Schulsozialarbeiter-Jobs in NRW bedroht Sozialarbeiter ja bitte - aber keiner will zahlen

Von Almut Horstmann

1.400 Schulsozialarbeiter in NRW sollen spätestens Ende des Jahres ihren Job verlieren, viele von ihnen sogar schon vor den Sommerferien. Der Bund will  diese Fachkräfte an den weiterführenden Schulen nicht mehr finanzieren, obwohl diese Unterstützung gerade im Ganztagsbetrieb gebraucht wird.


Schulsozialarbeiterin in Beratungsgespräch
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Schon ein Gespräch mit Ursula Kraft kann helfen

Wenn die Sozialarbeiterin Ursula Kraft morgens um halb acht die Hauptschule an der Schweizer Allee in Dortmund betritt, wird sie bereits sehnsüchtig erwartet. "Sie hilft mir, meine Aggressionen in den Griff zu kriegen", sagt der 14-jährige Pascal, während er sie mit anderen Schülern in ihr Büro begleitet, um einen Gesprächstermin zu vereinbaren. Denis ist 15 Jahre alt und will einfach nur mal Dampf ablassen, weil er gemobbt wurde, die 16-jährige Resana will wissen, wie sie mit Nachhilfestunden ihre Noten verbessern kann. Sie alle brauchen für ihre Probleme die Hilfe der Schulsozialarbeiterin.

Einsatz in sozialen Brennpunkten

Seit gut einem Jahr ist Ursula Kraft als Ansprechpartnerin von Schülern, Eltern und Lehrern gefragt, acht Stunden am Tag. Seit ihrer Anstellung im September 2011 ist es auch ihre Aufgabe, Eltern über finanzielle Hilfe aus dem Bildungs- und Teilhabepaket der Bundesregierung zu informieren und die Mittel zu beantragen. "Die Formulare für eine finanzielle Unterstützung, egal ob für das tägliche Mittagessen, die Klassenfahrt oder speziellen Förderunterricht öffnen mir die Tür und ermöglichen so den Blick auf die familiären Verhältnisse. Beim Ausfüllen der Anträge bekomme ich Kontakt zu den Eltern und gewinne so ihr Vertrauen", erklärt die Sozialarbeiterin. Die Eltern seien dann viel eher bereit, auch über ihre Probleme zu reden, die oft Ursache für das Verhalten der Kinder sind. 

Hilfe, wenn Lehrer passen müssen


Lehrergespräch
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Lehrern fehlt oft die Zeit, sich mit Problemen der Schüler zu befassen

Die Hälfte der Schüler an der Hauptschule im Dortmunder Süden kommt aus sozial schwachen Familien, die oft mehr Hilfe brauchen als nur einen Kostenzuschuss. Denn gerade Probleme, wie Trennung, Scheidung, häusliche Gewalt und Vernachlässigung belasten die Schüler und wirken sich auf den Unterricht aus. Die Lehrer können die Verhaltensauffälligkeiten zwar registrieren, sich aber nicht damit auseinandersetzen, weil ihnen Zeit und Ausbildung fehlen. "Ich habe in meiner Klasse etliche Schüler und Schülerinnen, die ich mit meinem Unterricht gar nicht erreiche, weil sie fehlen oder völlig übermüdet sind, da sie zu Hause den Haushalt schmeißen müssen", erzählt  Ludger Bonna. Er ist Klassenlehrer im neunten Schuljahr und froh über die Unterstützung der Schulsozialarbeiterin, die ausgleiche, was in den Familien versäumt wird. "Viele unserer Schüler haben nicht gelernt, miteinander zu arbeiten, miteinander zu spielen, Regeln einzuhalten. Sie müssen soziale Verhaltensweisen erst einmal lernen, weil in den Elternhäusern dafür keine Zeit mehr ist", meint der Klassenlehrer der 9a.

Anschub finanziert - und jetzt?


Schulsozialarbeiterin im Gespräch
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Schulsozialarbeiterin Kraft ist eine gefragte Frau

Ursula Kraft ist eine der 1.400 Schulsozialarbeiter in NRW, deren Stelle vom Bund aus dem Bildungs- und Teilhabepaket finanziert wird und auf zwei Jahre begrenzt ist. Gedacht war die Finanzierung von Anfang an nur als Anschubhilfe. Nun sollen die Stellen wegfallen. Das Land lehnt die Übernahme der Kosten ab, die Kommunen sehen sich angesichts ihrer oft dramatisch knappen Kassen nicht in der Lage zu zahlen. In Dortmund ist Kraft eine von 81 Schulsozialarbeitern, die Ende des Jahres ihren Job verlieren soll. Der Kommune fehlt das Geld, um die fünf Millionen Euro zu zahlen, die die Arbeitsplätze inklusive Büros, Telefon und sonstigen Aufwendungen nach Angaben der Stadt kosten. In den anderen Kommunen an Rhein und Ruhr sieht es ähnlich aus. Nur die Stadt Gelsenkirchen profitiert noch von dem Geld aus dem Bildungs- und Teilhabepaket. Sie hat die Mittel gestreckt und vor einem Jahr zehn statt zwanzig Schulsozialarbeiter eingestellt, dafür aber die doppelte Vertragszeit vereinbart.

