Schwarzbuch Steuergeldverschwendung : "Die Städte schmeißen Geld zum Fenster raus"
Kostenexplosion beim U-Turm in Dortmund, ein Museum, das drei Mal teurer wird als geplant, ein neuer Zaun ohne jeden Nutzen: Der Bund der Steuerzahler hat am Mittwoch (19.09.2012) sein Schwarzbuch der Steuergeldverschwendung vorgestellt. Besonders schlecht kommt das Ruhrgebiet weg.
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Steuerverschwendung in NRW
(01:59 Min.)
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Sendung vom 19.09.2012
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Steuerverschwendung in NRW
Das Geld in den öffentlichen Kassen ist knapp, und deshalb schauen die Verantwortlichen immer ganz genau hin, wenn der Bund der Steuerzahler (BdSt) sein jährliches Schwarzbuch der Verschwendung öffentlicher Mittel vorlegt. Von den bundesweit rund 100 aufgelisteten Fällen kommen 19 aus Nordrhein-Westfalen. Betroffen sind ausschließlich Kommunen, viele davon im Ruhrgebiet, und viele mit erheblichen finanziellen Schwierigkeiten. "Den Städten geht es nicht nur deshalb schlecht, weil ihnen hohe Sozialkosten aufgelastet werden", sagt Heinz Wirtz, der Vorsitzende des BdSt in NRW. "Es geht ihnen auch schlecht, weil sie Geld zum Fenster rauswerfen."
Dortmunder U-Turm: Betriebskosten laufen aus dem Ruder
Die 19 Fälle aus NRW stünden exemplarisch für Geldverschwendung und "organisierte Verantwortungslosigkeit", sagt Wirtz. Fast immer geht es um Baukosten, die aus dem Ruder laufen. Zum Beispiel in Dortmund. In der hoch verschuldeten westfälischen Metropole prangert die Steuerzahlerlobby gleich zwei Fälle an. Zum einen den U-Turm, der in den vergangenen Jahren bereits durch explodierende Baukosten in die Schlagzeilen geraten war. Nun steigen auch die Betriebskosten drastisch an. Von ursprünglich geschätzten 3,2 Millionen Euro pro Jahr auf nun über zehn Millionen. Grund dafür seien unter anderem nicht einkalkulierte Mietkosten und höhere Kosten bei Reinigung und Energie. Bei einer vernünftigen Planung, meint der Bund der Steuerzahler, hätte es die finanzielle Misere nicht gegeben.
Kostenrisiko Fußballmuseum

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Wie teuer wird das DFB-Museum?
Eine ähnliche Entwicklung befürchtet der BdSt auch beim geplanten Fußballmuseum in Dortmund - ohne allerdings Belege dafür zu haben. Die gesamte finanzielle Planung sei undurchsichtig, heißt es. So sei nicht klar, in welcher Höhe die Stadt für Verluste des Museums haftet und wie teuer die Umgestaltung des Museumsumfeldes werden wird. "Solche Themen werden in nicht-öffentliche Teile von Ratssitzungen besprochen und sind somit einer öffentlichen Kontrolle entzogen", ärgert sich Wirtz.
5.000 Euro, um einen Zaun wieder abzureißen
Während der Steuerzahlerbund beim DFB-Museum vor einer drohenden Geldverschwendung warnt, sei diese in Troisdorf bereits geschehen. Das auf Burg Wissem geplante Museum zur Industriegeschichte sei immer wieder schöngerechnet worden, meint der BdSt. Statt drei Millionen wie geplant soll das Vorzeigeprojekt nun neun Millionen kosten, drei Mal so viel wie angenommen. Beim Emil-Schumacher-Museum in Hagen laufen die Folgekosten aus dem Ruder: 1,3 Millionen im Jahr statt 461.000. Ein anderes Beispiel für Geldverschwendung findet sich ebenfalls in Hagen. Dort wurde 2011 ein Zaun zum Schutz vor Graffiti-Schmierereien an einem Gymnasium gebaut. Kosten: 15.000 Euro. Weil der Zaun aber leicht zu umgehen und deshalb völlig nutzlos war, ist er mittlerweile abgebaut worden - was noch mal 5.000 Euro kostete.
Weitere Beispiele für Geldverschwendung beschreibt das Schwarzbuch unter anderem in Bielefeld, Gütersloh und Oberhausen. Bei sechs dieser Fälle führt das Buch allerdings nur eine "drohende Verschwendung" an. Bei vier Projekten sei die Verschwendung durch das Eingreifen des Bundes verhindert worden. Beispielsweise in Bielefeld, wo ein Jobcenter älteren Erwerbslosen einen Kurs finanzieren wollte, durch den die Teilnehmer Gewicht verlieren und sich jünger fühlen sollten.
