Außenminister Guido Westerwelle: Karrieresprung im zweiten Anlauf
Der Bonner Guido Westerwelle wird das Außenressort in Angela Merkels neuer Bundesregierung übernehmen. Der Sprung ins Kabinett krönt eine lange Wandlung des FDP-Chefs: aus "Spaß-Guido" wurde ein ernsthafter, besonnener Politiker.

-
Bild 1 vergrößern
+
Sprung ins Kabinett für Guido Westerwelle
Die FDP sei eine One-Man-Show, sagen Kritiker oft - und zwar seine: Guido Westerwelle, seit 2001 Chef der Liberalen, zuletzt drei Jahre lang Fraktionschef und Oppositionsführer im Bundestag. Der Sprung ins Kabinett gelingt Westerwelle erst im zweiten Anlauf. Schon einmal schien ihm das Amt des Außenministers so gut wie sicher, 2005 sollte es bereits soweit sein. Doch das magere Wahlergebnis vor vier Jahren ließ eine schwarz-gelbe Regierung nicht zu, Westerwelle und seine FDP mussten auf der Oppositionsbank bleiben. Jetzt, nach dem Wahlsieg der Liberalen vom 27. September, kann der 47-Jährige in Hans-Dietrich Genschers Fußstapfen als Außenminister treten. Außerdem wird er Vizekanzler.
"18-Prozent-Schuhe" werden Westerwelle immer begleiten
Schwerpunkt
Dabei hat Westerwelle in den vergangenen Oppositionsjahren eine enorme Wandlungsfähigkeit bewiesen. Noch im Bundestagswahlkampf 2002 führte er seine Partei - er selbst war als offizieller Kanzlerkandidat nominiert - in eine verheerende Niederlage. Es war der Wahlkampf, in dem er die FDP als Spaßpartei zu präsentieren versuchte. Damals schnitt er Torten an, auf denen eine "18" stand - jene 18 Prozent, die Westerwelle bei der Wahl zu holen gedachte und deutlich verfehlte. Es war die Zeit, als er in Sabine Christiansens Sonntags-Talkrunde Schuhe mit einer "18" auf der Sohle in die Kamera hielt.
Der anschließende Wandel vom "Spaß-Guido" zum seriösen Politiker ist Westerwelle besonders in den Jahren als Oppositionsführer vergleichsweise glaubwürdig gelungen. Sicher werden die 18-Prozent-Schuhsohle, das Guidomobil oder auch der fragwürdige Auftritt im "Big-Brother"-Container Westerwelle wohl sein ganzes politisches Leben lang begleiten. "Ich habe in meinen jungen Jahren schon mal daneben gelangt", räumt der Parteichef heute ein. In den vergangenen Jahren wurde sein gesamtes Auftreten jedoch erkennbar ruhiger, besonnener und ernsthafter.
"Berliner Runde" als Schlüsselerlebnis
Eine Schlüsselszene in dieser Entwicklung, so ein FDP-Weggefährte, sei sein Auftritt in der legendären "Berliner Runde" nach der Bundestagswahl 2005 gewesen, in der ein aggressiver Noch-Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) und eine entgeisterte Herausforderin Angela Merkel (CDU) aufeinandertrafen. Sogar Joschka Fischer von den Grünen schien konsterniert, nur Guido Westerwelle bot Schröder seriös und ernsthaft Paroli. "Das hat ihm damals viel Respekt eingebracht", sagt ein Vertrauter Westerwelles. Während der darauffolgenden Jahre der großen Koalition gab der FDP-Chef konsequent den scharfzüngigen Oppositionsführer im Parlament, der Union und SPD Entscheidungsschwäche und politischen Stillstand vorwarf.
Ausrutscher aus der seriös-souveränen Politiker-Rolle gab es allerdings auch - zuletzt nur wenige Tage nach der Bundestagswahl. Auf einer Pressekonferenz fragte ein BBC-Reporter auf Englisch, wie sich die deutsche Außenpolitik unter einem möglichen Außenminister Westerwelle ändern werde. Die Antwort erbat sich der Reporter ebenfalls auf Englisch. Wahlsieger Guido Westerwelle jedoch schien verdutzt, lehnte eine Antwort in der Fremdsprache entschieden ab. Das sei nicht möglich, sagte er dem Journalisten. Und: "Wir sind hier in Deutschland." Der nach dem Wahlsieg vor Kraft strotzende FDP-Chef wirkte plötzlich überrumpelt, hilflos, kalt erwischt.
Später sollte es in der FDP heißen, das sei alles ein abgekartetes Spiel gewesen: Man wolle Westerwelles Eignung als Außenminister in Frage stellen. Doch schon zuvor hatte der FDP-Chef in einem Internetvideo durch bescheidene Englischkenntnisse für Verwunderung gesorgt.
"Sicherlich kein Teamplayer"
Klar ist, Westerwelle prägte die FDP in den vergangenen zehn Jahren wie kein Zweiter. Die Karriere des Bonners bei den Liberalen begann bereits sehr früh: Mit gerade mal 32 Jahren wurde er Generalsekretär - zwei Jahre, bevor er als Nachrücker erstmals in den Bundestag einzog. 2001 übernahm er den Parteivorsitz, später den der Fraktion. Damit wurde er endgültig zur unangefochtenen Nummer eins bei den Liberalen. Immerhin übertraf Westerwelle, der mit einem festen Partner zusammenlebt, bei der Bundestagswahl im September sein Wahlziel von 2005 - er holte in Bonn 19,1 Prozent der Erststimmen.
Intern gilt Westerwelle als strenger Parteichef, der mit seinen Leuten nicht gerade zimperlich umgeht. In der alten Garde der verdienten Parteiveteranen werde, so heißt es, noch immer ab und zu über den allzu forschen Führungsstil Westerwelles genörgelt. "Er ist sicherlich kein Teamplayer, was Führungsfragen angeht", so ein Vorstandsmitglied.
Stand: 24.10.2009, 12.41 Uhr
Seite teilen
Über Social Bookmarks