Lückenschluss an Autobahn verzögert sich: Ostwestfalen fordern Weiterbau der A33
Die Bürgermeister von vier kleinen Städten sind sauer. Sie rufen die Bürger zum Widerstand gegen die Bundesregierung auf und organisieren eine Demonstration. Sie wollen, dass die Autobahn 33 endlich weitergebaut wird.
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Der beschauliche Ortskern von Halle in Westfalen (Fotostrecke 1)
"Ich finde das sehr ärgerlich. Das Thema 'Lückenschluss A33' gibt es seit Jahrzehnten und ich habe den Eindruck, man hat nicht damit gerechnet, dass man jetzt so schnell zur Baureife kommt", sagt die Bürgermeisterin der kleinen Stadt Halle in Ostwestfalen-Lippe, Anne Rodenbrock-Wesselmann. Die A33 soll später einmal Osnabrück und Bielefeld verbinden. Bisher endet die Autobahn vom Norden her direkt an der niedersächsischen Grenze in Borgholzhausen. Der Abschnitt zwischen Bielefeld und Steinhagen ist zurzeit im Bau. Offen bleibt damit nur noch das zwölf Kilometer lange Teilstück über Versmold und Halle. Und die Haller Bürger leiden ganz besonders unter der Lücke. Die fast 20.000 Fahrzeuge täglich müssen mitten durch den Ort, eine Umleitung gibt es nicht.
Anne Rodenbrock-Wesselmann spricht für die Städte Halle, Versmold, Steinhagen und Borgholzhausen. Die Bürgermeister wollen am 9. Januar ein Aktionsbündnis A33 gründen und bereits am 13. Januar demonstrieren. Ihr Ärger soll vor allem in Berlin spürbar werden, und wer sich die Situation vor Ort anschaut, weiß, warum die Lokalpolitiker so sauer sind.
70.000 Lkw im Monat, zwei Außenspiegel pro Woche

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Familie Ottensmeier ist frustriert
Denn Halle ist eigentlich ein kleines beschauliches Städtchen mit Fachwerkhäusern in der Innenstadt, gepflasterten kleinen Straßen und einer Kirche im Ortskern. Halle ist aber auch eine Bundesstraße, an der es stinkt und laut ist. Leere Anhänger scheppern über den Asphalt, mehrere Ampeln zwingen die Lastwagen, abzubremsen und wieder anzufahren. "Wir zählen bis zu 70.000 Lkw im Monat", sagt Fritz Ottensmeier, der direkt an der Bundesstraße 68 in Halle aufgewachsen ist. Die Lastwagen machen nicht nur Lärm, sondern sind auch eine Gefahr. "Hier liegen mindestens zwei Außenspiegel pro Woche auf der Straße", sagt sein Sohn Christian Ottensmeier. Christian Ottensmeier führt das Hausgeräte- und Elektrogeschäft, das an der Durchgangsstraße liegt, bereits in der fünften Generation. Vor seinem Haus ist die Bundesstraße so eng, dass zwei Lastwagen keinen Platz nebeneinander haben. Wenn es mal wieder gekracht hat, bekommen die Ottensmeiers das sofort mit – dann ist es nämlich mal ruhig in Halle, weil sich der Verkehr staut.
Fast 50 Jahre Planung
Die Planung für die Autobahn ist schon fast 50 Jahre alt, erinnert sich Fritz Ottensmeier. Lange haben die Ottensmeiers an der B68 gewohnt. Ganz früher, in seiner Kindheit, hat Fritz Ottensmeier sogar noch auf der Bundesstraße mit Freunden gespielt. Später, in den 60er Jahren, als sein Sohn geboren wurde, war der Verkehr schon sehr stark. Die Planungen für die Autobahn wurden gemacht, sie soll die Stadt entlasten. Jetzt, fast fünfzig Jahre später, glaubt der Rentner nicht mehr dran. Er ist frustriert und resigniert.
Trugschluss: Erst Baureife, dann Baubeginn
Dabei sah es gerade noch so aus, als könne endlich das letzte, rund zwölf Kilometer lange Teilstück gebaut werden. Erst seit kurzem gibt es Baurecht. Und alle Beteiligten vor Ort sind davon ausgegangen, wenn erst einmal Baurecht da ist, wird auch gebaut. So ist es auch jetzt noch auf der Seite der Straßenbauverwaltung zu lesen. Und so war es auch, so lange mehr Geld da war, als Straßen gebaut werden konnten. Doch das hat sich in den vergangenen Jahren geändert: Während sich die Bewohner in den Anrainer-Städten noch über die Lösung freuten, zerstörte die Nachfrage eines SPD-Bundestagsabgeordneten nach dem weiteren Verfahren die Hoffnung. Die Bundesregierung hat kein Geld, um alle Straßen sofort zu bauen. Und was in welcher Reihenfolge in NRW gebaut wird, bestimmt nicht der Bund, sondern das Land.