Steuerzahlerbund will Haushaltsuntreue unter Strafe stellen
Damit solche und ähnliche Geldverschwendung wirksamer bekämpft werden kann, fordert der BdSt einen neuen Straftatbestand - nämlich den der Haushaltsuntreue. Diese sei gegeben, wenn es ein "auffälliges Missverhältnis" zwischen einer Ausgabe und dem damit verfolgten Zweck gebe - wie im Beispiel des unnötigen Zauns in Hagen. Nach bisheriger Rechtslage könnten die Verantwortlichen nur dann zur Rechenschaft gezogen werden, wenn sie in die eigene Tasche wirtschaften, meint NRW-Vorsitzender Wirtz. Der BdSt will nach eigenen Angaben die Landesregierung in NRW für eine entsprechende Bundesratsinitiative gewinnen.
Ob der Lobbyverein bei den Politikern damit Gehör findet, darf aber bezweifelt werden. Das NRW-Justizministerium äußert sich skeptisch zum Sinn einer solchen Gesetzesänderung. "Uns sind keine Klagen bekannt, dass strafwürdige Fälle der Veruntreuung von Haushaltsgeldern und der Verschwendung öffentlicher Mittel nach dem geltenden Recht nicht angemessen bestraft werden könnten", heißt es in einer Stellungnahme gegenüber WDR.de. Außerdem - das sagt das Ministerium nicht - träfe der neue Straftatbestand neben Verwaltungsbeamten auch Ratspolitiker und Bürgermeister. Parteifreunde also.
Stand: 19.09.2012, 14.27 Uhr
Kommentare zum Thema (76)
letzter Kommentar: 22.09.2012, 10:16 Uhr
- Piraterie schrieb am 22.09.2012, 10:16 Uhr:
- Anonym 8:51 schrieb heute, 10:04 Uhr: Ich wäre vielleicht auch froh wenn ein Herr Scheuble uns in Finanzsachen vertreten würde, wenn es dann ehrlich und besser liefe, aber wer ist dieser Herr? Kann man ihn wählen? Ist er ein Pirat?
- Anonym 8:51 schrieb am 22.09.2012, 10:04 Uhr:
- Ich bin froh, dass uns Merkel und Scheuble in der EU vertetren und Unterstützungen anderer Länder mit harten und notwendigen Auflagen verbinden. Bei ROT/GRÜN hätten wir bereits die Schuldenunion und wir wären auf dem gleichen Level wie Griechenland und Spanien wo die Sozen ihre Länder gegen die Wand gefahren haben. Hier herrschen über 50% Jugendarbeitslosigkeit. Im Gegensatz zu uns, wo Azubis vielfach gesucht werden. Schauen wir uns doch die Bundesländer an die von den SPD Genossen regiert werden. Von Bremen über Berlin bis NRW, die Verschuldung steigt und steigt. Die nächste Generation wird noch unter diesen Schulden ächzen, aber das ist den Genossen offensichtlich völlig Wurscht. Hauptsache sie bleiben an der Macht.
- Anonym schrieb am 22.09.2012, 08:51 Uhr:
- solange Merkel und Co. regieren,wird sich auch nichts ändern.Frau Merkel schmeisst unsere Steuergelder ins europäische Ausland -und kaum jemand regt sich darüber auf !,
- Paulus schrieb am 21.09.2012, 22:31 Uhr:
- Also ich verurteile Steuerverschwendung und ich finde das die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden müssen. Aber was macht dieser sogenannte Bund der Steuerzahler? Er vergleicht geplante Baukosten mit den nach der Fertigstellung festgestellten tatsächlichen Baukosten. Er lässt außer acht das es da eine ganze Palette von Gründen geben kann warum die geplanten Baukosten überschritten wurden. Dies alles last dieser sogenannte Bund der Steuerzahler außer acht und betreibt damit nur billige Effekthascherei. Trotzdem ist die Arbeit dieses Unternehmens wichtig weil er eine menge von Dingen aufdeckt bei dem nochmal genau nachgerechnet werden sollte in wie weit es sich um Steuerverschwendung handelt.
- Henry 78 schrieb am 21.09.2012, 19:05 Uhr:
- Mit dem passenden Parteibuch in der Tasche ist hier jede Idiotie möglich! U-Bahnbau in Köln,Elbkonzertbau in Hamburg,als absoluter "Knaller" der Flugentenbau in Berlin ,mit Plüsch und Plum als "Fachleute"und mit dazu debielen Grinsen!Und-und -und und!Wenn ich an Deutschland denke in der Nacht,(oder so ähnlich)werde ich um meinen Verstand gebracht!Und nicht zuvergessen "König Kurt" mit seinem Ring des Grauens!Das ist die Lachnummer ,(wenn es nicht so traurig währe,wegen der vielen in den Beton,oder Sand,gesetzten Millionen! AVANTI DILETTANTI !
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