Flüchtlingsunterkunft im Dorf geplant: Ängste, Sorgen und Vorbehalte
Die stark steigende Zahl von Asylbewerbern zwingt das Land NRW dazu, neue Unterkünfte zu finden. Ein ehemaliges Krankenhaus im Kreis Soest wäre aus Sicht der Bezirksregierung Arnsberg ideal. Manche Bewohner des benachbarten Dorfs Wimbern bei Wickede sehen das anders.

-
Bild 1 vergrößern
+
Ordnung im Schützenhaus schaffen
Die Tische stehen noch in langen Reihen in der Schützenhalle. Am Donnerstagabend (25.10.2012) werden sie gestapelt und in eine Ecke geräumt. Edmund Schmidt und seine Vereinskollegen beseitigen die Überbleibsel der größten Bürgerversammlung, die es in den vergangenen Jahren in Wimbern im Kreis Soest gab. "320 Besucher haben wir gezählt", sagt Schmidt nicht ohne Stolz. Das geplante Asylbewerberheim im ehemaligen Krankenhaus am Dorfrand hatte mehr bewegt als das Spiel des BVB, der viele Fans im Wimbern hat. Einen Tag nach der Informationsveranstaltung ist bei den Mitgliedern des Dorfvereins die Erkenntnis gereift, dass sie wohl keine Chance gegen die Pläne der Bezirksregierung haben. Die sehen vor, aus dem ehemaligen Marienkrankenhaus ein Übergangsheim für Asylbewerber zu machen. Bis zu 500 Menschen sollen in den früheren Patientenzimmern für maximal drei Monate einquartiert werden, bevor sie in andere Städte und Gemeinden in NRW vermittelt werden.
Wenig überzeugend

-
Bild 2 vergrößern
+
Ängste hinter schmucken Fassaden
Was die Wimbernder von den Vertretern der Bezirksregierung Arnsberg gehört haben, hat sie wenig überzeugt. Ängste, Sorgen und Vorbehalte sind geblieben. Dafür haben viele Nachrichten und Gerüchte gesorgt, die die Bürger von den Standorten anderer Asylbewerberheime gehört haben. Das Dorf mit knapp 1.000 Bewohnern ist eine kleine Idylle mit liebevoll restaurierten Höfen und schmucken Einfamilienhäusern. Kollidiert diese heile Welt mit den fremden Kulturen, fragt sich eine Anwohnerin, die ihren Namen ebenso wenig nennen will, wie viele andere. Sie und die Anderen fürchten, dass die Asylbewerber hier aus Langeweile auf abwegige Gedanken kommen könnten. Das Dorf ist das Einzige, was es im Umkreis des ehemaligen Krankenhauses außer Wäldern gibt. "Was sollen die hier den ganzen Tag machen?"
"Was werden die Häuser noch Wert sein"?

-
Bild 3 vergrößern
+
Keine Angebote in Wimbern
Den Dorfbewohnern geht es aber auch um wirtschaftliche Interessen. Sie befürchten, dass der Wert ihrer Häuser sinken wird, wenn das Übergangsheim kommt. Diejenigen, die im Seniorenheim gleich neben dem ehemaligen Krankenhaus Arbeit gefunden haben, fragen sich, ob die Einrichtung Bestand haben wird. Für vier Millionen Euro wird das Haus gerade modernisiert, um den alten Menschen mehr Komfort zu bieten und damit neue Bewohner zu gewinnen. "Da geht doch keiner mehr hin, wenn die Asylanten da sind", heißt es im Dorf. Dem widerspricht der Leiter des Hauses, Thomas Heck: "Es ist eine besondere Herausforderung." Der Träger, der Deutsche Orden, habe sich helfen und heilen zur Aufgabe gemacht. Deshalb ginge es auch darum, den Menschen zu helfen, die aus ihrer Heimat geflüchtet seinen, sagt Heck. Er geht davon aus, dass es trotz der "räumlichen Enge" ein gutes Zusammenleben geben werde.
Kein Ort für rechte Parolen

-
Bild 4 vergrößern
+
Neues Leben in Patientenzimmern
Einige Bewohner treibt gleichermaßen eine andere Sorge um: Ihr Dorf soll nicht als Ort fremdenfeindlicher Ressentiments abgestempelt werden. Angst haben einige aus dem Bürgerverein davor, dass rechte Parteien wie ProNRW ihr Dorf für ihre Propaganda missbrauchen könnten. "Hoffentlich hängt sich die braune Brut nicht daran", sagt ein Vereinsmitglied. Als ehemaliger Mitarbeiter weiß ein anderer Mann um die Probleme der Menschen, die in Deutschland Asyl suchen. Im alten Krankenhaus seien oft Menschen aus Kriegsregionen behandelt worden, um ihre Verletzungen zu kurieren. "Insofern sind wir froh, dass es im Krankenhaus wieder Leben gibt."
Besuchsfahrt nach Hemer