Ersatzfamilie mit pädagogischem Auftrag

Alle betroffenen Kommunen hoffen nun auf eine Initiative des Städtetages. Der will den Bund zu einer Verlängerung der Stellen über 2013 hinaus bewegen. Denn nach einer Studie der Fachhochschule Münster tragen die Sozialarbeiter erheblich dazu bei, die Gewalt an Schulen zu senken und die Bildungschancen der Schüler zu verbessern. Schließlich haben sich die Schulen in den letzten 30 Jahren sehr verändert. Ursula Kraft kann die Ergebnisse der Studie aus ihrer täglichen Erfahrung nur bestätigen: "Gerade seit Einführung des Ganztagsbetriebs ist die Schule heute mehr Ersatzfamilie als Lernfabrik -  und dementsprechend hoch ist natürlich auch der Bedarf an pädagogischem Beistand".


Stand: 18.03.2013, 06.00 Uhr


Kommentare zum Thema (15)

letzter Kommentar: 19.03.2013, 13.30 Uhr

Erzliberaler schrieb am 19.03.2013, 13.30 Uhr:
Wir haben kein Geld für Sozialscheiß. Jeder ist seines Glückes Schmied und von mir gibts keinen Cent, schon meist in der Schule zu faul gewesen...
ArmesDeutschland schrieb am 19.03.2013, 09.34 Uhr:
Da wird wahrhaftig morgens sehnsüchtig - vor Schulbeginn - der Sozialarbeiter erwartet, weil ein Schüler sonst seine Aggressionen nicht in den Griff bekommt.....wo leben wir eigentlich? Früher wurde uns der Arsch gehauen und wir waren wieder in der Spur...unglaublich!!!!
schüler schrieb am 19.03.2013, 07.12 Uhr:
Blödsinn. Wir hatten auch keine Sozialarbeiter an der Schule. Sozialarbeiter sind m. E. nicht nötig. Kompetente Eltern wären der Beginn. Davon gibt es zugegebenermaßen leider immer weniger - das Ergebnis sind dann Kinder, die quasi bei der Einschulung gleich eine Bewährungshelfer an die SEite gestellt kriegen. Armes Deutschland!
Chris2 schrieb am 18.03.2013, 19.40 Uhr:
Als Lehrer hat man null Zeit für die vielen Schüler mit ihren Problemen, die sie von zu Hause mitbringen. Das ist schade und traurig. Wir brauchen dringend mehr Unterstützung von Sozialarbeitern und auch von Psychologen und nicht weniger!!! Anstatt uns mit immer neuen unötigen Reformen zu nerven und uns und den Schülern das Leben schwer zu machen, sollte man mal einige Trottel aus dem Ministerium in die Schulen schicken, damit sie diese und ihre Probleme einmal im Leben unter realistischen Bedingungen von innen sehen... Politiker, kommt runter von Eurem Dauer-Wahlkampf-Tripp und hört auf die, die jeden Tag vor Ort sind.... Wieviel ist Euch Bildung und die Zukunft unserer Kinder wirklich wert? Seid ehrlich - ohne Sonntagsreden!
Anonym schrieb am 18.03.2013, 13.33 Uhr:
Unsere Kinder sind das einzige Kapital welches zählt, obwohl hier die Kapitalisten der Finanzmärkte auch schon zugreifen und PISA-Pädagogik in das System schleusten. Nun wollen die SPD-Grünen ihr Werk vollenden und das Kapital dem Euro opfern, der ja vorrangig gerettet werden muss. Mir ist lieber Asmussen und Steinmeier,Steinbrück oder Gabriel verlassen die SPD, bzw Tritttin Künast Eckardt Göring die Grünen als unsere Kinder irgendwann BRD und Europa um in Gegenden zu ziehen wo Arbeit auf sie wartet! Lieber Schulbonds als Eurobonds, oder? Alles andere ist 00-Politik! Kraft und Löhrmann, war da mal was, ach ja Inclusion der Schulden zu Lasten der Bildung! Nicht höhere Steuern brauchen wir sondern politische Kräfte die das Land besser steuern!

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