Kommentar zu rot-grünen Sparplänen Die sich das Sparen sparen

Von Rainer Kellers

Die Landesregierung braucht Hilfe beim Sparen. Vier Externe sollen den Haushalt durchforsten. Sie sollen machen, wozu Rot-Grün alleine offenbar nicht fähig ist: ernst gemeinte Sparvorschläge. Eigentlich keine schlechte Idee. Aber auch eine sehr entlarvende.


Rainer Kellers vor dem Landtag Düsseldorf
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Rainer Kellers

Reiner Priggen, der Fraktionschef der Grünen, hat am Dienstag (04.09.2012) etwas sehr Interessantes gesagt. Er hat von den Koalitionsverhandlungen nach der Landtagswahl erzählt. Als es darum ging, konkrete Sparvorschläge zu machen, hat Priggen öffentlich vorgeschlagen, 2.000 Stellen in der Polizeiverwaltung zu streichen. Das wäre eine substanzielle Einsparung gewesen, 100 Millionen jedes Jahr. Der Aufschrei der Lobby und der SPD damals war aber so laut, dass Priggen den Vorschlag kleinlaut zurückzog. Es sei eben schwer, Kürzungsvorschläge durchzusetzen, sagt der Grüne heute. So schwer offenbar, dass die Politik alleine nicht den Willen dafür aufbringt. Nicht einmal in einer stabilen Koalition und am Anfang einer Legislaturperiode.

Ein vermeintlich gutes Geschäft


Jetzt sollen also vier externe Experten den Haushalt durchforsten und Unruhestifter spielen, wie der Finanzminister sagt. Eine Million sollen sie in zwei Jahren bekommen. Genau betrachtet, ist das ein Klacks. Wenn es denn stimmt, denn die üblichen Honorare in der Branche dürften um einiges höher liegen. Aber selbst wenn am Ende zwei oder drei Millionen an Kosten entstehen, hätte sich das Geschäft gelohnt. Und zwar dann, wenn die Berater tatsächlich Einsparmöglichkeiten in der Größenordnung von einer Milliarde ausfindig machen.

Mit Sparen gewinnt man keine Wahlen

Überhaupt ist es auch in der freien Wirtschaft durchaus üblich, Außenstehende anzuheuern, wenn es darum geht, den eigenen Laden zu durchleuchten. Die Sache hat unbestritten viele Vorteile. Auch die CDU-Regierung Rüttgers hat sich Sachverstand von außen eingekauft, meist in Form von Gutachten. Im Prinzip kann man also nichts dagegen haben, Geld auszugeben, um sehr viel mehr Geld zu sparen. Die Frage ist nur: Warum hat die Regierung das nicht längst gemacht.

Die Antwort ist simpel: Weil sie in Wahrheit kein Interesse am Sparen hat. Wieso auch? Rot-Grün hat zwei Wahlen mit dem Versprechen gewonnen, mehr Geld auszugeben.

Team ohne Durchschlagskraft

Klar, geredet haben die Haushälter beider Parteien schon vom Sparen. Es ist ein Effizienzteam gegründet worden. Übrigens schon im Frühjahr 2011. Hochkarätig besetzt ist dieses Team, die beiden Fraktionschefs stehen an der Spitze und sollten für Durchschlagskraft sorgen. Geholfen hat's indes nicht. Vom Effizienzteam hat man lange nichts gehört außer der Ankündigung, Sparvorschläge würden schon noch kommen.

Jetzt liegen einige Vorschläge auf dem Tisch. Die aber sind so allgemein und unkonkret, dass die vier Externen sie erst einmal mit Leben füllen müssen. Das soll noch mal zwei Jahre dauern. Vielleicht liegen erste Ergebnisse 2013 vor, vielleicht aber auch erst im Sommer 2014. Und vielleicht verschwinden sie dann auch wieder in der Schublade. Denn, um es ganz deutlich zu sagen: Zu Entscheiden hat das neue Effizienzteam nichts, genau so wenig wie das alte. Und wer würde garantieren wollen, dass die Entscheider - die Fraktionen, das Kabinett, die Ministerpräsidentin - 2013 oder 2014, wenn im Bund bzw. den NRW-Kommunen gewählt wird, bereit sind, unbequeme Spar-Entscheidungen zu treffen? Reiner Priggen sicher nicht.


Stand: 04.09.2012, 17.09 Uhr


Kommentare zum Thema (41)

letzter Kommentar: 08.09.2012, 16:38 Uhr

Fracking verschoben schrieb am 08.09.2012, 16:38 Uhr:
Die SPD sucht noch paar Steuern um sie weiterzuleiten, denn in BRD bleibt mit der SPD und Grünen als Haupttreiber der Goldman Sachs Gewinne in Eurozone nichts mehr?:"Garrelt Duin ist für den Verbleib Griechenlands im Euro-Raum"(wdr online 8.9.12 Er soll ja der SPD-Troika und den Hauptmentoren in SPD für die Bilderberger nahestehen, dem Seeheimer Kreis? Der Frischimport aus Niedersachsen hat sich schnell, zu schnell eingearbeitet. Irgendwie scheint diese Politik wie vom Band zu laufen. Wer hat das nur aufgelegt?
Das Zentralorgan schrieb am 07.09.2012, 01:05 Uhr:
Jetzt ist sowieso alles egal. Graf Draghila wird die Bundesbuerger zu Tode "kuessen" und den Leuten werden Koffer voller Geld gestohlen, um an die Koffer zu kommen.
Die Bürger werden durchs Deppendorf gejagt schrieb am 06.09.2012, 08:37 Uhr:
Diese Parteipolitiker verdienen mit ihrer Tätigkeit Geld und werden alles daransetzen, ihre Beschäftigung besser vergütet zu bekommen. Da also diese Funktionäre nicht so funktionieren wie sie sollten, nämlich für die Politik zu leben, statt davon, ufern die Gelder und Nonsens in ihrem Aktionsfeld aus. Geht man allein immer von der Basis, der Kommune aus, so gibt es die überdimensionieten Beispiele der Stadtstaaten Bremen, Berlin auch Hamburg oder der Großstädte wie Köln. Allein im Ruhrgebiet aber ballen sich Prozesse der Verschwendung von Oberhausen bis Dortmund, die jeder vor Augen hat. So "explodierten" die Unterhaltskosten des Dortm.-U von 3 auf 12 Millionen Euro pro Jahr innerhalb weniger Monate nach Fertigstellung oder werden eben Einsparpotentiale von 8 Millionen Euro bei dem Flughafen entdeckt, um Brüssel gnädig zu stimmen. Die Beliebigkeit der Schuldenberechnungen machen bedenklich, aber diese Politiker haben die Realwelt längst verlassen und ruhen in ver.di und DBB.
Anonym schrieb am 05.09.2012, 21:45 Uhr:
Am besten direkt mal die Regierungsbezirke verringern bzw. ganz abschaffen(Aufgaben ans Land übertragen).
Jan schrieb am 05.09.2012, 21:23 Uhr:
"Anonym" Das sind zum Beispiel auch ich und sie.

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