Wie Rechtsextreme das Internet nutzen: Nazis im Netz: Freundliche Vatis und bunte Videos
Rechtsextreme nutzen das Internet, um rassistische Hetze und neonazistische Propaganda zu verbreiten - häufig in harmlos erscheinender Verpackung. Können Hackerangriffe wie zum Jahreswechsel helfen, diese Entwicklung zu stoppen?
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Mehr als 1.800 rechtsextreme Homepages hat jugendschutz.net im Jahr 2010 gefunden
Rund 1.000 von Deutschen betriebene rechtsextremistische Homepages zählte der Verfassungsschutz Ende 2010, die staatliche Organisation "jugendschutz.net" kam sogar auf mehr als 1.800. "Das Internet ist für Rechtsextreme mittlerweile die wichtigste Propagandaplattform", sagt Stefan Glaser, Leiter des Referats Rechtsextremismus bei jugendschutz.net. "Menschenverachtende, rassistische und demokratiefeindliche Inhalte können hier rasend schnell verbreitet werden." Über einschlägige Homepages würden Veranstaltungen und Kampagnen vorbereitet, und immer häufiger begegnen den Jugendschützern beim Durchforsten des Internets professionell gemachte Videos als Träger rechtsextremer Botschaften.

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Anders als auf der Straße: Subtile Botschaften im Netz
Dass es sich dabei um Nazipropaganda handelt, falle oft auf den ersten Blick gar nicht auf. "Die Clips verzichten auf Bezüge zum Nationalsozialismus und verbreiten stattdessen unterschwellig rassistische und demokratiefeindliche Propaganda", sagt Glaser. In schnellen Schnitten, untermalt mit Pop- oder Rockmusik, sehe man dort jugendliche Identifikationsfiguren, die ihre Botschaften offenbar sympathisch übermitteln sollen. Themen seien meist Arbeitslosigkeit, Kinderarmut oder Missbrauch. Wichtigste Zielgruppe solcher Einträge seien Heranwachsende.
"Nette, freundliche Familienväter"
"Über das Internet können Rechtsextremisten mögliche Sympathisanten einfach und niederschwellig erreichen, vor allem solche Leute, die in ihrem sonstigen Leben nicht mit Rechtsextremisten in Kontakt kommen", sagt auch Simone Rafael von der Antonio-Amadeu-Stiftung. Sie betreut dort das Projekt "Netz-gegen-Nazis.de". Vor allem die sozialen Netzwerke - wie Facebook, YouTube oder Twitter - hätten die Rechtsextremisten offenbar als ideales Instrument für ihre Zwecke entdeckt. Mehr als 6.000 Einträge auf solchen Plattformen zählte die Berliner Initiative im vergangenen Jahr, "und wir gehen davon aus, dass das nur ein Bruchteil der realen Menge ist". Häufig gäben sich Rechtsextreme dort "als nette, freundliche Familienväter" aus, die dann in ihren Beiträgen subtil ideologische Themen anbrächten. "Das läuft oft höchst professionell."
Nazipropaganda als Hip-Hop-Video verpackt
Regelrechte Fleißarbeit rechtsextremer Teilnehmer beobachtet Rafael auch in Diskussionsforen. "Die Strategie ist, bestimmte Ansichten immer und immer wieder zu schreiben, sodass sich bei den Lesern eine Normalisierung dieses Gedankenguts einstellt." Wenn beispielsweise immer wieder behauptet wird, dass die meisten Straftaten in Deutschland von Migranten begangen würden, dann bleibe das bei vielen Lesern schließlich als Fakt hängen, ohne je überprüft worden zu sein.
Nazileaks: Hackerangriff kontrovers diskutiert
Für Diskussionen hat zum Jahreswechsel ein erneuter Hackerangriff von Aktivisten der Gruppe "Anonymous" auf diverse rechtsextremistische Seiten gesorgt. Unter dem Titel "Operation Blitzkrieg" veröffentlichten sie auf der Seite nazileaks.net Namen und Adressen unter anderem von NPD-Parteispendern, von Kunden rechtsextremer Online-Shops und von Abonnenten und Autoren ultrarechter Zeitungen wie der "Jungen Freiheit". Weitere Veröffentlichungen sollen folgen, wie Spiegel-Online am Sonntag berichtete (08.01.2012).
