Neue Weiterbildung für Lehrer Sonderpädagoge werden - nebenbei

Von Diana Peßler

Kinder mit Behinderung brauchen besondere Unterstützung in der Schule. Doch Sonderpädagogen sind Mangelware. Deshalb hat das Schulministerium nun eine Weiterbildungsmaßnahme gestartet.


Grundschule praktiziert das Lernen von behinderten und nichtbehinderten Kinder
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Es gibt zu wenige ausgebildete Sonderpädagogen

Verkehrte Welt. 200 Lehrerinnen und Lehrer drücken seit Anfang Februar wieder die Schulbank. Weil sie nicht als Sonderpädagogen ausgebildet wurden, aber trotzdem deren Job machen. Sonderpädagogen sind Mangelware und so müssen viele Förder- und inklusive Schulen normale Lehrer anstelle der Sonderpädagogen einsetzen. "Das zeigt die Notsituation, in der wir jetzt sind. Die machen die Arbeit und werden hinterher qualifiziert. Die Weiterbildung jetzt ist dringend notwendig", sagt Wolfgang Franz, Vorsitzender des Verbandes Sonderpädagogik in NRW. Übersetzt heißt das wohl: besser als nichts.

"Gleichwertige Kollegen"


Die nordrhein-westfälische Schulministerin Sylvia Löhrmann (Grüne) zeigt am 22.01.2013 in Düsseldorf (Nordrhein-Westfalen) auf einer Pressekonferenz eine Karte zur Schulentwicklung in Nordrhein-Westfalen.
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Schulministerin Sylvia Löhrmann erläutert ihre Pläne für Inklusion und Lehrerausbildung in NRW

Wenn es so läuft, wie es sich das Schulministerium erhofft, werden insgesamt 2.500 Lehrer die Weiterbildung durchlaufen. An einem Tag pro Woche pauken sie an einem Schulungszentrum Sonderpädagogik. Zusätzlich steht ihnen an ihrer Schule ein Mentor zur Seite, der im Unterricht vorbeischaut und ihnen Tipps und Feedback gibt, an zwei Stunden pro Woche. Am Ende - nach anderthalb Jahren Weiterbildung - steht die Staatsprüfung. Wer sie besteht, ist Sonderpädagoge geworden - nebenher zum Schulalltag, ohne zusätzliches Studium. "Ich sehe das entspannt", sagt Michael Zans, der in Horn-Bad Meinberg an einer Förderschule unterrichtet und Sonderpädagogik studiert hat. "Das sind gleichwertige Kollegen. Sie haben ja auf Lehramt studiert. Ihnen fehlt nur ein spezieller Bereich." Dass sie diesen Bereich mithilfe der Weiterbildung kompensieren können, davon ist Michael Zans überzeugt.

Kritik an geringerer Qualifikation


Doch nicht alle sind so optimistisch. "Wir brauchen Sonderpädagogen, aber wir brauchen auch ein gründliches Studium der Sonderpädagogik. Das wird mit dieser Weiterbildungsmaßnahme nicht erreicht", ist sich Wolfgang Franz vom Verband Sonderpädagogik sicher. Seiner Meinung nach müssten Teile der Weiterbildung an die Universitäten verlegt werden. Er befürchtet, dass die angehenden Sonderpädagogen vor allem im Bereich der Intelligenzbeurteilung nicht ausreichend geschult werden. Für die Förderschüler könnte das bedeuten, dass sich ihre Lehrer im Gegensatz zu studierten Sonderpädagogen nicht differenziert genug mit ihren Lernproblemen auseinandersetzen können. Weil die wissenschaftlichen Grundlagen fehlen um zu erkennen, wo genau eine Beeinträchtigung herrührt: Kann der Schüler Gehörtes nicht richtig entschlüsseln? Oder visuelle Reize nicht verarbeiten? Hat er ein Verstehens- oder ein Vergessensproblem?

Übergangslösung bis 2018


Die Schulleiterin unterstützt zwei Kinder beim Schreiben
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Sonderpädagogen müssen sich mit Lernproblemen auseinander setzen

Das Schulministerium betont dagegen, dass die Lehrer nach den gleichen Standards ausgebildet würden wie an den Hochschulen - und dass sie wegen ihrer beruflichen Erfahrung gute Lernvoraussetzungen hätten. Den Unterschied zum Studium sieht Ministeriumssprecher Jörg Harm vor allem darin, dass sich die Lehrer nur auf ein Fachgebiet spezialisieren - anstelle von zweien.

