Regierung wehrt sich gegen Vorwürfe: Daten-Kauf artet in Grabenkämpfe aus
Droht ein Sommertheater? Obwohl immer noch nicht bestätigt wurde, ob NRW überhaupt eine neue Steuer-CD gekauft hat, giften sich die politischen Lager gegenseitig an: Die Regierung nannte das Abkommen mit der Schweiz am Montag (16.07.2012) ein "Hilfsprogramm für Steuerbetrüger".

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Der mögliche Daten-Kauf führt zum politischen Schlagabtausch
NRW-Finanzminister Norbert Walter-Borjans (SPD) scheint dieser Tage einer der wenigen zu sein, der schweigt. Den erneuten Kauf einer Bankdaten-CD, der am Wochenende bekannt wurde, will er weiterhin weder bestätigen noch dementieren. Ansonsten fühlen sich seit Samstag (14.07.2012) so einige zu einer Einlassung berufen. Nach der harschen Kritik von Schweizer Bankiers und Politikern sowie den Zurechtweisungen von Bund und NRW-Opposition schießt die Landesregierung am Montag (16.07.2012) zurück: "Die scharfe Kritik der CDU geht ins Leere und lässt aufhorchen", sagte die stellvertretende Ministerpräsidentin Sylvia Löhrmann (Grüne). Die Union wolle lediglich von den Unzulänglichkeiten des von der Schweiz ausgehandelten Abkommens ablenken.
SPD: Union habe selbst Steuer-CDs gekauft

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Norbert Römer (SPD): "Hilfsprogramm für Steuerbetrüger"
Noch konkreter wurde SPD-Fraktionschef Norbert Römer: Der frühere CDU-Finanzminister Helmut Linssen habe 2010 noch selbst Steuer-CDs angekauft. "Damals hat die CDU Beifall geklatscht", sagte Römer. Die SPD wolle kein Abkommen mit der Schweiz zulassen, das Steuerhinterzieher schütze und Ermittlungen gegen sie erschwere. Mit ihrem Verhalten stelle die Union die Steuergerechtigkeit auf den Kopf. "Ein solches Hilfsprogramm für Steuerbetrüger und ihre Helfer kommt für uns nicht in Frage."
Steuerfahnder von Amts wegen verpflichtet
Am Samstag (14.07.2012) hatte der WDR erstmals vom möglichen CD-Transfer berichtet. Das Finanzministerium bleibt seitdem vage, was den konkreten Kauf angeht. Allerdings teilte das Haus von Walter-Borjans am Montagnachmittag (16.07.2012) mit, dass das Land NRW weiterhin allen Hinweisen auf Steuerhinterziehung nachgehen werde. "Unsere Steuerfahnder sind schon von Amts wegen dazu verpflichtet, alle Anhaltspunkte auf Steuerstraftaten zu überprüfen - auch die auf Daten-CDs", sagte Rüdiger Messal, Staatssekretär im Finanzministerium. Auch ein Inkrafttreten des Steuerabkommens mit der Schweiz würde daran nichts ändern. Die Finanzbehörden in NRW prüften nur Datensätze, die ihnen angeboten wurden. Selbst ergriffen sie keine Initiative zum Kauf.
Bundesregierung wusste von Kaufverhandlungen

