Schulanfang: Fragen an Sylvia Löhrmann Sprechstunde bei der Schulministerin

Das neue Schuljahr bringt in NRW einige Änderungen mit sich - und es bleiben auch altbekannte Probleme. Eltern haben ihre Fragen und Gedanken zum Schulstart in Social Media-Kommentaren gepostet. Wir haben sie gesammelt und an Schulministerin Sylvia Löhrmann (Grüne) weitergeleitet.

Sylvia Löhrmann, NRW-Schulministerin Video Schulbeginn in NRW (01:45 Min.) WDR aktuell vom 22.08.2012

Schulbeginn in NRW

Facebook-Userin Silke B.:

"Die Organisation des Schulstoffs ("Druckbetankung") ist allerdings wirklich ein Problem. [..] Da wird viel zu viel unnützes gelehrt und die Materialien gehören dringend angepasst..."

Sehen Sie Möglichkeiten, den Lehrplan weiter auszudünnen?

Sylvia Löhrmann: Wir werden in der nächsten Zeit ein besonderes Augenmerk darauf legen, wie die einzelnen Schulen die Kernlehrpläne umsetzen. Damit setzen wir an der Ebene an, an der es die Schülerinnen und Schüler konkret betrifft, nämlich an der täglichen schulischen Arbeit. Aus den Ergebnissen dieser Überprüfung werden wir dann weitere Schlüsse ziehen.

Wie wollen Sie gewährleisten, dass mein Kind auch in der Sekundarschule individuell gefördert wird?

Löhrmann: Zum Beispiel durch Fortbildung der Lehrerinnen und Lehrer. Einige Sekundarschulen haben bereits Fortbildungsangebote zur Schul- und Unterrichtsentwicklung, zum gemeinsamen Unterricht, zur Teamentwicklung, zum Unterricht in heterogenen Lerngruppen oder zu kooperativen Lernformen genutzt. Diese Angebote werden im Schuljahr 2012/2013 fortgesetzt.

Facebook-Userin Nicole L.:

"Und dass die Kinder so viel schleppen müssen? Schauen wir uns doch nur mal den Stundenplan in der Grundschule an: 4 Stunden ein "X" für alles mögliche, weil die Lehrerin ihren Unterricht nicht im voraus plant, sondern spontan entscheidet! [..] Also müssen die Kinder alles mitschleppen!"

Warum müssen viele Kinder im Zeitalter der digitalen Medien immer noch so viele Bücher im Tornister zur Schule schleppen?

Löhrmann: Vor allem in der Grundschule sollten die Schulen darauf achten, dass die Schülerinnen und Schüler nicht zu viel tragen müssen. Eventuell gibt es auch die Möglichkeit, Bücher in der Schule zu lassen, wenn sie nicht für Hausaufgaben benötigt werden. Darüber hinaus könnte vielfältiges Lernmaterial in Zukunft auch über das Internet zugänglich gemacht machen. Wir sind mit den Schulbuchverlagen im Gespräch, um zu prüfen, welche Chancen digitale Schulbücher bieten.

Wie hoch ist der Stellenwert von Schulsport im Lehrplan? Halten Sie drei Wochenstunden für ausreichend?

Löhrmann: In Nordrhein-Westfalen ist der Sportunterricht in den Grundschulen mit drei Wochenstunden verbindlich. Die Stundentafeln für die Schulformen der Sekundarstufe I sehen eine Bandbreitenregelung vor: Demnach kann das Fach Sport in jeder Jahrgangsstufe mit zwei bis vier Wochenstunden unterrichtet werden. Die Festlegung der Anzahl der Sportstunden innerhalb dieser Bandbreite wird von der einzelnen Schule vorgenommen. Insgesamt werden in der Sekundarstufe I 19 Wochenstunden Sport unterrichtet. Und in der gymnasialen Oberstufe ist NRW das einzige Bundesland, das Sport als verpflichtendes Fach in allen Kurshalbjahren mit drei Stunden festgeschrieben hat.

Bei den olympischen Spielen merkt man immer wieder, wie viele Sportarten es doch eigentlich gibt. Warum schlägt sich diese Vielfalt nicht im Schulsport nieder? Warum werden dort vor allem die Sportarten praktiziert, die sowieso schon einen großen Zulauf haben?

Löhrmann: Wenn Sie sich die sportlichen Aktivitäten in den Schulen anschauen, werden Sie schnell merken, dass es im Schulsport eine große Bandbreite an verschiedenen Bewegungsfeldern und Sportarten gibt. Neben den großen und bekannten Sportarten wie Schwimmen, Leichtathletik oder auch verschiedenen Sportspielen wie Fußball oder Basketball gibt es im Schulsport vielfältige Gelegenheiten, auch etwas exotischere Bewegungsbereiche kennen zu lernen. Denn Lehrkräfte haben neben den verpflichtenden Angeboten einen großen Spielraum, Sportarten und Bewegungsfelder frei zu wählen. Welche Bewegungsbereiche das sind, hängt dann aber auch in erster Linie von den räumlichen, personellen und strukturellen Gegebenheiten der einzelnen Schulen vor Ort ab.

