Ankauf gestohlener Steuer-CDs: Piraten-Streit um Anzeige gegen Walter-Borjans
Mit einer Strafanzeige gegen Nordrhein-Westfalens Finanzminister Norbert Walter-Borjans (SPD) haben NRW-Abgeordnete der Piratenpartei einen Riesenstreit in den eigenen Reihen vom Zaun gebrochen. Nicht nur der Landesverband kritisierte das Vorgehen.

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Am Pranger: der Piraten-Landtagsabgeordnete Dirk Schatz (l.), hier mit Landtagsfraktions-Sprecher Ingo Schneider und Fraktionsvize Simone Brand
Wegen des Ankaufs von Steuer-CDs haben die Piraten-Landtagsabgeordneten Dirk Schatz und Nico Kern aus NRW, der schleswig-holsteinische Piraten-Parlamentarier Wolfgang Dudda und der Düsseldorfer Rechtsanwalt Udo Vetter (Mitglied der Partei) bei der Staatsanwaltschaft Düsseldorf Strafanzeige gegen NRW-Finanzminister Norbert Walter-Borjans (SPD) gestellt. Die Aktion löste innerhalb der neuen Partei ein Beben aus. Zunächst kritisierte der Landesverband NRW das Vorgehen. Kurz darauf distanzierte sich auch die Spitze der 20-köpfigen Landtagsfraktion ausdrücklich von der Aktion.
Landesverband: "Sehr unglücklich"
Noch bevor Schatz am Mittag das Handeln des Quartetts vor der Presse erklären konnte, meldete sich der Landesverband zu Wort. "Wir halten die Vorgehensweise von Herrn Kern und Herrn Schatz für sehr unglücklich, da es nicht um Norbert Walter-Borjans als Person, sondern sein Amt und die damit einhergehenden Tätigkeiten und Befugnisse geht", sagte die Piraten-Vizevorsitzende Christina Herlitschka. Der politische Respekt gebiete es, den Finanzminister im Vorfeld zu informieren.
Fraktion distanziert sich
Im Beisein von Anzeigensteller Schatz legte dann Fraktionsvize Simone Brand nach und distanzierte sich im Namen der Fraktion mit deutlichen Worten von ihren Parteifreunden. Mit dem Hinweis auf das Recht jedes Abgeordneten, seine eigene Meinung zu sagen, stellte sie klar: "Die Piratenfraktion legt daher Wert auf die Feststellung, dass die Strafanzeige gegen Minister Walter-Borjans ausschließlich die Angelegenheit der Abgeordneten Schatz und Kern ist." Weite Teile der Fraktion ständen nicht dahinter.
Landesregierung in die Schranken weisen
"Wir haben nichts dagegen, dass Steuersünder bestraft werden. Aber der Zweck heiligt nicht die Mittel", rechtfertigte Dirk Schatz die Anzeige. Nach seiner Auffassung geht es beim Ankauf von Steuer-CDs um das Ausspähen von Daten sowie Verstöße gegen den Datenschutz und das Gesetz gegen unlauteren Wettbewerb. Auch wenn Walter-Borjans die CDs nicht selber kaufe, sondern die Mittel dafür zur Verfügung stelle, leiste er bei den angeblichen Straftaten zumindest Hilfestellung. "Ein Minister steht nicht über dem Gesetz", sagte Schatz. Selbst wenn die Anzeige wohl keine Aussicht auf Erfolg habe, wolle er die Landesregierung mit seiner Aktion "in die Schranken weisen". Anzeigensteller Udo Vetter, der selbst Rechtsanwalt ist, sagte WDR.de am Freitag: "Die NRW-Steuerfahndung schafft einen Markt für illegal beschaffte Daten-CDs. Das ist juristisch problematisch."
Kopfschütteln bei Walter-Borjans

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Wurde persönlich angezeigt: NRW-Finanzminister Walter-Borjans
Minister Walter-Borjans quittierte die Anzeige mit Unverständnis. Außer einer "Ankündigung in den Medien" liege ihm nichts vor: "Aber die ist schon bemerkenswert genug. Die Kämpfer für Transparenz und gegen den Schutz des geistigen Eigentums werden zu Hütern des Schweizer Bankgeheimnisses und der dort angelegten Schwarzgeldmilliarden. Das nehme ich zur Kenntnis", sagte er. Die Staatsanwaltschaft teilte unterdessen mit, die Anzeige werde nun geprüft.
Nicht die erste Anzeige
Ob die Piraten mit ihrer Anzeige erfolgreich sein werden, ist überaus fraglich. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft Düsseldorf hat es in den letzten Jahren "mindestens sechs Anzeigen gegen die Nutzung solcher Daten-CDs gegeben", sagte Sprecher Ralf Herrenbrück WDR.de. Im Jahr 2010 wurden der ehemalige Finanzminister Helmut Linssen (CDU) und der ehemalige NRW-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) mehrfach angezeigt - stets ohne Erfolg. Alle Anzeigen wurden zurückgewiesen, weil es keine strafrechtlich relevanten Sachverhalte gab.
