Der Blick ins Netz (Teil 1): Mit zwei Klicks zum Wahlprogramm
Am 9. Mai 2010 ist Landtagswahl in NRW. In diesem fortlaufenden Beitrag zeigt WDR.de, wie die Parteien im Internet um Wähler kämpfen. Auf Homepages sind Wahlprogramme, Blogs und private Fotoalben zu finden - oder aber nur das Nötigste.

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Was wird im Netz zur Landtagswahl geschrieben?
10. April 2010: Lokales aus dem Linken-Wahlkampf
Wahlprogramm und Termine der Linken sind auf dielinke-nrw.de mit einem Mausklick erreichbar. Es gibt alle Plakatmotive inklusive Erklärungen, warum die Linke sich für diese Motive entschieden hat. Die Linken verlinken ihre Angebote bei Twitter, Youtube, Flickr und Facebook. Ähnlich wie bei den Grünen gibt es auch hier "Nachhilfe" für Erstwähler: Von "Warum soll ich wählen?" über "Bringt das überhaupt was?" bis zu "Wählen - wie geht das eigentlich?".
Außerdem gibt es eine Menge "aktuelle Meldungen aus dem Wahlkampf". Wer diese Mini-Artikel liest, steht mitten im lokalsten Straßenwahlkampf. Man erfährt zum Beispiel, dass in Remscheid Plakate gestohlen und 100 Euro Belohnung auf die Ergreifung der Täter ausgelobt wurden, und dass in Bocholt eine Linke-Osterhäsin Äpfel und Eier verteilt hat. Insgesamt eine gute und ausführliche Seite ohne Schnickschnack.
9. April 2010: Die schlanke FDP
Schwerpunkt
Die FDP hat direkt auf der Startseite von fdp-nrw.de die anstehenden Termine aufgelistet. Zum Wahlprogramm geht es mit zwei Klicks, und es gibt es Seite über die "Plakataktion" zur Schulvielfalt. Außerdem im Angebot: Ein Folder im PDF-Format zum runterladen und Plakatmotive zum verschicken als E-Card. Dann werden noch Links angeboten zu Facebook, Twitter, Youtube und Flickr, und das wars.
Insgesamt haben die Liberalen auf ihrer Homepage ein sehr schmales Angebot zur Landtagswahl. Aber vermutlich kommt da noch was. Immerhin gibt es einen Link "Zur Kampagnenseite". Wer darauf klickt, wird aber noch enttäuscht, denn es ist gar keine URL hinterlegt. Das Nötigste findet man auf der Seite der FDP, aber kein bisschen mehr.
08. April 2010: Modernes grünes Internet
Die Grünen haben die mit Abstand "zweinulligste" Homepage der fünf großen Parteien in NRW. Auf gruene-nrw.de finden die Nutzer zunächst mal die Standards gut umgesetzt. Das Wahlprogramm ist mit einem Klick erreichbar, es gibt Veranstaltungs-Termine und aktuelle Statements in einem Blog. Die Grünen fahren so ziemlich alles auf, was das Web 2.0 zu bieten hat. Wer das nicht mag, findet die Seite vielleicht etwas überladen.
Der Blick ins Netz
Besonders außergewöhnlich: Die große NRW-Karte, auf der im Sekundentakt Meldungen von Kandidaten aufblitzen, die diese in letzter Zeit auf Twitter, Facebook und Co. veröffentlicht haben. Würde es diese Funktion nicht geben, wir wüssten nicht, dass Martin-Sebastian Abel (Platz 26 der Landesliste) Mittwochabend (07.04.2010) noch mal weg war: "laufen und die Luft genießen".
