Prozessauftakt gegen Terrorverdächtige: "Düsseldorfer Zelle" steht vor Gericht
Die "Düsseldorfer Zelle" muss sich seit Mittwoch (25.07.2012) vor Gericht verantworten. Die vier Angeklagten sollen laut Bundesanwaltschaft einen "aufsehenerregenden Terroranschlag" geplant haben. Die Verteidigung beantragte am ersten Prozesstag die Einstellung des Verfahrens.

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Prozessauftakt im Oberlandesgericht Düsseldorf
Der Terrorprozess gegen vier mutmaßliche islamistische Al-Qaida-Terroristen hat am Mittwochmorgen vor dem Oberlandesgericht (OLG) Düsseldorf begonnen. Die Hauptangeklagten schwiegen am ersten Prozesstag. Statt dessen meldeten sich ihre Anwälte zu Wort. Sie beantragten die Einstellung des Verfahrens, da ihnen nicht genügend Akteneinsicht gewährt werde. So lägen Mitschriften von Telefon- und Wohnraumüberwachungen nur als Aussagen der Ermittler und nicht im Original vor. Das schränke die Verteidigung ein. Die Richter lehnten die Anträge zur Einstellung oder Aussetzen der Hauptverhandlung ab.
Hier finden Sie den Beitrag aus der Aktuellen Stunde:
Kein konkretes Anschlagsziel
Die Bundesanwaltschaft wirft den vier Männern im Alter von 21 bis 32 Jahren die Mitgliedschaft in einer ausländischen terroristischen Vereinigung vor. Sie sollen einen "aufsehenerregenden Terroranschlag in Deutschland" geplant haben. Ein konkretes Anschlagziel hatten die angeblichen Gotteskrieger allerdings noch nicht ausgewählt. Als die Gruppe im April 2011 aufflog, gaben die Medien ihr den Namen "Düsseldorfer Zelle". Tatsächlich handelte es sich wohl eher um eine Rhein-Ruhr-Zelle. Zwei Angeklagte waren in Düsseldorf, zwei weitere in Bochum festgenommen worden. Der "Spiegel" nannte sie die "aktuelle Filiale" von Al-Qaida in Deutschland.
Die Gruppe soll in einer Düsseldorfer Wohnung experimentiert haben, aus Grillanzündern Sprengstoff herzustellen. Der Marokkaner Abdeladim El-K. wurde zusammen mit dem Deutsch-Marokkaner Jamil S. und dem Deutsch-Iraner Amid C. im April 2011 festgenommen. Monatelang waren die Mitglieder der Gruppe zuvor von den Sicherheitsbehörden überwacht worden. Die Ermittler griffen dann wegen der Sprengstoff-Gefahr in dem Wohnhaus zu. Im Dezember 2011 ging den Fahndern als Vierter im Bunde noch der Deutsche Halis S. in Bochum ins Netz.
Ausbildung bei Al-Qaida
Laut Medienberichten planten die Angeklagten ein Blutbad, indem sie einen mit Metallteilen versetzten Sprengsatz in einer größeren Menschenmenge etwa an einer Bushaltestelle explodieren lassen wollten. Allerdings war der beschlagnahmte Grillanzünder gar nicht bombenfähig.
Als Kopf der Gruppe sieht die Anklage den 31-jährigen El-K., der vom damaligen "Außenminister" der Al-Qaida, Scheich Younis Al Mauretani, angeheuert worden sein soll. Er soll sich Anfang 2010 in einem Al-Qaida-Ausbildungslager im afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet aufgehalten haben, um die "beabsichtigte schwere staatsgefährdende Straftat" vorzubereiten, wie es die Bundesanwaltschaft ausdrückt. El-K. hatte in Bochum studiert und war für die Behörden bis zu seiner Rückkehr aus dem Terrorcamp im Mai 2010 ein unbeschriebenes Blatt. Die deutschen Ermittler wurden auf ihn nach Hinweisen der US-Geheimdienste aufmerksam und nahmen ihn ins Visier.
"Keine Arbeit, keine Hobbys"

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Der bunkerartige Hochsicherheitstrakt des Düsseldorfer Oberlandesgerichts
Die Anklage stützt sich unter anderem auf die akustische Wohnraumüberwachung. Geständnisse kann die Bundesanwaltschaft hingegen nicht vorlegen. Der Chef des Bundeskriminalamtes (BKA), Jörg Ziercke, beschrieb 2011 das konspirative Vorgehen der Gruppe: "Da war keine normale Lebensführung, keine Arbeit, keine Hobbys." Zum Terror waren die vier offenbar entschlossen. Die "Süddeutsche Zeitung" zitierte aus einer E-Mail des Hauptbeschuldigten an einen seiner Auftraggeber: "Oh, unser Scheich, wir halten noch unser Versprechen. Wir werden mit dem Schlachten der Hunde anfangen."