Stichworte
- Bankdaten-CD
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Bankdaten-CDs (auch Steuersünder-CDs) enthalten Datensätze von Bankkunden, die meist illegal Geld zu ausländischen Banken transferiert haben. Diese Daten werden von den Ermittlungsbehörden in Hinblick auf mögliche Steuerhinterziehungen ausgewertet. Die CDs werden in der Regel von Bank-Insidern zum Kauf angeboten.
2006 kauften deutsche Behörden zum ersten Mal eine solche CD. Ein früherer Mitarbeiter der Liechtensteicher LTG-Bank bot dem Bundesnachrichtendienst Daten von 800 Bankkunden an und kassierte dafür angeblich zwischen vier und fünf Millionen Euro. Auf der CD fanden sich auch Hinweise auf den damaligen Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Post AG, Klaus Zumwinkel. Zumwinkel wurde 2009 wegen Steuerhinterziehung verurteilt.
Im März 2010 kauften die Finanzbehörden in NRW eine CD mit Daten von Kunden der Schweizer Bank Credit Suisse. Die Düsseldorfer Staatsanwaltschaft leitete über 1.000 Ermittlungsverfahren ein, die Zahl der Selbstanzeigen stieg rapide an.
Im Oktober 2010 kaufen NRW-Behörden eine CD mit Daten der Schweizer Bank Julius Bär, es folgen zahlreiche Ermittlungen und Anzeigen. Im April 2011 zahlt die Bank den deutschen Behörden 50 Millionen Euro, im Gegenzug wurden die Ermittlungen gegen die Bank und ihre Mitarbeiter eingestellt.
Im Oktober 2011 erwerben die Ermittler Daten deutscher Kunden einer Tochter der britischen HSBC-Bank mit Sitz in Luxemburg.
Insgesamt sollen die deutschen Finanzbehörden durch den Ankauf von Bankdaten-CDs über eine Milliarde Euro an Straf- und Nachzahlungen eingenommen haben.
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Video:
Piraten-Streit um Anzeige gegen Walter-Borjans
(00:45 Min.)
WDR aktuell vom 17.08.2012
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Piraten-Streit um Anzeige gegen Walter-Borjans
Stand: 17.08.2012, 18.07 Uhr
Kommentare zum Thema (231)
letzter Kommentar: 22.08.2012, 21:29 Uhr
- der Eulenspiegel schrieb am 22.08.2012, 21:29 Uhr:
- "der Eulenspiegel schrieb heute, 19:54 Uhr:" Lustiger Witz.
- der Eulenspiegel schrieb am 22.08.2012, 19:54 Uhr:
- Ich hab mir alle Postings noch mal durchgelesen und bin schlußendlich auch zu der Überzeugung gekommen, daß der Ankauf ein verabscheuungswürdiges Vergehen war, egal, was andere unter Verwendung meines Nicks posten.
- der Eulenspiegel schrieb am 22.08.2012, 17:30 Uhr:
- CIVIS Ein Grundpfeiler unserer Rechtsordnung ist die Unschuldsvermutung. Somit muß hier kein Gericht feststellen das es sich da nicht um Hehlerei handelt. Es ist vielmehr so das es so ist: Es ist solange keine Hehlerei ist bis ein Gericht das gegenteil bewiesen hat. Bis jetzt ist kein Gericht zu der Erkenntnis gekommen das es sich da um Hehlerei handelt. Aber ich habe sie der bewussten Falschaussage überführt. Sie verdrehen die Wahrheit solange bis sie in ihrem ideologischen Weltbild passen.
- @sozenhasser schrieb am 22.08.2012, 17:12 Uhr:
- Das trifft es. Es scheint hier ohnehin ein Tummelbecken für einige angefressene Charaktere ohne soziale Bindungen zu geben, die wenigstens einmal im Leben recht haben wollen. Wenn schon sonst nicht im Leben. dann eben hier. Denen ist dann auch jedes Thema gleich willkommen, um immer wieder gebetsmühlenartig den gleichen Käse zu posten, der schon hundert Beiträge vorher von anderen wieder und wíeder widerlegt wurde. Ich mache mir mittlerweile einen Spaß daraus, solche Geister zu foppen. Aber eigentlich können sie einem nur leid tun.
- CIVIS schrieb am 22.08.2012, 16:57 Uhr:
- ZU "sozenhasser schrieb heute, 16:50 Uhr:" Danke, Sie haben Recht, ich habe das ja schon selbst erkannt, es hat keinen Sinn hier. Es juckt beim Lesen halt in den Fingern ;) Man muß die Seite für sich zum Selbstschutz sperren.
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