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Steffen Kampeter (CDU): "kein dauerhaftes Prinzip"
Ebenfalls am Montag hat das Bundesfinanzministerium bekannt gegeben, vom Land über Kaufverhandlungen informiert worden zu sein. Ein Ministeriumssprecher sagte, der Bund werde sich, wie im Abkommen vorgesehen, nicht um den Erwerb solcher CDs bemühen. Steffen Kampeter, Staatssekretär im Bundesfinanzministerium und stellvertretender CDU-Landesvorsitzender in Nordrhein-Westfalen, sagte im Interview mit der Neuen Westfälischen: "Zwielichtige CD-Käufe sind kein dauerhaftes rechtsstaatliches Prinzip." Die Kritik von Norbert Römer nannte Kampeter am Montagnachmittag "polemisch und von Unkenntnis geprägt": "Die Entscheidung des damaligen CDU-Finanzministers Helmut Linssen war richtig, um Verhandlungen mit der Schweiz über ein Steuerabkommen überhaupt erst möglich zu machen."
Stichworte
- Bankdaten-CD
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Bankdaten-CDs (auch Steuersünder-CDs) enthalten Datensätze von Bankkunden, die meist illegal Geld zu ausländischen Banken transferiert haben. Diese Daten werden von den Ermittlungsbehörden in Hinblick auf mögliche Steuerhinterziehungen ausgewertet. Die CDs werden in der Regel von Bank-Insidern zum Kauf angeboten.
2006 kauften deutsche Behörden zum ersten Mal eine solche CD. Ein früherer Mitarbeiter der Liechtensteicher LTG-Bank bot dem Bundesnachrichtendienst Daten von 800 Bankkunden an und kassierte dafür angeblich zwischen vier und fünf Millionen Euro. Auf der CD fanden sich auch Hinweise auf den damaligen Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Post AG, Klaus Zumwinkel. Zumwinkel wurde 2009 wegen Steuerhinterziehung verurteilt.
Im März 2010 kauften die Finanzbehörden in NRW eine CD mit Daten von Kunden der Schweizer Bank Credit Suisse. Die Düsseldorfer Staatsanwaltschaft leitete über 1.000 Ermittlungsverfahren ein, die Zahl der Selbstanzeigen stieg rapide an.
Im Oktober 2010 kaufen NRW-Behörden eine CD mit Daten der Schweizer Bank Julius Bär, es folgen zahlreiche Ermittlungen und Anzeigen. Im April 2011 zahlt die Bank den deutschen Behörden 50 Millionen Euro, im Gegenzug wurden die Ermittlungen gegen die Bank und ihre Mitarbeiter eingestellt.
Im Oktober 2011 erwerben die Ermittler Daten deutscher Kunden einer Tochter der britischen HSBC-Bank mit Sitz in Luxemburg.
Insgesamt sollen die deutschen Finanzbehörden durch den Ankauf von Bankdaten-CDs über eine Milliarde Euro an Straf- und Nachzahlungen eingenommen haben.
- Das geplante Steuerabkommen mit der Schweiz
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Nach Schätzungen von Experten liegen bis zu 200 Milliarden Euro an Schwarzgeldern aus Deutschland auf Schweizer Konten. Mit einem Abkommen soll das Schwarzgeld künftig in der Schweiz besteuert werden. Aktuell droht das Abkommen Deutschlands mit der Schweiz aber nach jahrelangen Verhandlungen zu scheitern. Die von SPD und Grünen geführten Länder lehnen es auch nach Zugeständnissen der Schweiz im Bundesrat weiter ab. Umstritten sind unter anderem die geplante Besteuerung des vor Jahren beiseitegeschafften Altvermögens deutscher Kunden bei Schweizer Banken sowie deren Anonymität. Die Schweiz ist nicht bereit, weitere Änderungen zu akzeptieren. Wenn der Bundesrat im November nicht zustimmt, tritt das Abkommen nicht in Kraft.
Stand: 16.07.2012, 16.29 Uhr
- Schweizer Banken im Visier: NRW kauft neue Bankdaten-CD (14.07.2012)
- Audio: Das Abkommen beinhaltet eine Unklarheit - was ist nun rechtsgültig? (16.07.2012) Jürgen Zurheide / Jürgen Mayer, WDR 2 Morgenmagazin
- Audio: NRW kauft Steuer-Hinterzieher-CD: In der Schweiz ist man ziemlich sauer (16.07.2012) Jürgen Zurheide, WDR 2 Morgenmagazin
Kommentare zum Thema (87)
letzter Kommentar: 18.07.2012, 07:56 Uhr
- otto schrieb am 18.07.2012, 07:56 Uhr:
- Ups da schwimmt schon die nächste CD-Ente auf dem Wasser! Bevor das Abkommen vielleicht doch unterzeichnet wird noch schnell alle CDs raus hauen sonst bekommt man vielleicht nichts mehr dafür!!!!! Und für NRW, ja holt euch den Speck von den Schweizer Konten zum wolle des kleinen Bürgers!!!!!
- WDR.de schrieb am 17.07.2012, 23:01 Uhr:
- Kommentar gesperrt. Bitte diskutieren Sie sachlich.
- der Eulenspiegel schrieb am 17.07.2012, 22:09 Uhr:
- Diese kriminellen Steuerbetrüger haben doch keine Argumente mehr, sie hatten nie welche gehabt. Sie wollten begründen warum die Steuerpflicht bloß für die kleinen Malocher gilt, jedenfalls nicht für sie. Sie wollen oder können nicht sehen das sie sich gegen das Gesetz stellen. Darum muß des Gesetz gegen sie angewandt werden.
- WDR.de schrieb am 17.07.2012, 22:27 Uhr:
- Kommentar gesperrt. Persönliche Beleidigungen werden hier nicht geduldet.
- der Eulenspiegel schrieb am 17.07.2012, 21:50 Uhr:
- "Der richtige Eulenspiegel"da habe ich wohl genau den Nerf getroffen. Es ist nun mal so. Jeder EURO der den kriminellen Raffzähnen per Gerichtsbeschluß abgenommen wird und seiner rechtmäßigen Verwendung zugeführt wird macht Deutschland ein kleines Stück gerechter und hilft ein keines bisschen die Schulden abzubauen. Nebenbei hat der Eulenspiegel ein gutes Stück Schadenfreude. Auch wenn sie versuchen meinen Namen zu mißbrauchen, an die Wahrheit kommen sie nicht vorbei.
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