Katholische Initiative Weihwasser in der Schultüte

Weihwasser und Heiligenbilder statt Schultüte und Süßigkeiten - das katholische Bonifatiuswerk stellte am Donnerstag (14.06.2012) eine "Schulanfangsbox" vor. Verwandte oder Schulen können die Geschenkidee für Strenggläubige bei den Missionaren kaufen. Der Grundschulverband kritisiert die Initiative.


Der Erzbischof von Paderborn, Hans-Josef Becker, uebergibt  zukuenftigen Erstklaesslern die Schulanfangsbox
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Eine besinnliche Brotzeitdose vom Erzbischof

Am Anfang soll für Grundschüler Gott stehen: Mit einer bundesweiten Schulinitiative nimmt das Bonifatiuswerk der deutschen Katholiken die Erstklässler ins Visier. In Paderborn präsentierte das Missionarswerk eine "Schulanfangsbox" für die "I-Dötzchen". Inhalt der besinnlichen Brotzeitdose: ein Kindergebetbuch, ein Fläschchen mit Weihwasser, ein Segenswürfel, ein Buntstift, Heiligenpostkarten zum Ausmalen sowie eine bischöfliche Glückwunschkarte.

Christliche Brotdose mit Mengenrabatt


Schulanfangsbox
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Schulanfangsbox

Das Angebot richtet sich laut Monsignore Georg Austen vom Bonifatiuswerk an Familien, Schulen, Kindergärten und Kirchengemeinden. "Rund 700.000 Kinder verlassen in diesen Tagen in Deutschland den Kindergarten und stehen vor ihrer Einschulung", sagte Generalsekretär Austen. Dies sei "ein bedeutender Übergang auf dem Lebensweg der Jüngsten, der nicht ohne Gottes Segen erfolgen sollte".

Gottes Segen ist allerdings nicht umsonst zu haben. Die Schulanfangsbox kostet 14,90 Euro - ab zehn Exemplaren gibt es Mengenrabatt. Im Angebot des Werks ist zudem eine "Schulabschlusstasche" samt Gebetbuch käuflich zu erwerben.


Der Vorsitzende der Kommission für Erziehung und Schule der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Hans-Josef Becker, unterstützte die Initiative und beschrieb bereits die Zielgruppe möglicher Käufer. "Der Schulbeginn wird als besonderer Einschnitt im Leben der Jüngsten wahrgenommen, und daran möchten Eltern, Großeltern, Onkel, Tanten und Paten Anteil nehmen. Sie bringen Geschenke mit, die längst die traditionelle Schultüte übersteigen", sagte der Geistliche bei der Vorstellung in Paderborn.

Neben den christlichen Gaben fand Schulbischof Becker auch noch beruhigende Worte für etwaige künftige Probleme in der Schullaufbahn: "Eine Sechs im Diktat stört Gott nicht."

Kritik von Lehrern und Theologen

Die Lehrergewerkschaft warnte unterdessen vor einer sozialen Schieflage durch die "Schulanfangsbox". "Die Kirche hat das Recht, so etwas anzubieten. Es muss aber gewährleistet sein, dass katholische Grundschüler unabhängig vom Einkommen ihrer Eltern diese Dose erhalten können", sagte der Vorsitzende des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE), Udo Beckmann.

Die Vorsitzende des Grundschulverbands, Maresi Lassek, kritisierte die Initiative: "Das ist Manipulation und hat an staatlichen Schulen nichts zu suchen." An der von ihr geleiteten Grundschule hätten an die 90 Prozent der Kinder einen Migrationshintergrund, sagte Lassek weiter. Deshalb sollten sich die Konfessionen möglichst ganz aus den Schulen heraushalten. Kritik kam auch von Eugen Drewermann, prominenter katholischer Theologe und Kirchenkritiker: Er nannte diese Art der Missionierung einen "hilflosen Versuch".


Stand: 14.06.2012, 17.17 Uhr


Kommentare zum Thema (75)

letzter Kommentar: 16.06.2012, 00:57 Uhr

Anonym schrieb am 16.06.2012, 00:57 Uhr:
Tja, die Kirchensteuer kommt ja sowieso am wenigsten Sozialen Projekten zu, da ist es nur konsequent, wenn das Unternehmen Römisch-Katholische Kirche für ihre Merchandising-Artikel ordentlich Geld verlangt um möglichst früh mit der Kundenbindung anzufangen, macht Adidas & Co ja auch nicht anders.
@Barbara schrieb am 15.06.2012, 19:31 Uhr:
Auch ich würde meinen Kindern niemals religiöse Märchen erzählen. Meine Kinder haben gelernt sich über Religionen jeglicher Art zu informieren und nicht zu verschließen. Zum Glück haben meine Kinder verstanden was sich hinter Religion und Glauben verbirgt. Ich bin Stolz drei ehrliche, selbstbewußte und überzeugte Christen erzogen zu haben. Drei wirklich gute Menschen die an sich selbst und andere glauben statt intolerant gegenüber andersgläubigen, oder Atheisten zu sein.
Volkmann schrieb am 15.06.2012, 18:16 Uhr:
es ist für mich ein Unterschied ob jemand (nicht) an Gott glaubt (so wie sie/er ihn versteht) oder mit den Religionen und Institutionen nichts zu tun haben will. Deshalb habe ich langsam genug von den "Nicht-, anders- und "Un-Gläubigen" (Fanatikern) mit dem "ismus" hinten dran. Wenn die sich hier ein"nisten" wollen müssen die mit (schwelenden) Konflikten rechnen.
Anonym schrieb am 15.06.2012, 17:25 Uhr:
Hat der Teufel sich in BRD arbeitslos gemeldet? Viel zu tun hat er hier nicht mehr, denn die Details werden hier schon geweiht eingetütet. Wann kommen die Computerspiele und kirchliches Network, alles natürlich aus den deutschen Steuernbeiträgen finanziert, die der Staat fälschlicherweise immer noch für e.V eintreibt. Mich wundert nur, dass die CSU auf Betreuungsgeld beharrt, könnte man doch Kita sofort mit.......verbinden?
Bileams Esel schrieb am 15.06.2012, 16:26 Uhr:
Das nenne ich voraufklärerische Exzellenzinitiative.:-) Welcher Etatposten wurde hier verschwendet? Wohl kaum der streng gehütete Bischofsetat, der eines der größten Geheimnisse des Glaubens dar stellt. Aaamen!

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