-
Bild 5 vergrößern
+
Ortsvorsteher Schmidt
Mit dem Besuch einer anderen Asyleinrichtung will Edmund Schmidt, der auch Ortsvorsteher von Wimbern ist, die Ängste seiner Nachbarn bändigen. Dass er am Tag nach der Informationsveranstaltung einen Anruf von den Maltesern bekommen hat, die das Auffanglager in Hemer betreuen, stimmt ihn zuversichtlich. Mit möglichst vielen Dorfbewohnern will er dort hinreisen, um vor Ort umzusehen. Und noch ein Wunsch ist bei ihm gereift: "Es wäre gut, wenn es einen festen Ansprechpartner im Heim für uns gibt." Der könnte mögliche Konflikte mit den Menschen in der geplanten Asylunterkunft schnell lösen, hofft Schmidt. Einen Tag nach der so wichtigen Informationsveranstaltung ist am Ende nicht nur der Saal wieder aufgeräumt, sondern auch die Gedanken vieler Dorfbewohner.
- Übrigens...
-
... hatte unser Reporter Robert Franz schon damit gerechnet, dass sich sein Aufenthalt in Wimbern schnell herumsprechen würde. Überrascht war er dann doch, als er erfuhr, dass der Dorffunk ganz modern per SMS funktioniert.
Stand: 26.10.2012, 12.30 Uhr
Kommentare zum Thema (47)
letzter Kommentar: 31.10.2012, 10:23 Uhr
- P.B. schrieb am 31.10.2012, 10:23 Uhr:
- Wir wollen doch mal ganz ehrlich sein, niemand möchte ein Asylantenheim vor der eigenen Tür haben.Unser Problem ist die lage Prüfzeit für Asylanten.Wenn ich vorher schon weis das 90 Proz. der der Antragsteller Wirtschaftsflüchtlinge sind, muß der Staat schneller entscheiden wer bleibt, und wer wieder ausgewiesen wird.
- Unternehmer aus Wickede schrieb am 30.10.2012, 21:11 Uhr:
- Irgendwie ist man in Wickede ja selbst Schuld. Fast 11 Monate hat es gedauert um nun einen vielleicht Nachmieter zu finden, der in Bevölkerung wenig Lobby hat. Ist diese Immobilie nicht wertvoller und auch anders nutzbar ? Vielleicht hätte die Gemeinde Wickede auch mal besser um sich werben müssen und so Nachmieter zu locken und an die Krankenhausholding zu empfehlen. Schließlich verfügt man mit Bahn und Autobahnanschluss über eine super Infrastruktur. Von Altenheim, Business College, Internat, Privatklinik oder sogar eine Erlebnisgastronomie a la Willingen oder Dorf Münsterland wären möglich und mit Brauereien, Banken und Investoren vielleicht sogar realisierbar gewesen Es hätten bis zu 250 neue Arbeitsplätze entstehen können. Unterm Strich hätte die Gemeinde sogar viel Geld verdienen können durch hohe Steuereinnahmen. Nun geht man leer aus... Es entstehen jetzt 40 Arbeitsplätze aber leider nicht für jeden, sondern für Leute mit Qualifikationen die kaum jemand hat (Fremds ...
- Smoker schrieb am 30.10.2012, 07:25 Uhr:
- Vielleicht löst sich das Krankenhaus vorher ja noch in Rauch auf dann wäre das problem vom Tisch. Warum baut man kein Asylantenheim neben dem bundestag in Berlin;-)
- Hans Westmar schrieb am 30.10.2012, 02:16 Uhr:
- @ Josef: Volksbefragung zu wirklich wichtigen Themen wie "Auslaenderstopp" und Asylrecht fordern nur "Nazis und anderes rechtes Gesocks", und Du bist doch wohl kein "Nazi und anderes rechtes Gesocks"...oder?! (Und sei bloss vorsichtig mit von wegen "wir sind das Volk", das bringt Dich im "freiesten Staat der deutschen Geschichte" ganz schnell an den "rechten Rand" und ggf. mit dem Strafgesetz in Konflikt)
- Anonym schrieb am 29.10.2012, 20:45 Uhr:
- Es wird in bälde noch mehr solcher Dörfer mit Zuwanderern geben. Morgen kommt Erdogan. Ist er eingeladen? Ich weiß es nicht. Sonst kommt er ja immer uneingeladen. Zeugt nicht von gutem Benehmen. Er will die syrischen Asylbewerber -Christen- loswerden, die von den Rebellen enteignet und vertrieben wurden.
Alle Kommentare zu " Flüchtlingsunterkunft im Dorf geplant:Ängste, Sorgen und Vorbehalte" anzeigen
Seite teilen
Über Soziale Medien