch Soldaten erfolgt, die die Beweisstücke in dem Haus gesammelt hatten, berichtete ein FBI-Sonderagent vor Gericht. Er selbst habe die Speichermedien vor Ort in Empfang genommen. Von da an sei der Datenfund in der Obhut des FBI gewesen und nach gerichtsfesten FBI-Standards behandelt worden, berichtete der FBI-Agent. Er habe jeden Soldaten zum genauen Fundort befragt. Die Beweise seien penibel registriert und katalogisiert worden.

Am Rande des Prozesses betonte die Vertreterin der Bundesanwaltschaft, Claudia Gorf, es gebe "keine Zweifel an der Verwertbarkeit des Dokuments" - obwohl es bei einer nach internationalem Recht zumindest umstrittenen, wenn nicht illegalen Tötungsaktion gegen Bin Laden beschlagnahmt wurde. Al-Qaida soll die Düsseldorfer Zelle mit Bombenanschlägen in Deutschland beauftragt haben. Der Prozess gegen die mutmaßlichen islamistischen Terroristen wird sich noch über Monate hinziehen. Die vier Angeklagten hörten sich die Befragung des FBI-Agenten stundenlang ohne äußere Regung an.

Stichworte

Al-Qaida

Das Terrornetzwerk Al-Qaida wurde in den späten 1980er Jahren von dem aus Saudi-Arabien stammenden Osama bin Laden und dem wenig bekannten Palästinenser Abdullah Assam gegründet. Das Ziel der radikalislamischen Organisation ist der weltweite Dschihad ("Heiliger Krieg"), der sich vor allem gegen die USA, Israel und ihre Verbündeten richtet. Als oberstes Ziel gilt die Gründung eines Kalifats auf der Grundlage der Scharia, dem islamischen Recht. Das Netzwerk ist keine hierarchisch organisierte Gruppe, sondern hat weltweit halbautonome Untergruppen. Al-Qaida gilt unter anderem als verantwortlich für die Terroranschläge vom 11. September 2001 in den USA. Auch nach der US-Kommandoaktion vom Mai 2011, bei der bin Laden starb, besteht das Netzwerk weiter.


Stand: 21.03.2013, 15.40 Uhr


Kommentare zum Thema (18)

letzter Kommentar: 22.03.2013, 19:13 Uhr

Herrmann Hasse schrieb am 22.03.2013, 19:13 Uhr:
@ Analytiker: Das nennt man dann "Globalisierung". Mit Hilfe der Finanzfantasienummern des internationalen FinanzXXXXXtums (und "unserer" Politiker) werden WIR (und alles was uns gehoert) DEREN Eigentum. @ Thomas: Die Killerdrohnen "duerfen" die Ostkuestenherrscher jetzt auch auf die "eigenen" Amerikaner in Amerika (ohne gerichtliche Verfuegung), auf blossen Verdacht einiger unbekannter ungenannter "Strategen" anwenden!
@Thomas schrieb am 22.03.2013, 15:25 Uhr:
Da sind sie falsch informiert. Die Leute, die ein Land nach dem anderen überfallen und ausrauben und mittels Drohnen Tausende politisch andersdenkende Menschen in deren Ländern ermordet haben, sind ganz bestimmt nicht in Deutschland ausgebildet worden. So weit sind wir dann nun doch noch nicht.
Thomas schrieb am 22.03.2013, 14:57 Uhr:
@Otto: ja, Ihre Befürchtung habe ich auch. Ich befürchte, daß sich da in Deutschland eine neue Form des Islam etabliert und irgendwann Staatsreligion wird. Ich hoffe, daß dies ein gemäßigter Islam ist und daß von deutschen Boden aus niemals irgend eine Form von Terrorismus ausgeht. Leider haben ja schon einige Terroristen, die in Deutschland leben und auch hier ausgebildet wurden, im Ausland Terroranschläge verübt.
Otto schrieb am 22.03.2013, 14:08 Uhr:
Viel interessanter ist, wie in ein paar Jahren, nach dem Niedergang der USA, Osama Bin Laden tituliert werden wird. Heute Terrorist, morgen Freiheitskämpfer. Aber da haben wir Deutsche ja Erfahrung mit. Alle paar Jahre alte Denkmäler abreißen und neue aufstellen. Mal sehen, was der leichtgläubige deutsche Michel sich später von den Chinesen oder Indern in seine Geschichtsbücher schreiben läßt.
Thomas schrieb am 22.03.2013, 13:17 Uhr:
@"deutscher Amerikaner": na wartet mal, bis das wieder in Deutschland ausgebildete Al Quaida Terroristen in die USA einreisen und da irgend etwas planen. Da werden die Amerikaner sich dann doch schon drum kümmern müssen.. ja, leider ist es so: dank unserer Toleranz ist es soweit gekommen, daß von Deutschland aus Terroristen das Ausland unsicher machen. Darauf bin ich nicht stolz ..

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