Für Menschen, die sich nur selten mit Politik beschäftigen, bieten die Grünen viele Erklärungen. Zum Beispiel wird Schritt für Schritt erläutert, wie Briefwahl beantragt wird. Das Wahlprogramm gibt es, insbesondere für Menschen mit Behinderung, in "leichter Sprache". Außerdem werden in einem Glossar die "großen Worte" definiert, also Schlagworte, die Politiker gerne benutzen, ohne sie zu erklären. Wenn diese Erklärungen auch noch neutral, ohne Grünen-Standpunkt daherkämen, wäre das Angebot perfekt.
07. April 2010: Kraft öffnet ihr Fotoalbum
Die Startseite des SPD-Landesverbandes spd-nrw.de ist komplett auf Landtagswahl eingestellt. Zum Wahlprogramm geht es mit nur einem Klick. Die nächsten Wahlkampf-Termine sind übersichtlich aufgelistet und aktuelle politische Statements in einem Blog nachlesbar.
Auch ihrer Spitzenkandidatin haben die Sozialdemokraten auf hannelore-kraft.de eine eigene Homepage spendiert. Neben den üblichen Dingen, gibt es hier eine bemerkenswerte Fotogalerie. Bemerkenswert deshalb, weil die Bilder wirklich aus dem privaten Fotoalbum stammen: Kraft als 19-Jährige im Urlaub, Kraft mit 80er-Jahre-Lederjacke und Zottelfrisur. Das Persönlichste, was Konkurrent Rüttgers in der Rubrik "ganz persönlich" zu bieten hat, ist ein aktuelles Bild zusammen mit seiner Frau Angelika und ein paar älteren Aufnahmen von Rüttgers als Redner.
Brauchen die Wähler den Blick ins private Fotoalbum? Sicher nicht, aber wenn "ganz persönlich" angekündigt wird, will man doch auch etwas ganz Persönliches sehen.
Klare Abzüge aber in der B-Note, weil der Text zu den Bildern doch sehr nach SPD-Marketing-Abteilung klingt: "wir lebten in einfachen Verhältnissen", "ohne die SPD hätte ich weder Abitur gemacht noch studiert". Und noch ein Punktabzug für die Videobotschaft auf der Startseite, in der es vermutlich um die Hartz-IV-Vorschläge der Kandidatin geht. Das ist leider nicht so genau zu verstehen, denn das Video ist viel zu leise aufgenommen worden.
06. April 2010: Rüttgers im Internet-Wahlkampf
In dieser Woche nehmen wir die Homepages der Parteien unter die Lupe. Die CDU hat zwei parallel-laufende Angebote. Unter cdu-nrw.de geht es zur Seite des Landesverbandes und nrw-fuer-ruettgers.de führt zu einer "Unterstützerplattform". Das Impressum verrät es - auch hier ist der CDU-Pressesprecher der "Dienstanbieter".
Wer Informationen sucht, findet auf der Seite des Landesverbandes alles Wissenwerte. Mit zwei Klicks kommen die Nutzer von der Startseite zum Wahlprogramm. Es gibt aktuelle Broschüren zum Runterladen und die Plakatmotive aus dem Wahlkampf. Anders als noch bei den Kommunalwahlen, versucht die CDU diesmal nicht, von wirklich jedem Besucher die E-Mail-Adresse abzugreifen.
Die Unterstützerplattform ist wohl der Versuch, eine Art Rüttgers-Club zu gründen, der gute Stimmung für den amtierenden Ministerpräsidenten macht. Dabei geht es aber über Plattitüden selten hinaus. So heißt es im Blog-Eintrag über einen Wahlkampfauftritt: "Es gelang ihm, die Erfolge seiner Regierungszeit der letzten 5 Jahre aufzuzeigen." - Wäre auch irgendwie schlecht, wenn ihm das nicht gelingen würde. Die Unterstützer drehen auch Videos. Zum Beispiel eine Straßenumfrage "Was halten Sie davon, wenn Schulen geschlossen werden?" Das Ergebnis: Schulschließungen findet keiner gut. Was für eine Überraschung.
Stand: 10.04.2010, 08.08 Uhr
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