Der Fall Schavan Scharfe Kritik an Uni Düsseldorf

"Hochgradiges Versagen" und "katastrophale Fehler" werfen Wissenschaftler der Universität Düsseldorf vor. Die hatte Bundesministerin Annette Schavan am Dienstag (05.02.2013) den Doktortitel entzogen, weil sie vorsätzlich fremde Gedanken als eigene ausgegeben haben soll.


Campus der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf
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Im Visier der Kritiker: Die Heinrich-Heine-Universtiät

Im vergangenen Jahr waren Zweifel daran aufgekommen, ob die CDU-Politikerin in ihrer Dissertation zum Thema "Person und Gewissen", die sie 1980 schrieb, wissenschaftlich sauber gearbeitet hatte. Am Dienstagabend (05.02.2013) kam der Fakultätsrat der Universität Düsseldorf, bei der sie die Arbeit eingereicht hatte, zu dem Ergebnis, dass sie "systematisch und vorsätzlich" fremde Gedanken als eigene ausgegeben habe, und entzog ihr den Doktortitel.

"Vom Verfahren her ist die Entscheidung der Uni Düsseldorf anzuzweifeln", kommentierte der Präsident der Humboldt-Universität Berlin, Jan-Hendrik Olbertz, am Donnerstag (07.02.2013). "Die Bewertung der fraglichen Passagen hatte nicht die nötige Tiefe."

Vorwurf: "Unentschuldbare, ja katastrophale Fehler"

Noch schärfer formulierte es Heinz-Peter Meidinger, Vorsitzender des Philologenverbandes. Er wirft der Universität "hochgradiges Versagen" vor. Unabhängig davon, wie der Rechtsstreit zwischen Schavan und der Uni ausgehe, müsse festgestellt werden, dass "unentschuldbare, ja katastrophale Fehler" gemacht worden seien. So sei die Vertraulichkeit nicht gewahrt und kein externer Gutachter hinzugezogen worden. Meidinger bezieht sich dabei auf das interne Gutachten, das im vergangenen Herbst an die Öffentlichkeit gelangt war - was auch Schavans Anwälte bei ihrer Klage gegen die Aberkennung ins Feld führen wollen.

Chef-Philologe Meidinger nimmt den "Fall Schavan" zum Anlass, Konsequenzen im Umgang mit Plagiatsvorwürfen zu fordern. Es sei "höchste Zeit", dass die Überprüfung von Examen und Promotionen den betroffenen Universitäten entzogen und an ein zentrales und unabhängiges Gremium abgegeben werde. "Nur so kann verhindert werden, dass Verfahrensfehler, diffuse und auseinanderdriftende Bewertungsmaßstäbe und politische Einflussnahmen die Objektivität des Überprüfungsverfahrens gefährden." Die jeweilige Universität, so Meidinger weiter, sei stets befangen, da es immer auch um das mögliche Versagen der Gremien gehe, die für die wissenschaftliche Arbeit zuständig sind.

Hochschulverband nimmt Uni in Schutz

Die Kritik, es seien keine externen Fachgutachten eingeholt worden, lässt der Deutsche Hochschulverband hingegen nicht gelten. Dies sei zum einen nicht vorgeschrieben. Und zum anderen seien Gutachten berücksichtigt worden, die Schavan selbst beigebracht habe, erklärte Verbandssprecher Matthias Jaroch am Donnerstag. "Wir können nicht erkennen, dass das Prüfverfahren rechtswidrig war. Es wurde unseres Erachtens sehr sorgfältig durchgeführt", nimmt er die Hochschule in Schutz.

Schavans Zukunft ist ungewiss


Schavan und Merkel
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Noch hält Merkel an ihrer Ministerin fest

Schavan war in Südafrika, als das Urteil des Fakultätsrates fiel. Sie kündigte sofort an, rechtlich dagegen vorzugehen. Unterdessen wachsen die Zweifel, ob sie sich als Ministerin halten kann. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat zwar ihre Solidarität bekundet, aber keine Garantie dafür abgegeben, dass Schavan Kabinettsmitglied bleibt.


Stand: 07.02.2013, 15.12 Uhr


Kommentare zum Thema (110)

letzter Kommentar: 11.02.2013, 19:40 Uhr

WDR.de schrieb am 11.02.2013, 19:40 Uhr:
Kommentar gesperrt. Bitte bleiben Sie beim Thema und tragen Sie mit sachlichen Argumenten zur Diskussion bei.
WDR.de schrieb am 11.02.2013, 18:57 Uhr:
Kommentar gesperrt. Bitte bleiben Sie beim Thema und tragen Sie mit sachlichen Argumenten zur Diskussion bei.
@heute, 12:20 Uhr schrieb am 10.02.2013, 13:46 Uhr:
Einfach mal selber nachlesen was sie geschrieben hat und wo sie abgeschrieben hat-dann kommt auch nicht derart Sinnfreies heraus.Pattex Anette ist zu Recht"Geschichte".
@ oh manno schrieb am 10.02.2013, 12:20 Uhr:
Da sind unter Garantie keine Doktorarbeiten zu erwarten, die es zu überprüfen gälte. Vermutlich gibts da nicht einmal einen Schulabschluß, wenn man von der hochintelligenten "Beweisführung" dieser Kandidaten auf deren geistigen Horizont schließt. Und das mache ich jetzt einfach mal.
Oh manno schrieb am 10.02.2013, 09:27 Uhr:
Schon wieder diese dummerhaftige und sinnlose CDU Propaganda.SIE HAT BETROGEN!Punkt!Sie hat die Originale nie gelesen und was sie als "eigene Denkleistungen"ausgibt ist aus Secundaerliteratur abgeschrieben-inclusive der dort vorhandenen Fehler,die sie 1:1 uebernommen hat ohne die Zitate als solche zu kennzeichnen.Dies zieht sich durch die gesamte Dissertation!Ihr jaemmerliches "Argument" in dem "Zeit"Interview es habe 1980 noch keine technischen Möglichkeiten zur Überprüfung von Texten gegeben und man habe nur auf die Prüfer vertrauen können; als ob es Aufgabe der Prüfer gewesen wäre, ihre Abschlussarbeit, deren regelkonforme Anfertigung sie per Unterschrift erklärt hatte und die auf den ersten Blick unauffällig wirkt, erst einmal systematisch auf versteckte Regelverstöße hin zu untersuchen!Auf so etwas fallen nur "KILLT"Leser herein und "Wissenschaftler"die einer derartigen Argumentation folgen-deren Dr.Arbeiten sollte man ebenfalls dringen einmal ueberpruefen!

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