Affäre um Bochumer Stadtwerke Kritik wegen weiterer Zahlungen

Von Sebastian Wehner

Was für die Stadtwerke Bochum mit einem umstrittenen 25.000 Euro Honorar für SPD-Politiker Peer Steinbrück begonnen hat, ist zu einer tiefen Krise geworden. Am Donnerstag (06.12.2012) sind im Umfeld der Aufsichtsratssitzung neue Zahlungen aufgetaucht.


Hauptverwaltung der Stadtwerke Bochum
Bild 1 vergrößern +

Hauptverwaltung der Stadtwerke Bochum

Diese Zahlungen gingen alle an Sascha Hellen, einen Bochumer, der die Prominenten für die Talk-Abende der Stadtwerke gebucht hatte. Hellen (34) besitzt weltweit beste Kontakte zu Prominenten. Seit Jahren holt er Leute wie Ex-US Präsident Jimmy Carter, den Dalai Lama oder Carlos Santana nach Bochum. Jetzt ist rausgekommen, dass er auch Ex-Beatle Paul McCartney im Ruhrgebiet auftreten lassen wollte. Seit mehreren Jahren läuft der Versuch.

95.000 Euro gezahlt - aber kein McCartney in Sicht


Paul McCartney während einers Konzertes
Bild 2 vergrößern +

Paul McCartney soll in Bochum auftreten

Auch dabei sind die Stadtwerke Bochum Großsponsor und haben für die Vorbereitungen schon 95.000 Euro an Hellen überwiesen. Einen Termin für das Konzert gibt es zwar noch nicht. "Das war für uns aber kein Problem, dass das Geld schon geflossen ist," sagte Stadtwerke-Geschäftsführer Bernd Wilmert dem WDR. "Wir haben ja noch andere Verträge mit Hellen und  können einfach aufrechnen, wenn keine Gegenleistung erfolgt." So schätzt der in der Stadt mächtige Stadtwerke-Chef die Lage ein.

Beratervertrag mit Hellen über 50.000 Euro

Dazu kommt noch ein Beratervertrag mit Hellen, der ihm bereits 50.000 Euro beschert hat. Dafür sollten über drei Jahre neue Talk-Formate für die Stadtwerke entwickelt werden. "Ich denke nicht, dass das die Aufgabe eines kommunalen Energieversorgers ist," sagte ein Aufsichtsrat gegenüber WDR.de. Alles das sind immer neue Fakten, die die Affäre in Bochum weiter köcheln lassen.

Aufklärung lässt auf sich warten

Die seit Wochen versprochene Aufklärung lässt weiter auf sich warten. In den Blickpunkt gerät auch immer mehr die Bochumer Oberbürgermeisterin. Als Aufsichtsratschefin der Stadtwerke muss sich Ottilie Scholz auch für das misslungene Krisenmanagement verantworten. Mit dem Promi-Vermittler Sascha Hellen könnte am Donnerstagabend (06.12.2012) indes das erste persönliche Gespräch im Aufsichtsrat stattfinden. Für nötig hielt dies bislang kaum einer in dem Gremium.


Stand: 06.12.2012, 20.07 Uhr


Kommentare zum Thema (18)

