Reaktionen auf Sponsoring-Vorwürfe Steinbrücks "Affäre" und die K-Frage

Von Rainer Kellers

Viel Lärm um nichts: Die Reaktionen auf die angebliche Sponsoring-Affäre des möglichen Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück fallen verhalten aus. Trotzdem gerät die SPD unter Druck. Kann sie wirklich bis nächstes Jahr warten, um den Herausforderer der Kanzlerin zu benennen?


Peer Steinbrück bei der Vorstellung des Buches German Angst
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Wie sehr schadet ihm die "Sponsoring-Affäre"?

Der zeitliche Zusammenhang macht es schwer, an einen Zufall zu glauben: Vergangene Woche Freitag (21.09.2012) berichtet das Politik-Magazin Cicero, die Entscheidung über den SPD-Kanzlerkandidaten sei gefallen: Peer Steinbrück soll es werden. Die Dementis aus der SPD-Spitze waren gerade erst vermeldet, da tauchen plötzlich Vorwürfe gegen den ehemaligen NRW-Ministerpräsidenten auf.

Ist der Kandidatenkandidat beschädigt?

Der "Focus" berichtet, Steinbrück habe 2006 als Bundesfinanzminister bei Post und Telekom um eine Millionenspende für ein privates Schachturnier in Bonn gebeten. Pikant dabei: Steinbrück soll in dem Bittbrief den Briefkopf seines Ministeriums verwendet haben. Die beiden Unternehmen gehören mehrheitlich dem Staat, und Steinbrück war als Finanzminister oberster Vertreter des Haupteigentümers. "Das übt Druck auf die Vorstände aus, der Bitte nachzukommen", sagt der Bonner Aktienrechtler Michael Adams im WDR Fernsehen. Steinbrück habe eine "fahrlässige Dummheit" begangen. FDP-Generalsekretär Patrick Döring ließ sich nicht lange bitten und bezeichnete einen Kanzlerkandidaten Steinbrück als beschädigt.

Kein Skandal, kein Problem


Steinbrück selbst sieht das naturgemäß anders. Er bestätigt zwar, um Spenden geworben zu haben, sieht aber nichts "Ehrenrühriges" daran. Zumal die Vorstände der beiden Unternehmen die Spende abgelehnt hatten. "Es ist kein Schaden für den Steuerzahler entstanden", meint auch Präsident des Bundes der Steuerzahler, Reiner Holznagel in der Leipziger Volkszeitung. Das Ganze sei weder ein Skandal noch ein Problem. "Unproblematisch" nennt SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles die Sponsorenwerbung. Und auch Parteichef Sigmar Gabriel hatte sich hinter Steinbrück gestellt. NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft hält sich hingegen bedeckt. Sie will die Vorgänge nicht kommentieren.

"Wenn das alles wäre, ist das kläglich"

Die Frage ist nun, ob die Vorwürfe Steinbrück um die Kanzlerkandidatur bringen können? "Ein klares Nein", sagt Politikwissenschaftler Timo Grunden von der Universität Duisburg/Essen zu WDR.de. "Morgen interessiert sich niemand mehr dafür." Dass inner- oder außerparteiliche Gegner die Gerüchte gestreut haben, um den derzeit aussichtsreichsten Kanzlerkandidaten zu beschädigen, hält Grunden für möglich, aber nicht unbedingt wahrscheinlich. "Wenn das alles wäre, was sie gegen Steinbrück in der Hand halten, ist das kläglich", meint der junge Wissenschaftler aus dem Ruhrgebiet. In Berlin wird derweil kolportiert, die Vorwürfe seien von "Focus"-Autor Daniel Goffart lanciert worden, um sein soeben erschienenes Buch über Steinbrück zu promoten.

Antwort auf Kandidatenfrage schon im Herbst?


Der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel
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Der Rat aus Berlin:"Schweigegelübde"

Klar ist, dass die Mini-Affäre um Steinbrücks Spendenanfrage erneut die Debatte um die Kanzlerkandidatur anheizt. Am Montag (24.09.2012) hat sich die Parteispitze in Berlin getroffen. Dabei sei es aber nicht um die Kandidatenfrage gegangen, sondern nur ums Rentenkonzept, heißt es aus der Umgebung der NRW-SPD. Offiziell hält die Partei an ihrem Zeitplan fest, erst im Januar nach der Niedersachsen-Wahl den Kanzlerkandidaten zu benennen. Der Vorsitzende der SPD-Landesgruppe im Bundestag, Axel Schäfer, warnte am Montag (24.09.2012) gegenüber WDR.de vor einer verfrühten Entscheidung und riet den Parteifreunden zu einem "Schweigegelübde". Die Anhänger der Partei erwarteten, dass Inhalte vor Personalfragen gingen.