Rund eine Milliarde Euro Investitionsstau in NRW
"Das Land NRW hat zurzeit die Situation, dass für über eine Milliarde Euro Projekte unter dem Bagger sind, das Land hat aber dafür nur rund 180 bis 200 Millionen Euro zur Verfügung", erklärt der CDU-Bundestagsabgeordnete Ralph Brinkhaus. Der Politiker aus der Region will auch einen schnellen Baubeginn, dämpft aber die Erwartungen. Denn die A33 in Ostwestfalen konkurriert zum Beispiel mit dem Ausbau der A1 bei Wuppertal, der A3 bei Köln oder der A44 bei Bochum. Außerdem wird seit einigen Jahren mehr Geld in die Erhaltung der Straßen gesteckt. So könnte zum Beispiel die Sanierung einiger Brücken auf der A45 den Lückenschluss zwischen Halle und Borgholzhausen ebenfalls verzögern.
Zusätzliches Geld gefordert

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Bürgermeisterin Anne Rodenbrock-Wesselmann will den Lückenschluss
Das wollen die ostwestfälischen Bürgermeister nicht hinnehmen. "Wir wollen keine Konkurrenz zu anderen Regionen, sondern es muss mehr Geld in den Topf, damit diese Lücke geschlossen wird", so Halles Bürgermeisterin Anne Rodenbrock-Wesselmann. Chancen dafür sieht der heimische CDU-Bundestagsabgeordnete Ralph Brinkhaus nicht, schließlich müsste dafür der Bundeshaushalt geändert werden. Trotzdem hält er den ersten Spatenstich im Jahr 2013 noch für möglich, wenn sich alle Politiker in Ostwestfalen einig sind. Einigkeit können die Politiker bei den kommenden Demonstrationen zeigen. Was noch fehlt, ist der Wille des Landes NRW, die Autobahn schnell zu bauen und dafür bei anderen Projekten auf die Bremse zu treten.
Stand: 22.12.2011, 10.50 Uhr
Kommentare zum Thema (17)
letzter Kommentar: 24.12.2011, 17:24 Uhr
- der Eulenspiegel schrieb am 24.12.2011, 17:24 Uhr:
- Die Bürgermeister sollten hier nicht so rummspinnen sondern sich mal für Umgehungsstraßen einsetzen. Das wäre sinnvoller.
- Günter schrieb am 23.12.2011, 21:44 Uhr:
- Also ich habe mir doch tatsächlich meinen Autoatlas heraus geholt und noch mal geschaut. Ich habe massive Zweifel daran das die A33 die Lösung aller Probleme ist. Meine erste Frage ist daher: Wieso gibt es da eigentlich noch keine Umgehungsstraßen? Eine Autobahn kann zwar eine gewisse Endlastung beim Durchgangsverkehr bringen mehr aber auch nicht. Eine konsequente Trennung von innerstädtischen Verkehr und Durchgangsverkehr würde aber nur eine Umgehungsstraße bringen. Ich finde unabhängig von der A33 brauchen diese Orte auf jeden Fall eine Umgehungsstraße.
- Steuerzahler schrieb am 23.12.2011, 17:44 Uhr:
- Das sind keine Ökos die seit Jahrzehenten diese Straße verhindern. Das sind Ökofaschisten deren erklärtes Ziel die Zerschlagung der bürgerlichen Gesellschaft ist. Als wichtigstes bürgerliches Stautssymbol meinen die Ökofaschisten schon vor 30 Jahren das Auto entdeckt zu haben. Ich würde einen Generalstreik aller Speditionen befürtworten. Nach drei Tagen bricht die Versorgung zusammen. Dann können die Grüne und Co gerne mit einem Fahrradanhänger die Lebensmittel von den verarbeitenden Betrieben zum Supermarkt karren.
- Fahrraddemos schrieb am 23.12.2011, 12:17 Uhr:
- So oft wir möglich mit mindestens 10 Fahrrädern nebeneinander und hintereinander durch den Ortskern langsam radeln und schon staut sich der Verkehr und es werden alle auf die Situation aufmerksam.
- Wer suchet der findet, nicht nur Löcher im Haushalt schrieb am 23.12.2011, 11:16 Uhr:
- Sauer schrieb am 22.12.2011, 12:14 Uhr:"LKW verursachen ja offensichtlich 90% aller Verkehrsprobleme: kaputte Straßen und Brücken, Lärm, Abgase und Engpässe. Wo ist denn das Geld von der LKW-Maut ???? " Z.B werden sie in Weihnachtsgeldverdopplung der Bundesbeamte gesteckt, die dieses Jahr dank "üppiger Haushaltslage" beschlossen wurde
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