letzter Kommentar: 08.12.2012, 09:04 Uhr

Werner schrieb am 08.12.2012, 09:04 Uhr:
Erstaunlich, dass die offensichtlich korruptesten Parteien Deutschlands, die Unions-Parteien, noch soviele Anhänger haben. Sämtliche Kern-Positionen mussten die aufgeben und von eher "linken" Parteien übernehmen.
Werner schrieb am 08.12.2012, 09:01 Uhr:
Die Verantwortlichen der Stadtwerke sollten wegen Veruntreuung von Steuergeldern bestraft werden.
Politische Landkarten und Spielstrassen schrieb am 07.12.2012, 11:02 Uhr:
im Ruhrgebiet konnte die SPD nie ohne Wohlwollen der CDU in den Stadtparlamenten agieren, denn die CDU war auch immer auf Posten aus. Der Konsens ergab" Ruhrgebietskorruption" mit SPD, weil SPD im Pott auf Wahlergebnisse der CSU in Bayern setzen konnte. Bergkamen(nicht Dortmund!) wurde schon mit Bayern verglichen weil dort 60% und mehr "drinsassen". Die Zeiten sind vorbei, aber der Motor läuft auch auf 3-4 Zylindern stottern weiter, während SPD-Referenten der Kommunen noch mit 6-8Zylinder Motoren Umweltschonend mit Bleifuss durch die politische Spielstrasse donnern! Man kann nicht in den alten politischen Köpfen(selbst bei den 25jährigen Parteifunktionären, die mit 13 schon angeblich politisch interessierte waren(weil auf Spielplatz gemobt?) nicht!) keine Veränderungen bewirken, man muss schon die Köpfe austauschen!
Anarchie = Reindemokratie schrieb am 07.12.2012, 09:42 Uhr:
@ schwarzer Martin schrieb heute, 09:20 Uhr: Wenn ich viel Geld hätte und oder durch einen guten Lobbyverband vertreten würde, würde ich es nicht anders halten. Da ich aber weder über viel Geld verfüge noch von einem Lobbyverband vertreten werde und vor allem ehrlich zu mir selber bin und mir selber auch etwas gönne wähle ich die Linke. Wenn alle die in meiner Situation sind oder noch schlechter gestellt sind das auch tun würden ohne sich selber zu belügen, oder nicht einfach bei der Wahl Zuhause bleiben würden würde es der Wirtschaft nicht ganz so gut gehen aber dem kleinen Bürger wesentlich besser.
CDU-Wähler schrieb am 07.12.2012, 09:40 Uhr:
@schwarzer Martin @Anarchie=Reindemokratie schön zu lesen,dass es doch noch ein paar treue CDU-Anhänger gibt....

Alle Kommentare anzeigen



tagesschau.de

  • Pakistan: Politikerin der Khan-Partei erschossen

    Zahra Hussein, eine bekannte Politikerin in der Partei des pakistanischen Oppositionsführers Khan ist tot. Drei bewaffnete Männer hatten auf sie geschossen. Khan beschuldigt nun die politische Konkurrenz des Mordes.

  • Syrien: Präsident Assad lehnt Rücktritt energisch ab

    Für Syriens Präsident Assad stellt sich der Krieg in seinem Land wie ein Sturm auf hoher See dar. Gerate ein Schiff dort hinein, fliehe der Kapitän nicht, sagte er argentinischen Medien. Den Vorwurf des C-Waffen-Einsatzes wies er zurück.

  • Flüchtlingsansturm auf Melilla: Kein Zaun ist zu hoch

    Eine gewaltige Grenzanlage soll die spanische Enklave Melilla in Marokko vor dem Ansturm von Flüchtlingen schützen, die nach Europa wollen. Doch immer wieder schaffen es einige hinüber. Viele Einwohner Melillas zeigen Verständnis und helfen.

  • Papst feiert Pfingstgottesdienst in Rom

    Mit Zehntausenden Gläubigen aus aller Welt hat der Papst auf dem Petersplatz in Rom den traditionellen Pfingstgottesdienst gefeiert. In roten liturgischen Gewändern zelebrierte er die Heilige Messe.

  • "FAS"-Bericht: Probleme beim "Euro Hawk" lange bekannt

    Die Probleme bei der Kampfdrohne "Euro Hawk" waren offenbar schon seit 2004 bekannt. Das berichtet die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung". Die Opposition sagte, es mute "nach Vertuschung durch das Verteidigungsministerium an".

  • Bundesbank-Chef mahnt Frankreich zu Defizit-Abbau

    Bundesbank-Präsident Weidmann hat Frankreich zum zügigen Defizitabbau ermahnt. Er halte es für bedenklich, dem Land mehr Zeit für die Erfüllung der Euro-Stabilitätskriterien einzuräumen. Frankreich trage wie Deutschland eine besondere Verantwortung.

  • Tornados wüten im US-Bundesstaat Kansas

    16 Tornados sind in den vergangenen Tagen im US-Bundesstaat Texas gezählt worden. Mindestens sechs Menschen kamen dabei ums Leben. Jetzt wüten die Stürme in Kansas. Zusammengeschnittene Amateurfilme zeigen das Ausmaß.