Facebook-Userin Heidemarie F.:

"Gibt viele Kinder, die lieber bis zu Hause warten, als die WCs in den Schulen zu benutzen. Kann mir nicht vorstellen, dass das gesund ist."

Warum sind die Sanitäranlagen in vielen Schulen immer noch so dreckig?

Löhrmann: Ich empfehle ein Gespräch mit der Schulleitung. Das Thema fällt zwar in den Zuständigkeitsbereich des Schulträgers. Es gibt aber auch eine Verantwortung der Schulgemeinschaft für Einrichtungen, die gemeinsam genutzt werden. Wenn sich alle an die eigene Nase fassen und sorgfältig mit den Sanitäranlagen umgehen, trägt das zur Lösung des Problems bei.

Zusammengestellt von Carolin Bredendiek.

Stichworte

Sekundarschule

Die Sekundarschule ist eine neben Gymnasium, Realschule, Hauptschule, Gesamtschule und Gemeinschaftsschule eine neue Schulform in NRW. In der Sekundarschule lernen alle Kinder in den Klassen fünf und sechs noch gemeinsam, erst anschließend kann differenziert werden - die Entscheidung darüber, ob die Schüler dann auf verschiedene Bildungsgänge aufgeteilt werden oder nicht, liegt bei der jeweiligen Gemeinde. Sekundarschulen haben keine eigene Oberstufe - vielmehr müssen Kooperationen mit anderen Schulformen (Gymnasium, Gesamtschule, Berufskolleg) eingegangen werden, an denen Schüler einer Sekundarschule die Reifeprüfung nach insgesamt neun Schuljahren ablegen können.


Stand: 22.08.2012, 10.00 Uhr


Kommentare zum Thema (27)

letzter Kommentar: 23.08.2012, 17:13 Uhr

WDR.de schrieb am 23.08.2012, 17:13 Uhr:
@Jürgen Auer: Was an dem Beitrag werblich sein soll, erschließt sich uns nicht. Wir machen mit dem Beitrag keine Werbung, sondern nutzen (auch) das größte deutsche soziale Netzwerk um die Meinung von Nutzern zu einem gesellschaftlich relevanten Thema abzufragen und an die zuständige Ministerin zu Beantwortung zu geben. Im übrigen setzen wir uns durchaus auch kritisch mit sozialen Netzwerken auseinander, insbesondere hinsichtlich des Datenschutzes- http://www1.wdr.de/themen/archiv/sp_socialnetworks/socialnetworks100.html
Jürgen Auer schrieb am 23.08.2012, 15:36 Uhr:
Lieber WDR, ich hätte sehr gerne eine Erklärung warum hier Werbung für Facebook gemacht wird, es nimmt langsam Überhand für einen Öffentlichen Sender. Dafür sind die Gebühren sicher nicht Gedacht.
Es werde Nacht oder die Piraten kommen schrieb am 23.08.2012, 09:47 Uhr:
Es bleibt sehr viel Platz für Parteien und Politik, die wirklich exzellentes Bildungssystem aufbauen wollen und können. Diese Politiker erinnern nur an die Rechtschreibereform, die für Eltern und Kinder "recht haben" klein aber "Angst haben" groß schreibt. Die Rechtschreibereform als Paradebeispiel der Reformfähigkeit im Bildungssystem der Altparteien, so muss man es leider wohl sehen.
Bruno K. schrieb am 23.08.2012, 06:54 Uhr:
Sehr geehreter Steuerfreund! Mit Erstaunen muss muss ich Ihren Äußerungen entnehmen, dass sie vehement neue Methoden und Inhalte fordern, die ganz offensichtlich auf Unkenntnis der Sachlage fußen - zu Ihrer Information: Mit diesen Dingen wird nun bereits seit ca. 40 Jahren hemmungslos herumexperimentiert. In dieser Zeit wurden Rechtschreib-, Rechen- und sonstige Kenntmnise summa summarum immer schlechter (fragen Sie beispielsweise die Profs an den Unis oder Unternehmer, die die Schulabgänger aufnehmen) - "erstaunlicherweise" stehen vor allem diejenigen Schulabgänger in der Kritik, die die von Ihnen favorisierten Methoden und Inhalte über sich haben ergehen lassen müssen! Raten Sie mal, wer z.B. mehr Studienabbrecher stellt: Gymansium- oder Gesamtschulabsolventen. Warum sollen die alten Dinge abgeschafft werden, während die neuen immer mehr - systembedingt - Unwissenheit, Inkompetenz, Studienabbrecher usw. generieren?
Der Steuerfreund schrieb am 22.08.2012, 22:37 Uhr:
Einige Fragen aus dem Interview sind genauso albern, wie einige der Kommentare hier. Worum es wirklich geht ist doch: Wir müssen den Kindern eine Schule bieten, die auch tatsächlich auf das Leben vorbereitet. Bisher ist das leider nicht der Fall. Was wir gerne als Schule bezeichnen, ist ein Überbleibsel aus dem Industrie-Zeitalter. Mit starren Stundenformen, starren Plänen und Lernzielen, die nicht mehr aktuell sind. Wenn Frau Löhrmann hier ansetzt, wird sie die volle Unterstützung aller Eltern, Lehrer und vor allen der Kinder haben.

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