Syrische Flüchtlinge in NRW: "Ganz unten anfangen"
Hunderttausende Syrer flüchten mittlerweile vor den gewalttätigen Auseinandersetzungen in ihrer Heimat ins Ausland. Auch in NRW steigt die Zahl der Syrien-Flüchtlinge jeden Monat. Die meisten von ihnen können vorerst bleiben.

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Syrer flüchten zu Hunderttausenden vor der Gewalt
Mehr als 276.000 Menschen sind nach Angaben des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR seit März 2011 aus Syrien ins Ausland geflüchtet. Die meisten von ihnen, mehr als 140.000, hätten im benachbarten Jordanien Zuflucht gefunden, in der Türkei seien 70.000 Syrer angekommen, im Libanon 31.000, die Zahl steige ständig an, vermeldet das Hilfswerk. Auch in Deutschland ist die Fluchtbewegung mittlerweile spürbar. 2.634 Asylanträge stellten Flüchtlinge aus Syrien im vergangenen Jahr bei deutschen Behörden. Fast verdoppelt habe sich damit die Zahl der syrischen Flüchtlinge von 2010 auf 2011, sagt Birgit Naujoks vom Flüchtlingsrat NRW. Nach dem geltenden Schlüssel landen gut 20 Prozent davon in NRW - und können, bis auf wenige Ausnahmen, vorerst hier bleiben, sagt die Flüchtlingsrats-Sprecherin. Weil in Syrien zurzeit kein Ende des Bürgerkriegs abzusehen ist, hatte die NRW-Landesregierung Ende März einen Abschiebestopp für die nächsten sechs Monate erlassen.
Zurzeit keine Abschiebung aus NRW
Für eine Anerkennung ihres Asylantrags fehlten zwar den meisten Syrern die notwendigen Voraussetzungen, sagt Naujoks - dazu müsse eine "individuelle Verfolgung" nachgewiesen werden. Dennoch gebe es für syrische Flüchtlinge zurzeit die Möglichkeit, unter "subsidiären Schutz" gestellt zu werden: Sie werden zwar nicht als Asylbewerber anerkannt, erhalten aber dennoch eine Aufenthaltserlaubnis.

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Oft Jahre in Gemeinschaftsunterkünften
Die ersten drei Monate verbrächten syrische Flüchtlinge in NRW mit dieser Aufenthaltserlaubnis meist in Flüchtlingsheimen, erklärt die Sprecherin. Was dann mit ihnen geschieht, sei von Kommune zu Kommune unterschiedlich. So gelte beispielsweise in Leverkusen die Regelung, dass möglichst jeder Flüchtling eine private Unterkunft bekomme - "so er eine findet". In anderen Gemeinden verbrächten Flüchtlinge oft Jahre in Gemeinschaftsunterkünften. In manchen Heimen würden Sozialarbeiter bei der Wohnungssuche helfen, in anderen seien die Flüchtlinge dabei auf sich gestellt.
Arbeitssuche theoretisch möglich, praktisch chancenlos
Während Flüchtlinge mit laufendem Asylverfahren im ersten Jahr keine Arbeitserlaubnis haben, können beispielsweise die Syrer, die in Deutschland unter subsidiärem Schutz stehen, theoretisch eine Arbeitsstelle suchen. "Unter den syrischen Flüchtlingen ist das Bildungsniveau relativ hoch", sagt Birgit Naujoks. Vor allem Akademiker seien es, die früh die Entwicklung in Syrien erkannt und das Land bald verlassen hätten. Dennoch scheint die Chance für sie, eine entsprechende Arbeit zu finden, sehr gering. "In den ersten drei Jahren ihres Aufenthalts gilt die Regelung des nachrangigen Arbeitsmarktzugangs", erklärt Birgit Naujoks: Gibt es eine offene Stelle, muss das Arbeitsamt erst prüfen, ob es einen deutschen Bewerber oder einen EU-Bürger gäbe, der für die Stelle geeignet wäre. Außerdem würden oft die ausländischen Studien- oder Ausbildungsabschlüsse nicht anerkannt.
"Ganz unten anfangen"
"Daran scheitert es dann meistens", sagt Susanne Geissler von der Beratungsstelle "Chance - Bleiberecht am Rhein", die zum Kölner Jobcenter gehört. Mit Sprachkursen und anderen Qualifizierungsmaßnahmen versuchen sie und ihre Kollegen, Flüchtlinge bei der Suche nach adäquater Arbeit zu unterstützen. Zurzeit betreut ihr Netzwerk 12 Flüchtlinge aus Syrien, von denen einige als Betriebswirtschaftswissenschaftler, Lehrer, Telekommitarbeiter, Flugpersonal oder Modeberaterin gearbeitet haben."Oft müssen gut ausgebildete Menschen aber auf sehr viel niedrigerem Niveau anfangen zu arbeiten, als sie es in ihrem Heimatland taten." So habe sie eine Frau mit abgeschlossenem Chemiestudium begleitet, die in mühsamen Schritten schließlich soweit war, in Köln als Chemielaborantin arbeiten zu können. "Solange sich nicht die staatlichen Rahmenbedingungen ändern, ist es meist ein sehr langer Weg, bis diese Menschen im Arbeitsmarkt angekommen sind."
