2011 rund 119.000 neue Studenten So viele Erstsemester in NRW wie nie zuvor

Von Rainer Kellers

Es wird eng an Unis und Fachhochschulen: Die Zahl der Studienanfänger in NRW in diesem Jahr ist weit höher als gedacht. Mehr als 100.000 Studenten haben im Wintersemester das Studium aufgenommen. Jetzt werden nicht nur Sitzplätze in Hörsälen, sondern auch das Geld knapp.


Studenten verfolgen eine Vorlesung
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Besonders groß ist der Studentenandrang an Fachhochschulen

Noch Mitte Oktober hatte Wissenschaftsministerin Svenja Schulze (SPD) mit knapp 100.000 Erstsemsestern in diesem Wintersemester gerechnet. Jetzt sind es nach vorläufigen Zahlen des Statistischen Landesamtes noch einmal rund 3.000 Neustudenten mehr, genau 103.200. Im Vergleich zum Wintersemester 2010/2011 ist das eine Steigerung von 22,3 Prozent. Nimmt man das Sommersemester hinzu, haben in diesem Jahr 119.000 junge Menschen ein Studium in NRW aufgenommen. Die Gesamtzahl der Studierenden im Land stieg um elf Prozent auf 586.700. Besonders stark ist der Anstieg bei den Fachhochschulen des Landes, hier beträgt die Steigerung bei Erstsemestern 28,8 Prozent - bei den Unis sind es 19,2 Prozent.

Vorlesungen in Kinosälen


Svenja Schulze (SPD), NRW-Wissenschaftsministerin
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"Hochschulen sind gut gewappnet"

Wissenschaftsministerin Schulze versucht angesichts des Rekordandrangs zu beruhigen. "Die Hochschulen sind mehrheitlich gut gewappnet", ließ sie am Montag (21.11.2011) in einer Pressemitteilung verbreiten. Die Hochschulen hätten im Vorfeld mehr Personal, mehr Räume und eine leistungsstärkere Infrastruktur eingeplant. Im Oktober hatte Schulze aber auch zugegeben, dass die Hochschulen nur mit kreativer Planung und Übergangslösungen wie dem Anmieten von Kinosälen dem Studentenandrang Herr werden können. Gründe für die starke Zunahme an Studenten sind der doppelte Abiturjahrgang in einigen anderen Bundesländern, die ausgesetzte Wehrpflicht und die abgeschafften Studiengebühren in NRW. In den kommenden Jahren wird sich die Situation noch weiter verschärfen, wenn 2013 auch in NRW ein doppelter Abijahrgang an die Hochschulen strömt.

Für jeden nicht geplanten Studenten fehlen 20.000 Euro


Schulze betonte noch einmal, dass bei der ursprünglichen Ausgestaltung des Hochschulpaktes nicht mit einem solchen Ansturm gerechnet werden konnte - weil zum Beispiel die ausgesetzte Wehrpflicht nicht einkalkuliert war. Nun fordert Schulze den Bund auf, die Deckelung des Hochschulpaktes aufzuheben und die Vereinbarung den Realitäten anzupassen. Im Hochschulpakt haben Bund und Länder festgelegt, wie viel Geld die Hochschulen bis 2015 bekommen. Für jeden neuen Studenten erhalten die Unis laut Schulze 20.000 Euro, jeweils zur Hälfte von Bund und Land. Derzeit ist nach Angaben der Ministerin noch genügend Geld im Topf, doch in den kommenden Jahren fehlten die Mittel, wenn jetzt mehr gebraucht wird als vorgesehen.

Bund weist Darstellung zurück

Ein Sprecher von Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) wies die Darstellung ihrer nordrhein-westfälischen Amtskollegin zurück. Im März 2011 hätten Bund und Länder vereinbart, als Konsequenz der Wehrpflichtaussetzung die Zahl der zu finanzierenden zusätzlichen Studienmöglichkeiten auf bis zu 335.000 für die Jahre 2011 bis 2015 zu erhöhen. Von einer Überschreitung dieser Zielzahl im ersten Jahr könne keine Rede sein. "Eine Aufhebung des Deckels ist derzeit nicht erforderlich." Der Sprecher machte zudem deutlich, dass der Bund zu weiteren Gesprächen bereit sei, wenn die Zahl der benötigten Studienplätze die Vorhersage bis 2015 überschreiten sollte.