Der Kurs bei der Rente könnte über Kandidaten entscheiden


Und dennoch: Der Wunsch in der Partei nach einer früheren Entscheidung der K-Frage ist verbreitet. Der "Spiegel" schreibt am Montag, die SPD habe sich intern längst darauf verständigt, den Kandidaten zum SPD-Parteikonvent am 24. November zu präsentieren. Dazu passt, die Entscheidung des Parteivorstandes vom Montag, sich erst an jenem 24. November darauf festzulegen, ob die SPD mit der Forderung in den Wahlkampf zieht, das Rentenniveau nicht unter 50 Prozent fallen zu lassen. Setzt sich die Parteilinke mit dieser Forderung durch, dürfte es das aber für Steinbrück als Kanzlerkandidat gewesen sein. Und auch Frank-Walter Steinmeier wäre dann wohl nicht mehr im Rennen, lehnt er doch genau wie Steinbrück ein gleichbleibendes Rentenniveau strikt ab. Profitieren würde Sigmar Gabriel, der Dritte im Troika-Bunde. Er konnte sich am Montag mit seinem Rentenkonzept im Parteivorstand durchsetzen. Gleichzeitig dementierte er eine Spiegel-Meldung, wonach er intern die Kandidatur längst abgeschrieben habe. Steinbrücks "Sponsoring-Affäre" dürfte ihm auch nicht gerade ungelegen kommen.


Stand: 24.09.2012, 16.56 Uhr


Kommentare zum Thema (51)

letzter Kommentar: 27.09.2012, 23:44 Uhr

Anonym schrieb am 27.09.2012, 23:44 Uhr:
@sozenhasser schrieb heute, 21:08 Uhr: Auf gut Deutsch heißt das die Banken können dann nicht mehr die Sparvermögen der kleinen Sparer verzocken. Und da finde ich gut. " Irgendwie waren sie die letzten 3 Jahre neben der Spur? Merkschäuble retten seit 3 Jahren mit unseren Sozialkassen die Investmentbanken und Milliardäre und weniger Sparer oder Bürger in Europa, da durch Schuldenübernahme der Zockerbankenschulden, die Staaten über die Kreditlinien gingen stiegen die Anleihenpreise und deshalb EZB senkte den Leitzins auf Fastnull und pumpte druckfrische Billionen in den Markt, weshalb das Geld der Sparer weginflationiert wird während er NullZinsen bekommt! Gerettet wurde bisher also nicht Renten noch Sparer und auch nicht bei Trennung der Banken, wenn nicht bisherige Zocker-Schulden mit Insolvenz der Banken verschwinden. Also kann Steinbrück reden reden reden, die Schulden verschwinden nicht davon! Irland sind reine Bankenschulden gewesen und die machen mit Niedrigsteuern weiter!
@sozenhasser schrieb am 27.09.2012, 21:08 Uhr:
Auf gut Deutsch heißt das die Banken können dann nicht mehr die Sparvermögen der kleinen Sparer verzocken. Und da finde ich gut.
@sozenhasser schrieb am 27.09.2012, 20:30 Uhr:
Ja das war doch gut. So wurden keine Sparer geschädigt. Das Prinzip: Eine Trennung der Bereiche würde dazu führen, dass die Investmentsparte mit dem Geld von Sparern keine riskanten Geschäfte mehr machen kann. Das würde nicht nur das Geld von Sparern schützen, sondern auch das von Steuerzahlern, da der Staat für Spareinlagen garantiert
sozenhasser schrieb am 27.09.2012, 14:52 Uhr:
er will das Problem lösen, und per Gesetz Investment und Banking trennen. kann man mal sehen, welche Ahnung der hat, die beiden grössten Gaus bisher in der Finanzwelt waren Lehmann und HRE. Und bei waren schon reine Investmendbanken, ohne Einlagengeschäft.
Quotensender schrieb am 27.09.2012, 14:35 Uhr:
SPD ist Mediengigant und im Informationszirkus bestens aufgestellt? Wie sonst kann man auch die Verlierer von der 2009-Wahl mit dem desolatesten aller Ergebnisse nach 1949 nochmals antreten lassen? Das geht nur mit in Troika gepresster Desinformation, geschmückt mit Frauenquote Nahles!? Die Quote der Frauen in SPD liegt bei 25%, weil die Wissenschaftsabteilung des SPD-Polit-Klimarates den Anteil der Frauen in der Bevölkerung bei 25% ausgemacht hat. Soweit zum Klima, welches diese SPD verströmt, soweit zur SPD-Realität. Setzt die Troika zusammen mit Nahles auf die Bank und schickt endlich eine fähige "Mann"schaft aufs Feld, äh und lasst das Wort Genossinen weg, denn Genosse reicht in der SPD, dann ist auch lächerliche Quote überflüssig?

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