Schauplatz von Terrorprozessen
Der Hochsicherheitstrakt des Oberlandesgerichts in Düsseldorf war in den vergangenen Jahren bereits mehrfach Schauplatz aufsehenerregender Terrorprozesse. Unter anderen waren der islamistische "Kofferbomber" und die Mitglieder der terroristischen "Sauerland-Gruppe" vom OLG zu langjährigen Haftstrafen verurteilt worden. Für den neuen Terrorprozess hat die Vorsitzende Richterin Barbara Havliza zunächst 30 Hauptverhandlungstermine bis Ende November 2012 angesetzt. Allein die Anklageschrift umfasst einschließlich Anhang mehr als 500 Seiten.
Stichworte
- Al-Qaida
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Das Terrornetzwerk Al-Qaida wurde in den späten 1980er Jahren von dem aus Saudi-Arabien stammenden Osama bin Laden und dem wenig bekannten Palästinenser Abdullah Assam gegründet. Das Ziel der radikalislamischen Organisation ist der weltweite Dschihad ("Heiliger Krieg"), der sich vor allem gegen die USA, Israel und ihre Verbündeten richtet. Als oberstes Ziel gilt die Gründung eines Kalifats auf der Grundlage der Scharia, dem islamischen Recht. Das Netzwerk ist keine hierarchisch organisierte Gruppe, sondern hat weltweit halbautonome Untergruppen. Al-Qaida gilt unter anderem als verantwortlich für die Terroranschläge vom 11. September 2001 in den USA. Auch nach der US-Kommandoaktion vom Mai 2011, bei der bin Laden starb, besteht das Netzwerk weiter.
Stand: 25.07.2012, 18.09 Uhr
Kommentare zum Thema (25)
letzter Kommentar: 26.07.2012, 12:47 Uhr
- WDR.de schrieb am 26.07.2012, 12:47 Uhr:
- Posting wurde nicht veröffentlicht. Bitte tragen Sie nur zum Thema des Artikels bei
- Nora schrieb am 26.07.2012, 04:56 Uhr:
- Es müssen eigentlich deutliche Beweise vorhanden sein. Deutschland ist ein Rechtstaat. Aus diesem Prozess, geht hervor, dass die Ermittler alles getan haben um etwas zu finden. Nichts deutliches hat man hier vorgelegt. Keine Waffen, kein Sprengsatz, vielleicht sind die Angeklagte gar nicht vorbestraft. Es erinnert mich an die arabische Machthaber, die den vereinigten Staaten zeigen möchten, dass sie Terrorismus bekämfen. So meint ZB. die staatliche Presse Jordaniens, marokkos...dass bei bestimmten Gruppierungen Waffen gefunden wurden....und.......bla..bla. So erlauben sie sich ihre Gegner zu bestrafen.
- Sara schrieb am 26.07.2012, 04:41 Uhr:
- Als Touristisches Land ist Marokko eigentlich ein beliebtes Reiseziel für viele Menschen weltweit. Ich als Marokkaner weiss, dass jeder Marokkaner, der ins Ausland reist, hat überhaupt keinen Terrorakte im Kopf. Erst in den fremden Ländern fängt alles. In den Moscheen besonders lernen sie Leute aus dem Orient. Beweis: In Marokko leben Marokkaner problemlos mit Europäern zusammen. Im Norden des Landes leben viele Spanier (Ceuta, Melilia ). In Agadir, Fes, Marakkesch, Casablanca, Rabat....begegnet man täglich hunderte Europäer. Ich habe in Marokko 30 Jahre gelebt und ich bin mir ganz sicher, dass bestimmte Gruppierungen, reiche Hintermänner...aus dem Orient dahinter stehen. Marokkaner, die besonders aus armen Verhältnissen stammen biden hierbei das Instrument.
- Das Zentralorgan schrieb am 26.07.2012, 00:00 Uhr:
- Wie praktisch! Die importierte Kriminalitaet schreit nach neuen Gesetzen, die dann auf UNS ALLE angewendet werden koennen! "Weltoffenheit und Toleranz" gibt`s eben nicht zum Nulltarif. Diese "real existierende Demokratie" sorgt schon dafuer, dass die Bundesbuerger im "Aussenlager" nicht besser regiert werden, als sie es verdienen.
- Ein lächerlicher Prozeß.... schrieb am 25.07.2012, 22:34 Uhr:
- Wenn in Deutschland auf solche Art Prozesse gemacht werden, dann kann man den Rechtsstaat bald in die Tonne treten. Abhörprotokolle liegen NUR ALS AUSSAGEN DER ERMITTLER VOR? Höre ich da richtig? Und wenn sich die Herren Ermittler da was aus den Fingern saugen, um ihre Jobs zu rechtfertigen? Herr laß Hirn vom Himmel regnen!
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