Der Datenklau wurde von vielen Akteuren gegen Rechts mit Genugtuung registriert. Er erntete aber auch Kritik: Sie verstehe zwar die Intention der Hacker, sagt Simone Rafael, und wenn die Homepage von einem der größten neonazistischen Internetportale dadurch über mehrere Tage lahmgelegt war, finde das durchaus ihre Sympathie. "Aber Namen und Daten Einzelner zu veröffentlichen, kann nicht die Antwort einer demokratischen Gesellschaft sein", sagt sie. Wenn umgekehrt Rechtsextreme von ihnen verhasste Personen mit Namen und Adresse im Internet veröffentlichen, "findet das auch keiner richtig".
Auch die erhoffte einschüchternde Wirkung auf Neonazis bleibt nach Rafaels Ansicht aus. "Natürlich macht so etwas die Szene nervös, dort ist man lieber konspirativ unterwegs", sagt sie, "aber längerfristige Effekte auf die Aktivitäten von Rechts wird das nicht haben." Der Deutsche Journalisten Verband (DJV) kritisierte gar die "schlechte Recherche" der Nazileaks-Macher, wonach in den Namenslisten auch Personen aufgeführt seien, die von der Zeitung "Junge Freiheit" als Autoren angefragt wurden, dort aber niemals etwas veröffentlicht hätten.
Deutsche Seiten vermeiden strafbare Ausdrücke
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Aufmerksame User gegen Rechte im Netz
Was lässt sich tun gegen die Ausbreitung rechten Gedankenguts im Netz? Den Betreibern der meisten deutschsprachigen Seiten sei mit juristischen Mitteln nicht beizukommen, sagt Simone Rafael. Zwar liegen fast zwei Drittel davon auf deutschen Servern, viele davon seien aber nicht strafrechtlich relevant. "Die Betreiber schaffen es, den Wortschatz auf diesen Seiten frei von strafbaren Ausdrücken und Aussagen zu halten." Unzulässige Darstellungen, wie die Leugnung des Holocausts oder offener Antisemitismus, würden subtil verpackt. Nach Angaben von jugendschutz.net enthielten im Jahr 2010 nur 15 Prozent der rechtsextremen Seiten strafbare Inhalte. Darunter waren wiederum zwei von dreien über das Ausland ins Netz eingestellt - und damit für die deutsche Justiz nicht erreichbar.
"Jede Auffälligkeit melden!"
Dennoch: "Jede Auffälligkeit an jugendschutz.net melden," empfiehlt Simone Rafael. Über ein Formular auf der Website könne man das auch anonym tun, ergänzt Stefan Glaser von jugendschutz.net. Dort werde jeder Hinweis geprüft, gegebenenfalls kontaktiere jugendschutz.net dann den entsprechenden Dienstanbieter. Deutsche Anbieter würden in der Regel sofort mit der Löschung unzulässiger Inhalte reagieren, "aber auch ausländische Provider oder Plattformen wie Facebook und YouTube entfernen nach Hinweisen von jugendschutz.net die betreffenden Angebote". Darüber arbeite die Initiative an einer Kooperation mit dem INACH-Netzwerk - International Network Against Cyber Hate - einem Zusammenschluss von Organisationen aus Europa, den USA und Kanada gegen Rassismus und Diskriminierung im Netz.
