OB-Wahl in Duisburg Wird das Ruhrgebiet wieder rot?

Von Martin Teigeler

Mit großem Vorsprung geht SPD-Kandidat Sören Link in die zweite Runde der OB-Wahlen in Duisburg. Fast scheint es so, als ob die SPD mittlerweile ihre alte Vormachtstellung im Ruhrgebiet wieder einnimmt. Doch vor Hochmut sei gewarnt.


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In vielen Ruhrgebietsstädten hat die SPD Stimmen zurückgewonnen

Geht der Trend bei den Oberbürgermeistern der Ruhrgebietsstädte wieder zum Genossen? Seit den 90er Jahren hatte die SPD OB-Posten unter anderem in Essen, Gelsenkirchen, Mülheim und Duisburg an die CDU verloren. Die Überraschungserfolge christdemokratischer Kandidaten wurden damals von vielen Beobachtern als Zeichen des Niedergangs einer abgehobenen und arroganten Ruhrgebiets-SPD gedeutet.        

Der favorisierte SPD-Kandidat Sören Link hatte am Sonntag in Duisburg knapp die absolute Mehrheit verfehlt und 48,3 Prozent der Stimmen erreicht. Sein CDU-Kontrahent Benno Lensdorf kam auf 21,12 Prozent. Damit steht am 1. Juli eine Stichwahl zwischen beiden an. Der wegen der Loveparade-Katastrophe umstrittene OB Adolf Sauerland (CDU) war im Februar abgewählt worden.      

Nur noch Hamm und Hagen im Ruhrgebiet in CDU-Hand         


Falls die SPD tatsächlich in zwei Wochen die zweite Runde der OB-Wahl in Duisburg gewinnt, hätte die CDU nahezu alle Rathäuser in Großstädten wieder verloren. Nur in Hamm und Hagen halten sich die CDU-OB. Zwar gilt Duisburg wegen der Loveparade-Katastrophe als Sonderfall. Der abgewählte CDU-Oberbürgermeister Adolf Sauerland war am Ende seiner Amtszeit besonders unpopulär. Gleichwohl konnte die CDU bereits bei der letzten NRW-Kommunalwahl 2009 kaum Erfolge im Revier einfahren. Neben bundes- und landespolitischen Einflüssen gibt es offenbar auch hausgemachte Gründe im Ruhrgebiet.

Keine "Beton-SPD" mehr

"Von der Tendenz her ist das Ruhrgebiet immer noch ein Heimspiel für die SPD", sagt Uwe Andersen, emeritierter Professor für Politikwissenschaft an der Ruhr-Universität Bochum. "Es ist aber nicht mehr Beton für die Sozialdemokraten. Die SPD muss kämpfen", sagt der Forscher. Die sozialen Milieus der SPD-nahen Bergbau- und Stahl-Arbeiterschaft lösten sich seit langem auf.

Vor 20 Jahren habe die SPD noch auf eine strukturelle Mehrheit vertrauen können, mittlerweile seien die Wähler auch im Revier flexibler geworden. "Es kommt immer mehr auf die Person des Kandidaten an, früher hätte die SPD dagegen auch eine Straßenlaterne aufstellen können", sagt Andersen. Nicht umsonst habe der Duisburger SPD-Kandidat Sören Link Themen wie Bürgernähe und demokratische Beteiligungsrechte in den Mittelpunkt seiner Kampagne gerückt, sagt der Politikwissenschaftler. Die alte "Beton-SPD" der 80er und 90er Jahre habe sich um solche Themen kaum gekümmert, da sie mit sicheren Mehrheiten regieren konnte.

Die CDU-Klientel Kirchgänger und Pfadfinder


Der Oberbürgermeister von Hamm, Thomas Hunsteger-Petermann
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OB von Hamm: Thomas Hunsteger-Petermann

Von einem SPD-Trend im Ruhrgebiet möchte Thomas Hunsteger-Petermann nichts wissen. Er ist seit 1999 Oberbürgermeister von Hamm und damit einer der wenigen Rathauschefs der CDU im Ruhrgebiet. "Es gibt keinen Genossen-Trend im Revier, sondern ein breit gefächertes politisches Spektrum mit mittlerweile fünf bis acht Parteien", sagt der 58-jährige Vorsitzende der Kommunalpolitischen Vereinigung der NRW-CDU.

Losgelöst vom Sonderfall Duisburg habe die CDU aber ein Problem in den Großstädten und damit auch im Ballungsraum Ruhrgebiet, sagt der Lokalpolitiker. Die CDU müsse sich weiter öffnen für Migranten, auch für neue Familienmodelle. "Nur mit Pfadfindern und Kirchgängern bekommt die CDU keine Mehrheit mehr zustande", sagt Hunsteger-Petermann. Erschwerend komme für die Union hinzu, dass die SPD sich so verkaufe, als habe sie mit der unpopulären "Agenda 2010" des früheren SPD-Bundeskanzlers Gerhard Schröder "nicht mehr viel zu tun".

Ein Vertreter der "neuen" Ruhrgebiets-SPD ist der Hertener Bürgermeister Uli Paetzel. Nach dem "Hartz-IV-Schock" mit Mitgliederverlusten und Wahlniederlagen vor knapp zehn Jahren habe die SPD begriffen, dass sie vor Ort in den Kommunen "Kärrnerarbeit" leisten müsse, sagt der 40-Jährige. Bei Bauprojekten würden die Bürger heute zum Beispiel frühzeitig eingebunden. Dadurch habe die SPD Vertrauen zurückgewonnen. Der Wähler sei aber viel wechselbereiter als früher. "Darum gibt es für die SPD auch keinen Grund zum Hochmut", warnt der Sozialdemokrat.


Stand: 18.06.2012, 14.12 Uhr


Kommentare zum Thema (19)

letzter Kommentar: 20.06.2012, 05:47 Uhr

CDU-ler aus dem Münsterland schrieb am 20.06.2012, 05:47 Uhr:
@schwarzer Martin, auch ich zähle mich zu den Ewiggestriegen CDU-lern und habe es bis heute noch nicht wirklich realisiert,dass unser geliebter Herr Rüttgers nur so kurze Zeit hier in NRW regieren durfte.
schwarzer Martin schrieb am 19.06.2012, 19:35 Uhr:
leider geht im Ruhrgebiet sogar beides, erst Rot dann tot.
Anonym schrieb am 19.06.2012, 13:16 Uhr:
Besser rot als tot
HK schrieb am 19.06.2012, 11:34 Uhr:
Einzig passende Antwort auf die Artikel-Überschrift: Ja - aber hoffentlich vor Scham!!
Anonym schrieb am 19.06.2012, 11:31 Uhr:
Ist das Ruhrgebiet rot, weil es den Menschen so schlecht geht, oder geht es den Menschen so schlecht, weil es rot ist ?

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