Ohnehin soll die Nebenbei-Weiterbildung nur eine Übergangslösung sein und 2018 automatisch auslaufen. Auch der Skeptiker Wolfgang Franz glaubt nicht daran, dass die Zukunft der Sonderpädagogik den Bach heruntergeht. Dass die Landesregierung kürzlich zugesagt hat, 500 zusätzliche Studienplätze für das Fach zu schaffen, sei ein gutes Zeichen.

Stichworte

Inklusive Schule

An inklusiven Schulen werden behinderte und nicht behinderte Kinder gemeinsam unterrichtet. Gemäß den Zielen der UN-Behindertenrechtskommission hat Deutschland sich verpflichtet, sein Schulsystem so zu gestalten, dass Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf an Regelschulen aufgenommen werden müssen, wenn die Eltern es wünschen. Ab 2014 will die NRW-Landesregierung allen Kindern, die in die 1. oder 5. Klasse kommen, einen inklusiven Platz an einer Regelschule garantieren.


Stand: 08.02.2013, 09.30 Uhr


Kommentare zum Thema (6)

letzter Kommentar: 09.02.2013, 09:11 Uhr

tenzin schrieb am 09.02.2013, 09:11 Uhr:
Sicherlich wird der eine oder andere Normalbürger erstaunt sein, dass das vollmundig propagierte Ziel, die Inklusion in Rekordtempo einführen zu wollen, nun quasi mit "Hilfslehrern" erreicht werden soll. Aber - und das ist wohl nur den wenigsten bewusst - dieses System wird bereits seit langem angewendet, und zwar unabhängig vom Parteibuch der jeweiligen Schulministerin. Denn seit Jahren werden zwar immer wieder gern stolz die Zahlen der neu eingestellten Lehrer veröffentlicht, damit die unbedarfte Öffentlichkeit denkt: "Toll! Die tun ja wirklich etwas!" Tatsächlich jedoch handelt es sich bei den neu Eingestellten zum größten Teil um völlig Fachfremde, die mit den unterschiedlichsten Maßnahmen weiterqualifiziert wurden und oft auch nicht wie vollwertige Lehrer besoldet werden. Schmalspurpädagogik hat also seit Jahren Tradition in NRW. (Was übrigens auch daran liegt, dass andere Bundesländer richtig ausgebildete Lehrer direkt nach der Ausbildung mit höheren Gehältern abwerben.)
was ist neu an der Ausbildung schrieb am 08.02.2013, 15:24 Uhr:
wo ist da der Unterschied zum normlen Lehrervolk? Jetzt bestraft RotGrün auch schon die behinderten Schüler schlimm genug das es den anderen auch schon schlecht geht. Bayern liegt bei PISA vorn.
kurzgedacht schrieb am 08.02.2013, 15:13 Uhr:
wie jede qualifikationsmaßnahme im schulischen bereich kurz gedacht . besser wäre ein überdenken der zugangsbestimmungen für ein sopä-studium, die aktuelle nc-politik schließt viele fähige und interessierte aus. wem nützt die zusatzausbildung? zunächst schließt sie rasch lücken in der inklusion, lehrer der allg.bildenden schulen werden "qualifiziert" in dem, wassie eh schon tun(müssen). gelockt wird mit a13 (WOW!!!) und verwirrt mit der maßbabe evtl. als inkl. lehrer wie die kollegen im gu auf schultour zu gehen - nicht für jedermann attraktiv oder geeignet. dem bericht täte es gut "die berufsbegleitende ausbildung zum erwerb des la für sopä förderung" kritischer zu sehen. aber das würde auch mehr kritische relexion bzgl. des aktuellen popanz inklusion voraussetzen.menschen sind nicht gleich - gottseidank!
der Pfleger schrieb am 08.02.2013, 13:29 Uhr:
@Andrea: Genau so ist es leider. Der gleiche Mist wurde bereits mit Erfolg in Altenheimen umgesetzt. Statt vernünftige Löhne für Altenpfeger/rinen zahlen zu müßen wurden Tausende mit Miniqualifikationen versehen die nun sogar Fachkräfte ersetzen können aber biligeger sind. Die Leidtragenden sind die Pflegebedürftigen.
RechtsDaumenLinks schrieb am 08.02.2013, 13:12 Uhr:
Gibt es für den Posten keine passenden Arbeitskräfte im Ausland oder warum bildet man hierzulande Lehrer dazu aus?

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