NRW-Landtag: Hannelore Kraft erklärt ihre Politik
Fast drei Monate nach ihrer Wahl zur Ministerpräsidentin gibt Hannelore Kraft am Mittwoch (12.09.2012) ihre Regierungserklärung ab. Es ist der Auftakt einer spannenden Woche im Düsseldorfer Landtag. Eine Indiskretion trübt jedoch im Vorfeld die Stimmung.

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Erste Debatten im neu renovierten Landtag
Lange hat sich Hannelore Kraft Zeit gelassen für ihre Regierungserklärung. Jetzt, da die lange Sommerpause zu Ende und der Landtag frisch renoviert ist, ist es endlich so weit. Eine gute Stunde lang, live übertragen vom WDR Fernsehen, wird die Ministerpräsidentin darlegen, wie sie sich die Politik der nächsten fünf Jahre vorstellt. Es soll ein erster Höhepunkt der noch jungen Legislaturperiode werden. Und doch wurde er im Vorfeld überschattet.
In der Staatskanzlei ist man stinksauer
Am Montag (10.09.2012) nämlich zitierte die Rheinische Post aus der Rede der Ministerpräsidentin. Irgendjemand aus dem Umfeld der Staatskanzlei oder den Ministerien, die die Rede vorab bekommen hatten, muss das Manuskript an die Zeitung weitergegeben haben. Ein bislang einmaliger Vorgang im NRW-Landtag. Und nach allem, was man hört, sind die Beteiligten stinksauer über die undichte Stelle. Was letztlich an Inhalten bekannt geworden ist, klingt allerdings wenig überraschend. Demnach wird die Ministerpräsidentin noch einmal den von ihr geprägten Begriff der vorbeugenden Politik in den Mittelpunkt stellen - und damit die hohe Neuverschuldung des Landes zu rechtfertigen versuchen. Bildungspolitik, die Kleinkindbetreuung und Verkehrspolitik sollen weitere Schwerpunkte der Rede sein.
Sechs Stunden lang Generalabrechnung

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Kraft hält ihre zweite Regierungserklärung
Die Rede der Regierungschefin ist am Mittwoch der einzige Tagesordnungspunkt. Weiter geht es im Landtag erst am nächsten Tag. Dafür aber mit einer wahren Marathon-Sitzung. Zunächst haben am Donnerstag (13.09.2012) die fünf Landtagsfraktionen und die Landesregierung jeweils eine Stunde Zeit Stellung zu nehmen zur Regierungserklärung der Ministerpräsidentin. Die Opposition wird die Gelegenheit zur Generalabrechnung nutzen. Vermutlich werden CDU und FDP vornehmlich die Schuldenpolitik ins Visier nehmen. Nach sechs Stunden Aussprache warten anschließend noch etliche Anträge und Vorlagen auf die Abgeordneten.
Von der Piratenpartei allerdings ist kein Antrag dabei. Man habe sich auf die Aussprache und die Haushaltsdebatte konzentrieren wollen, heißt es zur Erklärung aus der Fraktion. Die anderen Parteien lästern derweil, die Piraten hätten inhaltlich eben nichts zu bieten. Die Grünen legen genüsslich einen Antrag vor, der ein Kernthema der Piraten berührt: Das Regieren im digitalen Zeitalter.
Und noch einmal der Haushalt 2012
Am Freitag (14.09.2012) um 10 Uhr geht es im Landtag weiter, und zwar erneut mit einem zentralen Thema der Landespolitik: Dem Haushalt. Dem 2012er, wohlgemerkt. Denn das Zahlenwerk muss erneut in den Landtag eingebracht werden, nachdem es im März dieses Jahres in jener legendären zweiten Lesung krachend gescheitert war. Damals waren Juristen des Landtags zu dem überraschenden Urteil gekommen, dass ein Haushalt bereits als abgelehnt gilt, wenn auch nur einer seiner Einzelpläne im Landtag die Mehrheit verfehlt. Genau dazu kam es am 14. März, als CDU, Linke und - nach langem Hin und Her - auch die FDP den ersten der Einzelpläne ablehnten. Rot-Grün war damit am Ende, der Landtag stimmte einstimmig für seine Auflösung, und am 13. Mai wurde neu gewählt.
Ein ähnliches Szenario droht am Freitag (14.09.2012) nicht. Rot-Grün hat nun eine sichere Mehrheit. Kritik wird der inhaltlich kaum veränderte Haushaltsplan dennoch auf sich ziehen. Finanzminister Norbert Walter-Borjans (SPD) plant mit 4,6 Milliarden Euro neuen Schulden. Und das trotz Rekordeinnahmen von 54,1 Milliarden Euro. Verabschiedet wird der Haushalt übrigens erst Ende November. Das meiste Geld ist dann längst ausgegeben.
Stand: 12.09.2012, 06.00 Uhr
Kommentare zum Thema (3)
letzter Kommentar: 12.09.2012, 09:52 Uhr
- Analytiker schrieb am 12.09.2012, 09:52 Uhr:
- Der Bund kalkuliert für das nächste Haushaltsjahr ein Neuverschuldung von 18,8 Mrd Euro. Verfassungsmäßig möglich wären 42,7 Mrd Euro. Schon kommt Kritik von der SPD wie man trotz Steuerrekordeinnahmen so hohe Schulden machen kann. In NRW haben wir ebenfalls Steuerrekordeinnahmen. Doch unser Steuererfindungsminister schöpft den verfassungsmäßigen Rahmen von 5,1 Mrd mit 4,6 Mrd fast vollständig aus. Was sagen denn die Genossen dazu ?
- Piratenstory schrieb am 12.09.2012, 09:46 Uhr:
- Heute ist ein Tag der Politposse mit ESM in Karlsruhe, Haushaltdebatte in Berlin sowie Schweiß-und Blutrede in Düsseldorf. Und morgen gehen wieder alle beteiligten Politiker und andere Sprücheklopfer zum Schönheitschirurgen sich die Nasen auf Normalmaß stutzen zu lassen, aber ihre Beine können sie nicht auf Dauer verlängern, die sind irgenwann zu kurz, um über die Rednerpulte noch die Bürger erreichen zu können. Statt diese nicht ergebnisoffenen Ereignisse zu verfolgen, empfehle ich jedem, die "Monitorstory" von Montagabend auf ARD über Internet abzurufen, denn diese Zeit ist nicht vergeudet: Verdeckte Parteienfinanzierung für den Laien erklärt!
- Ausgaben schrieb am 12.09.2012, 08:54 Uhr:
- "Das meiste Geld ist dann längst ausgegeben." Ja, aber auch zu Einnahmen von Bürgern geworden. Leider konzentrieren sich 90% der Einnahmen auf 1% der Bevölkerung.
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