FDP fordert Konzept von der Landesregierung

Die Opposition im Landtag fordert derweil, dass die Regierung ein eigenes Konzept vorlegen solle, um dem Studentenansturm zu begegnen. Aus den Zahlen ergäben sich klare Handlungsaufträge an die Landesregierung, sagt der hochschulpolitische Sprecher der FDP-Fraktion, Marcel Hafke. "Wir brauchen neue Prognosen, wir brauchen ein vernünftiges Konzept, wie das Land den Hochschulen helfen kann und erst dann kann der Blick nach Berlin gehen", meint Hafke.


Stand: 21.11.2011, 13.23 Uhr


Kommentare zum Thema (14)

letzter Kommentar: 22.11.2011, 18:26 Uhr

Ja nein oder nicht schrieb am 22.11.2011, 18:26 Uhr:
Der Apenköster schrieb heute, 15:06 Uhr:"sonst flüchte die Akademiker nach China und Indien." Irrtum auch dort gibt es genug Akademiker, gesucht werden aber überall Ideen und Erfinder zumindest Ingenieure und die finden auch in BRD ihre Anstellung. In BRD finden natürlich die Dienstleister einer alternden Gesellschaft auch ihre Plätze, so haben wir mit die höchste Ärztedichte der Welt, von Apotheken ganz zu schweigen. Dafür gibt es zu wenig Kita-Plätze oder Putzen in Krankenhäuser, demgegenüber aber 19000 Fachleute für Burnout-Syndrom. Bald liegt BRD flach auf der Couch, falls wir uns nach Eurozonenwünsche der Nachbarn das überhaupt noch leisten können, aber dann wird der Beruf der Trümmerfrau wieder aktuell?
Der Apenköster schrieb am 22.11.2011, 15:06 Uhr:
Es wird Zeit, dass die Wirtschaft auch die für die steigenden Anzahlen von Absolventen notwendigen Arbeitsplätze bereithält, sonst flüchte die Akademiker nach China und Indien. Der Staat wäre mit dieser Aufgabe natürlich restlos überfordert, der folgt nur dem Geschwätz der Großbank(en).
Verschlimmbesserungen schrieb am 22.11.2011, 13:43 Uhr:
Nachfrage und Angebot: Auf der einen Seite wird über die Kita`s diskutiert, auf der anderen Seite dann über die, die die Kita und Schule hinter sich haben - armes Deutschland!!! Wir haben trotz jahrzehntelanger stabiler Wirtschaftslage und geringer Arbeitslosenzahlen die Rentenkassen leer, arbeitende Mütter trauen sich aus Angst um Ihren Job nicht schwanger zu werden (arbeitslose Mütter bringen Ihre Kinder in die KiTa - sorry!) und aktuell gibt es eine Generation die sämtliche Uni`s sprengt. Solange unsere Wirtschaft immer neuere Bezeichnungen und Voraussetzungen für alt eingesessene Berufe findet nur um auf dem Weltmarkt mithalten zu können um sich dann letztendlich doch Mitarbeiter aus anderen Ländern zu holen (Preisfrage oder tatsächlich fundiertere Kenntnisse?) frage ich mich warum überhaupt für jeden "normalen" Job heutzutage ein Studium gefordert wird und wann auch die Politik in ihrer selbstgemachten verkehrten Welt wieder wachwird :-(
Die Sachsen kommen schrieb am 22.11.2011, 13:03 Uhr:
Bert, glauben sie das, was sie von sich geben?@Anonym schrieb am 21.11.2011, 21:34 Uhr:"Wie kann das Studium an einer staatlichen Hochschule soviel teuer sein"Gute Frage, außerdem misst sich Qualität nicht zwangsläufig an Höhe des Preises, die ostdeutschen Unis erheben keine Gebühren und haben auch unter Studenten jetzt einen sehr guten Ruf, da müssen sogenannte Traditionsunis des "Westens"schon aufrüsten. Also liebe Studentinen und Studenten: Hintern hoch, Auszug aus Hotel Mama und ab dorthin, wo man noch willkommen ist.
Bert schrieb am 22.11.2011, 11:47 Uhr:
Entschuldigung, ich bin Personalchef in einem mittelständischen Unternehmen und sehe, wovon ich spreche. Und ja, es gibt auch in Unternehmen noch Menschen mit universitärer Ausbildung, Weitsicht und sozialer Kompetenz. Die Reaktion von "Erni" spricht für sich.....

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