Stand: 02.08.2012, 06.00 Uhr
- Hilfe für Syrien [Mediathek]
- THW-Großeinsatz in Jordanien: Wasser und Spielplätze für die Flüchtlinge (01.08.2012)
- CARE Deutschland hilft in Syrien [WDR 5]
- Audios und Videos zu Syrien [Mediathek]
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Hintergrund zu Syrien
Die Macht der religiösen Minderheit [tagesschau.de] - tagesschau.de: Zypern bereitet sich auf Flüchtlinge aus Syrien vor
- Flüchtlingsrat NRW
- Initiative "Chance - Bleiberecht am Rhein"
Kommentare zum Thema (46)
letzter Kommentar: 07.08.2012, 10:21 Uhr
- Dann schrieb am 07.08.2012, 10:21 Uhr:
- sollen die Elendsfürsten ein Sozialwerk mit der Geldmenge schaffen, die großteils in ausländischen Banken schmort, bevor die menschlichen Katastrophen eingeleitete werden, bis die Zeit kommt und Elendsfürsten zu Diktatoren gestempelt werden. Dann werden die Abermilliarden einfach ,,eingefroren'' und niemand mehr hört oder liest über diese Milliarden noch etwas. Das ist dann, nachdem der Propagandazweck erfüllt ist, Geheimsache. Der Nutzen für Menschen war und ist gleich Null, so wie der Nutzen vieler abgebauter deutscher Mitbürger auch gleich als Null betrachtet zu werden scheint. Wir brauchen das alles nicht.
- @wolfgang schrieb am 07.08.2012, 10:07 Uhr:
- "Wer bleiben will muß für Deutschland nützlich sein und Deutschland für ihn." Auf wieviele Deutsche (einschließlich Sie selbst) trifft das zu? Nach dieser Ihrer Logik müßten Millionen "Unnützer" (Deutsche und Nichtdeutsche) die Bundesrepublik Deutschland verlassen. Als Mitglied einer "christlichen" Partei erwarte ich die Christliche Soziallehre, das heißt Hilfe für die Armen und Notleidenden (Flüchtlinge sind da eingeschlossen), statt die Menschen ungerührt ins Elend zu stoßen. Tun sie z. B. zu Weihnachten doch einfach mal ein gutes christliches Werk und laden eine Flüchtlingsfamilie ein. Persönliches Kennenlernen soll Wunder wirken gegen Vorurteile.
- Tolomeo schrieb am 06.08.2012, 22:57 Uhr:
- Es ist ein Armutszeugnis der Menschheit, dass es überhaupt zu Kriegen, Diktaturen, Menschenrechtsverletzungen, Elend, Flüchtlingen usw. kommt. Warum lernen die Menschen nicht aus der Geschichte? Ich verzweifle an der Menschheit. Und das Schlimmste ist, dass ich selber zu feige bin, um gegen Krieg, Gewalt, Unterdrückung usw. auf friedlichem und gewaltlosem Wege anzukämpfen.
- RechtsDaumenLinks schrieb am 06.08.2012, 03:34 Uhr:
- Flüchtlinge schön und gut, nur wenn der Krieg in Syrien einmal vorbei ist kann man diese Leute auch nicht wieder dorthin zurückschicken, als Feiglinge und Landesverräter will man die dort auch nach dem Bürgerkrieg nicht mehr. Es werden also noch einige tausend nicht integrierter Ausländer mehr, die den Weg nach Hause nicht wieder antreten werden, zumal im Artikel ja auch schon jetzt von Integration in den Arbeitsmarkt gesprochen wird und durch die Blume die Tatsache verurteilt wird das bei freien Stellen geprüft werden "muss" ob es dafür nicht einen Deutschen oder entsprechend qualifizierten EU Bürger gibt. Aber wählt ruhig immer wieder Schwarz/Gelb oder Rot/Grün und beklagt euch weiter darüber das die Deutschen immer merh benachteiligt werden in eigenen Land.
- Wolfgang schrieb am 05.08.2012, 10:51 Uhr:
- Wir können nicht noch mehr Flüchtlinge gebrauchen. Erst solten mal alle die aus anderen ehemaligen Kriegsgebieten wie dem Balkan wieder verabschiedet werden. Wenn wir Flüchtlinge temporär aufnehmen und später nicht konsequent wieder zurückschicken bekommen, bzw. haben wir ein großes Problem! Warum sind so viele Balkanflüchtlinge noch hier? Warum gibt es so viele Duldungen? Wir müssen konsquent wieder abschieben wenn diese Menschen nicht freiwillig wieder gehen. Wer bleiben will muß für Deutschland nützlich sein und Deutschland für ihn. Darüberhinaus sollte sich Menschen die hier bleiben wollen vollständig selbst, d. h. ohne jegliche Sozialleistung des Staates finanzieren können. Alles andere sollte ohne jegliche Gefühlsduselei wieder in ihre Heimatländer ausgewiesen werden. Gerade im Fall der Zigeuner aus dem Balkan ist es nicht einzusehen das die noch hier sind! So geht es nicht, das hat nichts mit rechtem Gedankengut zu tun, ich bin CDU Mitglied!
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