Norbert Röttgen versucht Neuanfang Röttgen reloaded - in Bornheim

Von Jochen Hilgers

Sein Absturz war dramatisch: Im Frühjahr erlitt Norbert Röttgen als Spitzenkandidat der NRW-CDU bei der Landtagswahl eine herbe Niederlage; kurz danach verlor er seinen Posten als Bundesumweltminister. Am Freitagabend (26.10.12) bricht er in Bornheim zum Comeback auf.


Norbert Röttgen hält einen Gastvortrag in Hörsaal 20 der Bochumer Ruhruniversität. Wenn der Zuspruch der Studenten Rückschlüsse auf seine Popularitätswerte zulässt, dann ist noch Luft nach oben. Beim Vortrag von SPD-Chef Sigmar Gabriel an derselben Stelle war der Hörsaal vor wenigen Wochen gesteckt voll, viele mussten stehen. Am Mittwochnachmittag (24.10.2012) bleiben die meisten Sitze leer. Zur Erinnerung: Röttgen tritt in Bochum auf und damit in dem Bundesland, in dem er Ministerpräsident werden sollte. Er lässt sich nichts anmerken, und konzentriert redet der ehemalige Berliner Star zum Thema Herausforderung der Demokratie. Der Titel passt auch zu seiner persönlichen Situation. "Natürlich habe ich Ambitionen", sagt er WDR.de zu seiner Bundestagskandidatur im Rhein-Sieg-Kreis. "Wenn ich die nicht mehr habe, dann wäre es für mich Zeit, Schluss mit der Politik zu machen." Röttgen lässt aber offen, ob er wieder Minister werden möchte oder ob er ein hohes Parteiamt anstrebt.  

Verlust des Ministeramtes nach Wahlschlappe

Im Frühjahr 2012 musste Röttgen eine Niederlage nach der anderen verkraften. Nach dem Wahldebakel in NRW ließ ihn seine bisher größte Fürsprecherin, Angela Merkel, fallen. "Ich habe sicherlich  Fehler gemacht, das gehört auch irgendwo dazu. Ich habe aber auch Enttäuschungen erlebt," sagt Röttgen. Ohne es konkret anzusprechen, ist da ja noch eine weitere Kränkung, die Röttgen hinnehmen musste. Ausgerechnet sein Freund Peter Altmaier übernahm von ihm das Amt des Bundesumweltministers und sagte sinngemäß, es gehe nicht um Personen, sondern um Funktionen. Ein bitterer Affront unter Freunden.

Davon hat sich der 47-Jährige mittlerweile erholt. "Ich habe immer gesagt, einem Politiker kann alles Mögliche passieren. Er kann zum Beispiel abgewählt werden. Ich habe mir für den Fall immer gewünscht, dass mich das nicht umhaut. Und der Wunsch hat sich erfüllt."

Zustimmung bei der Basis

Sein Abgeordnetenmandat, das er nach seinem Rücktritt von einer Parteifreundin übernommen hatte, will er jetzt ganz offiziell im Wahlkreis Rhein-Sieg 2 gewinnen. Bei der Basis haben sich die Mitglieder nach anfänglicher kontroverser Diskussion jetzt entschieden. Röttgen soll bundespolitisch wieder mehr Gewicht bekommen. Der 47-Jährige wurde am Freitagabend von der CDU Rhein-Sieg mit 90,45 Prozent als Bundestagskandidat nominiert, wie ein Parteisprecher in Bornheim mitteilte.

Norbert Röttgen Video Norbert Röttgen versucht den Neustart (01:57 Min.) WDR aktuell vom 25.10.2012

Norbert Röttgen versucht den Neustart

"Er hat klare Kante gezeigt. Und auch, wenn das dem ein oder anderen nicht passt: Es gibt noch eine Zeit nach Angela Merkel, und dann ist Norbert Röttgen wieder am Zug", sagt CDU-Mitglied Silke Josten-Schneider.

Im Sommer aufgetankt

Die Auftritte in Berlin hat Norbert Röttgen - so wie er selbst sagt - in seiner "Sommerpause" nicht vermisst. Als Minister habe man überhaupt keine Zeit, sagt er. "Nicht mehr getrieben zu sein, das gehört zu den Vorzügen, wenn man nicht mehr Minister ist." Die Zeit habe er angenehm und sinnvoll genutzt und zum Beispiel einen sehr schönen Sommer genossen.

Das Arbeitspensum könnte sich bei Röttgen wieder erhöhen. Wenn's der Wähler denn will.


Stand: 26.10.2012, 06.00 Uhr


Kommentare zum Thema (64)

letzter Kommentar: 29.10.2012, 09:02 Uhr

Knolli schrieb am 29.10.2012, 09:02 Uhr:
...tbc: Nein, nein..., ich kann es nicht begreifen. Herr Röttgen hat das gute Recht, sich pol. neu zu positionieren, egal wie blöd er sich dabei anstellt. Einen Guttenberg will die CSU ja auch neu installieren, dann darf Röttgen erst Recht neu starten. Er gefällt mir allemal besser, als Rütgers, der hier eine Ikone zu sein scheint. Rütgers hat die Bildungspolitik auch nicht nach vorne gebracht, punktum! In den Städten hat die CDU kaum Chancen.., weil die Wähler da ungebildet sind? Was für ein arrogantes CDU-Wählergelaber ist das denn wieder? Vielleicht gibts da ja auch mehr Arbeiter und Angestellte, die lieber das etwas kleinere Schröpfübel wählen? Vielleicht sind die Wähler ja doch nicht so dumm in den Städten..., und lassen sich von schwarz-gelb nur einmal -2009- verarschen...? Und die Agenda??? Wurde von CDU/FDP nicht eingestampft, also Ball mal flachhalten! Die SPD hat wenig zu bieten, Steinbrück wird eh nicht Kanzler. Aber die CDU sollte aber mal ganz kleine Brötchen backen!
WDR.de schrieb am 29.10.2012, 09:16 Uhr:
Beitrag gesperrt. Bitte bleiben Sie beim Thema.
Knut schrieb am 28.10.2012, 22:37 Uhr:
Gerne Eulenspiegel@. Schau dir die letzte WDR Dokumentationn "DIE STORY" einmal ohne Voreingenommenheit und ohne politische Scheuklappen an. Du wirst feststellen, dass die SPD Größen, Neuber, Rau, Clement bis hin zum neuen Kanzlerkandidaten Steinbrück dort vermutl. unwissentlich (sie waren wohl überfordert) mit der West LB vabanque gespielt, d.h. wie in einer Spielbank gezockt haben. Außerdem empfehle ich dir den morgigen WDR Dokumentarbericht "DIE Story" 22 Uhr. Auch hier wirst du wieder erleben wie ein selbstherrlicher SPD Landesvater mehrere hundert Millionen Steuergelder in den Sand setzt.
der Eulenspiegel schrieb am 28.10.2012, 18:30 Uhr:
Kurt ich kann mich nicht erinnern das die SPD irgendwo als Spielbankbetreiber auftritt. Aber vielleicht können sie mir da auf die Sprünge helfen.
der Eulenspiegel schrieb am 28.10.2012, 18:02 Uhr:
Als da bin ich ja wohl offensichtlich mit den schwarzen Socken einer Meinung. Die Rüttgers-Regierung hat nichts für die Verbesserung der Bildungschancen für die Kinder aus den bildungsfernen Schichten getan. Es wurde Beispielsweise nichts unternommen um fehlende Sprachkompetenz zu kompensieren.

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