Behörden rechnen falsch Rentner sollten Altersbezüge überprüfen lassen

Von Martin Teigeler

Die Versicherungsbehörden haben zahlreiche Rentenbescheide falsch berechnet. Über 150.000 Rentner erhielten jahrelang zu wenig Geld. Auch in NRW sind tausende betroffen. Sogenannte Versichertenälteste bieten verunsicherten Rentner kostenlose Beratung an.


Ein älteres Paar sitzt auf einer Parkbank
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Die Altersbezüge zahlreicher Rentner wurden falsch berechnet

In bundesweit 8.000 Fällen mussten Renten neu berechnet werden, weil ein Kinderzuschlag bei Hinterbliebenenrenten jahrelang nicht berücksichtigt worden war. Sogar etwa 148.000 Renten wurden nachträglich erhöht, da Ansprüche für die Berufsausbildung nicht korrekt angerechnet worden waren. Auch in NRW erhielten Tausende Rentner zu wenig Geld.

Knapp 60 Euro zu wenig Rente

Bei den Kinderzuschlägen war die Rente der betroffenen Senioren im Schnitt um 57,28 Euro zu niedrig, wie das Bundesversicherungsamt am Mittwoch (15.08.2012) mitteilte. Angesichts einer Durchschnittsrente von rund 1.200 Euro pro Monat fiel der Fehlbetrag durchaus ins Gewicht. Bei den Berufsausbildungs-Ansprüchen waren es im Schnitt knapp 3 Euro pro Monat zu wenig. Insgesamt erhielten rund 9.200 Rentner Nachzahlungen von mehr als 22 Millionen Euro. Interne Prüfungen hatten die Fehler aufgedeckt.

"Missverständliche Formulare"

"Die betroffenen Rentner haben die Nachzahlung bereits erhalten. Bei Todesfällen geht der Anspruch auf Hinterbliebene über", sagte ein Sprecher der Rentenversicherung. "Der Grund für die Falschberechnung waren unter anderem missverständliche Formulare. Wir haben dies korrigiert und unsere Sachbearbeiter für das Thema sensibilisiert", fügte der Sprecher hinzu. In rund 4.000 Fällen sei die Rente durch die Korrektur geringfügig gesunken. Genaue Angaben dazu machte die Rentenversicherungsbehörde nicht.

Obwohl der Rentenbehörde zufolge nun alles geklärt ist, rät der Sozialverband VdK den Rentnern, im Zweifelsfall einen "Überprüfungsantrag" bei der Rentenversicherung zu stellen. "Fehler und Zahlendreher passieren immer mal, aber hier haben wir es schon mit einem größeren Umfang zu tun", sagte Carsten Ohm, Leiter Sozialpolitik beim NRW-Landesverband des VdK.

Allein die Knappschaft-Bahn-See in Bochum musste gut 1.200 Rentnern für vergessene Kinderzuschläge insgesamt 2,9 Millionen Euro nachzahlen. Eine Sprecherin der Knappschaft bestätigte dies auf Anfrage. Die Sozialversicherung betreut Berg- und Seeleute sowie Eisenbahner.

Anlaufstelle für Versicherte


Rentner auf einer Bank
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Rentner auf einer Bank

Kostenlose Beratung für verunsicherte Rentner erteilen sogenannte Versichertenälteste. Diese Ansprechpartner sind im Rentenrecht erfahrene und qualifizierte, ehrenamtlich tätige Vertreter der Versicherten. Bestimmt werden sie über die Sozialwahlen der Rentenversicherungs-Träger. "Die allermeisten Rentenbescheide sind korrekt, da die komplizierte Rentenformel auch wenig Spielraum für Fehler lässt", sagte Werner Caspers, Versichertenältester der Deutschen Rentenversicherung Rheinland. Einmal in der Woche hält Caspers in Düsseldorf seine kostenlose Beratungsstunden für Versicherte ab.

"Ich fülle die Rentenformulare immer noch per Hand aus", berichtete Caspers, der seit über zehn Jahren Ansprechpartner für Versicherte ist. Manchmal komme es zu Fehlern, wenn zum Beispiel ein Beschäftigungsjahr bei der Meldung an die Sozialbehörden vom Arbeitgeber vergessen worden sei. In solchen Fälle sorgten Versichertenälteste dann für eine Klärung.

Stichworte

Eckrentner

Die sogenannte Eckrente bezeichnet die Höhe der gesetzlichen Altersversorgung für einen Durchschnittsverdiener, der 45 Jahre lang Beiträge eingezahlt hat. Seit der Rentenerhöhung vom 1. Juli 2012 liegt die "Eckrente" in Ostdeutschland bei einer monatlichen Bruttorente von 1.121 Euro. Der "Eckrentner" in den alten Bundesländern erhält im Monat 1.263 Euro.


Stand: 15.08.2012, 12.26 Uhr


Kommentare zum Thema (2)

letzter Kommentar: 16.08.2012, 16:42 Uhr

anonym schrieb am 16.08.2012, 16:42 Uhr:
@Kevin: Die Rentner sollen nicht die Bezüge überprüfen sondern einen Antrag auf Überprüfung der Renten bei den zuständigen Rentenversicherungen stellen, für den Fall, dass diese bei der Überprüfung nicht alle fehlerhaften Bescheide gefunden haben.
Kevin schrieb am 16.08.2012, 16:00 Uhr:
Wiso sollen Rentner die Bezüge überprüfen. Das ist aufgabe der Behörden und der Rentenkassen. Unverschämtheit eine solche Meldung rauszuhauen. Mein Opa kann das gar nicht prüfen, Oma auch nicht.


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