Stichworte
- Anonymous
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"Anonymous" bezeichnet ein loses, weitweites Kollektiv von Aktivisten, das sich für Freiheit des Individuums, Redefreiheit und ein unabhängiges, anarchisches Internet einsetzt. Für ihre Operationen (kurz "Op" oder "Ops") organisieren sie über Aufrufe in Blogs, Twitter- und Facebook-Accounts Unterstützer für Aktionen wie Demonstrationen, Flashmobs oder Hackerangriffe. Die selbsternannte "Hacktivisten"-Gruppierung gibt es seit 2008 unter diesem Namen. Ursprüngliches Ziel war es, gegen Scientology vorzugehen. Damals fanden sich verschiedene Mitglieder eines Online-Forums, die alle unter dem Namen "Anonymous" miteinander kommunizierten, für eine gemeinsame Aktion zusammen. Anonymous-Anhänger legen Wert darauf, dass jeder ein "Anon" sein kann, der sich den Zielen und der Strategie von Anonymous verbunden fühlt. Daher ist für das ausdrücklich anarchische Kollektiv auch keine feste Anhängerschaft auszumachen. Der breiten Masse bekannt wurde Anonymous durch Hackangriffe auf diverse Bankunternehmen als Vergeltungsaktion und Sympathiebekundung für die Whistleblower-Plattform Wikileaks. Anonymous-Anhänger treten derzeit vor allem durch ihre Unterstützung der "Occupy Wallstreet"-Bewegung und deren internationaler Ableger in Erscheinung. Sie sind bei öffentlichen Protesten an den typischen "Guy-Fawkes"-Masken zu erkennen.
Stand: 09.01.2012, 06.00 Uhr
Kommentare zum Thema (12)
letzter Kommentar: 11.01.2012, 18:01 Uhr
- Oskar D. aus B. schrieb am 11.01.2012, 18:01 Uhr:
- Dann hat man ja in Deinem "Deutschland der Zukunft" das "beste" aus den beiden deutschen Staaten der Vergangenheit vereinigt: Den staatlich verordneten Multikulturismus der BRD, ueberwacht und abgesichert durch das bewaehrte Stasi-Spitzelsystem der DDR. Das ist ja ganz Wunderbar! Ich bin ueberzeugt davon, dass sich 1989 GENAU SO die meisten Deutschen die Zukunft ertraeumten. Versuch`s mal mir Argumenten anstatt mit dieser billigen Polemik aus dem Gutmenschenwoerterbuch.
- O.d.f.L. schrieb am 11.01.2012, 11:18 Uhr:
- @Oskar D. aus B.: Rechts Nationale und ewig Gestrige wie sie gehören, Gott sei Dank, einer aussterbenden Minderheit an. Die große Mehrheit der Deutschen ächtet dieses anachronistische braune Gedankengut! Die "Rechten" haben in Deutschland deshalb KEINE Zukunft! Das Deutschland der Zukunft ist ein DEMOKRATISCHER multikultureller Staat in dem rechte Bösmenschen keinen Platz haben! Und ja es ist richtig für jeden anständigen Deutschen, Menschen die in der Nachbarschaft braunes Gedankengut propagieren, im Auge zu behalten und gegebenfalls bei entsprechenden Stellen zu melden.
- Oskar D. aus B. schrieb am 10.01.2012, 19:55 Uhr:
- @ OdfL: Sind es nicht Deine Sorte Gutmenschen, die bei jeder Gelegenheit die kulturelle Integritaet ANDERER Voelker fordern? Ob es nun um die Besetzung (Ueberfremdung!) Tibets durch die Chinesen geht oder das ewige Gegreine um irgendwelche bedrohten Indianerstaemme im brasilianischen Urwald? Wenn (nach EURER Doktrin) alle Menschen gleich sind und Menschenrechte von universaler Bedeutung zu sein haben, warum sprecht Ihr ausgerechnet uns Deutschen (und damit Euch selbst und Euren Kindern und Kindeskindern) eine eigene kulturelle Identitaet und Zukunft ab? Ich halte das Verhalten aller brD-Demokraten in dieser Frage fuer einen (oft bezahlten!) selbstmoerderischen Hypokratismus. Ich will bei mir zu Hause so leben wie ich will und die Sitten und Gebraeuche meiner Vorfahren gefallen mir und darum ist es mir egal, ob mich irgendein Minusmensch bei irgendeiner dieser inflationaeren "Staats"organisationen wie "NABI,GAR,jugendschutz,VS,Stasi,AmadeuAdios"..usw..pp meiner Ansichten wegen meldet!
- Klaus Lohmann schrieb am 10.01.2012, 02:52 Uhr:
- War natürlich für "Oskar D. aus B. " gedacht.
- Klaus Lohmann schrieb am 09.01.2012, 21:12 Uhr:
- Ich schätze, genau solche um den braunen Brei lavierende Kommentare wie den Ihren hat die Autorin mit "Freundliche Vatis" gemeint.
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